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Bin ausgezogen aus Wohnung mit alkoholkrankem Elternteil

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
kingslayer
neuer Teilnehmer
Beiträge: 4
Registriert: 10.04.2018, 20:50

Bin ausgezogen aus Wohnung mit alkoholkrankem Elternteil

Beitrag von kingslayer » 10.04.2018, 22:35

Hallo und Danke für die Aufnahme im Forum.

Ich bin co-abhängig, ein 25-jähriger Sohn einer alkoholkranken Mutter. Ich bin seit ca drei Tagen von daheim erfolgreich ausgezogen und habe mich endlich gelöst und viel mehr Frieden. Es ist schwierig, so viel Geschehenes in wenig Zeilen zu packen, aber mir geht es nun viel besser.

Doch wo einige Probleme aufhören, fangen andere an. Meine dringlichste Frage ist folgende: Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Mutter ihr Leben nicht auf die Reihe kriegt alleine. Bisher habe ich alle Rechnungen aufgegeben und mich um die Finanzen gekümmert. Das kann meine Mutter auch einigermaßen (!), selbst wenn sie betrunken ist kümmert sie sich in Maßen um die Dinge.

Allerdings nicht konstant. So wird es dazu kommen - wie auch schon in der Vergangenheit, als sie alles selber machte - dass sie hier und da eine Rechnung nicht bezahlt und schon sammelt es sich. Momentan ist sie (wieder) berufstätig, ich glaube aber nicht, dass sie länger als ein paar Monate dort sein wird.

Im Endeffekt wird es wohl oder übel so enden, dass sie keine Rechnungen bezahlt und immer mehr in Schulden versinkt. Irgendwann wird sie dann die Wohnung verlieren. Schuld ist im Übrigen immer ihr geschiedener Ex-Mann, ihre Tanten oder auch ich, der sie ja in der "Bruchbude" zurückließ (ihre Wohnung ist schöner als meine).

Wie kann ich am besten mit dieser Situation umgehen bzw. soll ich mir hier überhaupt noch Gedanken machen? Ich habe überlegt, nebenbei Geld zu sparen. Ich bin kein Millionär, verdiene aber okay, sodass ich jedes Monat ein wenig zur Seite legen kann für den Notfall, um sie zu unterstützen.

Diese Unterstützung würde ich ihr aber auch nicht anbieten bzw. nichts davon sagen. Nur im äußersten Notfall also wenn sie kurz vor der Zwangsräumung stehen würde (sofern sie die Miete nicht bezahlt) ich dann in Erwägung ziehen, ihr zu helfen.

Lange Rede kurzer Sinn, ich bin zwar ausgezogen und in gewissermaßen nun frei, gleichzeitig aber gedanklich noch bei ihr und materiell mache ich mir auch Sorgen.

Habt ihr Tipps oder Erfahrungen für mich?

Danke

Hans im Glück

Beitrag von Hans im Glück » 11.04.2018, 14:07

Hallo Kingslayer,

ich begrüße dich herzlich hier im Forum und wünsche dir einen hilfreichen Austausch.

Meine Erfahrung: Ich habe meine alkoholkranke Mutter in die Verwahrlosung 'begleitet', habe ihr auch Schnaps besorgt und konnte irgendwann den Absprung finden und habe einige hundert km zwischen sie und mich gelegt.
Es hat aber Jahre gedauert, bis ich mit ihr (und mir) Frieden geschlossen habe, da war sie schon lange tot.

Ich konnte ihr Leben nicht ändern, ich habe mir in einer Art Überheblichkeit gedacht: ich würde ihr helfen können. Das war ein Trugschluß,
Natürlich stand mir dabei mein eigener Alkoholismus im Weg.

Vielleicht solltest du erst einmal abwarten und dein eigenes Leben in der neuen Umgebung einrichten und genießen.
Du bist nicht für deine Mutter verantwortlich.
Lass die Zeit erstmal deine eigenen Wunden heilen und versuche mit dir Frieden zu schließen. Dann wirst du besser entscheiden können, wie dein weiteres Verhältnis zu deiner Mutter aussehen kann.

Liebe Grüße
Hans

kingslayer
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Beitrag von kingslayer » 11.04.2018, 14:24

Hans im Glück hat geschrieben:Hallo Kingslayer,

ich begrüße dich herzlich hier im Forum und wünsche dir einen hilfreichen Austausch.

Meine Erfahrung: Ich habe meine alkoholkranke Mutter in die Verwahrlosung 'begleitet', habe ihr auch Schnaps besorgt und konnte irgendwann den Absprung finden und habe einige hundert km zwischen sie und mich gelegt.
Es hat aber Jahre gedauert, bis ich mit ihr (und mir) Frieden geschlossen habe, da war sie schon lange tot.

Ich konnte ihr Leben nicht ändern, ich habe mir in einer Art Überheblichkeit gedacht: ich würde ihr helfen können. Das war ein Trugschluß,
Natürlich stand mir dabei mein eigener Alkoholismus im Weg.

Vielleicht solltest du erst einmal abwarten und dein eigenes Leben in der neuen Umgebung einrichten und genießen.
Du bist nicht für deine Mutter verantwortlich.
Lass die Zeit erstmal deine eigenen Wunden heilen und versuche mit dir Frieden zu schließen. Dann wirst du besser entscheiden können, wie dein weiteres Verhältnis zu deiner Mutter aussehen kann.

Liebe Grüße
Hans
Danke für deine rasche Antwort.

Auch ich habe ihr Alkohol besorgt bzw. mitgenommen wenn ich unterwegs war, so hatte ich Frieden und sie hat sich wegen was anderem aufgeregt, richtete aber ihren Zorn nicht gegen mich.

Wenn sie anruft oder SMS schreibt (und es natürlich offensichtliche irre Nachrichten aufgrund des Alkohols sind, nicht normale oder wichtige Nachrichten), sollte ich sie dann ignorieren oder zurückschreiben "Lass mich in Ruhe" oder wie kann man hier am besten sanft aber bestimmt vorgehen?

Danke

Hans im Glück

Beitrag von Hans im Glück » 11.04.2018, 14:56

Ich finde es ganz schwierig, dir einen Rat geben zu wollen.

Es ist dein Weg, den du finden solltest.

Vielleicht soviel: Mache deiner Mutter klar, dass du nur mit ihr sprechen/kommunizieren möchtest, wenn sie nicht betrunken ist.
Dass du eindeutig für sie da bist, wenn sie nüchtern ist.
Dass es an ihr ist, sich Hilfe zu holen. Und zwar professionelle Hilfe.
Davon gibt es jede Menge.

Auch du kannst dir Hilfe im Umgang mit deiner Mutter holen, Verbündete sozusagen.
Hausarzt, Freunde, Verwandte. Ich kenne deine Situation ja nicht.

Wir hängen als Söhne in einer sehr speziellen Beziehung zu unsrer Mutter, die es möglw. schwierig macht, klare Worte zu finden.
Aber es hilft nur das klare Wort.
Du hast den Absprung gefunden, das ist für dich eine große Leistung.
Darauf darfst du erstmal stolz sein.

LG
Hans

Tabea75
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Beitrag von Tabea75 » 14.04.2018, 11:02

Hallo Kingslayer,

ich kann Deine Gedanken und Nöte gut verstehen. Bei mir ist es der Vater, der trinkt.

Ich würde Deiner Mutter, wenn Du mit ihr telefoniert und das Gefühl hast, dass sie nüchtern ist, klar sagen, dass sie Dich nur im nüchternen Zustand kontaktieren soll, und dass Du die wirren SMS künftig ignorierst bzw. das Telefon auflegt, wenn Sie betrunken anruft. Wichtig ist, das dann auch durchzuziehen.

An sonsten kann ich aus eigener Erfahrung schreiben, dass man wirklich vieles klarer sieht, wenn man ein wenig Zeit ins Land gehen lässt. Etwas Geld zurück zu legen kann sicher nicht schaden. Wofür Du es dann später letztlich verwendest, wird auch die Zeit zeigen, ggf. für Dich für einen schönen Urlaub.

Viele Grüße, Tabea

kingslayer
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Registriert: 10.04.2018, 20:50

Beitrag von kingslayer » 22.04.2018, 14:48

Möchte von meiner ersten Woche alleine berichten:

Grundsätzlich habe ich viel mehr Freiheit und Frieden im Kopf, was auch der Ziel des ganzen war. Keine Angst mehr nach Hause zu kommen und sich ihren Launen aussetzen zu müssen, ich kann einfach heim und tun was ich will, abzuschalten und kein Geschrei mehr hören zu müssen.

Die ersten paar Tage war Ruhe. Danach kamen immer wieder widersprüchliche SMS (eh klar), dass sie mich so vermissen würde und alleine stirbt, zwei Stunden später ich solle sie nie wieder im Leben kontaktieren usw.

Alles in allem glaube ich ernsthaft (!) dass sie (so wie meine Tante übrigens) irgendwann im Schlaf erstickt an Erbrochenem und in den nächsten 3-4 Monaten nicht mehr auf der Welt sein wird. Ich weiß aber mittlerweile, dass ich hier nicht viel helfen kann, da sie keine Hilfe will.

Hans im Glück

Beitrag von Hans im Glück » 23.04.2018, 10:40

Hallo Kingslayer,

das macht natürlich traurig, wenn man sich so hilflos fühlt.
Aber es ist halt so: eine Krankheit wie der Alkoholismus bedarf eben auch einer fachlich kompetenten Hilfe, und kann nicht von Angehörigen geleistet werden.
Und schon gar nicht gegen den Widerstand der Betroffenen.

Ich wünsche dir eine schöne Woche, schau auf dich und dein Leben.

Hans

kingslayer
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Beitrag von kingslayer » 23.04.2018, 19:52

Danke Hans. Es ist nur traurig, da ich sie dann doch immer wieder nüchtern erlebe (weil sie eben kein Geld für Alk hat oder warum auch immer) und dann den Menschen sehe, der sie eigentlich ist..

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