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Vertrauen und Mut / Thalia

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum.
Ein neues Thema bitte erst ab ein Jahr Trockenheit eröffnen.
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Carl Friedrich
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Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Carl Friedrich » 07.08.2018, 22:27

Danke Thalia, dass Du so lange und so mitfühlend dabei warst. Ich werde dich vermissen.

Pass auf dich auf.

Es grüßt
Carl Friedrich, der klammheimlich hofft, dass Du vielleicht nach einer gewissen Auszeit zurückkehrst.

Thalia1913
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Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Thalia1913 » 08.08.2018, 19:41

Liebe PB,
Ich wünsche mir sehr, dass wir uns nicht ganz verlieren.
Das wünsche ich mir auch.

———
Ich lass nur (weiter) los; das heißt nicht automatisch, dass ich weg bin, nur, dass ich mehr bei mir bin.

Danke für so herzliche Rückmeldungen, mit denen ich gar nicht gerechnet hatte.

Gruß
Thalia

Pellebär
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Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Pellebär » 09.08.2018, 06:33

:)

Aurora
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Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Aurora » 09.08.2018, 10:29

Liebe Thalia,

das ist eine sehr gute Nachricht!

Hörst du noch immer so gerne Musik? Da passt "Summertime" aus der Oper "Porgy and Bess"...

Liebe Grüße
Aurora

Thalia1913
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Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Thalia1913 » 26.10.2018, 11:58

Ab und zu finde ich im Netz eine Reportage über meine Krankheit, Alkoholismus, und manchmal stelle ich sie hier auch ein. Ich bin jetzt ein paar Jahre trocken und lerne immer noch mehr über meine Suchterkrankung.

Manchmal ist es auch schmerzhaft. Manches kann ich mir auch nicht ansehen, zu schmerzhaft ist es. Gerade wenn es darum geht, wie Kinder unter der Sucht ihrer Eltern leiden. Das hätte mein Kind sein können. In einigen Szenen ist es mein Kind. War ich diese Mutter. Das ist auch weiterhin für mich sehr schwer auszuhalten. Aber macht mich auch wieder einmal sehr dankbar, dass ich aufhören konnte, dankbar und auch demütig, (das schwierige Wort), demütig, weil ich mir nicht sicher bin, warum oder wie ich es vor ungefähr fünf Jahren geschafft habe, mit dem Trinken aufzuhören und mein Leben zu ändern. Ich sehe es als eine Mischung aus eigenen Entscheidungen, die ich getroffen habe, aber auch ein Stück ... weiß nicht ... Glück? ... etwas, das die Veränderung ermöglichte, stabilisierte, zusätzlich zu meiner bewussten Handlung. Schwer in Worte zu fassen. Jedenfalls entsteht daraus dieses besondere Gefühl der Dankbarkeit.

Warum ich aber eigentlich heute schreibe: Gestern sah ich eine Reportage aus 2017, glaube ich, vom NDR, in der ein älterer, alleinstehender Alkoholiker bei seiner Entgiftung und anschließenden Entwöhnungstherapie begleitet wurde. Es kamen auch weitere ältere alkoholkranke Menschen zu Wort. Bei allen spielte Einsamkeit eine Rolle. Als „Grund“, zu trinken, aber auch generell als Auslöser von Traurigkeit bis zur Depression.
Das bestätigte meine Wahrnehmung, dass ich auch deshalb trocken und zufrieden leben kann jetzt, weil ich nicht einsam bin. Weil ich in den vergangenen knapp fünf Jahren Verbindung hergestellt habe zu anderen Menschen, Alkoholikern und nicht-Alkoholikern, zum Beispiel über dieses Forum, auch über meine Selbsthilfegruppe, und einfach, indem ich mich mehr und mehr getraut habe, Menschen an mich heranzulassen. Mich zu zeigen. Und (ganz wichtig,) auch versuche, andere Menschen wirklich zu sehen, in ihrem Sein, das anders ist als meins. Und doch manchmal gleich tickt (und wie beglückend ist das!).

Ich brauche sehr viel Zeit für mich allein, so bin ich einfach. Ich brauche das, um immer wieder den Kontakt auch zu mir selbst herzustellen.
Aber ich fühle mich jetzt seit Jahren schon nicht mehr einsam. In Kontakt sein mit mir und anderen. So einfach. Und offenbar doch nicht, denn ich konnte es so lange nicht. Aus Angst.

Viele Grüße an dieser Stelle auch an Hans im Glück, der seinen fünften Trockengeburtstag sicherlich bereits hinter sich hat.

Thalia

Correns
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Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Correns » 27.10.2018, 08:59

Hallo Thalia,

vielen Dank für diesen sehr wertvollen Beitrag.
Schon seit Jahren verweist Du immer wieder auf Funde, die Du machen konntest.

Einsamkeit habe ich erlebt, obwohl ich mit meiner Familie im gleichen Haus lebe.
Ich konnte oft einfach nicht die Brücke schlagen und habe mich isoliert.
Das war vor meiner Trockenheit so. Und das war auch danach nur unmerklich besser.
Jedoch habe ich mir dann professionelle Hilfe in Form einer Therapie geholt.
Seitdem ist es besser. Aber immer wieder sind die depressiven Phasen einfach da.
Schritt für Schritt habe ich den Draht zu Frau und Kindern wieder gefunden.
Trocken werden allein hätte bei mir nicht geholfen.
Das trocken werden hat vielleicht das Eine oder Andere etwas erleichtert.

Viele Grüße
Correns

Thalia1913
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Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Thalia1913 » 28.10.2018, 14:16

Lieber Correns,

du schreibst
Das trocken werden hat vielleicht das Eine oder Andere etwas erleichtert.
Für mich würd ich sagen, es hat das ein oder andere erst ermöglicht. Auch z. B. eine Psychotherapie, die auch bei mir geholfen hat / hilft, Tiefsitzendes zu erkennen.

Ich hörte kürzlich einen Satz, in etwa so: des Unbewusste zu verstehen ermöglicht erst, das Bewusste nachhaltig zu verändern. Für mich gilt das so.

Dir einen gemütlichen Sonntag!

Thalia

Correns
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Re: Vertrauen und Mut / Thalia

Beitrag von Correns » 30.10.2018, 17:51

Liebe Thalia,

obwohl ich schon längere Zeit an der Psychotherapie teilnehme,
habe ich noch viele, viele Lernfelder.
Manches verstehe ich immer besser.
Aber manchmal werden auch tief vergrabene Unschönheiten ausgegraben.
Dann fühle ich mich öfters mal ziemlich zurückgeworfen.
Wäre ich nicht trocken geworden, hätte ich vielleicht die Therapie nicht gewählt.
Also hat wohl das trocken werden auch bei mir einiges ermöglicht.

Viele Grüße
Correns

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