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"Gier" bei alltäglichen Handlungen

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Cadda
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Re: "Gier" bei alltäglichen Handlungen

Beitrag von Cadda » 15.09.2018, 18:11

Auf die Sache an SICH natürlich :-)

Automatische Worterkennung macht die Welt (Texte) auch oftmals bunter....

Hull

Re: "Gier" bei alltäglichen Handlungen

Beitrag von Hull » 15.09.2018, 18:33

garcia hat geschrieben:
15.09.2018, 15:48
Die "Gier bei alltäglichen Handlungen" ist etwas, was mich immer ausgemacht hat - schon vor dem Trinken, als Kind, während der Saufzeit und da nicht nur aufs Trinken beschränkt, auch heute.

Andre Leute lesen auch gern. Ich lese selten unter 150 Seiten am Tag. André Leute gucken auch gern Filme. Ich vier am Stück. André Leute sind im Beruf auch engagiert. Ich muß sehr aufpassen da nicht mehr zu tun als mir auf Dauer guttut (in sozialen Jobs eine besondere Gefahr). Jeder verliebt sich mal. Bei mir würde das aber immer zu einer Besessenheit - das hab ich aber heute im Griff, sonst würde ich noch trinken.

Maß und Mitte. Schöne Sache, aber mir nicht eingeboren. Und das habe ich von sehr vielen Menschen die tranken gehört, in den beiden Entgiftungen, in SHG, in der LZT damals. Es scheint zur Suchtpersönlichkeit dazugehören.

Die Frage, ob dieser Gang zum Extremen nur schlecht und schädlich ist oder ob das auch fruchtbar gemacht werden kann (im Sinne von: wir sind alle nur einmal und kurz da, und solange es sich nicht gegen uns selbst richtet sondern die Welt bunter macht isses auch OK), diese Frage beschäftigt mich nach wie vor.

LG :-)
Hallo Garcia,

a) Welche Bücher bzw. Themenfelder sind es bei dir?
b) Wie lange hältst du die 150 Seiten pro Tag bereits bei?
c) Ist es zwanghaft?

Ich hatte mit den Büchern Phasen, in denen ich ein Buch unter 1.000 Seiten gar nicht erst begann, da es die Sache sonst nicht ausführlich beleuchten konnte (was gewissermaßen auch der Fall ist). In den Hochphasen gab es Wochen, in denen ich über 600 Seiten, also 10 - 16 Stunden gelesen habe; dann gab es Wochen, in denen ich keine einzige Seite lesen konnte, selbst wenn man mich gezwungen hätte.

Zurzeit lese ich vielleicht 10 - 50 Seiten pro Tag, da mich kein Thema wirklich einnimmt. Fast wie ein Tier, das durch die Wüste streift und dann nach Wochen die herbeigewünschte Oase an einem Tag leersäuft.

Grüße

garcia
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Re: "Gier" bei alltäglichen Handlungen

Beitrag von garcia » 19.09.2018, 22:02

Hallo Hull,

zu a) : es handelt sich zu über 90% um Literatur, also wenig Sachbücher. Dabei geht die Spanne von Klassikern ( dieses Jahr viel Balzac) über klassische Moderne (Themen Mann, Kafka, Hesse) zu modernen Sachen. Ich lese aber auch sog. " Unterhaltungsliteratur", dies mit Schwerpunkt SF und Horror :-) In diesem Jahr war auch Lyrik dabei, nachdem ich Marion Poschmanns "Kieferninseln" entdeckte (weil sie auf der Buchpreis shortlist auftauchte und ich wegen des Japanbezugs zugriff hab ich auch ihre Gedichte entdeckt), sehr prägend ist seit letztem Jahr David Foster Wallace (ich kenne nichts Eindrücklicheres über Sucht im Allgemeinen und die Aa im Besonderen als die entsprechenden Passagen aus dem "Unendlichen Spaß).

b) das mit den 150 Seiten ist eher ein Schnitt. Wenn ich Komplexes lese (DFW, Mann) sind es zumindest an Arbeitstagen weniger. Wenn ein neuer 800 Seiten Stephen King erscheint brauch ich 2 Tage. Ich lese so drei, vier Stunden am Tag. Es ist die Art wie ich meine Abende gestalte.

c) zwanghaft... Es ist ein tiefes Bedürfnis seit ich klein bin dem ich mit Unterbrechungen immer treu geblieben bin, im Alter jetzt wieder mehr. Meine drei, vier Stunden sind die Zeit, die deutsche Erwachsene im Schnitt vor dem Fernseher verbringen. Wenn es zwanghaft ist mag es zwanghaft sein. Stört mich nicht... Und es bereichert sehr.


LG Frank

sorra
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Re: "Gier" bei alltäglichen Handlungen

Beitrag von sorra » 07.10.2018, 02:50

Hallo,

ich denke Gier oder Maßlosigkeit ist sehr häufig in der heutigen Zeit vorhanden, nicht nur bei Suchtkranken. Es wird nur nicht immer als etwas Schlechtes angesehen ( es wird dann gern positiv Leidenschaft genannt, was witzig ist, da das Wort selbst nicht auf einen positiven Ursprung vermuten lässt).

Ich habe das bei vielen Dingen, oft aber nur über eine kurze Zeitspanne. Wie ein Buch, dass ich in den nächsten Stunden durchlesen muss, oder ein Thema, das mich für mehrere Tage intensiv beschäftigt (und wenn ich voll bin, mich nicht mehr damit befasse). Es sind kleine Obssessionen.
Der Mensch will an sich immer mehr. Er hat nie genug und stets einen Zwang zur Wiederholung und Routine. Ich denke, dass ist in seinem Wesen inne.

Ich denke viel davon ist Eskapismus. Man will flüchten, verdrängen, sich verlieren. Die Zeit vergessen.
Man will das Loch/die Langeweile/Leere in sich stopfen mit Drogen, S e x oder Essen.
Sport, Essen, S e x, und Drogen geben dir schnelle Glückseligkeit, einen Dopamin-Shot quasi, man will wieder die gleiche Reaktion, man wiederholt es, es wird zum Zwang.

Des weiteren muss man auch gelernt haben, maßvoll zu sein, damit wird man nicht geboren. Es ist umso notwendiger in der heutigen Zeit und der westlichen Welt, wo ständige Verfügbarkeit von fast allem herrscht.
Viele Leute haben einen maßvollen Umgang schlichtweg nie gelernt und möchten alles verschlingen.
Das sieht man gut am Beispiel des Internets, den sozialen Medien und vorallem den Smartphones. Viele Menschen sind süchtig und verschwinden regelrecht darin, weil sie einen regulierten Umgang nicht gelernt haben. Das Medium ist zu neu, die Menschheit kommt mit der neuartigen Entwicklung der Technik nicht mehr mit und konnte sich noch nicht einen adequaten Umgang aneignen.

Ich denke zum Beispiel auch internetsüchtig zu sein oder auf dem Weg dorthin zu sein. Mit der ständigen Verfügbarkeit an Informationen komme ich kaum klar. Deshalb verfalle ich dann auch in tagelangem Recherchieren über eigentlich nichtige Informationen beliebiger Themen. Ich will wie ein Schwamm alles in mich aufnehmen und verschlingen und es ist nie genug. Die pure Gier.

Meine Mutter hat zum Beispiel auch diese Art, Essen runter zu schlingen. ZB trinkt sie ein Glas Wasser nicht wie ein normaler Mensch, sie trinkt das ganze Glas in einem Zug aus, atmet tief aus und knallt das Glas auf den Tisch. Als wäre sie vor dem Verdursten. Ich muss sagen, das mich dieses Verhalten immer etwas angewidert hat, weil ich es als gierig und maßlos und auch unkultiviert empfunden habe.
Mein Partner hingegen, meint ich schlinge mein Essen auch hinunter. Er isst sehr gemächlich und bedacht. Aber bei mir liegt es daran, dass ich nicht genießen kann und ungeduldig bin. Essen hat für mich auch meistens keine große Priorität, ich möchte einfach nicht mehr hungrig sein und das ganze so schnell es geht beenden, damit ich mich wichtigeren Dingen widmen kann (wie zB meine Internetrecherche über triviale Themen).

Alles Liebe,
sorra

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