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religiöse Ansichten und Erziehung

Jede Woche mindestens ein neues Thema zu Themen der Co-Abhängigkeit, für Angehörige und Kindern von alkoholkranken Eltern

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Karsten
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religiöse Ansichten und Erziehung

Beitrag von Karsten » 12.05.2019, 08:27

Hallo,

dieses neue Wochenthema wurde von ideja vorgeschlagen.
ideja hat geschrieben:
23.04.2019, 01:14


Religion und co-abhängigkeit? wie weit religiöse Ansichten und Erziehung Einfluss darauf haben

wäre das ein Thema?

lG ideja
Gruß
Karsten

ideja
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Re: religiöse Ansichten und Erziehung

Beitrag von ideja » 13.05.2019, 10:08

Hallo,

Danke Karsten dass du die Thema geöffnet hast!

In der letzten Zeit von vielen Überlegungen, Nachdenkens und Ursachen Suchens, hat sich mir im Kopf, eine, wenn auch nicht so klare oder causale, aber irgendwie doch Feste Beziehung, zwischen Religiosität und CO- Abhängigkeit gezeigt.

Ich wollte einfach schauen, ob noch jemand ähnliche Überlegungen hatte.

Als Kind eines Atheisten und einer sehr Religiösen ( Fragt nicht wie es funktioniert hat :D in meinem Augen war es eine Traum Liebe), bin ich eher "Liberal religiös" aufgewachsen, mitten in einer sehr religiösen Großfamilie. In den letzten Monaten habe ich versucht vermehrt etwas für mich zu machen, habe nach Hilfe gesucht, und dem Platz wo ich ohne schlechten Gewissens, weg von zuhause sein könnte. Und so bin ich in der Kirche gelandet.

Ich wollte einfach eine brave Khatolikin sein :)

Und genau das entpuppte sich als sehr schwer.

Weil, das was ich bisher erfahren könnte, ist wie Anleitung zur CO-Abhängigkeit.

Ehe bis zum Tod.
Jeder muss sein Kreuz tragen.
Ehe und Familie sind heilig.
Nur betten wird mich erlösen.

Ja, ich habe noch immer freien Willen, und kann mich dagegen entscheiden. Aber, dann falle ich als gläubige durch die Prüfung durch.

Es interessiert mich ob irgendjemand von euch solche Überlegungen hat oder hatte, wie haben sie sich auf euere Entscheidungen ausgewirkt?


lG ideja

Sunny1976
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Re: religiöse Ansichten und Erziehung

Beitrag von Sunny1976 » 13.05.2019, 20:24

Hallo,
Ehe bis zum Tod.
Jeder muss sein Kreuz tragen.
Ehe und Familie sind heilig.
Nur betten wird mich erlösen.
Für mich hat das nicht unbedingt etwas mit Religion zu tun, sondern eher mit den Werten, wie man aufgewachsen ist und/oder an was man selbst glaubt.

Bis auf den letzten Satz würde ich auch nicht sagen, das ich das schlecht finde. Es kommt aber doch immer darauf an, was denn schlimmes passiert, das man die Ehe nicht bis zum Tod aushält. Und klar, jeder hat sein Kreuz zu tragen, kommt darauf an, wie schwer es ist. Und ich finde schon, das Ehe und Familie heilig ist. Ich glaube nicht, das diese Sätze darauf ausgelegt sind, das man alles in seinem Leben ertragen muss.

Ich bin definitiv nicht gläubig, bin aber trotzdem ganz tief in die Co-Abhängigkeit gerutscht. Das hatte für mich aber eher mit meinem mangelndem Selbstwertgefühl zu tun, das ich dachte, ich verdiene nichts besseres, das ich der Meinung war, man muss in einer Beziehung kämpfen für den Anderen... und dieses unbändige Gefühl, ich muss / kann ihn retten :roll:
Ja, ich habe noch immer freien Willen, und kann mich dagegen entscheiden. Aber, dann falle ich als gläubige durch die Prüfung durch.
O.k., da ich nicht besonders gläubig bin, kann ich jetzt nicht nachvollziehen, was das für Dich bedeutet. Das muss wohl jeder mit sich selbst ausmachen. Aber man hat nur ein Leben, wäre es denn nicht schöner, dieses glücklich zu verbringen?

Ich glaube, das die Gründe, warum man in die Co-Abhängkeit rutscht so vielfältig sind, wie bei den Alkoholikern. Ist es am Ende nicht egal, woher oder warum das passiert ist, sondern das man sich daraus befreien konnte? Das man daraus gelernt hat, sich stärkt, damit so etwas nicht wieder passiert?

Alles Liebe
Sunny

viola
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Re: religiöse Ansichten und Erziehung

Beitrag von viola » 14.05.2019, 07:01

Hallo ideja,

für mich verwechselst du Religion mit Moralvorstellungen. Speziell in der katholischen Kirche wurde lange beides ja auch sehr stark verquickt, von daher verstehe ich schon dein inhaltliches Dilemma.

LG Viola

ideja
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Re: religiöse Ansichten und Erziehung

Beitrag von ideja » 14.05.2019, 10:12

Hallo Sunny, Hallo viola,

danke für euere Beiträge :)

Was es bedeutet für mich?
Einfach etwas wovon ich Ruhe und Trost erwarte wenn mir schlecht geht, macht, dass es mir noch schlechter geht. Sobald ich mich inhaltlich damit beschäftige.
Ich glaube an Gott weil ich in manchen Momenten gerne haben würde dass es einen Gott gibt. in anderem, wiederum, weiß ich, oder glaube zu wissen, dass er nicht existiert.
Wenn ein gläubiger Mensch eine Ehe angeht, dann ist er verpflichtet bis zum Tod für den Ehepartner da zu sein. In Krankheit wie auch in Gesundheit.

Da Alkoholismus eine Krankheit ist, würde es bedeuten ( ich spreche von katholischen Kirche), dass wir verpflichtet sind alles für den Partner zu geben damit er "gesund" wird.
Wir könnten dabei draufgehen :D , aber was soll es, es erwartet uns Seligkeit auf dem Himmel.

Ich bin definitiv (noch) nicht sooo gläubig :)

Aber, wo ist die grenze? Immer fehlt mir ein "die Gummigrenze" von Morgenrot.

Linde66
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Re: religiöse Ansichten und Erziehung

Beitrag von Linde66 » 14.05.2019, 10:40

Hallo ideja,
die Grenze ist für mich hier ziemlich klar formuliert:

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Da steht ja nicht, daß man für den Partner "alles" geben soll, schon gar nicht die eigene Gesundheit, oder?

Viele Grüße, Linde

ideja
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Re: religiöse Ansichten und Erziehung

Beitrag von ideja » 14.05.2019, 10:48

Hallo Linde,

In einer Ehe sind wir Eins, dh, nur zwei Teile eines Ganzen. Wo ist denn da mein Selbst?

liebe Grüße. ideja

Linde66
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Re: religiöse Ansichten und Erziehung

Beitrag von Linde66 » 14.05.2019, 11:15

Ich weiß nicht, ob eine Verschmelzung gut ist, wenn man DU und ICH nicht mehr auseinanderhalten kann.
Ich begreife eine Ehe als Team. Ein Team hat ja seine Stärke daraus, daß die beiden Teile NICHT identisch sind. Sondern 2 Individuen mit jeweils eigenen Lebenserfahrungen, Stärken, Schwächen usw. usw. sich ergänzen können.
Ein Partner ohne ein "Selbst" wäre glaube ich nichts für mich. Ich war mal mit so jemandem zusammen. Das hat sich angefühlt, als wäre neben mir ein Schwarzes Loch. Kennst du so ein Ding aus dem Universum, was jede Energie schluckt, aber selber nicht zu sehen ist?
Ich glaube, daß ein Selbst eine positive Sache ist.
Lieber Gruß, Linde

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