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Ich denke über eine Trennung nach

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Linde66
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Re: Ich denke über eine Trennung nach

Beitrag von Linde66 » 25.06.2019, 22:36

Hallo Milena,
herzlich Willkommen hier bei uns im Angehörigenbereich! Nicht wundern, ich habe den Medikamentennamen entfernt, das machen wir immer.

Hm, du hast da ja eine ganz schreckliche Beziehung. :? Das ist ja ein einziger Krampf auf deine Kosten. Ich würde glaube ich nicht mehr bis zum Herbst warten. Warum auch, er hat ja bewiesen, daß er null Interesse hat, ein trockenes Leben zu leben. Aber ich weiß, daß wenn man in der Situation drinsteckt, es anders aussieht als von außen betrachtet. Gut daß du deinem Instinkt vertraut hast und Nein zum Heiratsantrag gesagt hast. Nee, die peinliche USA-Null-Nummer kann er wohl eher nicht mehr gut machen. :roll:

Wie hast du vorher gelebt? also vor der Beziehung mit ihm? Schon komisch, wie man manchmal in Situationen reingerät. Aber vertrau dir. Wenn du dein Wohlergehen davon abhängig machst, wie er sich entscheidet, dann steht dir vielleicht ein langer Leidensweg bevor.
Es geht ja nicht nur ums Aufhören wollen, sondern um Entgiftung, Lebensumstellung, anderer Freundeskreis, andere Hobbies, Selbthilfegruppe, Nachsorge... Trockenwerden und langfristig Trockenbleiben ist eine Großbaustelle. Und wenn er nicht will, dann will er nicht. Dann kannst nur du selber schauen, wie lange du das Theater noch mitmachst.

Lieber Gruß, Linde

Linde66
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Re: Ich denke über eine Trennung nach

Beitrag von Linde66 » 26.06.2019, 09:13

ich will nicht das SEIN Problem zu meinem wird
Hallo Milena,
das ist genau der Punkt.
ich habe auch zu oft gesagt und gedroht "Ich Gehe "
Wenn so eine Ansage keine Konsequenzen hat, dann merkt ein Alkoholiker mit der Zeit, daß er bei der Partnerin nur paar Knöpfchen drücken muß und die knickt ein.

Bei dir ist es zum Glück umgekehrt, du mußt ja nicht gehen. Es ist deine Wohnung und er kann bei seinen Freunden unterkommen. Und du kannst jetzt schon die Freitagsveranstaltung absagen. Es sind ja DEINE Verwandten. Nimms selber in die Hand, dann gehts dir besser.

Lieber Gruß, Linde

Cadda
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Re: Ich denke über eine Trennung nach

Beitrag von Cadda » 26.06.2019, 10:46

Hallo Milena,

worauf wartest Du? Was genau veranlasst Dich zum Bleiben, selbst wenn er heute nüchtern nach Hause kommen sollte? Reicht Dir das nicht, was im Urlaub passiert ist? Und was ist, wenn er wirklich mal schafft, 3 Monate nicht zu trinken? Dann ist es ok?

Was ich damit sagen will: Das Kind ist doch schon längst in den Brunnen gefallen. Er ist Alkoholiker und wird das auch nicht ändern, denn er zeigt keine Einsicht. Und glaub mir, selbst WENN er Einsicht zeigen würde, bedeutet das auch noch lange nichts. Worte zählen bei einem Alkoholiker nicht. Nur Taten. Und ich finde, was er Dir alles angetan hat, ist nicht mehr rückgängig zu machen und vermutlich würde das sogar noch zwischen Euch stehen, selbst WENN er wirklich aufhören sollte, zu Trinken. Darauf zu hoffen, ist aber doch nun wirklich vergebene Zeit. Schau doch, wie er sich verhält! Wie gesagt, selbst WENN er nach Hause kommt heute. Dann ist es nächstes Mal was anderes, das Dich verzweifeln lässt.

Was zählt es denn, dass er nüchtern toll ist? Betrunken ist er es nicht. Also ist das Andere hinfällig, denn er trinkt ja überwiegend. Du befindest Dich mit ihm gemeinsam in der Abwärtsspirale. Steig aus. Worauf wartest Du?

Ich weiß, es liest sich leichter als getan. Aber glaub mir. Wenn Du es erstmal gepackt hast, und der Liebeskummer überstanden ist, fragst Du Dich, weshalb Du so viel Zeit vergeudet hast.

FreeWell
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Re: Ich denke über eine Trennung nach

Beitrag von FreeWell » 26.06.2019, 12:45

Hallo Milena,

auch von mir ein herzliches Willkommen beim Aufwachen aus der Abwärtsspirale ! :D

Ich bin hier auch noch nicht so lange dabei und ich bin die letzte, der es zusteht, hier aus Erfahrung sprechen zu wollen. Aber ein Satz von dir hat bei mir die Alarmglocken klingeln lassen:
Ich würde nicht behaupten das ich CO Abhängig bin aber ich bin emotional abhängig von ihm, ich will nicht ohne ihn sein (natürlich nüchtern) weil wir so wirklich eine so schöne zeit haben... aber dann kommen diese dunklen tage und die zerfressen mich immer mehr und mehr, ich weis auch nicht wie lange ich dem ganzen stand halten kann, ich hab selbst keine Meinung mehr dazu ich weis einfach nicht wie ich die sache angehen soll .
Liebe Milena, in einem weiteren Beitrag schreibst du, dass du vorher mit einem Narzissten zusammen warst und er dich dazu gebracht hat, dass du eine Therapie anfangen musstest ... bist du dir wirklich sicher, dass du nicht das typische Verhalten einer CO in dir hast ? Ich weiß, wie schwer es ist, das für sich selbst zu erkennen. Ich habe eine Ehe mit drei Kleinkindern verlassen, weil es nicht mehr ging, war 16 Jahre alleinerziehend, um nicht wieder den gleichen Fehler zu machen, habe Therapien gemacht ... und habe wieder jemanden kennen gelernt, als meine jüngste 16 Jahre alt war. Wir sind zusammen gezogen ... und ich bin nach drei Jahren dieser Beziehung hier im Forum gelandet, da ich mir einen extremen Narzissten und gleichzeitig Extrem-Alkoholiker ausgesucht hatte !!! Hier hat man mir geraten, so schnell wie möglich zu gehen und nicht zurück zu schauen. Gerne kannst du ja meinen Beitrag mal lesen ... ich habe sehr gekämpft mit Gefühlen und es letztendlich geschafft auszuziehen und auch erst stundenweise, dann tageweise und nun dauerhaft in meiner Wohnung zu bleiben.

Fühle bitte in dich hinein. CO zu sein heißt, das Wohl des anderen zuerst zu sehen. Man selbst ist ja sooo leidensfähig und kann so toll alles aushalten. Ist ja alles nicht so schlimm. Wenn er nur die und die Regeln einhält, dann ist alles ERTRÄGLICH. Also, erstes halten Alkoholiker keine Regeln ein. Sie kehren sich einen feuchten Kehricht um Regeln. Die Sucht ist einfach stärker. Da gibt es keinen starken Willen und KEIN DENKEN an die leidende Partnerin ! Die Partnerin ist ja schließlich gesund und hat das auszuhalten. Es ist doch alles ganz normal, oder ?

Zweitens werden Alkoholiker sich erst ändern, wenn eine unerträgliche Schmerzgrenze überschritten ist. Wo die liegt, entscheidet wohl jeder Alk selbst. Bei meinem Partner haben wir uns gefragt, ob es diese Grenze überhaupt gibt ...

Liebe Milena, horche in dich rein und frage dich, was dir gut tut. Mache nur das und jedes Mal, wenn du etwas machen willst, frage dich, ob es die Sucht zu helfen von dir verlangt oder ob es dein tiefster Wille ist, etwas zu tun, weil es dir gut tut. Nicht zu helfen bedeutet ENTZUG !! Und ich sage dir, Entzug von CO ist genauso schwer auszuhalten, wie der Entzug eines Alks. Auch wir CO's haben möglicherweise extremen Entzug und keine Ärzte, Krankenhäuser und Mittelchen, die uns dabei helfen, es auszuhalten. Im Gegenteil, wir bekommen noch Gegenwind: Was ist plötzlich mit dir los ? Warum reagierst du nicht wie immer ? Bist du krank ? Glaube mir, ich habe zum Teil Kreise gelaufen in meiner Wohnung und mich gezwungen, nicht vor die Türe zu gehen, um ja nicht zu meinem Partner zu fahren ... ich habe viel geweint und mit der Zeit wich der Entzug einer Wut über mich selbst, warum ich soviel Lebenszeit damit verbracht habe, einem Alk seine Saufzeiten zu erleichtern und zu ermöglichen.

Mit welchem Recht muss eine CO das machen ? Warum ? Es ist keine Liebe, das zu ertragen, es ist die eigene Sucht zu helfen ! Lieben heißt geben, aber es ist ein gegenseitiges Geben und wenn es nicht ausgewogen ist, dann blutet einer aus und der andere versumpft trotzdem.

Milena, fühle bitte in dich rein, ob es mit deinen tiefsten Wünschen überein stimmt, deinem Freund weiter sein Alk-Leben zu ermöglichen. Oder willst du dich einfach mal wieder gut fühlen, mal wieder herzlich lachen und dich frei fühlen ? Ich wollte es und bei mir fängt es 5 Monaten nach meinem Auszug langsam an,dass ich eigene Pläne habe und manchmal wieder Freude empfinden kann. Echte Freude über etwas, was nichts mit helfen zu tun hat !:-)

Weißt du, "witzigerweise" hat mein Partner es irgendwie akzeptiert, dass ich ausgezogen bin. Auf einmal sucht er sich eine Anstellung, einen Freundeskreis, in dem nicht getrunken wird und ist sportlich extrem aktiv. Er hilft den Nachbarn im Garten und hört auf, an mir zu ziehen. Wir telefonieren mittlerweile 1-2 mal die Woche und wir lachen miteinander und haben wirklich entspannte Gespräche. Aber dennoch, immer wenn er versucht, mich zu überreden, etwas für ihn zu tun, lehne ich ruhig aber bestimmt ab. Er akzeptiert es sofort und findet seinen Weg. Er sagt von sich selbst, dass er sich stabilisieren muss und dass das noch lange dauern wird. Aber es fragt neuerdings, wie es mir geht und ruft manchmal nur an, um mir einen guten Tag zu wünschen. So kenne ich ihn gar nicht. Aber es fühlt sich gut an. Ich habe wirklich nicht vor, wieder zu ihm zu ziehen. Das ist vorbei. Aber wer weiß, ob man wie bei einem anderen Fall hier, eine Freundschaft weiter halten kann ? Wir werden sehen.

Liebe Milena, ich wünsche dir Kraft und Ehrlichkeit zu dir selbst. Dann wirst du deinen dir gut tuenden Weg finden !

Fühl dich gedrückt, sonnige Grüße von
FreeWell

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