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Zurück, vor den Anfang!

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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John Umkehrer
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Zurück, vor den Anfang!

Beitrag von John Umkehrer » 31.07.2019, 08:50

In der Nacht vom 25. zum 26.07. habe ich hoffentlich das letzte mal Alkohol in meinem Leben getrunken.

Die Erkenntnis das etwas mit mir, in Verbindung mit Alkohol, nicht ganz normal ist trage ich schon an die 14 Jahre mit mir herum.
Alkohol trinke ich seit meiner Jugendweihe, ab da sind mir unter Einfluss von Alkohol auch immer wieder unschöne Dinge passiert.
Aber selbst so einschneidende Erlebnisse wie ein frontaler Einschlag mit 100 km/h an einen Baum mit anschließendem 2 monatigen Klinikaufenthalt,haben mich nicht zum Umdenken bezüglich des Themas Alkohol angeregt.
Nun ist in dieser letzten feuchten Nacht eigentlich nichts weiter passiert, ich wollte an einem dringenden Projekt noch etwas Arbeiten aber ich war vorher schon ziemlich müde und so kaufte ich mir ein 0,5l Flasche Wodka, eine Cola sowie zwei Energy Getränke um mich aufzuputschen.
Am Ende hatte ich dann ca. 30 min gearbeitet und die restlichen 5 Stunden bis früh um 3:00 gesoffen. Am nächsten Morgen habe ich dann verschlafen und bin zu spät zur Arbeit, der Stress war mal wieder vorprogrammiert. Mir ging es Kreislauf-technisch eher bescheiden und konzentrieren war auch nicht wirklich drinn.
Ein online Restalkohol-Rechner zeigte mir an das ich am Abend gegen 17:00 Uhr wieder nüchtern sein werde.
Da war der Tropfen, der mein Fass zum überlaufen brachte.
Die Vorstellung den ganzen Tag auf der Arbeit unter Alkoholeinfluss zu stehen und "Normal" gab es Freitag um 13:00 Uhr schon wieder ein Feierabend- "Bierchen" :shock: in der Werkstatt.
Wie sollte dieser Teufelskreis jemals enden ?
Wenn ich mich nicht endlich zu meinem Problem bekenne und den Kreislauf durchbreche ?
Die nächsten beiden Tage habe ich dann wieder viel hier im Forum gelesen. Bei einer der Lebensgeschichten fand ich besonders viele Parallelen zu meinen eigenen Problemen und es war eben auch jemand der Familie, Beruf und Fahrerlaubnis noch nicht verloren hatte und trotzdem die Reißleine gezogen hat.
Ich dachte mir, entweder machst du das jetzt auch so, oder du machst weiter bis dir Fahrerlaubnis, Arbeitsstelle und Frau auch abhanden kommt, von der Gesundheit mal ganz zu schweigen. Dann hast aber erst recht Grund zu Saufen, weil es dir dann nämlich auch noch wirklich schlecht geht.
Bis jetzt ist meine Welt, bis auf meine Alk-Probleme nämlich noch absolut in Ordnung.

Am Sonntag Abend habe ich mich hier angemeldet und zum ersten mal das Wort Alkoholiker ernsthaft mit meiner Person in Verbindung gebracht.
Ich glaube das war ein wichtiger Schritt für den Kopf, es sträubte sich in mir nämlich so einiges dagegen.

Am Montag war ich dann, Dank helfender Leute aus dem Vorstellungsbereich des Forums, gleich früh bei meinem Hausarzt.
Der Gedanke dort hinzugehen um mein Problem öffentlich zu machen, war für mich früher mit dem Ende meines Lebens gleichzusetzen.
Dieses mal war es irgendwie anders, ich war zwar aufgeregt, aber ich freute mich auch darauf und sah es eher als den Anfang meines neuen Lebens.
Ich hätte niemals gedacht das ich im Zusammenhang mit dem Thema Alkohol noch einmal Stolz empfinden werde, aber ich bin tatsächlich stolz und glücklich aus der Praxis raus.

Am Dienstag war ich, auf Empfehlung meines Arztes bei einer Sucht-Beratungsstelle.
Auch hier fühlte ich mich in guten Händen, es gab ein sehr gutes und extrem aufschlussreiches Gespräch und ich habe jetzt eine Woche Zeit mir Gedanken zu machen welche Therapieform ich für mich persönlich als die Beste ansehe.

Ich bekam den wichtigen Rat in den ersten 4 Wochen etwa so viel Flüssigkeit zu mir zu nehmen wie ich es mit Alkohol getan habe.
Aber im Moment habe ich eh ständig einen riesen Durst, so das ich es wohl locker schaffe.

Bisher geht es mir auch ziemlich gut, Saufdruck hatte ich bis jetzt zum Glück noch nicht.
Aber ich kenne mich, das kommt noch, nämlich dann wenn ich körperlich und geistig wieder voll auf der Höhe bin.

Gestern hatte ich etwas Probleme mit meinem Gedächnis. Ich war Morgens um 7:00 Uhr in der Werkstatt und habe meine Kollegen begrüßt. Als ich gegen Mittag noch mal dort war, wusste ich nicht mehr genau ob ich am Morgen die Leute begrüßt hatte, oder ob das schon am Vortag war. :roll:

So und nun habe ich hier meinen ersten Faden eröffnet und bin seit 5 Tagen nüchtern. :D
Ein zartes Pflänzchen,aber schon 5 Tage gewachsen :wink:

liebe Grüße an alle Leser und besonders an alle helfenden Schreiber aus dem Vorstellungsbereich
John

John Umkehrer
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neue, alte Sichtweisen.

Beitrag von John Umkehrer » 31.07.2019, 11:06

Heute Morgen bin ich das erste mal seit langem gut aus dem Bett gekommen, die letzten Tage war ich wirklich extrem Müde und habe viele Stunden geschlafen.
Ich bin um 5:30 mit dem Rad zur Arbeit und habe auf dem Weg ein paar Spatzen gesehen. Ich weiß gar nicht wann ich das letzte mal bewusst die kleinen frechen Dinger wahrgenommen habe.
Spontan fiel mir ein wie viele Spatzen es bei uns in der Stadt gab als ich Kind war.
Der Dachboden in unserem Block war voll mit den kleinen Vögeln.
Ich liebe Spatzen, meine Mutter hat immer geschimpft ..." die kacken mir die ganze Wäsche voll" :lol:
Die Hänger der LPG waren auch extrem undicht und zur Erntezeit lagen die Straßenränder voller Korn. Ich habe mich schon oft gefragt warum es jetzt nicht mehr so viele Spatzen gibt. Ist es die mangelnde Nahrung oder fehlende Nistplätze da alle Dächer dicht sind?

Diese Zeit Ende 70iger und Anfang 80iger, ist es die ich mit "vor den Anfang" meine.
Dort hin will ich zurück ich hatte eine sehr glückliche Kindheit & Jugend, ich war mental und körperlich Gesund.
Das Lebensgefühl will ich zurück haben und das einzige was mich daran hindert ist der Suff, der sich immer wieder in mein Leben schleicht und Besitz von mir ergreift.

Aber das nächste mal wenn er hinter der Ecke lauert bin ich das erste mal im Leben nicht Allein :twisted: , ich kann die Therapeutin anrufen, oder hier im Forum um Hilfe bitten. Sogar meine Frau weiß jetzt um mein Problem und kann mich unterstützen.

ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag
LG John

Linde66
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Re: Zurück, vor den Anfang!

Beitrag von Linde66 » 31.07.2019, 16:54

Hallo John,
du kümmerst dich um dein 5 Tage altes Pflänzchen, gibt immer was zu tun. :)
Mir flog heute ein ganz junger Eichelhäher über den Weg, ich mußte so lachen, weil er sichtlich mit der Schwerkraft kämpfte. :lol: Für solche Momente lohnt es sich, sein Leben in die Hand zu nehmen. Ich habe andere Baustellen als du, aber wichtig ist, daß man aktiv wird.
Dir noch einen schönen Abend!
Linde

sue05
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Re: Zurück, vor den Anfang!

Beitrag von sue05 » 31.07.2019, 17:52

Hallo John,

herzlich willkommen hier im Forum!
Da hast Du ja schon einen guten Anfang - Arzt, Suchtberatungsstelle, Offenheit Deiner Frau gegenüber. Das sind alles sehr wichtige Punkte!
Mir hat es geholfen, mir am Anfang nicht so viel auf einmal vorzunehmen bzw. "vorzudenken". Immer von Tag zu Tag denken und leben.
Ich wünsch Dir hier einen guten Austausch!

Viele Grüße, Sue

Carl Friedrich
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Re: neue, alte Sichtweisen.

Beitrag von Carl Friedrich » 31.07.2019, 20:21

John Umkehrer hat geschrieben:
31.07.2019, 11:06

Diese Zeit Ende 70iger und Anfang 80iger, ist es die ich mit "vor den Anfang" meine.
Dort hin will ich zurück ich hatte eine sehr glückliche Kindheit & Jugend, ich war mental und körperlich Gesund.
Das Lebensgefühl will ich zurück haben und das einzige was mich daran hindert ist der Suff, der sich immer wieder in mein Leben schleicht und Besitz von mir ergreift.
Hallo John!

Betrifft dein Titel jetzt deine Mentalität oder auch den Alkohol? Letzteres wird dir nicht gelingen. Der Alkohol ist eine Art Einbahnstraße, es gibt für einen Alkoholiker kein zurück in ein früheres Stadium, z.B. in einen mäßigen und gesundheitlich unbedenklichen Konsum.

Ansonsten hast Du schon einiges richtig gut begonnen. Weiter so.

Gruß
Carl Friedrich

John Umkehrer
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Re: Zurück, vor den Anfang!

Beitrag von John Umkehrer » 01.08.2019, 10:27

Guten Morgen :D

vielen Danke für Eure Antworten, gestern Abend konnte ich nicht mehr schreiben. Ich habe zu Hause nur einen Laptop und mit dem habe ich Jahrelang die Nächte in der Küche verbracht. Natürlich mit reichlich Bier dazu.
Ich denke diese Situation würde mich stark gefährden, da ich selbst beim Vorsatz nicht am PC zu trinken am Ende immer ein Bier am Hals hatte.
Linde66 hat geschrieben:
31.07.2019, 16:54
Hallo John,
du kümmerst dich um dein 5 Tage altes Pflänzchen, gibt immer was zu tun. :)
Mir flog heute ein ganz junger Eichelhäher über den Weg, ich mußte so lachen, weil er sichtlich mit der Schwerkraft kämpfte. :lol: Für solche Momente lohnt es sich, sein Leben in die Hand zu nehmen. Ich habe andere Baustellen als du, aber wichtig ist, daß man aktiv wird.
Dir noch einen schönen Abend!
Linde
Ja, das werde ich, es sieht so aus als ob meine Pflanze Morgen das erste Blatt bekommen könnte :wink: und ja es gibt wirklich jede Menge zu tun. Gestern habe ich mein Buch-Exemplar von "ALK" bekommen.
Der Schreibstil ist ja wirklich einmalig :D Aber so Lustig wie es ist, ich habe gemerkt das ich zwar Jahrzehntelang mit Alkohol gelebt habe, aber überhaupt keine Ahnung hatte worauf ich mich da einlasse.

Junge Tiere können einen wirklich oft verzaubern, mein schönstes Erlebnis war mit einem jungen Dax. Ich fuhr mit meiner Frau in einer Waldgegend als ich etwas auf der Straße bemerkte. Ein uns entgegenkommendes Auto hielt auch vor dem Hindernis an. Näher dran erkannten wir einen kleinen Dax der nicht wusste wohin mit seiner ganzen Kraft. Er tanzte auf der Strasse hin und her und drohte uns in dem er sich auf die Hinterpfoten stellte und Purzelbäume schlug. Wir haben alle so gelacht über den kleinen Kerl. :D :D
Ich wünsche dir viel Kraft für deine Baustellen, Linde

sue05 hat geschrieben:
31.07.2019, 17:52
Hallo John,

herzlich willkommen hier im Forum!
Da hast Du ja schon einen guten Anfang - Arzt, Suchtberatungsstelle, Offenheit Deiner Frau gegenüber. Das sind alles sehr wichtige Punkte!
Mir hat es geholfen, mir am Anfang nicht so viel auf einmal vorzunehmen bzw. "vorzudenken". Immer von Tag zu Tag denken und leben.
Ich wünsch Dir hier einen guten Austausch!

Viele Grüße, Sue
Danke Sue, das ist ein guter Tip für mich. In meinen Trinkpausen hatte ich nach einiger Zeit immer sehr viel Energie, schnell habe ich mir dann ganz viele Dinge aufgeladen die ich schon immer erledigen wollte. Um dann am Ende vor dem Berg , den ich gar nicht mehr bewältigen konnte, zu kapitulieren. Als Trost gab es dann Alkohol.

Carl Friedrich hat geschrieben:
31.07.2019, 20:21

Hallo John!

Betrifft dein Titel jetzt deine Mentalität oder auch den Alkohol? Letzteres wird dir nicht gelingen. Der Alkohol ist eine Art Einbahnstraße, es gibt für einen Alkoholiker kein zurück in ein früheres Stadium, z.B. in einen mäßigen und gesundheitlich unbedenklichen Konsum.

Ansonsten hast Du schon einiges richtig gut begonnen. Weiter so.

Gruß
Carl Friedrich

Nein Carl, den Alkohol betrifft das natürlich nicht. Es geht dabei um meine mentale und körperliche Gesundheit.
Ich habe schon in meiner Jugend gesehen wie mein Onkel "Fritz" nach einer Entziehungskur "na den einen Schnaps kannste doch " getrunken hat.
Und wie er später morgens mit zwei zitternden Händen das Glas zum Mund führen musste.
Mir war schon früh klar, auch durch die Gespräche meiner Eltern, Alkoholiker ist man bis ans Ende seines Lebens.
Deswegen habe ich es ja auch lange nicht wahr haben wollen das ich auch Alkoholiker bin.

Im Moment sehe ich es fast als Glück an, Alkoholiker zu sein, ich brauche nun nicht mehr überlegen wann und wieviel ich trinken darf.
Das Ding hat sich erledigt, ich hoffe nur meine Denke bleibt so :?:

einen schönen Tag Euch allen :wink:
John

Carl Friedrich
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Re: Zurück, vor den Anfang!

Beitrag von Carl Friedrich » 01.08.2019, 16:26

John Umkehrer hat geschrieben:
01.08.2019, 10:27

Im Moment sehe ich es fast als Glück an, Alkoholiker zu sein, ich brauche nun nicht mehr überlegen wann und wieviel ich trinken darf.
Das Ding hat sich erledigt, ich hoffe nur meine Denke bleibt so :?:
Hallo!

Häufig wird auf 3 Stadien in der Abstinenz hingewiesen:

1.) Zu Beginn darf man nichts trinken.

2.) Später will man nichts trinken.

3.) Zum Schluss braucht man nicht mehr trinken.

Da ist was dran, zumindest für mich.

Gruß
Carl Friedrich

Calida78
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Re: Zurück, vor den Anfang!

Beitrag von Calida78 » 01.08.2019, 17:48

Hallo John!
Dieses Glück hab ich auch gespürt. Mich sicher fühlend in Trockenheit sah ich auch viele Vorteile durch die Krankheit, z.B. dass ich nun viel bewusster lebe. Allerdings gab es zwei Rückfälle bei mir. Da habe ich die Krankheit verflucht. Heute habe ich Respekt und weiß, dass es keine absolute Sicherheit gibt.
Viele Grüße
Calida

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