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Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Carl Friedrich
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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Carl Friedrich » 28.08.2019, 20:10

Twizzler hat geschrieben:
28.08.2019, 17:54

Das mit dem Hinterstübchen ist eine sehr gute Frage.
Einerseits wusste ich genau wo es hinführt wenn ich auch nur eine einzige Flasche anrühre, andererseits war da vielleicht noch ein winzig kleiner Hoffnungsschimmer, dass ich dieses "Ab und zu" hinbekomme.

Das muss ich wohl zugeben.
Hallo Twizzler!

Genau so wurde es mir von "Rückfälligen" mehrfach berichtet.

Auch ich ging anfangs davon aus, dass ich irgendwann wieder "normal" was trinken konnte. Es dauerte mehrere Monate, bis ich rückhaltlos zu meiner Abstinenz stand. Ich weiß eines ganz genau: Ich kann nicht mit Alkohol umgehen. So schlicht und einfach ist es. Warum sollte ich es plötzlich in Zukunft können, wo ich es doch viele Jahre lang nicht hinbekam.

Mich hat es enorm beeindruckt, als ein Teilnehmer meiner ehem. SHG erklärte: "Wenn ich jetzt nachgebe, fängt die ganze Sch... wieder von vorne an."

Was kann ich dir raten? Lies Fachliteratur aus Therapeuten- und Patientensicht. Die Werke, die uns weis machen wollen, wir könnten wieder kontrolliert trinken, lass links liegen. Ein Süchtiger kann es nicht, wobei ich nicht ausschließe, dass es hier und da mal einzelnen tatsächlich gelingt. Zu letzteren gehöre ich jedenfalls nicht.

Gruß
Carl Friedrich

Twizzler
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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Twizzler » 28.08.2019, 22:07

Hallo carl-friedrich,

Bücher über kontrolliertes trinken würde ich nie anrühren. Ich weiss genau, dass mich das triggern würde. Aber Fachliteratur werde ich mal vornehmen Danke dir.
Ich wünsche dir einen schönen Abend.
LG

Twizzler

Karsten
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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Karsten » 30.08.2019, 11:41

Hallo Twizzler,

wenn jemand viel Alkohol trinkt, sucht er oder sie ja eine Lösung.
Die Einsicht, mit Alkohol nicht umgehen zu können, weil man alkoholkrank ist, ist nicht immer vorhanden.
So versucht man erst andere Dinge, wie man ja auch vom rauchen her kennt. Weniger trinken oder nur zu gewissen Anlässen und ähnliche Dinge.

Wenn man aber alkoholkrank ist, werden diese Versuche dazu führen, noch mehr Lebensjahre zu verschwenden, seine Gesundheit noch mehr gefährden oder sogar daran sterben.

Das Hinterhältige daran ist auch noch, dass man es vielleicht sogar schafft, ein paar Tage oder Wochen weniger zu trinken oder auch ein, zwei Tage gar nichts zu trinken, weil man es mit den Willen steuern möchte.
Diese zwei Tage, wo es aber vieleicht mit der Faust in der Tasche klappt, wird dann als Ausrede genommen: "na ja, wenn ich wirklich will, schaffe ich es ja"

Ein Kreislauf beginnt, was viele Jahre kostet, die man eigentlich schon trocken und zufrieden leben könnte.

Ich bis bzw. war in meinen Gedanken auch immer schnell dabei, wenn es um die Konsequenzen eines Rückfalls geht. So nach dem Motto: keine oder nur wenige Konsequenzen oder Lebenseinschränkungen, wenn man einen Rückfall hat, führt dazu, die Risikominimierung nicht so ernst zu nehmen.
Heute denke ich da etwas anders. Diese Betroffenen tun mir eher leid, weil sie och einen langen und schlimmen Weg vor sich haben.

Ich war ja früher ähnlich unterwegs. Habe ja auch versucht, kontrolliert zu trinken, weniger zu trinken, mal ein paar Tage oder sogar Monate keinen Alkohol zu trinken.
Das hat mir doch bewiesen, dass ich es hinbekomme.

Nur waren die Rückfälle von mal zu mal schlimmer und ich stürzte gesundheitlich und gesellschaftlich immer mehr ab, bis ich auf der Straße landete.

Heute weiss ich, dass ich mir diese Jahre hätte ersparen können, aber ich weiss auch, dass ich diese Jahre brauchte, weil sie meine dann 1999 gewonnene Einsicht stärkte, was auch heute noch so ist.

Ich weiss, wo ich lande, wenn ich wieder saufe.

Daher kann ich nur an jeden appelieren, sich frühzeitig auf den Weg zu machen, denn saufen bedeutet, es geht immer weiter bergab und man verschwendet viele Jahre seines Lebens.

Ich weiss aber auch, dass dieser Appel an vielen Betroffenen vorbei geht, weil es fast noch schwerer ist, aus Erfahrungen anderer Menschen lernen zu können, als die Einsicht in die eigenen Alkoholabhängigkeit zu gewinnen.

Die Einsicht kann man sich nämlich mit Worten selbst sagen, aber aus den Efahrungen anderer trockener Alkoholiker zu lernen, bedeutet oft einschneidene Lebensveränderungen und aktives Handeln.

Lippenbekentnisse ( ich bin alkoholkrank und möchte Hilfe und aufhören ) habe ich hundert oder tausend mal abgegeben, aber gehandelt habe ich ich nie. Erst vor 20 Jahren als es keine Lügen mehr gab, war ich bereit mein Leben zu ändern.

Karsten
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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Karsten » 30.08.2019, 11:47

Hallo,

noch eins zum Thema Fachliteratur.
Es gint ja unterschiedliche Fachliteratur mit eben unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten und Behandlungszielen.
Daher sollte man sich vorher im Klaren darüber sein, welches Ziel man selbst hat.
Ich halte es für riskannt, sich Fachliteratur mit einem Ziel zu lesen, dass man selbst nicht hat.
Argumentationen kann man ja immer so aufbauen, dass sie auch greifen.

Vielleicht überzeugt einen ja dann auch Fachliteratur für den falschen Weg, weil man diesen Argumenten glauben schenkt.

Als Abschreckung, was man nicht will, solche Fachliteratur zu lesen, bringt mich ja nun auch nicht gerade weiter und am Anfang ist man vielleicht auch noch gar nicht fähig, das eine vom anderen zu trennen.

Gruß
Karsten

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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Twizzler » 30.08.2019, 12:34

Lieber Karsten,

toll geschrieben und ich hoffe deinen Beitrag hier lesen ganz viele die sich noch unsicher sind, wo die Reise hinführen soll.

Zuletzt habe ich auch alle zwei Tage trinken müssen. Und es hat mich kaputt gemacht. Ich war irgendwie kein richtiger Mensch mehr. Ständig dieses Verstecken, diese schlechten Gefühle, ob andere etwas merken. Merkt meine Chefin dass ich wieder trinke? Wissen es die Arbeitskollegen, riechen sie etwas?

Von Fachliteratur habe ich bis jetzt die Finger gelassen. Ich möchte mich zwar schon mit dem Thema beschäftigen, aber meine Angst ist getriggert zu werden wenn ich jetzt ständig das Wort Alkohol höre/lese.
Dass da evtl. Vorstellungen und Gedanken und vor allem Erinnerungen hochkommen, mit denen ich zur Zeit einfach noch nicht umgehen kann. Ich stehe ja noch komplett am Anfang.
Und da möchte ich gerne jeden Trigger vermeiden.

LG

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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Dhyana » 30.08.2019, 23:02

Hallo Twizzler

Wie gut, dass du wieder auf dem Weg bist, ich habe auch mehrere Anläufe gebraucht bis zur Erkenntnis und Einsicht dass ich süchtig bin ... inzwischen habe ich das erste Jahr ohne vollbracht und mir geht es sehr gut ohne. Ein paar Gesundheitsprobleme wie Knochenschwund machen mir nur gerade Sorgen, Alk frisst auch den Knochen auf ... vielleicht auch eine Zusatzmotivation aufzuhören und dabei zu bleiben.

Ich verstehe was du meinst mit dem Alkohol aus dem Weg gehen ... habe ich auch so gemacht im Alltag. Aber ein Buch hat mir sehr geholfen, ja sogar unterstützt beim aufhören: Sucht - Hintergründe und Heilung: Abhängigkeit verstehen und überwinden Taschenbuch – 5. April 2011
von Heinz-Peter Röhr (Autor)

ich wünsche dir alles Gute weiterhin!

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Re: Hinfallen ist nur eine Schande, wenn man nicht mehr aufsteht

Beitrag von Twizzler » 31.08.2019, 03:40

Liebe Dhyana,

danke auch dir für dein Feedback. Und, Glückwunsch zu deinem Jahr Abstinenz.

Das ist ein guter Hinweis, vielen Dank. Ich werde mal im Internet nach diesem Buch suchen.

LG

Twizzler

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