Merken auch kleine Kinder schon, was los ist?

Hilfe für erwachsene Kinder von Alkoholikern
Lenjana
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Merken auch kleine Kinder schon, was los ist?

Beitrag von Lenjana » 12.01.2008, 00:13

Hallo zusammen,

ich habe bisher nur im Co-Bereich geschrieben, doch eine Frage, die mich sehr Beschäftigt, hoffe ich, hier beantwortet zu bekommen:

Mein Mann ist Alkoholiker und ich habe zwei Kinder (4 und 2 Jahre). Bislang hab ich immer gedacht (gehofft), daß sie von der Alkoholkrankheit ihres Vaters noch nichts mitbekommen, außer unseren ständigen Streit.

Vielleicht kann mir jemand seine Erfahrungen mitteilen, wie Kinder die Situation warhnehmen, oder vielleicht kann sich jemand noch erinnern, wie alt er war, als er zum ersten Mal gemerkt, daß was nicht stimmt?

Ich bin sehr dankbar um Antworten!

LG Lenjana

lavendel
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Beitrag von lavendel » 12.01.2008, 00:17

hallo lenjana,

ich hab schon am anfang der grundschule (mit fünf oder sechs) mitbekommen, das was massiv nicht stimmt. erste lebhafte erinnerungen an das trinken meiner mutter hab ich aus der zeit ab sieben, würd ich mal sagen, da kann ich mich an konkrete szenen erinnern. aber ich glaube schon, dass kinder stimmungen und spannungen schon viel eher wahrnehmen.

lavendel

simmie
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Beitrag von simmie » 12.01.2008, 10:34

hallo,

ich bin der auffassung, dass kinder altersunabhängig massiv darunter leiden, wenn ein elternteil alkoholkrank ist, das hat in meinen augen mit mitbekommen, im sinne von bewusst mitbekommen nichts zu tun.
meine mutter, alkoholikerin, hat sinngemäß immer gesagt: ihr ward ja noch klein, ihr habt nichts mitbekommen. damit schützt der alkoholkranke in erster linie sich und verharmlost so seine krankkeit.
vielleicht ist es sogar noch schlimmer, je jünger die kinder sind, desto mehr leiden die kinder, weil sie dann das verhalten der eltern nicht einordnen oder sich distanzieren können wie ein erwachsener.

viele grüße simmie

Lenjana
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Beitrag von Lenjana » 13.01.2008, 01:13

hallo ihr beiden,

vielen dank für eure antworten. wer kann das besser wissen, wie jemand der´s selbst erlebt hat.

jetzt liegt es wohl an mir nicht mehr länger die augen zu verschließen und was zu verändern.

lg lenjana

tini8
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Beitrag von tini8 » 13.01.2008, 21:52

Hallo Lenjana, ich habe meine Mutter zum ersten Mal mit 8 nachts auf dem Boden liegend speiend gefunen (mein Vater hatte Nachtschicht). Ab da weiß ich es bewusst.

Mein Sohn ist jetzt 5 geworden, und er hat zwischen 3 und 4 wahnsinnig gerne bei seiner Oma übernachtet und sie auch sehr geliebt. (Ich war mir immer sicher, dass sie, wenn er da ist, nüchtern ist. Sie hatte dies lange Zeit zumindest halbwegs im Griff) Vor einem Jahr hat sich das ganz plötzlich geändert. Zweimal musste ich ihn abholen. Seine Begründung: "Ich hatte plötzlich Bauchweh" oder "Die Oma ist böse". Tja, das wars dann.... Also kannst du davon ausgehen, dass dein(e) Große(r) es bestimmt schon mitbekommt, auch wenn er/sie es noch nciht benennen kann.

LG tini

Lenjana
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Beitrag von Lenjana » 13.01.2008, 23:05

hallo tini,

danke für deine erfahrungen.

ich glaube oft, die kinder halten mich für die böse, die oft schimpft und schreit. papa wird selten laut und ist auch nicht gewalttätig den kindern gegenüber. mein großer mußte zweimal mit ansehen, wie mich mein mann über stunden gequält und verprügelt hat, hat sich aber in der situation ganz auf die seite seines vaters gestellt.

es ist auch nicht so, daß er irgendwo besoffen am boden liegt, daß meiste, was sie mitkriegen ist unser ständiger streit und daß der papa oft merkwürdige sachen erzählt, oder über die mama schimpft.

ich glaube schon, daß der große was weiß. ich bin oft sehr gereizt, auch den kindern gegenüber. kürzlich habe ich ihn recht grundlos für irgendeine kleinigkeit geschimpft und er stand ganz ruhig da und sagte: "mama, ich weiß schon, daß du nur wieder traurig bist wegen dem papa!"
also scheint er sich doch viel mehr gedanken zu machen, als ich nur erahne.

liebe grüße
lenjana

Dante
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Beitrag von Dante » 13.01.2008, 23:25

Erstmal leiden Kinder unter der schlechten Stimmung zwischen den Eltern. Sie wollen sich ja irgendwie dazu verhalten, haben aber ein ungutes Gefühl dabei. Wie sollen die Kinder lernen anständig mit anderen zu kommunizieren wenn sie nur Geschrei vorgelebt bekommen?

Kinder kriegen auch mit, dass der Alkohol damit etwas zu tun hat, will heißen, sie beobachten die Erwachsenen ganz genau (wie auch anders?).
Ich weiß von einer Mitpatientin, dass deren kleiner Sohn sämtliche Alkoholverstecke im Haus aufgespürt hat. "Zeig mal der Mama, wo sie ihre Flasche hat", & er liess keines aus. :o

tini8
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Beitrag von tini8 » 14.01.2008, 16:08

Liebe lenjana!! Ich habe gerade deinen anderen Thread gelesen und ich hoffe, du packst es!! Auch für deine Kinder!! Auch ich glaube, dass die Kinder ganz viel mitkriegen. Ich kann auch verstehen, dass die Kinder an deinem Mann hängen. Sogar, dass sich dein Großer auf seine Seite stellt - der Papa ist ja oft ein Vorbild für die kleinen buben. Außerdem will er so vielleicht unterbewusst sein Bild von einer Famiie, die da besteht aus Mama, Papa, Kind und Kind schützen. Er kennts ja bisher nicht anders!!! Er kann sich ja nicht vorstellen, dass alles besser wird, wenn der Papa weg ist!! Du weißt ja, dass Kindern grundsätzlich jede Veränderung erstmal Angst macht, oder?

Deshalb würde ich in diesem Fall NICHT auf das hören, was dein großer vielleicht sagt - er weiß es ja wirklich nicht besser. Aber dass er weiß, dass alles am Papa liegt, das hat er dir ja schon bestätigt, oder? Also: Nur Mut.

Und ich glaube auch, dass eine Wohnung in der Nähe deiner Eltern euch allen vielleicht sehr helfen würde. Denn Großeltern, die für ihre Enkel da sind, sind doch auch sehr viel wert - und dann wäre ja wieder eine männliche Bezugsperson für deinen Großen da. oder???

Lass dich ganz fest drücken, du schaffst das! Viele Grüße, tini

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