Möchte Entzug machen

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Lebenssucht
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Möchte Entzug machen

Beitrag von Lebenssucht » 10.09.2005, 22:31

Hallo ihr tüchtigen,

Google sei Dank, bin ich hier auf euch gestossen. Ich würde gerne wissen was ich zu erwarten habe oder was in etwa auf mich zukommen wird:

Ich (38) bin seit ca. 2,5 Jahren arbeits-, freundin- und leider auch etwas perspektivlos. Auch aus Frust darüber, habe ich mich seitdem etwa jeden Abend mit sechs grossen Bieren und auch Kiffen, versucht zu betäuben. Mit eher mäßigem Erfolg. Kiffen habe ich vor 10 Tagen aufgeben können und will mich nun meinem Alkoholproblem stellen. Ich war von meinem 11ten bis ca. 23ten Lebensjahr heroinabhängig. Umso schlimmer finde ich es, mich nun wieder in eine ähnlichen Situation hineinmanöveriert zu haben. Therpieerfahrungen habe ich einige und mir sind Sucht und ihre Mechanismen nicht ganz unbekannt. Und trotzdem...

Wie auch immer: Ein paar Anläufe hatte ich in den letzten 2,5 Jahren, nur die Alkoholentzüge immer nach 2-3 Tagen wieder abgebrochen. Mir fiel auf, dass ich sehr, sehr unruhig oder besser aufgekratzt wurde und auch Ängste eine Rolle spielten (ist leider eh ein Thema bei mir). Für Einige mag meine Dosierung evtl. eher gering erscheinen, ich habe daran aber ganz schön zu knabbern. Deshalb interessiert mich ob ich tatsächlich davon ausgehen kann, dass das Ganze zumindest körperlich, nach einer Woche (hier gelesen) ausgestanden sein könnte.

Zu Hilfe kommt mir, dass ich vom AA eine teure Fortbildung finanziert bekomme, die in einem Monat losgehen wird. Ist nur nüchtern zu schaffen sodass ich dadurch auch einen kleinen Tritt bekomme. Davon ab, hat mich mein Zustand in letzter Zeit sowas von angek... das ich nur noch mit auf dem Boden fixierten Augen durch die Weltgeschichte schleiche. Ist wirklich kein Zustand mehr, will einfach nicht mehr. Auch meine Umwelt bekommt voll mit, dass ich langsam mit rot aufgedunsenen Gesicht ausgestattet bin und die Reaktionen (oder besser, die nicht vorhandenen) schockieren mich! Alkoholismus ist in unserer Gesellschaft derart akzeptiert, dass mir nichts mehr dazu einfällt.

Nun habe ich gerade Mal die ersten zwei Tage hinter mir und hoffe hier einerseits auf etwas Verständnis-, den einen oder enderen Tipp- und vielleicht sogar eine Portion Mut und/oder Zuversicht zu bekommen.

Vielen herzlichen Dank dafür und alles erdenklich Gute an alle LeidensgenossInnen und die, die schon etwas weiter sind

Mit etwas zittrigen Grüßen

LS

Karsten
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Beitrag von Karsten » 10.09.2005, 22:44

Hallo Lebenssucht und Willkommen hier im Forum.

da Du schon Therapieerfahrung hast, wirst Du auch wissen, dass Sucht nicht nur einen bestimmten Stoff bezogen ist.
Wenn Du früher Heroin für Deine Bewußtseinsveränderung eingesetzt hast, ist es jetzt der Alkohol.
Ein körperlicher Entzug vom Alkohol ist in der Regel nach ca. einer Woche vorbei.
Da Du aber schon eine längere Zeit Suchtmittel zu Dir nimmst, ist es nicht ratsam, den Entzug zu Hause alleine zu machen.
Gehe bitte zu einem Arzt und laß Dich zumindestens ambulant begleiten.

Wir können Dich auch mit unseren Erfahrungen unterstützen, wenn Du das möchtest.

Gruß
Karsten
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Zuletzt geändert von Karsten am 07.06.2008, 09:58, insgesamt 1-mal geändert.

Lebenssucht
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Beitrag von Lebenssucht » 10.09.2005, 23:19

Hallo Karsten,

danke für deine Antwort.

>>da Du schon Therapieerfahrung hast, wirst Du auch wissen, dass Sucht nicht nur einen bestimmten Stoff bezogen ist.
Wenn Du früher Heroin für Deine Bewußtseinsveränderung eingesetzt hast, ist es jetzt der Alkohol.

Ja, kein Thema

>>Ein körperlicher Entzug vom Alkohol ist in der Regel nach ca. einer Woche vorbei.

Versprochen...? Und was genau passiert da?

>>Da Du aber schon eine längere Zeit Suchtmittel zu Dir nimmst, ist es nicht ratsam, den Entzug zu Hause alleine zu machen.
Gehe bitte zu einem Arzt und laß Dich zumindestens ambulant begleiten.

Das hieße wohl Medikamente? Wozu und welche?

>>Wir können Dich auch mit unseren Erfahrungen unterstützen, wenn Du das möchtest.

Ja unbedingt! Würde es gerne auf diesem Weg machen, vielleicht wenn der Suchtdruck kommt statt Bier zu trinken, einfach zu schreiben...
Ausserdem sind mir authentische Erfahrungen einfach sehr wichtig.

chrissyta
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Beitrag von chrissyta » 10.09.2005, 23:34

hallo lebenssucht,

auch von mir herzlich willkommen hier.

beim saufdruck einfach hier schreiben ist schon mal eine sehr gute idee.

du fragst was genau bei einem entzug passiert, der körper wird vom alkohol entgiftet und in dieser zeit können körperliche entzugserscheinungen auftreten, wie zittern, schweissausbrüche, hoher blutdruck, herzrasen usw.. diese beschwerden kann man mit medikamenten behandeln. was für medikamente dieses sind entscheidet der arzt, es gibt da verschiedene. zusätzlich kommt es noch drauf an wie intensiv diese beschwerden auftreten, man kann da nichts verallgemeinern, da jeder körper anders reagiert.

ich wünsche dir viel erfolg.

lg
chrissyta

Karsten
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Beitrag von Karsten » 10.09.2005, 23:35

Guten Abend,

versprechen werde ich hier sicherlich nichts.
Die Erfahrung zeigt, aber es in einer Woche überstanden ist. Die stationäre Entgiftung im Krankenhaus ist ja auch meist auf 7 Tage begrenzt.

Ob Du Medikamente für den Entzug brauchst, kann ich nicht sagen, da ich kein Arzt bin. Daher auch mein Rat, zumindestens mal bei einem Arzt vorsprechen und dabei ehrlich sein.
Welche Medikamente er dann gegebenenfalls verschreibt, liegt auch im Ermessen des Arztes.
Ich möchte hier auch keine Medikamente nennen, weil viele auch frei erhältlich sind und dann womöglich die Dosierung ohne ärztliche Kontrolle stattfindet.
Das wäre auch für andere Besucher des Forums nicht gut.
Dazu sind die Ärzte da. Es ist dann auch sicherer für Deinen Entzug.

Helmut 58
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Beitrag von Helmut 58 » 10.09.2005, 23:53

Hallo Lebenssucht
Herzlich willkommen im Forum.
Du warst lange Zeit Heroinabhängig und hast einen Entzug mitgemacht, der wohl unter ärtztlicher Aufsicht (in einer Klinik) durchgeführt wurde.
Beim Alkohol ist es nicht viel anders nur er dauert nicht so lange. Allerdings solltest du wirklich einen Arzt sprechen, ob ein Klinikaufenthalt nicht besser wäre. Du sagst ja das du in 4 Wochen eine Fortbildung anfängst und da fit seien mußt. Ein Klinikentzug dauert 7-10 tage das würde doch passen. Dann hast du auch keine körperlichen Beschwerden mehr.
Ein selbstentzug ist immer schwerer und auch gefährlicher. Du willst aufhöhren, dann mach es richtig.
Alles Gute
Helmut 58

henri
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Beitrag von henri » 11.09.2005, 00:20

Hallo Lebenssucht

auch von mir herzlich willkommen.

Du schreibst, du hast die ersten zwei Tage hinter dir, da solltest du doch schon Entzugserscheinungen merken. Der kritische Tag beim Entzug liegt zwischen dem 3 und 5 Tag und der gesamte Entzug dauert normalerweise einer Woche. Ob das Kiffen noch eine Auswirkung auf die gesamte Zeit des Entzugs hat, kann ich nicht sagen, könnte aber sein, dass es einige Tage länger dauert. Wenn du allerdings bis jetzt nichts Außergewöhnliches merkst, sollten die Entzugserscheinungen nicht allzu schlimm werden. Trotzdem besteht die Gefahr eines Delir oder Krampfanfalls. Es muss nicht dazu kommen, aber es kann. Aber warum so ein Risiko eingehen, die Auswirkung ist dafür zu gravierend. Es mag sein, dass du merkst, dass so etwas kommt, aber dann ist es schon zu spät für dich, um entsprechend zu reagieren. Deshalb rate ich auch, wie die Vorposter, sofort mit einem Arzt zu sprechen.

Noch ein Tipp, möglichst viel Flüssigkeit trinken, (Mineralwasser oder ähnliche Getränke), weil dein Körper jetzt Flüssigkeit braucht. Außerdem hilft das viele Trinken das Verlangen nach Alkohol zu vermindern.

wünsche dir viel Erfolg

Henri

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Beitrag von Lebenssucht » 11.09.2005, 00:53

Hey, ihr seid ja wirklich engagiert, soviel responce, vielen Dank!

Ich habe meine damaligen Entzüge alle "kalt" machen müssen. War ja so 1989 und Substitutionsmittel gab es entweder noch gar nicht oder höchstens für schwer Kranke. Kann mich noch gut an die Schmerzen, Krämpfe, drei Wochen Schlaflosigkeit usw. erinnern. Auch deshalb frage ich nach, weil manche hier von "durch die Hölle gehen" beschrieben haben. Das wüsste ich einfach gerne genauer.

Ich bin etwas vorsichtig mit Medikamenten. Mir wird ja gerade jetzt wieder mein Suchtpotential bewusst und ich möchte eine weitere von z.B. Pillen, einfach vermeiden. Das ist so meine Sicht dazu. Ach, wenn ich doch immer so "schlau" wäre, müsste ich wohl nicht eure liebevolle Hilfe in
Anspruch nehmen...

Zittern, schwitzen, nicht schlafen können, in dem "Genuss" bin ich gerade.
Ich höre aber auf euren Rat und gehe Montag zum Arzt. Natürlich werde ich ehrlich sein, bin ich sowieso eher zuviel-;) Ich glaube schon, dass diese Gemeinschaft mir sehr viel bringen wird. Authentizität ist für mich -wie gesagt- extrem wichtig.

Ihr schreibt dass es gefährlich sein kann. Meint ihr damit das Delir? Kündigt sich sowas irgendwie vorher an?

Kann sein, dass ich mich noch etwas wacklig anhöre, bin aber leider noch nicht so weit um voller Zuversicht über ein alkfreies Leben zu jubeln. Weiß erstmal nur, dass ich wieder Leben will und Sch... gebaut habe. Ich werde aber alles geben und bin wirklich dankbar für das hier.

OK, jetzt lasse ich wenigstens euch mal schlafen und werde es so ähnlich wie unser Drakar-Kämpfer machen und dabei bleiben. Gute Nacht allerseits und bis denn, denn

LS

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