Vater ruinert sich selbst! Achtung langer Text

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rayman2001

Vater ruinert sich selbst! Achtung langer Text

Beitrag von rayman2001 » 25.02.2008, 23:21

Hallo alle zusammen,
nachdem ich bereits einige Zeit in diesem Forum verbracht habe, habe ich mich gerade selbst angemeldet.
Ich bin weiblich, 26 und wohne in der Nähe von Bielefeld/Herford.
Warum ich hier bin..... es geht um meinen 50jährigen Vater. Er trinkt im Prinzip schon so sehr lange, so lange, da gab es mich noch nicht einmal. Ich versuche mal die Geschichte in einer Kurzfassung wiederzugeben, lediglich die beiden einschneidensten Erlebnisse werde ich genauer erläutern. Meine Mutter trennte sich deswegen auch von ihm, da war ich 1 Jahr alt. Bis zu meinem 16. Lebensjahr sah ich gar nicht und bis zum meinem 20. Lebensjahr 1 Mal.

Mein Mann (er kannte die ganze Geschichte) fragte mich ob ich ihn nicht zur Hochzeit einladen möchte. Irgendwann entschloss ich mich, ihm noch eine Chance zu geben. Ich fuhr also irgendwann hin, und ich sagte ihm, ich wollte ihm nur eine Einladung zur Hochzeit überbringen. Erst erkannte er mich nicht, also sagte ich ihm wer ich bin und dass er Opa geworden sei. Da war er den Tränen nahe. Er fragte ob er sich sie mal anschauen dürfte. Eine halbe Stunde später fuhr ich dann weg. Danach hatten wir eigentlich ganz guten regelmäßigen Kontakt, er besuchte uns regelmäßig oder wir fuhren hin. Ich wurde wieder schwanger und bekam einen Sohn, worüber sich mein Vater sehr freute, doch kurze Zeit später begann der Abstieg. Ich bemerkte immer öfter an ihm eine Fahne, so dass ich beschloss, meine Tochter nicht mehr über Nacht dort zu lassen. Er wurde arbeitslos, kurze Zeit darauf verlor er den Führerschein. Alles wurde mit Lügen erklärt. Aus der Arbeit wurde er gekündigt, weil er mit seinem Rücken so Probleme hatte, den Führerschein hat er aufgrund seiner schlechten Sehtüchtigkeit verloren. Irgendwann brach der Kontakt wieder ab, da ich auch nicht einsah, mich dort ständig zu melden und gesagt habe, jetzt muss er sich mal bei uns melden.

Nach einem ¾ Jahr (Frühsommer 2006) rief seine Lebensgefährtin mich an. Sie teilte mir mit, dass mein Vater im Krankenhaus auf der Intensivstation liege und es sehr schlecht um ihn stand. Er hatte sich regelrecht ins Krankenhaus gesoffen. Ich fuhr sofort hin, auch um der Lebensgefährtin zur Seite zu stehen. Ich sprach mit dem Arzt, der mir erklärte, mein Vater sei im Koma, durch den Alkohol waren sämtliche Organe schon angegriffen. Der Arzt sagte mir auch, dass die Chancen, dass mein Vater noch mal aus dem Koma aufwacht gen Null sei. Tja was soll ich sagen er ist doch aufgewacht, aber in einem üblen Zustand. Er kam mir nicht vor wie ende 40, sondern eher wie 70 – 80. Er war nur am zittern, das sprechen alleine schon war anstrengend und er hatte richtig Schwierigkeiten mit dem Denken. Er sagte uns, dass ab sofort Schluss sei mit Alkohol und Zigaretten. Die erste Zeit klappte dass auch sehr gut, er wurde aus dem Krankenhaus entlassen und baute immer mehr auf. Er wurde wieder kräftiger und nahm auch wieder zu. Nach ein paar Wochen fing er wieder das Rauchen an und kurze Zeit später auch wieder das Trinken. Ich baute den Kontakt wieder ab. Ich konnte es einfach nicht mehr, diese Erfahrung mit dem Krankenhaus hätte ihm doch die Augen öffnen müssen. Mein Schwiegervater, der früher beruflich mit Suchtkranken gearbeitet hatte, versprach sich ihm anzunehmen und ihm zu helfen. Er fuhr regelmäßig hin und sagte irgendwann dass mein Vater sich freuen würde, wenn er mal mit hier hinkommen dürfte…Das war Herbst 2007. Ich ließ mich irgendwann darauf ein und wir holten ihn zu uns, er wollte ohne seien Lebensgefährtin kommen, die hätte keine Lust und würde eh nur an ihm rumnölen….Er saß dann die ganze Zeit bei uns in der Küche und sprach nur wenn wir ihn was fragten, er machte auf mich den Eindruck, als sei er geistig verwirrt. Dann kam für mich der Hammer, ich entdeckte in der Küche eine Pfütze und fluchte auf den Hund meiner Tante, da ich sicher war er hätte dahin gemacht. Es stellte sich aber heraus, dass es nicht der Hund war sondern mein Vater…er hatte dass nicht einmal gemerkt und auch schien ihn weder die Tatsache zu stören, dass ihm das passiert ist, noch, dass seine Hose und alles klitschnass waren…Für mich war das ein totaler Schock. Ich war überflutet an Gefühlen, die aus Ekel, Wut und Mitleid sich zusammensetzten. Ich sagte dann zu meiner Familie, dass er hier das letzte Mal war. Das ich so was nicht kann und auch nicht will. Mein Schwiegervater fuhr dann zwischendurch noch mal zu ihm hin und erzählte mir vor 2 Wochen, dass er wesentlich besser aussieht, sich richtig über die Kinder gefreut hat und gerne wieder einmal zu uns kommen würde, mit seiner Lebensgefährtin. Nach einigen hin und her hab ich mich quasi überreden lassen: Ich rief ihn am Freitag an und fragte ob die beiden zu uns kommen wollten. Er sagte mir er müsse erst mit seiner Lebensgefährtin reden. Ich rief also Samstag noch mal und er sagte mir, er würde gerne kommen, aber seine Lebensgefährtin hätte keine Lust…

Ich fuhr also Samstagnachmittag hin, klingelte, der Türsummer ging und ich ging nach oben. Dort war die Tür zu, ich wartete also und nach einiger Zeit klopfte ich dann. Mein Vater machte daraufhin die Tür auf und sagte mir ich solle reinkommen…mir schlug ein widerlicher Gestank entgegen, auf den Boden waren braune Flecken…ich fragte ihn was das sei und er antwortete nur, er müsse das weg machen…er machte es aber nicht wirklich weg, die Schei…. war überall auf dem Boden… Ich extremst schockiert, konnte es aber trotz des ganzen Ekels ihm nicht sagen, ich nehm dich nicht mit. Also sagte ich ihm irgendwann, deine Hose ist dreckig. Seine Antwort: ja weiß ich…wir können fahren! Ich wusste nicht was ich sagen soll…Der Mensch hatte Durchfall gehabt und es war noch alles an der Hose und er stank bestialisch…Ich fragte ihn dann möchtest du dich nicht umziehen, denn so versaust du mir die ganzen Sitze. Da sagt er mir ernsthaft er würde die Jacke überziehen. Die Jacke war aber nur eine sehr kurze Jacke und die Hose war bis zu den Knöcheln eingesaut. Da hab ich ihn dann gesagt, so nehm ich dich mit, geh dich umziehen, was er dann auch endlich tat. Ich war fix und fertig, da stört es ihn nicht einmal mehr in einer Hose rumzulaufen, die vollgeschissen war. Ich fragte ihn dann auch, was mit der Sch... auf den Boden sei, er sagte nur, dass würde seine Lebensgefährtin wegmachen…Ich dachte nur noch: das ist nicht sein Ernst, aber ich wollte auch nicht länger diskutieren, ich wollte nur noch raus dort. Eigentlich wollte ich nur noch weg von diesem Menschen…wir gingen also runter, er nahm eine Tasche mit, wo ich noch dachte: Schau er nimmt schon Wechselklotten mit. Im Auto dann bemerkte ich, dass er immer noch nach Sch… roch. Zuhause angekommen, warnte ich meine Familie dann ihm nicht die Hand zu geben (ich wusste ja nicht ob er noch was an den Händen hatte) und dann bin ich um die Ecke gegangen und dort erst mal in Tränen ausgebrochen. Meine Freundin, die auch da war versuchte mich zu trösten, während meine Schwiegereltern meinen Vater begrüßten. Wir setzen uns dann an den Kaffeetisch, was aber unerträglich war. Nach 2 Stunden wollte mein Schwiegervater ihn dann wieder nach Hause bringen, Ich verabschiedete ihn (Ich weiß nicht wie ich es geschafft habe, diese 2 Std. höflich und freundlich zu sein) und sagte ihm er solle seine Lebensgefährtin lieb grüßen, daraufhin er wenn er sie dann sieht, denn er führe jetzt erst in die Stadt und würde dort übernachten…Mein Schwiegervater und ich schauten uns an…da griff mein Schwiegervater ein und blies ihm den Marsch: Er könne doch so nicht unter Menschen gehen, er stinke wie ein Puma nach Sch…, das wäre doch eine Zumutung, aber er sagte dass ginge schon. Mein Schwiegervater fuhr ihn dann weg, was hätte er machen sollen. Ich desinfizierte erst einmal meine komplette Wohnung so sehr ekelte ich mich und dann rief ich seine Lebensgefährtin an.

Ich wollte wissen was Sache ist, hat sie ihn rausgeschmissen und wenn nicht was macht er den ganzen Tag, wie hält sie dass bei ihm aus. Was ich dann erfuhr, schmiss mich bald aus der Bahn: Sie hatte sich nicht getraut mich anzurufen, weil sie nicht dachte, dass ich ihr glauben würde, da er ja schließlich mein Vater sei. Er gibt ihr Geld (sie ist schließlich Alleinverdienerin) für schwachsinnige Sache aus (Revell, Modellbau usw.), er bekommt kein Arbeitslosengeld mehr, beantragt aber auch kein Harz IV, er ist nicht einmal mehr Krankenversichert, er macht zu Hause nix, er redet nicht mehr mit ihr und dann kam das schlimmste: Sie macht seit Monaten nur noch sein Kot und Urin weg, da er es nicht mehr auf Toilette schafft, es stört ihn aber auch nicht. Sie muss schon morgens bevor sie selber auf die Toilette kann erst seinen ganzen Dreck wegmachen und wenn sie dann von der Arbeit kommt, wieder. Die arme Frau ist fix und fertig, denn so was kann man ja auch keinem fremden erzählen und sie weiß nicht mehr was sie noch machen soll. Sie kann nicht mehr mit dem Menschen zusammen sein, weiß aber nicht wie sie ihn ohne Hilfe verlassen soll. Ich hab ihr dann gesagt, ich werde ihr helfen. Wir (mein Schwiegervater und ich) treffen uns heute mit ihr um zu besprechen, wie es jetzt weiter geht. Tja das ist unsere Geschichte….

Für mich ist das schlimmste, dass ich meinem Vater nicht mal mehr helfen möchte… Ich find es auch schlimm, dass ich lieber seiner Lebensgefährtin helfe, als ihm. Und ich bin eigentlich ein Mensch, der immer da ist, wenn jemand in Not ist, aber hier ist eine Grenze, die ich nicht mehr übertreten kann…Aber ich denke einfach im Moment ist ihm nicht zu helfen, ihr aber schon. Und wenn er keine Bleibe mehr durch sie hat, keine Geldmittel mehr durch Sie hat, dann wird er eher wachgerüttelt, als durch alle Worte der Welt. Man hat mir gesagt, er muss jetzt erst einmal richtig auf den Boden aufschlagen…Mir ist es ehrlich gesagt, egal, so schlimm sich das auch anhört. Mein Schwiegervater (ich erzählte ja, dass er Erfahrungen mit Suchtkranken hat) wird sich dann, wenn es soweit ist um ihn kümmern, weil er auch gesehen hat, dass ich nicht mehr kann. Ach ja, ich habe heute mich mit seiner Lebensgefährtin getroffen, sie macht diesen schrecklichen Zustand (mit dem, dass er es nicht mehr auf Toilette schafft) schon ein ¾ Jahr lang mit…Unfassbar, wir haben ihr dann geraten, das Konto für ihn zu sperren, da sie Kontoinhaberin ist und sie will ihn auch verlassen. Deswegen wollen wir uns mal mit dem diakonischen Werk in Verbindung setzen. Wo er dann hin kann, da es ihre Wohnung ist.

Aber welche Möglichkeiten haben wir denn? Wie gesagt er ist arbeitslos und wird auch keine Arbeit mehr bekommen weil sein Körper schon zu sehr durch den Alkohol zerstört ist, er hat kein Geld, keine Krankenversicherung und nichts. Hat einer eine Idee, was man jetzt zuerst machen muss, an welche Ämter und Hilfeeinrichtungen man sich wenden muss um ihn und aber vor allem ihr zu helfen? Ich weiß echt nicht mehr weiter. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich jemand hierzu äußern könnte. Ich freu mich über jeden Beitrag!

Vielen Dank schon einmal und einen lieben Gruß,
Kristin

PS Sorry für den langen Text und ich schon immer gekürzt, aber nur so konnte ich das Bild von ihm vermitteln…

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