Ernsthaftigkeit/Austausch/Betroffen/Kranken/Forum

Sonstige Suchthilfe und Hilfe zum Thema Lebenshilfe, Alkoholsucht, Umgang mit Alkohol und Alkoholkrankheit, Selbsthilfegruppen für Hilfe bei Alkohol, Alkoholkrankheit bzw. Coabhängigkeit und für Angehörige.
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Hartmut
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Ernsthaftigkeit/Austausch/Betroffen/Kranken/Forum

Beitrag von Hartmut » 05.03.2008, 14:20

Hallo @all

ich hatte mir ja schon vor kurzen etwas Luft gemacht in meinem Thread Alkoholiker Light!

Nun möchte ich mal diesen Thread eröffnen und ihn zur Diskussion stellen, wie ernst Ihr eure Krankheit sehen tut und wie Ihr euch einen Austausch im Forum in Bezug auf eure Krankheit vorstellt?

Sei es nun Co oder Alkoholiker!

Mir ist es aufgefallen , das sich vermehrt Hilfesuchende anmelden und einen kurzen Austausch über andere Threads machen und dann wieder verschwinden ohne einen eigenen aufmachen oder sich nicht trauen ihn aufzumachen!

Mich würden mal die Gründe interessieren warum das so ist?

Gruß Hartmut

Martin

Beitrag von Martin » 05.03.2008, 14:54

Hallo Hartmut,

ein Grund könnnte sein daß "Hilfesuchende" keine Hilfe, sondern die Bestätigung suchen nicht abhängig zu sein.

Wenn dem nicht so ist, und die Maßnehmen die zu einem Suchtfreien Leben führen unbequem sind, verlassen sie das Forum.

Einen eigenen Thread zu eröffnen setzt ja auch wieder die Bereitschaft voraus etwas von sich zu erzählen und "Kritik" an sich zuzulassen.

Dazu sind wohl nicht alle bereit.

LG Martin

Mohrle2

Beitrag von Mohrle2 » 05.03.2008, 15:29

Hallo Hartmut und alle,

was mich abgelangt, so habe ich noch kein eigenes Thema eröffnet, da ich erst einmal testen will, inwieweit meine eigene Meinung hier zulässig ist bzw. nicht durch Löschen abgewürgt wird. Ich bin in der 5. Woche trocken und habe bspw. kein Problem damit, mich mit aus Genuss alkohol trinkenden Menschen zu konfrontieren, da ich da null craving habe. (Mein Problem war das alleine Trinken.) Als ich dieses Thema bei Kelli, die herzlich zu Besuchen eingeladen hatte, ansprechen wollte, wurde es sogleich gelöscht.

Ich möchte zunächst die Handhabung hier in diesem Forum auf mich einwirken lassen. Als ich mich bei den Moderatoren vorstellte, war ich noch äußerst angenehm überrascht von deren hilfreichen und einfühlsamen Kommentaren. Hier im Forum war ich dann etwas erstaunt über die manchmal mich dogmatisch anmutende Handhabung. Die Individualität, die zu meinem Suchtverhalten führte, und mit der ich da auch wieder hinaus steuere, wie das ja auch in Borawiaks Buch beschrieben steht, scheint mir hier nicht besonders erwünscht zu sein. Sollte ich mich irren, so lasse ich mich gerne eines Besseren belehren. Ich habe sehr, sehr viel gelesen und viele Gespräche gehabt, so dass ich meine, in meinem Entschluss zur Abstinenz gestärkt zu sein. Ich frage mich auch ein wenig, wie rigide möglicherweise mit Leuten umgegangen wird, die dennoch einen Ausrutscher haben. In dieser Anfangsphase bin ich natürlich äußerst sensibel....

Liebe Grüße

Mohrle

Spedi

Beitrag von Spedi » 05.03.2008, 16:17

Servus Hartmut,

das von Dir beschriebene Phänomen ist ja leider nicht neu. Ich habe nur Zweifel, ob sich denau die mit einer Antwort melden, die es betrifft - da werden wohl die wenigsten mit einer Antwort aufwarten, da sie dann ja mal Stellung beziehen müssten.

Die zweite mir bekannte Gruppe sind diejenigen, die sich mit ihrer Krankheit noch nicht identifizieren wollen und auf ihre "Individualität der Sucht" pochen. Auch dieses Phänomen ist uns ja in der Suchtarbeit (und zum Teil aus eigener Erfahrung) hinlänglich bekannt.

Aber ich find's gut, dass Du zumindest mal versuchst, deren Beweggründe zu hinterfragen.

Mir geht's nämlich auch ziemlich am Allerwertesten vorbei wenn jemand immer nur Angelesenes oder Gehörtes zum Besten gibt, statt seine eigene Erfahrung (gute wie schlechte, hauptsache: eigene) zu präsentieren. Die Kommentare solcher Schreiberlinge kann ich nicht ernst nehmen.

LG
Spedi

Ette
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Beitrag von Ette » 05.03.2008, 16:34

Hallo Hartmut,

mir gehts ähnlich wie Spedi, allerdings im Co-Bereich. Auch dort habe ich oftmals das Empfinden, dass in anderen Threads herumschwadroniert wird, angelesene Weisheiten verbreitet werden und kluge Ratschläge erteilt, jedoch nicht wirklich von sich selbst erzählt wird. Wenn ich dieses Forum als eine virtuelle Selbsthilfegruppe betrachte, dann kann sie nur so gut sein wie das, was ihre Mitglieder, sprich die Poster, einbringen. In der realen SHG sind das in erster Linie eigene Erfahrungen. Hier habe ich oftmals das Gefühl, dass ich eeine Art Bühne betrachte, auf der so manche die Vorzeige- oder Ausnahme-Co´s oder -Abhängigen mimen. Die werden auch relativ schnell wieder verschwinden, wenn es nicht genügend Claquere gibt, die ihre Besonderheit zu würdigen wissen. Solche Menschen gibt es auch immer wieder in realen SHGs, jedoch begünstigt die Anonymität des Internets solche "Profilneurosen" noch um einiges.

Diejenigen, die wirklich an sich arbeiten wollen, bleiben länger.

LG
Ette

Karsten
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Beitrag von Karsten » 05.03.2008, 16:48

Hallo Hartmut,

viele Menschen, die sich anmelden, sind irgendwie der Meinung, sich die Hilfe noch so auszusuchen, dass sie ihnen angenehm erscheint.
Ich war ja früher auch nicht anders und dachte, dass ich selbst weiß, was nötig ist, um ein Leben ohne Alkohol zu führen.
Veränderungen an meiner Lebensführung gehörten natürlich nicht zu den Dingen, die ich für notwendig hlielt.

Sich selbst zu öffnen und Feedback zu erhalten, ist oft unangenehm und setzt den Wunsch voraus, dass man überhaupt wisen möchte, wie man auf andere Menschen wirkt, aus diesem Feedback für sich auch Schlußfolgerungen zieht und sich vor allem selbst mal in Frage stellt.

Als ich endlich bereit war Hilfe anzunehmen, war ich versoffener, obdachloser Säufer, der eingesehen hat, dass er nicht weiß, wie man besser leben kann.

Sicherlich muß man nicht wie ich, mit vollgepisster Hose auf der Parkpark aufwachen, aber es hilft ungemein, diese Erfahrungen machen zu können, um anderen Menschen glauben schenken zu können.

Sich selbst in Frage stellen ist für mich auch der entscheidene Punkt. Glaube ich zu wissen, was gut ist oder möchte ich von anderen wissen, was gut ist.

Tja, Hilfe können wir nur vermitteln, wenn Hilfe gewolt ist.

Gruß
Karsten
______________________________
Das Thema Hilfe zur Selbsthilfe und meine Gedanken zum Leben ohne Alkohol
Zuletzt geändert von Karsten am 01.08.2009, 22:19, insgesamt 2-mal geändert.

panther
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Beitrag von panther » 05.03.2008, 18:45

wieso wird das überhaupt in frage gestellt?

ich find das nicht schlimm, wenn jamand kein thread hat.
ich kann ihn ja fragen, wer er ist, wenn ich meine ich will denjenigen kennenlernen der mir postet. liegt ja an mir.

warum gleich wieder jemandem den willen absprechen für sich ernsthaft was tun zu wollen und deswegen hier zu sein?

und manche gucken halt erst ne weile.
manche denken nun mal sie bringen weisheiten mit.
manche denken: was wollen die mir erzählen. das weiß ich doch schon.
ich will es anders machen, trotz aufzeigen des bewährten weges.
warum lassen wir sie nicht?

manch einem wird durch den weg des anderen erst klar, daß er vielleicht auf dem holzweg ist. auch das zeichnet eine shg aus. das solche getragen werden.

schwierig finde ich es, wenn derjenige der selber kein thread hat mit ihrer meinung wie mohrle2 andere gefährdet. ermutigt ein grundbaustein zur trockenheit nicht einzuhalten aus erfahrungen von 5 wochen finde ich bedenklich und unverantwortlich. in anderen threads dies zu schreiben umsomehr. da gilt es in diesen threads aufzuklären und besonders da dann die eigenen erfahrungen reinzubringen, wenn wir das sehen.

andersrum würde ich mohrle2 jetzt aber nicht absprechen den wunsch zu haben mit dem trinken aufzuhören. und find schön, daß sie hier in diesem thread schreibt.

aber hand aufs herz. selbst in der realen gibt es solche und solche. egal wie lange trocken. und auch da wird sich manchmal einer bühne bedient. das ist nun mal so wo mehrere menschen mit unterschiedliche charkteren zusammen finden. da es aber auch hier ne selbsthilfegruppe ist und man sowas nicht ausschließen kann, sollte ich gucken wer mir da eigentlich schreibt. und mich an die länger trockenen halten und an den bewährten weg. und bei den cos sind diese mit eigener erfahrung bekannt und man merkt schnell, welcher auch aus eigenen erfahrungen schreibt.

Karsten
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Beitrag von Karsten » 05.03.2008, 19:11

Hallo Panther,

so ist es halt. Viele verschiedene Menschen, viele verschiedene Ansichten.
Ich denke, dieser Thread sollte allgemein zum Nachdenken anregen und jeder kann dann daraus Handlungen ableiten, wie er oder sie es für richtig hält.

Was ich geschrieben habe, sind halt meine Erfahrungen, die jetzt aus drei Jahren Forum resultieren.
Da fängt es mir eben an, wenn man am Anfang steht, sich auf sich selbst zu konzentrieren, sich bekannt zu machen und nicht versuchen, anderen Ratschläge zu geben, die nicht auf stabile Erfahrungen beruhen.

Kümmere ich mich um mich, schreibe das hier auf, wie ich es gemacht habe, helfe ich gleichzeitig anderen.
Versuche ich als "Neuer" meine Meinung rüberzu bringen, kan diese für andere Leser gefährlich sein, weil ich ja selbst nicht weiß, ob diese Meinung richtig ist.

Nun schließt sich der Kreislauf zu meinen vorigen Beitrag. Bin ich in der Lage, mir einzugestehen, dass ich nicht weiß, was richtig ist oder?

Gruß
Karsten

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