Geschichten erfinden

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
bienelein8
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Geschichten erfinden

Beitrag von bienelein8 » 25.07.2008, 09:00

Ich versteh schon, dass sich der Alkoholiker selbst belügt. Er braucht ja eine Ausrede warum er trinkt.
Meine Frage ist,gehört es zum Alholismus dazu, dass er Geschichten erzählt.
Zum Beispiel ist krank muss ins Krankenhaus ist da aber nie angekommen....Muss Mutter besuchen die plötzlich herzkrank ist. Halt so angebliche Geschichten die nur er glaubt.(weil er schlecht lügt)
(Zur Zeit ignoriere ich solche Storys)
Ich frage mich ob das jeder der trinkt tut??
Was will derjenige dann erreichen?? Mitleid??? grübel
LG

Spedi

Beitrag von Spedi » 25.07.2008, 09:09

Servus bienelei8,

dass Alkoholismus eine bewusstseinsverändernde Krankheit ist, weisst Du?!

Gut.

Der Fachausdruck für das von dir beschriebene Phänomen nennt sich Konfabulation und ist bei trinkenden Alkoholikern ab einem gewissen Stadium des permanenten Alkoholmissbrauchs sehr oft anzutreffen.

Es ist Teil der Erkrankung. Derjenige sieht das zu dem Zeitpunkt so, weil seine Wahrnehmung gestört ist.

Erreichen will er/sie dabei vordergründig oft nichts.

LG
Spedi

bienelein8
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Beitrag von bienelein8 » 25.07.2008, 09:38

Hi Spedi,
nö dass wusste ich nicht dass sich auch das Bewusstsein verändert. Wie traurig ist das, und das tut sich ein Alki dann auch noch freiwillig an.

Wenn er damit nichts erreichen will kann er das doch gleich lassen oder?
Sorry dass ich so blöd frage,aber dass begreife ich nicht. ist doch so unlogisch.
LG

Spedi

Beitrag von Spedi » 25.07.2008, 10:46

Servus bienelein8,
...und das tut sich ein Alki dann auch noch freiwillig an...
genau so freiwillig, wie sich jemand Krebs "holt". :roll:
...kann er das doch gleich lassen...
sag doch bitte mal jemand mit einem gebrochenen Bein, er soll das lassen. :roll:

bienelein, sorry für meinen Sarkasmus, aber bevor du hier dicke Töne spuckst und Dich beschwerst, solltest Du vielleicht erst mal hier lesen um die grundlegenden Fakten über diese Krankheit zu kennen. Die Details kannst Du Dir dann im Laufe der Zeit aneignen, wenn Du das wirklich willst. :idea:

Alkoholismus ist eine Krankheit. Diese sucht sich niemand aus, genauso wenig wie jede andere Krankheit. Bestimmte äußere Anzeichen einer Krankheit sind von Kranken nicht zu beeinflussen, wie z.B. die Konfabulation oder bei Korsakow die Demenz oder eine kaputte Bauchspeicheldrüse oder oder oder :!:

Du findest hier im Forum jede Menge Material zum Lesen und "Dich schlau machen"...


LG
Spedi

bienelein8
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Beitrag von bienelein8 » 25.07.2008, 11:12

Moment mal ich glaube du hast mich falsch verstanden oder ich habe mich falsch ausgedrückt.
Ich habe nicht vor hier dicke Töne zu spucken!!!
Ich will diese Krankheit nur verstehen.
"Das tut sich ein Alki freiwillig an" war gemeint er trinkt freiwillig!!!
"kann doch gleich lassen" war gemeint wenn jemand lügt und will nichts erreichen kann er es lassen!! Meine Überlegung war halt das derjenige vieleicht Zuwendung Mitleid o.ä. sucht.
Meine Absicht hier zu schreiben und zu fragen ist die Krankheit besser zu verstehen. Und nicht mich hier als Besserwisserin auf zuführen. Sollte das bei dir so angekommen sein tut mir das leid.
Im Gegenteil ich bewundere jeden der seine Sucht bekämpft!!
Allerdings habe ich noch nichts hier gefunden über "Geschichten erzählen"
LG bienelein8

gigi
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Beitrag von gigi » 25.07.2008, 12:02

Hi bienelein,

diese Krankheit ist manchmal für Angehörige schwer zu verstehen.

Alkohliker lügen oft. Zum einen, damit die Umwelt nicht so bemerkt, wie viel sie trinken. Oder sie finden Ausreden, z.B. ich muss ins Krankenhaus, dabei trinken sie an der nächsten Ecke Alkohol.

Sie haben ihre eigenen Gründe für die Lügen, die wir halt oft nicht nachvollziehen können und es halt auch auffliegt. Das ist die eine Variante.

Die andere ist die von Spedi angesprochene Krankheit, das Korsakow-Syndrom. Da kann sich der Kranke oft nicht mehr merken (merkfähigkeitsstörung, was in den letzten 10 Minuten war. Diese Erinnerungslücke füllt er dann mit erdachten Geschichten auf (das macht er aber nicht bewusst).

Es gibt noch eine Menge anderern Krankheiten, die durch Alkohol ausgelöst werden können, denn nicht immer wird nur die Leber schwer geschädigt, sondern auch das Hirn und dessen Funktionen in den verschiedenen Bereichen oder auch "nur die Nerven" oder der Magen.

Eine Abklärung beim Arzt wäre sehr wichtig, da man nur so feststellen kann, woher die "Lügerei" wirklich kommt.

Ich wünsche Dir noch einen schönen Tag

alles Liebe

Gigi

Emma P
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Beitrag von Emma P » 25.07.2008, 12:31

Spedi, ich wiederhole mich aber bitte hau doch nicht immer gleich so drauf.

Auch Bienlein sucht hier nicht nur nach Gründen und Tioos, sondern will sich auch einfach mal austauschen

Abgesehen von Wahrnehmungsstörungen und Korsakow lügen Alkohliker meist oft, wie Gigi erklärte, um den Konsum zu vertuschen.

Das kennen hier viele. Von : Ich war gestern schon früh müde und bin eingeschlafen, ich muß mal kurz zu einem Bekannten fahren, ich gehe mal eben Zigaretten holen, nein, den Kasten Bier im Keller habe ich für den Nachbarn gekauft, Ich war nicht in der Kneipe, ich mußte nur länger arbeiten und... und..und

Was sollen sie auch sonst tun ? Dem Partner sagen: Ich fahre mal eben in die Kneipe, weil ich ganz gibberig auf ein Bier bin und es kann sein, dass es länger dauert, weil es ja nicht bei einem bleibt ? Oder : Ich habe früh Feierabend gemacht, war dann aber mit einem Freund saufen bis zum Pupillenstillstand und habe Dich nicht angerufen, weil ich kaum noch sprechen konnte ?

Wohl kaum. Denn Ehrlichkeit bedeutet nicht nur Streß, Vorhaltungen, Ärger, Ermahnungen mit dem partner, sondern eben auch ein Eingeständnis, das man Abhängig ist und ohne Alkohol nicht mehr kann.

Deswegen wird gelogen.

Mein Ex-Partner beispielsweise hat mir eine Fortbildung im Ausland aufgetischt nur um mal eine Woche ungestört saufen zu können...

Ganz normal, leider !


Grüße Emma

Jenny2

Beitrag von Jenny2 » 25.07.2008, 12:41

Hallo zusammen,
Liebe Bienelein,

ich denke Spedi hat es gut erklaert. Er spricht es klar und direkt an. Alkoholiksmus ist eine Erkrankung, dass muss man als erstes verstehen, es geht nicht darum, dass dieser Mensch fies, gemein und abartig ist, sondern, dass er krank ist. Nun ist eine Suchterkrankung eine sehr komplizierte Sache, es ist nicht nur eine koerperliche, sondern auch eine psychische Erkrankung. Der Suchtkranke fluechtet sich in seine Sucht, sucht dort Halt und wird diese Sucht so lange wie moeglich aufrecht erhalten. Deswegen versuchen wir hier im Forum ja auch immer zu vermitteln, dass Hilfe und Worte bei einem Suchtkranken nicht helfen oder ihn einfach ohne eigenen Willen in eine Therapie zu schicken hilft auch nicht, denn der Suchtkranke selbst muss den AHA Effekt haben, dass er krank ist und Hilfe braucht. Er selbst muss erstmal verstehen und annehmen, dass er krank ist, denn sein Gehirn ist von der Sucht total vernebelt.

Wir raten daher Hilfe durch NICHTHILFE, sprich man muss den Suchtkranken machen lassen, sollte konsequent sein und aktiv handeln, sobald sich die Suchterkrankung auf unser Leben ausbreitet. Sehr haeufig ist damit eine raeumliche Trennung verbunden, einfach damit der Partner wieder ein ruhiges Leben fuehrt und somit der Suchtkranke erkennt, dass er kein "normales" Leben mehr fuehrt und sein Leben nur noch von der Sucht bestimmt ist.

Alles Liebe,

Jenny

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