Entzug??

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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elch
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Entzug??

Beitrag von elch » 28.07.2008, 23:18

Hallo, ich brauche mal eure Hilfe. Ich bin 35 j, w, habe ein Kind 3 Jahre und bin seit knapp 6 Jahren mit einem alkoholkranken Mann zusammen, seit diesem Jahr verheiratet. Mein Mann bezieht aufgrund einer psychischen Erkrankung eine (geringe)Erwerbsunfähigkeitsrente, ob die psychischen Probleme durch die Alkoholsucht bedingt sind oder die Alkoholsucht durch die psychischen Probleme sei mal dahingestellt, ich weiß es nicht. Aufgrund dieser Konstellation bin ich also die Hauptverdienerin und muss Vollzeit arbeiten, um unser Leben zu finanzen. Es gab bevor der Kleine da war schon recht krasse Erlebnisse, u.a. ein Selbstmordversuch meines Mannes und langfristige Aufenthalte in Psychatrien, Psychotherapien etc.
Mittlerweile hat er sich meiner Meinung nach psychisch (durch den Kleinen?) etwas gefangen, aber der Alkoholkonsum wird immer mehr. Ich denke dass er mittlerweile Alkoholiker ist.
Unser Kind geht seit einem Jahr tagsüber in eine Kita, ist dort gut versorgt, trotzdem: Mein Mann muss ihn dort abholen und versorgen bis ich von der Arbeit wieder komme, was er bis jetzt auch noch einigermaßen hinbekommt ohne sturzbetrunken zu sein-nur wie lange noch?.
Nach einem ernsthaften Gespräch mit meinem Mann hat er gesagt das er eine Entzugstherapie machen will. Hintergrund ist meines Erachtens der, das seine Rente nicht mehr weitergezahlt werden soll und er genau weiß, das ich zwar für Miete Strom Essen Kind etc aufkomme, ihm aber kein Geld für seine Trinkeskapaden gebe- die hat er bisher aus seiner Rente finanziert. Er bekäme jetzt nur noch ein geringes ALG für 1 Jahr, danach wäre Hartz 4 angesagt, aufgrund meines Gehaltes würde er dann vermutlich nichts mehr bekommen, es sei denn er würde wieder einen Job finden- nach ca. 7 Jahren ohne Arbeit eher unwahrscheinlich. Ist das jetzt die oftmals angesprochene für den Alki ausweglose Situation, die Ihn wirklich zum Entzug bewegt ???
Und wenn er es wirklich ernst meint: Wie gehen er/ich/wir/ jetzt vor?
Ich habe ihm vorgeschlagen, morgen nach seinem Termin beim Arbeitsamt direkt zum Arzt zu gehen und nach Therapieplätzen zu fragen. und das wir uns bei der Krankenkasse informieren müssen wegen Kostenübernahme und evtl. Übernahme von Betreungskosten für unsern Sohn.
Ich befürchte insbesondere, das ich alles irgendwie versuche zu arrangieren, auf der Arbeit etc etc.- und der gnädige Herr sagt dann kurz vor Therapiebeginn:
Ach, nee ich mach das doch nicht.
Könnt ihr mir Tipps geben?
Eine Trennung möchte ich nicht, ich liebe ihn, trotzdem weiß ich das ich die Verantwortung für unser Kind habe. Wenn er nicht trocken wird, werde ich mich früher oder später trennen müssen alleine wegen unserm Kleinen. Ich hoffe einfach das er es wirklich ernst meint mit seinen Entzugsabsichten.
Gibt es hier im Forum vielleicht Leute die ohne Trennung einen Alkoholentzug des Partners mitgemacht haben und mir dazu Tipps geben können?

Spedi

Beitrag von Spedi » 29.07.2008, 08:37

Servus elch,
Gibt es hier im Forum vielleicht Leute die ohne Trennung einen Alkoholentzug des Partners mitgemacht haben und mir dazu Tipps geben können?
Du scheinst der Meinung zu sein (zumindest lese ich das so aus Deinem Posting), mit dem Entzug "hat er es endlich kapiert und wird gesund" was den Alkohol angeht.

Sorry wenn ich Dir Deine Illusion hiermit zerstöre, aber der Entzug ist nur ein klitzekleiner notwendiger Baustein auf einem langen Weg in die Trockenheit.

Wenn ich dich richtig verstanden habe, hast du Deinen Mann geehelicht obwohl Du wusstest, dass er Alkoholiker ist - sehe ich das richtig?

Ich kann dir nur anheimstellen, Dich über Alkoholismus zu informieren - sei es hier oder sei es bei einer Suchtberatung oder bei einer "realen" Selbsthilfegruppe für Angehörige (oder gemischte Gruppe) um das Wesen dieser Familienkrankheit und auch die Nebenerscheinungen (wie z.B. Coabhängigkeit) zu erkennen.

Ob und wenn ja was Du dann aus diesen Informationen machst, ist Deine Sache. Ich kann Dir nur sagen, wie ich mich verhalte. Und ich als trockener Alkoholiker werde in erster Linie immer auf meine Bedürfnisse (und die meines Kindes) Rücksicht nehmen. Klartext: kein Kind in unserer Gesellschaft hat es verdient, in einem Alkoholikerhaushalt aufwachsen zu müssen. Auch nicht zeitweise. Ein Kind hat das Recht auf eine gesunde körperliche und geistige Entwicklungsmöglichkeit. Die ist mit einem Alkoholiker im Haushalt nun mal nicht gegeben.

LG
Spedi

Susanne

Beitrag von Susanne » 29.07.2008, 08:58

Hallo elch,

ich heiße Dich nochmals willkommen hier im offenen Bereich.

Du hattest im Vorstellungsbereich ja nun schon einiges mehr erzählt, wie Deine private Situation aussieht. Und Du hattest gefragt, ob die finanzielle Lage Deines Mannes dazu ausreicht(Wegfall der eigenen ALG-Bezüge und damit fin. Abhängigkeit von Dir), um ernsthaft eine Therapie machen zu wollen.
Dazu kann ich Dir keine Antwort geben, ob dieser *Druck* ausreicht, aber aus vielfacher Erfahrung der Betroffenen hier ist ein enormer Leidensdruck vom Alkoholiker selbst nötig, um aufhören zu wollen! Bei manch einem hilft es vielleicht schon, daß der Partner droht, zu gehen, beim Nächsten muß vielleicht noch die buchstäbliche Trennung erfolgen, aber bei vielen muß noch viel viel mehr passieren, wie totaler Zusammenbruch aller sozialer Komponenten( Verlust der Familie, körperlicher Verfall, Arbeitsplatz- und Wohnungsverlust, Leben auf der Strasse etc...).
elch, ER muß es wollen, er muß die Krankheitseinsicht haben.

Das Einzige, was DU wirklich tun kannst, ist, Dir hier ganz viel Informationen holen über die Krankheit Alkoholismus. Nur Du kannst etwas für Dich und Dein Kind tun.
Kinder bekommen sehr sehr viel mit von der Krankheit eines Elternteils...da hilft auch keine Unterbringen in einer KiTa. Deine Anspannung, Dein Leiden spürt Dein Kind.
Ich kann Dir nur aus eigener Erfahrung sagen, daß der Schaden bei Kindern wirklich groß ist, wenn DU nichts für Euch beide tust! Es gibt Angehörigen-Gruppen, Kinder-Gruppen, in denen Kinder von Alkoholikern ihre Ängste und Sorgen aufarbeiten können. Aber vor Allem dort erlernen, daß nichts und niemand den Alkoholiker retten kann als er selbst.
Ich möchte Dich auch darauf hinweisen, daß selbst eine Trockenheit nicht die Garantie dafür ist, daß Deine Familie gerettet ist. Es ist ein langer Prozess, den Dein Mann und auch Du dort gehen müßt. Täusche Dich nicht darin, daß das Heil in einer Therapie liegt. Dazu gehört eine ganze Menge mehr.

Ich hoffe, Du kannst dies alles erstmal verarbeiten. Frage, wenn Du etwas nichts verstehst, lerne von den Erfahrungen der Anderen hier, denn wir sind hier aus dem selben Grund: Ein Leben ohne Alkohol zu erlernen.

Freue mich, mehr von Dir zu lesen.


Liebe Grüße
S.Käferchen Bild

Chris40

Beitrag von Chris40 » 29.07.2008, 09:40

Hallo Elch, herzlich willkommen.

Mein Mann ist auch EU-Rentner( mit einer auch sehr geringen Rente), ich bin Vollzeit und Nebenjob Hauptverdiener.Unser Glück ist das unser Sohn 20 Jahre alt ist, aber auch für ihn ist es nicht einfach das alles mitzuerleben und zu verstehen.
Mein Mann seine Rente war auch zu Ende wir haben sie neu beantragt und warten auf den neuen Bescheid.
Er hatte jetzt vor kurzen seine zweite Entgiftung durch und jetzt ist voller Motivation es zu schaffen,allerdings war es bei ihm auch kurz vor zwölf . ER muß vorallem wollen, ich habe auch mit Trennung gedroht und war auch soweit es durchzuziehen obwohl ich ihn sehr liebe, aber er muß wollen.
Du mußt wirklich für Dich entscheiden was Du willst, eine Trennung ist nicht einfach aber denke an dein Kind.Wie vor mir schon gesagt wurde , das Kind verkraftet es in dem Alter überhaupt nicht und wird es nicht verstehen. Wie gesagt mein Sohn ist 20 und hat Probleme.

Mit Hilfe unseres Arztes war die erste Entgiftung innerhalb einer Woche von dem Moment an wo er sagte ich will. Die zweite dauerte sehr lange und er mußte sich zweimal die Woche dort melden um seinen Willen zu bekunden.

Schreib Dir alles vom Herzen ,mir hat es auch geholfen und vorallem wie dir ja auch schon gesagt wurde berate dich , lies über das Thema damit du diese KRANKHEIT verstehst.
Und ich war auch in einem Therpiezentrum bei uns in der Stadt zu einer Angehörigengruppe, die gibt auch Kraft. Darüber reden und zuhören und Fragen beantwortet zu bekommen.

Chris

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