Aufnahme zur Entgiftung abgelehnt, Empfehlung: weitertrinken

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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Ginny
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Aufnahme zur Entgiftung abgelehnt, Empfehlung: weitertrinken

Beitrag von Ginny » 28.09.2008, 20:25

Hallo,
ich habe meine Geschichte bereits kurz im Vorstellungsforum dargestellt!
Für mich unfassbar: am Samstagnachmittag will mein Mann eine Entgiftung beginnen (nach 5 Alkitagen, Rückfall!) und die Oberärztin der Entgiftunsstation will ihn erst am Montagmorgen aufnehmen, da ja keine Lebensgefahr bestehe. Auf meine Frage, ob sie die Verantwortung für den Entzug zu Hause übernehmen könne, war ihre Empfehlung: bis zum Aufnahmetermin weitertrinken! Ich empfand diesen Rat für mich als Ehefrau als absolute Zumutung und skandalös. Ich hätte gestern alle örtl. Krankenhäuser abgefahren, um meinen Mann stationär unterzubringen, zum Glück trafen wir schon im ersten Krankenhaus auf einen sehr kompetenen und engagierten Arzt der es als seine Pflicht angesehen hat, uns zu helfen! Aber ist das nicht auch ein Stück Selbstverständlichkeit!?!
Eure Meinung interessiert mich!
Herzlichen Dank und liebe Grüße Ute

Vaan
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Beitrag von Vaan » 28.09.2008, 21:08

Hallo Ginny

Hier wird sicherlich niemand die ärztlichen Diagnosen in Frage stellen, aber in Sachen WEITERSAUFEN muss eine Lanze gebrochen werden.

Nun stelle Dir doch bitte einmal vor, Du bist schwerst abhängig von einer Droge. Denke da auch einmal ruhig laut über Heroin, Cristal Mess und wie sie alle heißen nach.

Der Entzug unter Aufsicht soll doch gerade die Entzugserscheinungen lindern. Da muss es doch auch für Nichtabhängige nachvollziehbar sein, dass bis zum Antritt im Krankenhaus die Droge nicht abgesetzt werden soll, denn dann hätten wir ja wieder den kalten Entzug.

Dann wünsche ich Deinem Mann einfach mal, dass er es dieses Mal schafft.

Gruss Vaan

Ginny
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Beitrag von Ginny » 28.09.2008, 21:35

Danke Vaan für Deine Antwort!
Dass ich den kalten Entzug (zu Hause) nicht wollte, hatte ich der Ärztin unmißverständlich klar gemacht. Aber für mich war es auch unvorstellbar, am Samstagabend in eine Notfallapotheke zu fahren - denn nur dort hätte ich den Stoff (Klo... mi... g...) um die Zeit bekommen. Nur weil sie keine Notaufnahme wollten!
Der Arzt im aufnehmenden Krankenhaus hatte noch sehr lange mit der Ärztin der Entgiftungsstation telefoniert, um sie doch zu einer Aufnahme zu bewegen - ohne Erfolg.
Im Nachhinein vielleicht besser so! Mein Mann empfindet die Betreuung im Krankenhaus besser als die auf der Entgiftungsstation (dort war er im April).

Übrigens: als wir vor 13 Jahren heirateten war mein Mann fast 10 Jahre trocken und blieb es auch weitere 12 Jahre! Im Nov. 2007 Rückfall, und nun vor 6 Tagen. Um ehrlich zu sein: ich habe Angst!

Vaan
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Beitrag von Vaan » 28.09.2008, 21:55

Um ehrlich zu sein: ich habe Angst!
Na nun kommen wir der Sache doch langsam näher. Nun lasse mal Deinen Mann da wo er ist. Dort kann man ihm nämlich sehr wahrscheinlich besser helfen als Du es kannst.

Die Tatsache, dass der dort freiwillig ist, halte ich schon einmal für ein gutes Zeichen. Wie Du dich verhältst wenn er wieder da ist läßt Du Dir am Besten von den CO Abhängigen erklären. So ganz ohne Deine Hilfe wird er es nämlich wohl nicht schaffen trocken zu werden/bleiben.

Viele Angehörige hier haben das Problem, ihren Partnern ersteinmal klar machen zu müssen, dass sie ein Problem haben. Es ist für Dich ein riesen Vorteil, dass Du das schon einmal nicht machen brauchst.

Ich habe einen kompletten Forenzugang und somit einen Überblick über die ganzen Beiträge. Hier ist im Augenblick wirklich viel los. Ich bin mir ganz sicher, dass sich hier auch noch COs zu Worte melden werden. Warte doch einfach noch ein wenig.

Zeitdruck hast Du ja nun keinen.

Sieh es mal so : Du hast nun ein paar Tage Zeit um Dir zu überlegen wie es nach der Engiftung weiter geht. In der Zeit ist er im Krankenhaus in Behandlung und Du kannst Dir in aller Ruhe die nächsten Schritte überlegen.

Gruss Vaan

Susanne

Beitrag von Susanne » 29.09.2008, 07:48

Hallo Ute,

ich begrüße Dich nochmal ganz herzlich im offenen Bereich :wink: .

Wie Vaan schon geschrieben hat, ist es jetzt wichtig, daß Du die Zeit, die Dein Mann im Krankenhaus ist, für Dich nutzt, um etwas Klarheit für Dich zu bekommen.

Es ist mit Sicherheit sehr schwer für Dich, Deine Angst jetzt in den Griff zu bekommen, weil Du ja auch so lange seine Trockenheit miterleben konntest. Daher solltets Du jetzt hier ganz viel bei den anderen lesen, auch bei den Alkoholikern, um zu verstehen, wie es zu solchen Rückfällen kommt.

War Dein Mann in einer Selbsthilfegruppe? Hatte er eie Langzeittherapie gemacht? Könnte er dies eventuell jetzt mal wiederholen oder erstmals machen?

Ich wünsche Dir, daß Du hier erstmal etwas zur Ruhe kommst, verstehst, daß Du durch übertriebene Angst und Kontrolle Deinem Mann und Dir keinen Gefallen tust. Letztendlich liegt die Entscheidung jetzt bei ihm, ob er weitertrinken möchte oder nicht. Und bei Dir, ob Du bereit bist, an Dir zu arbeiten, denn dies ist als Angehöriger auch ganz wichtig. Du wirst hier sehr viel Anregung dazu bekommen.

Liebe Grüße
S.Käferchen Bild

skybird
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Beitrag von skybird » 20.10.2008, 19:17

Hi Ute,

es würde mich sehr interessieren, wie es bei Dir / Euch weitergegangen ist. Magst Du ein bisschen was erzählen?

LG Skybird

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