wie kann ich meinen trockenen Partner unterstützen?

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.
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Speedy53
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wie kann ich meinen trockenen Partner unterstützen?

Beitrag von Speedy53 » 28.02.2009, 18:26

Hallo Zusammen,

diese Frage kursiert ja gerade im Co-Bereich

http://www.forum-alkoholiker.de/ftopic1 ... asc-0.html

Mich würde interessieren, wie Ihr trockenen Alkoholiker, die nicht von Euren Partnern verlassen wurdet, das erlebt habt?

Wärt Ihr jetzt trocken, wenn der Partner weg wäre?

Hättet Ihr überhaupt angefangen aufzuhören... ohne den Partner?

Und... wie sah da die Unterstützung aus?

Lieben Gruß
Speedy

Spanijoggel
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Beitrag von Spanijoggel » 28.02.2009, 22:07

Hallo Speedy!

Da muss ich spontan an ein Mitglied meiner realen SHG denken.

Er war schwerer Alkoholiker mit einigen Trinkpausen und fürchterlichen Abstürzen nach den Rückfällen.


Bis ihn seine Frau vor die Türe gesetzt hat.
Da ist er zur Besinnung gekommen.

Und jetzt ist das ein ganz toller,sensibler Mensch.
Aber er musste schwer unten durch,als er ganz alleine war.

Vielleicht bin ich am Thema vorbei?

Liebe Grüsse
Yvonne

Spedi

Beitrag von Spedi » 28.02.2009, 22:09

Servus Speedy53,

meinen Weg kennst du ja. Zu dem Zeitpunkt -als ich trocken werden wollte- war mir alles andere egal. Ich wollte nur weg vom Alkohol, nur nicht mehr trinken müssen.

In dem ersten Jahr meiner Trockenheit hatte ich so viel mit mir zu tun, dass ich meine Frau nur vor die "einfache" Wahl stellen konnte, auch etwas für sich zu tun oder wir würden einfach auseinander gehen müssen.

Nachdem wir eine ganze Weile auch einen gemeinsamen SHG-Abend hatten, konnte jeder von uns etwas über den anderen erfahren, was ihm so nicht bewusst war - das war für uns beide eine große Hilfe bei unserem gemeinsamen Neuanfang.

Nichts desto trotz empfand ich dieses erste Jahr als eine gewaltige Belastung, insbesondere, dabei auch noch "Ehe- und Partnerarbeit" zu leisten um die Beziehung neu aufzubauen.

Wäre ich trocken wenn meine Frau weg wäre? Ja. Ja, weil ich primär trocken leben möchte. Egal wie, hauptsache: trocken.

Ob ich aufgehört hätte zu trinken - ohne den Partner? Ja. Auch hier: ich wollte nur nicht mehr trinken müssen, alles war für mich besser, als weiter saufen zu müssen.

Wie sah die Unterstützung durch den Partner aus? Meine Frau hatte keinerlei Probleme, dass ich mir ein 100% alkoholfreies Umfeld aufbaute. Und sie ging für sich zu Menschen, die ihr helfen konnten um sich selbst zu helfen. Das hat mir den Rücken frei gehalten, mich um meine Belange zu kümmern.
Das habe ich als Unterstützung empfunden.

Der "Rest" kam später, da war ich dann schon ein Jährchen trocken...


LG
Spedi

Zeppeline
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Beitrag von Zeppeline » 01.03.2009, 13:08

Hallo Speedy,

über das Thema habe ich schon oft nachgedacht. Bei mir war es so, dass die Entscheidung, mit dem Trinken aufzuhören, ausschließlich in meinem eigenen Kopf getroffen wurde, einen Anstoß von meinem Freund gab es nicht. Gelegentliche Hinweise von ihm, dass ich ja wohl ein bisschen viel trinken würde, reichten nun mal nicht aus, mich zu bremsen – das hat eher meine Heimlichtuerei befördert.

Ich hab also von selbst aufgehört. Anfangs war es umso schwerer, als mein Freund das mit dem alkoholfreien Zuhause nicht kapiert hat, er sah die Notwendigkeit nicht ein. Kam dann aber freiwillig mal in meine SHG mit, wo ihm klargemacht wurde, dass der Wunsch nach einer alkfreien Umgebung kein exzentrischer Spleen von mir war, sondern für mich überlebensnotwendig. Von da an war nicht nur unsere Wohnung alkoholfrei, sondern er verzichtete auch ansonsten komplett auf das Zeug –er sagt übrigens, dass ihm erstens mal nix fehle und dass er zweitens vielleicht auch schon auf dem Weg in die Sucht gewesen sei.

Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich mich von ihm hätte trennen müssen, wenn er auf seinem "Recht" auf Alkohol bestanden hätte. Und noch ein Konjunktiv mehr: hätte ich das nicht geschafft, wäre ich früher oder später rückfällig geworden, da bin ich mir ganz sicher.

Viele Grüße,

Zeppeline

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