Unterschätzen des Suchtgedächtnisses bei Co-Abhängigkeit

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
Gast8

Unterschätzen des Suchtgedächtnisses bei Co-Abhängigkeit

Beitrag von Gast8 » 12.03.2009, 11:08

Hallo Zusammen,

ich möchte gern mal das Thema *Suchtgedächtnis*bei uns Co-Abhängigen zur Sprache bringen.

Der Begriff wird ja leider nur zu oft mit dem Alkoholiker in Verbindung gebracht, aber, daß auch wir ein Gedächtnis haben, daß a) zu Rückschritten oder sogar Rückfällen führen kann und b) leider nur zu oft unterschätzt wird, hat mich dazu bewegt, dies mal mit Euch zu thematisieren.

Einige Fragen zur Orientierung:

*Könnt Ihr mit dem Suchtgedächtnis etwas anfangen? Seht ihr, daß es auch uns betrifft?

* Was können Auslöser sein, wieder in alte Verhaltensmuster zu fallen?

*Welche Maßnahmen sind nötig, um sich bewußt zu werden, daß Alltagssituationen dieses Gedächtnis anregen können?

*Warum ist das wichtig?

*Welche Konsequenzen hat es für einen Co-Abhängigen, sein Suchtgedächtnis zu unterschätzen?



Ich freue mich auf Eure Gedanken.

Dazu habe ich gerad auch noch diesen Thread zum Thema Suchtgedächtnis bei CO gefunden.


Lieben Gruß
Zuletzt geändert von Gast8 am 12.03.2009, 16:11, insgesamt 1-mal geändert.

kaltblut
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Beitrag von kaltblut » 12.03.2009, 12:59

Hallo Käferchen,

Du stellst aber verzwickte Fragen.

Das Suchtgedächtnis, hm, auch wenn da keine Rezeptoren oder Erbmassen in Bewegung sind, ich habe mir alles in meinem Umfeld abgeguckt, bißchen falsch, aber es ist und springt an wenn bestimmte Wahrnehmungen aufgenommen werden. Ich kann mich etwas konditionieren, aber was da wirklich abläuft, wird mir ein Geheimnis bleiben. Es hat mich krank gemacht das ergründen zu wollen, seit ich damit aufgehört habe, fällt mir vieles leichter.

Ich bin heute dankbar, wenn mich ein Impuls im Hirn trifft, dann kann ich vorbeugen, für mich und wenn es mir gelingt, dann bin ich froh. Für andere ist das meist unverständlich doof, vor allem wenn sie nicht gelernt haben bei sich zu bleiben und bewerten, aber das geht mich nichts mehr an.

Vor ein oder zwei Jahren las ich hier etwas von wieder zulassen, wieder fallenlassen, einlassen, in Beziehung gehen, wieder eine normale Beziehung führen. Ich war für so was nicht bereit und sehe erst heute klar vor mir, was da alles für Auslöser, Bremser und Stolpersteine in mir sind. Wenn ich mich z. B. vom Typ Frau wie meine Ex angezogen fühle oder Beuteljagdinstinkt die Nase in den Wind hält, dann muß ich aufpassen, ohne zu denken, nur aufpassen. Wenn ich bei anderen in meinem Umfeld Verhaltensmuster erkenne, wie ich sie an den Tag legte, dann muß ich aufpassen, denn ich könnte schnell dort landen, wo ich nicht hin will.

Ich bin ja nun mal süchtig, nach einer Einheit mit dem Leben. Ich habe nie richtig gelernt zu leben und brauchte dazu Arbeit, Alkohol, Süßigkeiten, Fressen, Nikotin, Kaffee, Beziehung und was noch alles für Rattenschwänze dran hängen. Irgendwo bei Abführtabletten hörte meine Erkenntnis neulich auf. Es ist unwichtig was da nicht stimmt, es gibt sogar eine Lesesucht, Menschen die sich in Bücher flüchten, um sich selbst aus dem Weg zu gehen.

Meine Prüfsteine wurden mir in den Weg gelegt, damit ich lerne im Gleichgewicht mit mir, mit meiner Umwelt, mit der Natur, mit meinem Leben klar zu kommen. Wenn ich rückfällig werde, in irgendwas, dann bin ich eben noch nicht lebensfähig und muß nochmals anfangen oder ich gehöre hier nicht hin, dann bleibe ich auf der Strecke, Deckel zu, ab dafür.

Wenn ich morgen von einer Frau eingenommen werde, nicht grundlos auf sie zugehe oder sie Abweise weil ich Dinge sehe die mir nicht passen, dann kann ich weiter an mir rum fummeln, oben, im Hirn oder es einfach lassen. Das ist aber auch nicht schlimm, die Natur richtet das alles.

LG Kaltblut

Doro
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Beitrag von Doro » 12.03.2009, 13:15

Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung zu dem Thema, gut, dass du es anschneidest.

Ich weiß noch nicht mal genau, wonach ich überhaupt süchtig bin.

Süchtig, zu helfen. Süchtig, gebraucht zu werden?
Bin ich glaub ich gar nicht.

Süchtig nach Liebesbeziehungen?
Bestimmt nicht, jedenfalls nicht mehr als alle anderen Menschen auch.

Süchtig nach diesem Mann?
Oh no, never.

Ich hab noch nicht mal begonnen damit zu verstehen, was mit mir eigentlich los ist.

Es hat wohl was damit zu tun, dass ich irgendwie mich selbst zu wenig wichtig nehme.
Dass ich sehr unklar und inkonsequent bin.
Dass ich sehr spontan bereit bin, das zu tun, was andere von mir wollen.

Alles nur wischiwaschi.

Aber werde hier weiter lesen.
Doro

Karotte
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Beitrag von Karotte » 12.03.2009, 14:07

Hallo,
ich kann mir schon denken was Du mit Suchtgedächtnis meinst. Ich nenne es Muster. Altes Muster. Und wenn ich das wiedertreffe dann heißt es für mich das ich da wohl noch was zu lernen habe...zurück in meine Mitte.

Grüße Karotte

Ette
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Beitrag von Ette » 12.03.2009, 14:49

Hallo Käferchen,

mein Suchtgedächtnis..... hmmmmm.... ich glaube auch, wie Karotte, dass es sich um Verhaltensstrukturen handelt und dass es sich schon ein wenig unterscheidet, ob ich stofflich oder nicht stofflich abhängig bin und es sich daher bei Co-Abhängigkeit eher um Verhaltensmuster handelt. Allerdings sind die dem Suchtverhalten schon ganz schön ähnlich.

Beziehungsabhängigkeit liegt meines Erachtens zugrunde. Irgendwann (bis ca. zum 3. Lebensjahr) sollten sich Menschen so entwickeln, dass sie ihre Abhängigkeit von der Mutter „überlebt“ haben. Leider werden jedoch viel zu viele Kinder hier schon „verbogen“, sodass sie im Laufe ihres weiteren Lebens diese Beziehungsabhängigkeit mitschleppen und im Erwachsenenalter selber daran arbeiten müssen, sie zu überwinden. Das heißt, immer, wenn mir Verhaltensmuster begegnen, die ich aus der Co-Abhängigkeit kenne, muss ich mir gewusst machen, dass ich erwachsen bin und im Zweifel auch ohne jegliche Bezugsperson überleben kann. Als ich mit meinem Ex lebte, dachte ich, ich könne ohne ihn nicht mehr leben. Aber es geht, logisch! Wenn jetzt also Situationen auftauchen (Krankheit, Müdigkeit, Erschöpfung, Alleinsein) und es mir schlecht geht, ich schlecht allein sein kann, ich fast so etwas wie Craving empfinde, weiß ich, dass Klein-Ettchen wieder wach geworden ist und nach Zuwendung und Liebhaben schreit. Vielleicht ist das mein Suchtgedächtnis, weil sich dieses Empfinden zu einer Zeit manifestiert hat, in der ich noch nicht kognitiv (mit dem Verstand) sondern in erster Linie emotional denken und lernen konnte. Meine Suchtstrukturen kommen meist dann zum Vorschein, wenn es mir nicht gut geht und ich keine Kraft und Energie habe, mich über den Kopf aus dem Gefühlssumpf zu ziehen. Für mich ist es wichtig, wahrzunehmen, was dann mit mir passiert. Also über eine Art Meta-Funktion (von auße oder oben) meine Gefühle zu betrachten und in Grenzen zu halten. So nach dem Motto: Dich kenn ich schon und weiß, dass ich dich überleben kann. Du wirst auch wieder verschwinden, spätestens morgen früh beim Aufwachen bist du weg. Wie gesagt, es ist ein aktives dagegen Angehen. Wenn ich mich den Sehnsüchten und Jammergefühlen überlasse, hab ich schon verloren. Dann könnte ich stundenlang heulen, so, wie ein Kleinkind, weil Mama nicht sichtbar ist. Ich glaube, unser Suchtgedächtnis ist der Teil unserer Persönlichkeit, der nicht in dem Maße erwachsen wurde, wie wir es aufgrund unseres Alters sein müssten. Wenn wir uns also auf so eine Kind-Ebene begeben.

Ein wenig verworren, ich weiß. Aber besser geht’s grad nicht.

LG
Ette

Gast8

Beitrag von Gast8 » 12.03.2009, 15:34

Hallo Ihr,

schon mal vielen Dank, daß Ihr zur Frage, ob ihr mit dem Suchtgedächtnis etwas anfangen könnt, einen Gedanken dagelassen habt.

Als wichtigen Punkt möchte ich einmal einen Punkt hervorheben, der mir sehr schlüssig scheint.

Das Suchtgedächtnis ist bei uns mit alter Verhaltensstruktur verbunden
, was bedeutet, sich dessen bewußt zu sein, und sich damit auseinanderzusetzen, daß es Dinge gibt, die dieses Gedächtnis anspringen läßt.

Kommen wir damit zur nächsten Frage:

* Was können Auslöser sein, wieder in alte Verhaltensmuster zu fallen?


Lieben Gruß

Susanne

Beitrag von Susanne » 12.03.2009, 16:00

Hallo,

Auslöser sind für mich:

Situationen, Gefühle, Erinnerungen-/stücke, Musiktitel,Momente, in denen ich nicht gut für mich sorge( langandauernder Stress, Schlafmangel), Überheblichkeit,ich könnte mich mit Situationen und Dingen auseinandersetzen, von denen ich genau weiß, daß sie bei mir Erinnerungen auslösen (z.B.wieder Kontakt aufnehmen, Gemeinsamkeiten suchen), manchmal auch freudige Ereignisse, die dann mit Situationen verbunden werden, in denen mir diese Freude fehlte, Verbindungen zum Suchtmittel wie *altes Umfeld*, nicht verarbeitete Sehnsüchte, die von mir nur verdrängt wurden, ignoriert werden mit dem Argument: Da brauch ich jetzt nicht mehr hinschauen, weil der Partner ja nicht mehr da ist.(ein für mich fataler Irrtum denn diese kommen wieder...).

Diese Auslöser bringen mich in Gefahr, wieder gedanklich, mich zu sehr mit meinem Suchtmittel in Verbindung zu bringen. Dies passiert leider immer schleichend. Ein kurzer Gedanke hier, ein kurzer Gedanke da. Dann wird es intensiver, Fragen, wie geht es ihm, was hätte sein können und und und..Dann fehlt nur noch der Griff zum Telefon oder der persönliche Besuch.

Lieben Gruß

S.Käferchen

Olive
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Beitrag von Olive » 13.03.2009, 09:45

DANKE an

> S.Käferchen: für diesen thread
> Ette: für deinen wunderbaren Eintrag im thread (Du triffst den Nagel auf den Kopf, auch bei mir)
> Kaltblut: dafür, dass Du (u.a. auch) mich darauf gestossen hast, dass ich mir selbst aus dem Weg gehe

Olive

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