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Der "Drei-Jahres-Faden"

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum.
Ein neues Thema bitte erst ab ein Jahr Trockenheit eröffnen.

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kolibri
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Re: Der "Drei-Jahres-Faden"

Beitrag von kolibri » 07.02.2019, 08:38

Lieber Petter,

Du und Deine Geschichte sind der Grund, dass ich mich hier angemeldet habe! Vorher war ich 2 Jahre immer Mal wieder, nasser stiller Mitleser!
Deine Geschichte hat mich extrem berührt und ich erkannte mich psychisch selbst wieder. Es regte mich an endlich mal in den "Spiegel" zu schauen und zu fragen, wer bin ich, wohin will ich?

Deine Geschichte hast du mit soviel Ehrlichkeit geschrieben. Ich erkenne da soviel positive Sensibilität, dass mich sehr zum Nachdenken animiert hat und mir bestätigt, ich bin mit meinem Entschluss nie mehr Alkohol trinken zu wollen, auf dem richtigen Weg!

Danke, dass du das im öffentlichen Bereich geschrieben hast! Ich glaube, damit erreichst Du ganz viele noch nasse Mitleser!

Ich bin erst 17 Tage abstinent, stecke noch in den Babyschuhen. Und gerade die Geschichten der "alten" Hasen hier, helfen mir unglaublich viel! Die Perspektive auf ein trockenes und somit schönes Leben, aber auch die Hinweise auf die Gefahren die zu einem Rückfall führen können, sind für mich derzeit Gold wert!

Petter und viele andere hier die schon Jahre hier schreiben, Hut ab! Ihr leistet unglaubliche Arbeit und erreicht wahrscheinlich mehr Menschen als Ihr ahnt!

Herzlich Kolibri

Petter
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Re: Der "Drei-Jahres-Faden"

Beitrag von Petter » 02.07.2019, 07:24

Guten Tag liebe Freunde,

nun ist schon wieder über ein Jahr vergangen und als mich neulich jemand fragte "Wie lange trinkst du nicht mehr?" musste ich kurz nachdenken, bis ich "Dreizehn Jahre." sagen konnte. Das ist dann immer der Moment des Jahres für mich, in dem mich ein Gefühl von Glück überkommt, ein wunderbares und schönes Gefühl, daß mir Tränen in die Augen treibt und das mir jahrelang, nämlich bis zum letzten Tropfen meines nassen Lebens fast schon unbekannt geworden war.

Nie habe ich das Gefühl von Freiheit je wieder so stark empfunden, wie unmittelbar nach meinem Einstieg in ein nikotin- und dann alkoholfreies Leben. Dieses Gefühl gab mir diesen unglaublichen Schub und die Kraft, Neues anzugehen, die "Welt" für mich neu zu entdecken.
Heute bin ich älter und ruhiger, aber die Begeisterung darüber habe ich immer noch. Es war und ist großartig, ich kann es überhaupt nicht hoch genug bewerten.

Heute möchte ich wieder allen danken, die an meinem Weg aus der Dunkelheit Teil genommen haben; die mich unterstützt haben, die mich ermuntert haben zu schreiben, die mich kritisiert und den Kopf zurechtgerückt haben. Ihr alle habt mir sehr gut getan auf meinem Weg, bis heute.

Das Jahr 2019 lief bisher nicht so schön. Es sind Freunde und Verwandte gestorben. Mir nahe Menschen haben plötzlich mit schweren Krankheiten zu kämpfen. Ich merke, daß mich Arbeit mehr belastet, als noch vor einem Jahr und weiss nicht, woran das liegt. Aber es gibt auch positives: nach einigem Hin- und Her habe ich von der Berufsgenossenschaft eine Reha genehmigt bekommen. Im letzten Jahr habe ich einen Mann mit meiner Lok überfahren, der sich das Leben nehmen wollte. Dieser Suizid hat mehr Spuren hinterlassen, als ich dachte. Nun gehe ich in eine psychosomatische Klinik und weil ich ja manchmal das eine mit dem anderen verbinden kann, habe ich mir eine Klinik ausgesucht, die sowohl Sucht-Sachen macht, als auch PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung). Mitte Juli geht es in die Alpen. Ich werde viel Zeit haben und natürlich auch schreiben, wie es mir dort ergeht.

@kolibri: Ich entschuldige mich erstmal, daß ich deine Nachricht so lange unbeantwortet ließ! Sie hat mich sehr berührt und ich möchte heute mal nachfragen, wie es dir geht. Bist du über die ersten 17 Tage gut hinaus gekommen? Das würde mich sehr freuen und ich schau mal, wo ich deine Geschichte hier lesen kann :-)

Herzlichst und vielen Dank fürs Lesen!

Peter

Morgenrot
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Re: Der "Drei-Jahres-Faden"

Beitrag von Morgenrot » 02.07.2019, 10:07

hallo Peter,

ich wünsche dir eine erfolgreiche Reha und hoffe sehr, das dein Trauma dort gut bearbeitet werden kann.
Das du in deiner Arbeit belastet bist, ist in meinen Augen normal.
meinem Vater ist ähnliches passiert.


lg morgenrot

Linde66
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Re: Der "Drei-Jahres-Faden"

Beitrag von Linde66 » 03.07.2019, 07:32

Hallo Peter,
es tut mir unendlich leid, daß du wie so viele deiner Kollegen für sowas mißbraucht worden bist. Es macht mich traurig und wütend, daß die Leute so rücksichtslos euch gegenüber sind! Klar sind sie in einer Ausnahmesituation, wenn sie sich dafür entscheiden, aber trotz allem... :evil: :cry:
Ich wünsche dir einen guten Aufenthalt in der Reha,
lieber Gruß, Linde

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