Der "Drei-Jahres-Faden"

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum
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silberkralle
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Beitrag von silberkralle » 10.01.2017, 09:36

glück auf peter

ich bin wieder versucht gaaaaanz viel zu zitieren - ich lass es :wink:

offenbar gehts dir da wo du jetzt wohnst besser als in berlin - ich freu mich.
wie is deine kur gelaufen? was hat sie dir gebracht?

schöne zeit

:D
matthias

Petter
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Beitrag von Petter » 16.01.2017, 06:55

Hallo zusammen,
lieber Matthias - sehr aufmerksam von dir *grins* - vielen Dank :-)

Heute beginnt die Kur. Ich habe sowas noch nie gemacht. Nun soll ich fünf Wochen mein Häuschen verlassen und in eine Klinik gehen? Das ist ein ganz merkwürdiges Gefühl. Gestern hab ich zwei große Taschen vollgestopft mit dem, was ich vermeintliche brauche und was nicht. Wahrscheinlich habe ich unnützes Zeug eingepackt und anderes fehlt dann ;-)

Ich habe mir ganz fest vorgenommen, unvoreingenommen in die Kur zu gehen und mitzunehmen, was mir gut tut. Ich weiss auch, daß es den meisten Menschen viel schlechter geht als mir und ich weiss noch mehr, wie dankbar ich eigentlich für die Gelegenheit bin, mal fünf Wochen rauszukommen aus Trott und Gedankenkarussell.

Also dann los... in einer Stunde fährt der Zug. Ich lasse mich mal überraschen und werde berichten :-)

Danke fürs Lesen.

Peter

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 16.01.2017, 09:33

Hallo Peter,

ich wünsch dir alles Gute für deine Kur. Mir fällt es auch schwer, nicht immer zu vergleichen - und zu rechtfertigen, warum ich es nun "verdient" habe, etwas für mich zu tun. Und es mir einfach nur zu gestatten.

Ich habe deinen drei-Jahres-Faden ganz zu Anfang meiner Forumszeit gelesen und danke dir dafür.

Viele Grüße
Thalia

Petter
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Beitrag von Petter » 19.01.2017, 08:40

Liebe Freunde!

Vielen Dank Thalia - ich freu mich sehr über deine Worte! Du hast ja auch schon eine Menge geschrieben, an dem ich auch teilhaben darf!

Meine fünfwöchige Kur ist bereits vorüber, ich habe sie gleich am ersten Tag abgebrochen. Ich musste erstmal verdauen, was ich da am Montag erlebt habe. Auch heute noch hängt es mir nach.

Diese Kur-Einrichtung verdient den Namen nicht. Hätte ich nur vorher mal in die Bewertungen geschaut! Aber hätte das etwas genützt? Schließlich hat mir die Rentenversicherung diese Klinik zugewiesen und meinen Wunsch nach einer anderen Klinik im Vornherein abgelehnt. Und das habe ich am Montag erlebt:

Am Empfang keine richtige bzw. freundliche Begrüßung, eher ein Abarbeiten von Gästen.
Anschließend durfte ich mich zu "den Schwestern" begeben, Olga, Valentina und noch irgendwas, die im dritten Stock eine Art Apotheke verwalteten. "Hallooooo" Was brauchen Sie Medikamente? - Waaaas? Keine Medikamente? Warrrum nieeeecht?" ... Zweimal musste das wiederholt werden, dann hatten sie es kopfschüttelnd begriffen. Dafür wurde ich x-mal darauf hingewiesen, daß der Computer nun heruntergefahren würde, was mir eigentlich ziemlich egal war. "Kapuuuut!".

Das Zimmer aber war das Schlimmste: am Ende eines Gangs, vor der Tür abgestellte Rollstühle, grau in grau mit schönem Linoleumfussboden, ein Krankenhausbett, kein Bild an der Wand. Wie eine ehemalige Abstellkammer mit Bett und Telefon. "Färrrrnsääähn ies umsooooonst!" krähte mich die blöde Schwester an - als Antwort auf meinen Hinweis, daß ich in diesem Zimmer nicht bleiben werde. Sie rappelte meinen Plan herunter, den ich abzuarbeiten hätte. Dreimal habe ich dieses Spiel mitgemacht und auf meinen wiederholten Satz "In diesem Zimmer bleibe ich nicht." bekam ich ein "jaja" zur Antwort und eine Wiederholung meines Anwendungsplans.

Mir wurde klar: fünf Wochen in diesem Zimmer und diesem Haus mit diesem Personal, und ich bin reif für eine ganz andere Klinik.
Leider habe ich mein eigenes Gesicht nicht sehen können, das hätte ich gern erlebt. Gerade die kurzen Augenblicke, in denen man entscheidet, was man nun tut. Es waren nur Sekunden, aber dann war ich soweit, daß ich meine Jacke wieder anzog und mich mit dem Gepäck hinunter zum Empfang machte. Ganz wie im Hotel legte ich dem Schnösel am Tresen den Schlüssel auf selbigen und sagte nur "Zimmer 261 reist ab.".

Ab dem Punkt war dann Theatervorstellung :-) Er wurde furchtbar nervös und bekam keinen Kollegen oder Arzt an sein Telefon ("Kaputt!"), mit dem er meine Abreise absprechen konnte: "Mir ist das vollkommen egal, ob Sie bleiben oder gehen. Aber das muss ein Arzt genehmigen." Am Ende hat es dann die Psychologin genehmigt, die was davon faselte, daß ich ja ein freier Mann sein und tun und lassen könne, was ich wolle. Mein Einwand, daß es für eine psychosomatische Klinik ein ziemlich trostloses Haus sei, hat sie schulterzuckend und mit den Worten begleitet, das sei so in Krankenhäusern.
Mit dem Taxi bin ich dann zum Bahnhof zurück und wieder nach Hause gefahren. Im Zug hatte ich geradezu ein Gefühl der Befreiung - und nach Bad Homburg fahre ich in diesem Leben sicher nicht mehr :-D

Meine Nachricht an den Versicherungsträger über die nicht angetretene Kur blieb unbeantwortet, ebenso wie eine Beschwerde an die Verwaltung des Hauses. Keine Reaktionen, nichts. Vermutlich hängt es damit zusammen, daß meine Knappschaft dieses Haus selber verwaltet. Keine Ahnung.
Meine Abreise tut mir bis heute gut. Mir tut diejenigen leid, die dort auf irgendwelchen Zimmern liegen und nicht selbständig abreisen können.

Während der Rückreise habe ich im Zug nachgedacht, was ich mir selber Gutes tun kann, wie ich meine Gedanken positiv beeinflussen kann - kurz, was ich an mir selber ändern könnte, damit es mir gut geht. Daran arbeite ich immer noch, und wahrscheinlich auch noch länger. Ich denke, daß ist fast genauso gut oder besser, als einen Tag zuviel in einer Klinik, die einen krank machen würde!

Danke fürs Lesen!!

Peter

silberkralle
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Beitrag von silberkralle » 19.01.2017, 09:45

glück auf peter

scheint so, als sei die gleichzeitige an- und abreise zu und von dieser "einrichtung" das beste, was du in diesem jahr für dich gemacht hast :wink:

schöne zeit

:D
matthias

Petter
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Beitrag von Petter » 22.01.2017, 22:26

Hallo zusammen,
hallo Matthias!

Also wenn das schon das Beste für dieses Jahr war, dann bleibt ja nicht mehr so viel :-)
Ich will mal hoffen, daß mir so eine Erfahrung zukünftig erspart bleibt.

Was mich mehr beschäftigt ist der Gedanke, daß jemand in so eine "Einrichtung" kommt, der sich nicht wehren kann und der die Verhältnisse hinnehmen muss. Das wäre für mich eine furchtbare Vorstellung.

Ein Kollege meinte zu meiner Erfahrung von letzter Woche: "Du wärst nicht der Erste, der aus eine schlechten Klinik kränker entlassen wird, als er dort angekommen ist." Das hat mir zu denken gegeben.

"Da hab´ich ja noch mal Glück gehabt." puh...

LG Peter

silberkralle
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Beitrag von silberkralle » 23.01.2017, 09:43

glück auf peter

s jahr hat grade erst angefangen - da wirst du schon noch was besseres für dich tun


schöne zeit

:D
matthias

Petter
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Beitrag von Petter » 23.01.2017, 17:26

Liebe Freunde,

das muss ich doch noch schnell zum Kapitel "Falsche Kurklinik" loswerden. "Beschweren lohnt sich doch." dachte ich vorhin.

Heute hatte ich ein ganz gutes Gespräch mit einer Sachbearbeiterin der Rentenversicherung. Meine (zugegeben von Wut geprägte) Beschwerde ist offenbar angekommen. Nun wird dem nachgegangen, und eventuell gibt es dann einen neuen Termin für eine andere Klinik.

Bis heute früh vor dem Anruf dort hatte ich Angst, daß man mir unter Umständen die Kosten für die nicht angetretene Reha zumindest teilweise in Rechnung stellen könnte. Ich habe ja keine Ahnung von der Materie; etwas mulmig war mir schon.
Nun aber bin ich ganz zufrieden, daß man mein Anliegen ernst nimmt. Mal sehen, was dabei herauskommt.

Von vielen Freunden habe ich viele positive Erfahrungen von ihren Aufenthalten in psycho-somatischen Kliniken gehört. Und bei mir geht das so in die Hose? Am letzten Montag, als ich in dem grauenhaften Zimmer stand, in dem ich fünf Wochen leben sollte, habe ich kurz gedacht, ich bin in einer Sendung der Versteckten Kamera. Vielleicht denken einige nun, daß sind alles Luxus-Probleme - aber das ist nicht so. Wenn man sich in so einer Einrichtung schon am ersten Tag schlecht fühlt, dann ist man da falsch. Und der Seele täte das nun gar nicht gut.

Danke fürs Lesen
Peter

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