Mein Leben - Projekt Neuanfang

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum
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Plejaden
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Mein Leben - Projekt Neuanfang

Beitrag von Plejaden » 29.10.2009, 13:34

Hallo,

da bin ich wieder, nach langer Abwesenheit, für die ich ein sehr schlechtes Gewissen habe :( . Nein nein, keine Angst, ich komme nicht wieder weil ich rückfällig geworden bin... Es ist eher so, dass die letzten Monate mir aufgezeigt haben, dass ich alleine bin. Im Folgenden könnte es etwas konfus werden, ich bitte dies zu entschuldigen.

Nun, seit meiner Abkehr vom Forum lief eigentlich alles gut. Ich hatte einen schönen Sommer, es gab eine Exkursion nach Berlin, die mir viel gegeben hat, ich hab wieder mit dem Inline-Skaten angefangen, fotografiert uvm. Und ich hatte ja noch meine komische, verkorkste Beziehung. Der eine oder andere mag sich erinnern.
Nun, nachdem mir weiterhin einige Leute zugeredet hatten, habe ich seit Anfang Januar diesen Jahres wirklich wirklich ernsthaft darüber nachgedacht mich von ihm zu trennen. Ich hab auf ein Zeichen von ihm gewartet, das doch noch alles retten könnte, aber das kam nicht. Schließlich hab ich Anfang Mai das Herz in die Hand genommen und die Trennung eingereicht. Es lief alles völlig undramatisch ab, wir sind auch weiterhin Freunde. Ich sagte ihm zu, dass er bei mir wohnen bleiben kann bis er was eigenes gefunden hat.
Nun, der Sommer kam, es wurde August und - er wohnte immer noch bei mir. Keine Anstalten auszuziehen. Ich wurde immer gereizter, genervter, zickiger, weil er mir schlicht und ergreifend begann auf den Sack zu gehen. Seelisches Gleichgewicht dahin. Wieder redeten mir einige Leute zu, ich solle ihn rauswerfen, von alleine geht er nicht. Ich wartete wieder ab, und oh wunder, nichts passierte. Er hatte allen ernstes vor, einfach wohnen zu bleiben.
Schließlich zeigte ich ihm dann Mitte August die rote Karte, die er jedoch nicht ernst nahm, und Anfang September machte ich dann ernst. Jetzt kam es zu einem heftigen, hässlichen Streit, in dessen Zuge ich beinahe die Polizei gerufen hätte... Er besorgte sich dann so schnell wie möglich eine Wohnung, und ist nun seit Anfang Oktober weg.

Was hat das alles mit mir zu tun? Nun, seit dem Streit Anfang September geht es mir einfach nur noch schlecht. Ich leide, ich schmerze, ich kann nicht mehr. Er meint, ich sei eine assoziale S. dass ich ihn einfach so vor die Tür setze. Ich mache mir Vorwürfe... wir haben uns so gut verstanden, und ich tue ihm das an. Ich weiß, das stimmt nicht. Er hätte ausziehen sollen und hatte mehr als genug Zeit dafür gehabt. Ich esse fast nichts mehr, ich weine fast jeden Tag, es tut weh, ich selbst zu sein... Seit er dann ganz weg ist habe ich schließlich gemerkt, dass ich völlig allein bin. Alle meine Bemühungen, Freunde oder Anschluss zu finden, waren vergebens. Und ich habs wirklich versucht, aber nie ist etwas dabei herausgekommen.

Nun denke ich öfter... wenn ich mich nicht getrennt hätte... wenn ich nicht so gemein zu ihm gewesen wäre... dann hätte ich noch wen. Aber so habe ich niemanden mehr. An der Uni, klar, da bin ich bekannt wie ein bunter Hund. Aber das sind alles nur Bekannte, sie haben alle ihre eigenen Freundeskreise, soziale Umfelder etc. Ich habe alle Fäden zum Leben verloren, es gibt nichts mehr was mich mit dieser Welt verbindet. Ich bin einfach nur in einem Vakuum.

Aufgrund dieser Tatsache bin ich dann heute tätig geworden... Termin beim Hausarzt, Überweisung für die Psychologin geholt, da auf den AB gesprochen. So kann es nicht weitergehen, und alleine komme ich da nicht raus.

Aber eine Sache macht mir Mut: In der ganzen Zeit wo es mir so schlecht geht, habe ich nicht ein einziges Mal daran gedacht zu trinken. Alkohol ist keine Alternative mehr. Nichtmal mehr um mich zu betäuben - denn was ich fühle, diesen ganzen Schmerz, auch das bin ich. Und ich will ich sein.


Liebe Grüße
Plejaden

dorothea
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Beitrag von dorothea » 29.10.2009, 14:42

hallo pleja

ich freu mich das du den weg zurück gefunden hast.

ich gratulier dir das du es geschafft hast dich zu trennen. das du nun allein bist liegt möglicherweise auch daran das es dir nicht gut geht. du machst dich mit selbstvorwürfen ziehmlich nieder, das strahlt man auch nach außen aus, und selbst wenn du dich bemühst es dir nicht anmerken zu lassen, irgendwie hat man bei sowas regelrecht ein schild um den hals. das ist komischerweise in vielen dingen so. auch wenn man zb auf partnersuche ist, da scheinen auch alle regelrecht vor einem zu flüchten. erst wenn man schafft das abzulegen ändert sich das wie von zauberhand.

mach das beste aus dieser vermeintlichen einsamkeit. suche darin das angenehme. du kannst momentan machen wonach dir der sinn steht ohne auf jemanden rücksicht nehmen zu müssen. ich wünschte mir das mal wieder so zu haben. schau mal nach was es in der volkshochschule so für angebote gibt, evtl ist da ja was was du schon immer mal machen wolltest. komm aus deinem schneckenhaus und genieße deine freiheit. geh spazieren an ruhigen orten und fühle die ruhe, das kann einem richtig viel energie geben. versuche nicht nur das schlechte dabei zu sehen. um traurige menschen machen die meisten einen bogen.

außerdem hast du ja nun auch schon schritte ergriffen die dir helfen aus deinem tief zu kommen. du schaust nach vorn und das ist wichtig. das andere wird sich dann daraus ergeben. auch wenn es im moment nicht wirklich danach aussieht.

doro

Tina
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Beitrag von Tina » 29.10.2009, 15:08

Hallo Pleja,
schön, dass Du wieder da bist !

Lieben Gruß
Biene

Spanijoggel
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Beitrag von Spanijoggel » 29.10.2009, 15:24

Hallo,welcome back at home!

Ja,ja mein Englisch ist mehr als schwach!

Ich will Dir damit nur sagen,dass Du ja im Forum zuHause sein kannst,wenn auch auf virtuelle Art.

Mit Deiner Arbeit an Dir wird Deine Ausstrahlung sicher positiver.Das hilft bei Kontakten.

Du hattest eine traurige Zeit.Aber die ist jetzt vorbei!

Jetzt zählt das Hier und Jetzt!

Toll finde ich,dass Du trotz allem keinen Drang nach Alkohol hattest.Chapeau!

Sieh Dich einfach um und lies. Und schreib!

Liebe Grüsse
Yvonne

kommal
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Beitrag von kommal » 29.10.2009, 19:52

Hallo Plejaden.

Oft habe ich in den letzten Monaten gedacht, was Du wohl machst. Nach Deinem kurzen Intermezzo war ja wirklich lange nichts zu lesen- bis heute.

Ich freue mich, dass Du wieder hier bist.

Deine Anfänge hier, Dein häusliches Umfeld damals, die Geschichte mit Deinem Freund...

Ich fand immer bemerkenswert, wie konsequent Du deinen Weg gegangen bist.

Und jetzt diese Trennung- das passt in diese konsequente Reihe.. Wenn auch die Umstände, die Du beschreibst höchst unerfreulich waren. Und auch, wenn Du dich zur Zeit einfach schlecht, einsam, verloren fühlst. Das bist Du nicht. Denn Du hast hier wieder bewiesen, dass Du DU bist: Du hast Dich um Hilfe bemüht und willst da durch. Trocken!

Ich wünsche Dir inständig, dass Du diese Talsohle bald überwunden hast und wieder bergauf gehst.

Geradeaus- wie ich Dich kenne!

LG kommal

summerdream
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Beitrag von summerdream » 29.10.2009, 21:11

hi pleja

hab heut mittag dacht ich hab scho halluzinationen als ich dein nick sah :shock:

schön das du wieder hier bist!

mir gings wie vielen hier und hab mich gefragt wie's dir wohl geht.

ich hab in meiner neuen stadt übrigens ne bekannte übers internet kennengelernt, ne ganz nette zum quatschen.

lg -Dani-

Skye
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Beitrag von Skye » 29.10.2009, 22:38

Hallo Plejaden,

schön Dich wieder zu lesen. Noch schöner, Dich trocken zu lesen. Ich habe mich auch gefragt, was Du wohl machst. Von fast täglichen Posts auf Null und ein Thread rutschte immer weiter ab, da habe ich mich schon ein wenig gewundert.
Wie bekannt mir das doch vorkommt, was Du schreibst. Aber einfach jemanden zu haben, damit man nicht allein ist, ist auch nicht die Lösung. Ich musste feststellen man kann nicht allein und trotzdem einsam sein, dass ist noch schlimmer.

So allein wie ich früher dachte, war ich gar nicht. Ich hatte Menschen um mich, ich habe es nur nicht gesehen. Weil es nicht den verqueren Vorstellungen entsprach die ich hatte. Es waren Vorstellungen die wenig mit der Realität zu tun hatten, sondern meiner recht lebhaften Phantasie entsprungen sind wie etwas zu sein hat. Außerdem wussten viele Menschen gar nicht, dass ich mehr wollte als nur hallo, guten Tag, guten Weg. Aus Angst vor Ablehnung habe ich gar nicht versucht näheren Kontakt zu suchen. Das habe ich ausgestrahlt, was viele abgeschreckt hat. Die wenigen die es versucht haben, habe ich dann noch aus Unsicherheit verschreckt.

In vielen Gruppen und Kreisen ist immer noch Platz für einen weiteren. Nur weil sich viele schon lange kennen, heißt das nicht, dass da kein Platz mehr für ein neues Mitglied ist. Man muss sie aber wissen lassen, das man dazugehören möchte. Als einzelner in einer Gruppe Anschluss zu finden kostet Überwindung, finde ich aber nicht so schwer, wie auf einzelne zuzugehen. Wenn man einmal in einer Gruppe drin ist, findet sich das auch mit Einzelkontakten und Freundschaften. Kinder haben es da einfacher, sie sind unbedarft und gehen offen auf ihr Gegenüber zu fragen einfach ob sie mitspielen dürfen. Wenn man es als Kind nicht gelernt hat, was ich nicht habe, ist es schwieriger, aber zu schaffen.

Ich finde es gut, dass Du Dir Hilfe holst um Deine Gedanken zu sortieren und da raus zu kommen.

Gruß
Skye

Hartmut
Moderator
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Beitrag von Hartmut » 29.10.2009, 22:41

Hallo Pleja,

es freut mich das du wieder zu uns gefunden hast.
Willkommen zurück.

Gruß Hartmut

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