Mein Alkoholkonsum wird langsam zum Problem…

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.
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Sinfonia
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Mein Alkoholkonsum wird langsam zum Problem…

Beitrag von Sinfonia » 27.03.2006, 18:05

Hallo zusammen

Ich heisse Jasmine und bin gestern auf dieses Forum gestossen, als ich mal wieder Panik bekam, weil mein Alkkonsum aus dem Ruder zu laufen scheint, wenn nicht schon ist.
Mein ganzes Leben verlief so, dass ich von einer Abhängigkeit in die nächste lief – oder soll ich sagen „floh“?
Mal waren es Männer, mal die Magersucht, dann folgte eine Zeit der Leere, nämlich damals, als ich zwar einigermassen normale Portionen ass, mein Gewicht auf einem BMI von ca. 17 hielt, ich aber überhaupt keinen Halt, keine „Beschäftigung“ hatte, die mich ausfüllte (davor war es ja das Thema Fasten). Ende Dezember letzten Jahres fing ich dann an, jeden Abend Alkohol en masse zu trinken, währenddessen kamen auch die Fressattacken. Die Abende und Nächte gestalteten sich so, dass ich so gegen 19 Uhr anfing zu trinken, fressen, ko...…trinken, fressen, ko...… so ging das die halbe Nacht. Anfang Februar war ich für zwei Wochen in einer Kur-Klinik, hab mich da auch relativ gut erholt, sogar jemanden kennen gelernt, der mir gut tat und gut tut – getrunken hab ich zwar auch da jeden Abend, jedoch nicht soviel, dass ich total betrunken war und Fressattacken hatte ich „nur“ zwei gehabt. Seit ich wieder zu Hause bin, trinke ich wieder in höherem Masse. Damit Ihr eine Vorstellung davon kriegt, wie viel es im Moment ist: 1 l Martini ist keine Seltenheit. Seit einer Woche hab ich nichts Essbares mehr in meiner Wohnung, was schon mal sehr gut ist, da fällt wenigstens der Stress mit der Fress- und Kotzerei weg.
Mehr und mehr wird mir bewusst, dass ich schon beim Aufwachen anfange, mir Gedanken darüber zu machen, wann, wo, was und wie viel ich an Alk konsumieren werde. Auch sieht und merkt man mir an, auf der Arbeit oder dem (kleinen) Bekanntenkreis, dass mal wieder etwas nicht mit mir stimmt.
Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, müsste ich meine Abende anders gestalten, das ist mir bewusst. Aber ich habe mich schon wieder ziemlich von der Aussenwelt isoliert und mein einziger Lichtblick während des ganzen Tages ist der Gedanke an den Abend, wenn ich vorm Laptop, mit ein paar Drinks sitzen, mich spüren, vergessen etc. kann.

Danke fürs Zuhören!

maria44
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Beitrag von maria44 » 27.03.2006, 18:36

Hallo Sinfonia,

und Herzlich Willkommen!

Also mir fehlt in Moment kein anderes Wort ein, als Selbstzerstörung.
So ein Verhalten habe ich in meiner schlimmsten Zeit auch auf den Tag gelegt.
Bis ich so mein Körper zerstört habe, dass ich schwer krank für viele Wochen im Krankenhaus gelandet habe, gelernt daraus habe ich aber nichts. Nach einiger Zeit habe ich wieder mit Alkohol angefangen die Krankheit habe ich vergessen. Der einzige Wahre Weg ist aufzuhören und zwar ganz. Hast Du schon dein Inneres so richtig gefragt warum Du das machst????
Wozu brauchst Du den Alkohol, was ersetzt es Dir???
Willst Du denn aufhören???
Du hast ja wohl auch Entzugserscheinungen wenn Du nicht trinkst, damit ist es nicht zu spaßen, aber Du hast bestimmt schon hier einiges gelesen.
Hast Du schon daran gedacht Dir Hilfe für längere Zeit zu holen, zum Beispiel SHG???

Wenn Du Lust zum schreiben hast dann mach es hier, es ist immer einer da der Dir antwortet.

Viele Grüsse
Maria
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henri
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Beitrag von henri » 27.03.2006, 19:48

Salü Jasmine und herzlich willkommen

Da kommt bei dir einiges zusammen. Neben Bulimie und Magersucht auch noch das Problem mit Alkohol. Die Bulimie ist zwar im Moment nicht das aktuelle Problem, aber sicher auch noch nicht ganz geheilt. Wenn du bei normalen Portionen zu essen einen BMI von 17 hast, was viel zu niedrig ist, dann vermute ich, dass du jetzt noch niedriger liegst. Bei dem Gewicht täglich einen l Martini trinken kann nicht lange gut gehen und ich kann mich Marias Worten nur anschließen, das ist Selbstzerstörung-

Was mir noch zu denken gibt, sind deine Worte im letzten Satz „mich spüren“. Das hört sich an, als ob du sonst eine große Leere in dir spürst. Es scheint mir, als ob du nicht nur körperlich vom Alkohol abhängig bist, sondern das es zum größten Teil psychisch bedingt ist. Die zwei Wochen Aufenthalt in der Kur-Klinik waren eindeutig zu wenig.

Versuche doch mit der Suchtberatung zu reden, ob es nicht möglich ist, noch einmal eine Kur/Therapie zu bekommen, allerdings nicht nur für zwei Wochen, sondern eine für längere Zeit.

wünsche dir alles Gute

Henri

Sinfonia
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Beitrag von Sinfonia » 27.03.2006, 22:48

Danke für Euer Dasein.
Vor 4 Jahren war ich wegen meiner damaligen Magersucht für 3,5 Monate in einer psychosomatischen Klinik, wo ich mich auch ziemlich gefangen hatte, ich auf das Leben vorbereitet wurde. 2 Jahre später war ich nochmals für knappe 6 Wochen dort, wo ich das Erlernte auffrischen konnte. Später konnte ich lange Zeit mein Gewicht - zwar auf einem Minimum (eben besagtem BMI 17), aber immerhin - halten. Seit ich im Dezember mit dem Alkoholkonsum angefangen habe, gleichzeit Fressattacken bekam, ist mein Gewicht auf einen BMI von etwa 21 gestiegen, da ich nicht mehr die ganzen Kalorien rausk... konnte, was ich fast nicht aushalte. Zur Zeit hab ich nichts an Essbarem mehr zu Hause, da bin ich wenigstens den Stress vom Fr... und Ko... los. Jeden Tag nehme ich mir von neuem vor: "Heute gibt es keinen Alkohol, ich muss dringend abnehmen!!!" Leider ohne Erfolg. Je näher der Abend rückt, desto weniger halte ich an dem Vorsatz fest. Immer diese Ausreden: Morgen ist auch wieder ein Tag, morgen gelingt es mir, auf Alk zu verzichten... Mittlerweile traue ich mich schon fast nicht mehr aus dem Haus. Alles Mist! Wie weit muss ich sinken, bis ich WIRKLICH etwas ändern will? Denn ich weiss, erst wenn ich WIRKLICH will, komm ich von diesem Teufels-Zeug los.
Im Moment bin ich einfach nur froh, dass ich hier nicht alleine bin.
Übrigens bin ich seit 4 Jahren in ambulanter Therapie. Aber mir fehlt einfach die psychische Kraft, die Symptomatik abzuwerfen. Rutsche irgendwie von einer Abhängigkeit in die nächste.

maria44
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Beitrag von maria44 » 28.03.2006, 10:33

Hallo Sinfonia,

Du hast wirklich einiges schon hinter Dir, und wenn ich Deine Beiträge lese, dann weiß ich wirklich nicht, wo man so richtig anpacken könnte. Schaffst Du es vielleicht mit dem Alkohol aufzuhören, ist vielleicht die Gefahr dass Du in irgendetwas anderes abrutscht. Ich würde Dir auch eher Raten eine Therapie in einer Klinik zu machen, und Du musst nicht so lange warten bis Du ganz unten bist, mach jetzt schon etwas dagegen, dass etwas nicht stimmt weist Du schon. Es findet sich immer irgendein Weg aus diesem Kreis raus zukommen.

Liebe Grüsse
Maria
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Shakti
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Beitrag von Shakti » 28.03.2006, 10:50

Hallo Sinfonia,

Deine Verzweiflung kann ich sehr gut verstehen. ich kenne beide Symptomatiken: Bulimie und Alkoholismus, die sich suchtverlagernd jedoch mehr hintereinander bzw. abwechselnd ereigneten. Zwischen dem 16. und ca. 26. Lebenjahr schlug ich mich mit Bulimie rum, danach zehn Jahre mit Alkohol.

Sicher hat beides ähnliche Ursachen und Gründe, doch das höchst Problematische für Dich zur Zeit in dieser Kombination ist der völlig gegensätzliche Ansatz des gesunden Umgangs mit den Symptomen: sich Essen erlauben, es wieder zur natürlichen, gesunden, lustvollen Nahrungsaufnahme zu machen auf der einen Seite und auf der anderen Seite ganz auf den Alkohol zu verzichten. In meiner Bulimiker-Zeit habe ich Abhängige mit Süchten nach einem bestimmten Stoff "beneidet", weil ich auch gern "nur" auf diesen einen Stoff zu "verzichten" brauchte. Das ist einfacher als ein maßvoller Umgang mit Essen, das man zu sich nehmen MUSS und immer um einen herum ist.

Naja, um es kurz zu machen. Deine Lage ist besonders schwierig. Aus meiner Sicht solltest Du vielleicht in dieser schlimmen akuten Situation wieder für eine Zeit in stationäre Therapie gehen, um Deinen Stand "aufzufrischen", wie Du selbst sagst. Aus diesem Teufelskreis selbst rauszukommen mit dieser fiesen Kombination halte ich für übermenschlich.

Jedoch nicht unmöglich. Ich selbst habe keine Erfahrung mit stationärer Therapie, nur weniger gute mit ambulanter. Du hast da viel mehr Erfahrung und Wissen als ich. Deshalb verzeih, wenn ich Dir hier was Dummes oder längst Bekanntes schreibe, Du kennst Dich natürlich selbst am besten und weißt Dich auch am besten einzuschätzen, was jetzt hilfreich für Dich wäre.

Auf jeden Fall kannst Du sicher nicht alles auf einmal. Wie wäre es, wenn Du Dir "
nur für heute nur" vornimmst, NICHT zu trinken. Nimm Dir nur das Alkoholproblem vor und entscheide Dich ganz bewusst, gleichzeitig zu essen und zu ko..., was und wieviel Du möchtest.
Erstens reicht es fürs erste, HEUTE NICHT ZU TRINKEN und nimmt Dir den Überdruck, gleichzeitig nicht zu essen (und dann eh das Gegenteil zu tun). Außerdem hat nach meiner Erfahrung die "Erlaubnis" zu essen und zu ko... den Effekt, dass man das eventuell auch nicht mehr so braucht. Ich erinnere mich, wie ich im Laden mich ganz bewusst zu einer "Fressattacke" entschieden habe, weil ich sie spürte und dann eben auch zuließ, nicht mehr gegen ankämpfte,. Dann kaufte ich in rauen Mengen alle Junkfoodarten dieser Welt, verteilte sie zu Hause um mich herum und fing an - wild entschlossen, nach dem Motto: "Du willst ne Fressattacke? - Du kriegst ne Fressattacke!!!" Tja, dann aß ich hiervon was und davon was, und dann war die Gier schleichend verflogen. Ich hatte noch nicht mal viel gegessen, sodass ich mir "leisten" konnte bzw. aushalten konnte, es drin zu behalten, um nicht die aufgebrachten Magenenzyme zur nächsten Fressattacke (weil Magen leer) zu verführen.
Vielleicht ist hier aber auch die Gemeinsamkeit, aus dem Teufelskreis rauszukommen: Hör auf zu kämpfen! Kämpf nicht mehr gegen Alkohol, Du verlierst immer. Nimm ihm die Macht, indem Du ihn aus den Verkehr ziehst. Und kämpf nicht mehr gegen Fress- und Kotzattacken. Lass es zu. Irgendetwas wollen sie Dir sagen. Höre hin. Wenn Du es zulässt und Dich bewusst dafür entscheidest, nimmst Du das Steuer wieder in die Hand und Du brauchst keine Angst mehr vor ihnen zu haben, weil Du sowieso gewillt bist, sie zuzulassen, bis "ihr beide" herausgefunden habt, worum es eigentlich geht.
Du weißt auch selbst, dass es nach hinte los geht, wenn Du kein Essen im Haus hast. Für eine Zeit nimmt es Dir den Stress und Du "hungerst in Frieden", aber dann überkommt Dich der Heißhunger, dann gierst Du nach jedem Mist, den Du Dir auch so schnell wie möglich besorgst. Also halte lieber ausreichend Vorräte mit gesundheitich Verträglichem. (Also auch kein Alkohol ;-)

Was mit auch half und hilft, ist eine Fressverlagerung auf gesundes Zeugs. Versuche es mal mit Bergen von Salat, Bergen von Gemüsen und Obst. Bis heute ist es so, dass ich darauf achte, gerade gesundes Zeugs immer im Haus zu haben und - wenn es geht - zurechtgechnippelt, -gekocht und angemacht. Wenn der "Hunger" kommt, hilft es oft, sich erst einmal damit vollzufressen. Richtig viel, wenns denn nun mal sein muss. Erlaube es Dir. Es reguliert sich dann zusehens von alleine. Später brauchst Du keine "Berge" mehr und entwickelst Lust auf dieses Essen und ein Gefühl für Deinen tatsächlichen Hunger und Appetiti. Freue Dich auf die Entdeckung des leckeren lustvollen gesunden Essens. Da steht Dir noch was ganz Schönes bevor. Ich weiß es aus eigener Erfahrung.

Ich weiß, das ist alles graue Theorie, wenn man selbst mittendrin steckt und wider allen Wissens ud Wollens sich auf diese Weise zurichtet.
Ich wünsche Dir sehr, dass Du irgendwie die Kurve kriegst. Du bist in Therapie. Schrei um Hilfe. Du brauchst im Moment mehr als Du offensichtlich hast.

Liebe Grüße, und ich drücke Dir die Daumen

Shakti

P.S. Ich könnte zu deinem Thema noch Romane schreiben, aber wahrscheinlich alles Dinge, die Du selbst schon weißt. Nur so viel für heute, dass Du weißt, dass Du tatsächlich nicht allein bist.

chiara
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großes Verständnis

Beitrag von chiara » 28.03.2006, 13:31

Hallo Sinfonia,
ich kann mich recht kurz fassen. Alles, was Du schreibst hört sich verdammt bekannt an.Nur, DAS war ich mit 20-25.
Heute ist eben 10 Jahre später.
Bitte schieb es nicht auf. Hol Dir Hilfe, egal wo.
Vergiss Dein Gewicht (ha, ich weiss das kannst Du momentan nicht), oder lass Dir bitte von mir "sagen" 10 Jahre weiter unten an diesem Weg den Du einschlägst wird Dein Gewicht Deine alllllllllergeringste Sorge auf der Welt sein.
Ansonsten schliesse ich mich dem Rat Gesundes Essen im Haus zu haben und mit dem Alkohol SOFORT aufzuhören (1l Martini was der an Kalorien hat, da kannst Du Dir die schönsten Essenszusammenstellungen tonnnenweise schmecken lassen) und insgesamt den Worten meiner Vorschreiber an.
Nur von mir EXTRA NOCH: Bitte warte nicht zu lange. Sonst wachst Du eines Tages auf und merkst plötzlich, es ist 10, 15 Jahre zu spät, Du bist alt, totkrank, hässlich innen und aussen, Dein Körper zerstört und Du hast es nicht mal gemerkt. Eben gestern noch hast Du gedacht es würde alles gut werden, Du sahst noch toll aus, hattest zumindest noch den Anschein eines Lebens und 1 l Martini pro Abend war irgendwie noch genug.
Alles Liebe
chiara

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Beitrag von Sinfonia » 30.03.2006, 17:04

Danke für Eure Beiträge.

Jeden Tag nehm ich mir von neuem vor: "Ab heute trink ich keinen Alkohol mehr" und jedesmal scheitere ich. :-( In eine Klinik mag ich einfach nicht mehr. Mir fehlt die Kraft, nochmal einen Kampf aufzunehmen. Die Hoffnung auf ein Leben ist zwar noch da, aber langsam schwindet auch die. Ich weiss, nur ich trage die Verantwortung für mich. ICH muss was ändern. Wie schlecht muss es einem denn gehen, dass man etwas unternimmt??? Selbst die Zahl heut auf der Waage konnte mich nur bis zum frühen Abend vom Alkohol abhalten. Wo wird das noch enden??!!

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