Rückfall durch alkoholfreies Bier

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Karsten
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Rückfall durch alkoholfreies Bier

Beitrag von Karsten » 29.03.2005, 11:22

Hallo @all

ich möchte heute aus gegebenen Anlass auf die Gefahren eines Rückfall durch alkoholfreies Bier hinweisen.
Ich hatte gerade einen Anruf, wo ich um Hilfe gebeten wurde, weil jemand durch das Konsumieren des alkoholfreies Bier, einen Rückfall hatte.
Alkoholfreies Bier ist leider nur dem Namen nach wirklich alkoholfrei.
Ein Restbestand von Alkohol ist auch in diesen Getränken zum Beispiel Bier enthalten.
Die Gesetzgebung erlaubt bei einem sehr geringen Alkoholgehalt, die Bezeichnung Alkoholfrei zu benutzen.
Dadurch wird auch mal wieder deutlich, wie ernst die Politiker die Krankheit von Alkoholismus nehmen.
Das Trinken von alkoholfreiem Bier wird sehr oft unterschätzt.
Auch der eindeutige Biergeschmack ist sehr gefährlich, weil die geistige Abhängigkeit bei Alkoholismus viel stärker zu bekämpfen ist als die körperliche Abhängigkeit.
Jeder Alkoholabhängige sollte sich bewußt sein, das er jegliche Form von Alkohol vermeiden muß, um eine realistische Chance für seine Trockenheit zu haben.
Wie ist Eure Meinung dazu?
Zuletzt geändert von Karsten am 27.04.2005, 20:13, insgesamt 2-mal geändert.

Robert
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Servus!

Beitrag von Robert » 29.03.2005, 16:17

Hallo,

vorab die Frage, hat er aufgrund des genusses von alkoholfreiem Bier zu "normalem" Bier gegriffen? Ich geh jetzt mal davon aus.
Das das sogenannte Alkoholfreie nicht frei von Alkohol ist, dürfte wohl jeder wissen, das gilt ja auch für Malzbier. Das wird aber gerne verschwiegen, nur ich denke, jeder der mit Alkohol ein Problem hat, also wir, ist oder sollte da aufgeklärt sein.
Wir haben bei uns in der SHG ein Mitglied, der seit neustem "Alkoholfreies" trinkt und sagt, er komme super damit klar!!!
Ich halte das für Russisches Roulette und nur eine frage der Zeit, wann das erste "echte" getrunken wird.
Es ist aber sicher auch Perönlichkeitsabhängig, ob da eine Rückfallgefährdung vorhanden ist, oder nicht. Ich für meinen Teil probiere das nicht aus!
Ich sag es mal so, wenn ich in einem Restaurant eine Soße zum Essen serviert bekomme, von der ich nicht weiss, ob bei der Zubereitung Alkohol verwendet wurde und ich ihn nicht schmecke, ist es meiner Meinung nach kein Risiko. Ich kann mich aber auch erkundigen und den "versteckten" Alkohol so vermeiden.
Es tut mir zwar leid, für denjenigen, aber irgendwie hat er diesen Rückfall auch provoziert. Ich rate jedem von so einem "Selbstversuch" ab.
Was ist denn dabei, mit Freunden, einen "trinken" zu gehen und selbst eben bei Wasser, Saft oder auch Cola zu bleiben?
Wie Du geschrieben hast, Karsten, der Biergeschmack kann dazu verführen, es irgendwann auch mal wieder mit einem "richtigen" zu versuchen. Was danach kommt, sieht man ja an dem oben beschriebenen Beispiel!

Gruß Robert

Karsten
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Beitrag von Karsten » 29.03.2005, 16:45

Bei meinem Anruf ging es um jemanden, der noch nicht lange trocken war. Er wußte auch nicht, das alkohlfreies Bier oder Malzbier ein geringen Anteil von Alkohol hat. Bei Malzbier ist es ja noch eher bekannt als bei alkoholfreies Bier ist.. Dieser zwar geringe Alkoholanteil im alkohofreen Bier ist aber gerade das Gefährliche.
Wie Du schon vermutest hast, hat er dann auch richtiges Bier getrunken, weil er eh schon eine Alkoholfahne hatte und darauf angesprochen wurde.
Jetzt ist er wieder in einer Klinik und es geht ihm gut.
Das Risiko besteht eben darin, das die falsche Namensgebung durch die Gesetze unseres Staates erlaubt wird.
Wenn alkoholfrei drauf steht, sollte man sich auch darauf verlassen können, das es alkoholfrei ist.
Ob er nun selbst provoziert hat oder nicht, spielt dabei keine Rolle.
Die Aufklärung in Fragen der Sucht ist bei uns sehr auch sehr schlecht.
Ich habe an vielen Schulen Präventationsunterricht gegeben, der eigentlich die einfachsten Dinge beinhaltete, aber auch Jugendliche in OSZ sehr wenig davon wußten oder wußten wollten. Nicht nur alkoholfreies Bier enthält Alkohol, auch viele andere Lebensmitte.
Nur bei alkoholfreies Bier steht es ja nun mal direkt auch drauf.
Ein alkoholfreies Leben ist mehr als nur nicht zu trinken.

Gruß
Karsten
Zuletzt geändert von Karsten am 21.07.2009, 08:44, insgesamt 4-mal geändert.

vanillivi
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Beitrag von vanillivi » 29.03.2005, 16:49

Da ich weiß, daß im "alkoholfreien" Bier Restalkohol ist, habe ich es nie ausprobiert, ich glaube auch das eher der Geschmack zum Rückfall geführt haben könnte. Auch von alkoholfrien Sekt halte ich nichts.
Davon mal abgesehen, hat es mir nie geschmeckt. :wink:

Maus1209

Beitrag von Maus1209 » 29.03.2005, 18:33

Also auch ich finde das alle Betroffenen und auch Angehörigen normalerweise darüber informiert sein sollten. Ich weiß es auch und ich finde es eine riesige Sch....rei das sich so etwas alkoholfrei nennen darf. Wie schon geschrieben man müsste sich eigentlich drauf verlassen können, das das was drauf steht auch drin ist...

Robert
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Hmm...

Beitrag von Robert » 29.03.2005, 18:40

Hat man in der Klinik in der er war, denn keine Aufklärung betrieben? Bei meiner stationären Entgiftung von 10 Tagen, wurden wir, also die Patienten, darüber Informiert. Eventuell sollte man das da mal zur Sprache bringen, denn solche Informationen sollten zum "guten Ton" in einer Klinik, die sich mit Suchtfragen beschäftigt gehören.
Auch könnten wir hier mal eine Liste mit Lebensmitteln zusammenstellen, in denen Alkohol enthalten ist. (Anregung!) Werd mich da mal schlau machen :)
Trotzdem möchte ich mal nachfragen, ob es denn "nur" der mangelnden Gesetzgebung anzulasten ist, wenn sowas wie Eigenverantwortlichkeit fehlt. Es fällt mir schwer zu glauben, das nicht etwas in ihm sich gefragt hat, ob es denn "richtig" ist, alkoholfreies Bier zu trinken, gerade so kurz nach einem Klinikaufenthalt. Ich kenne ihn nicht und will mir nicht anmaßen da zu spekulieren, aber ich hoffe meine nachfrage ist erlaubt.
Umso mehr wird hier wieder deutlich, wie wichtig Aufklärung ist, leider schützt Unwissenheit nicht vor den Folgen derselbigen.
Auch möchte ich hier nochmal schreiben, das ein Rückfall keine Schande ist, ich selber habe auch 2 Anläufe gebraucht um "wach" zu werden.
Ich wünsche ihm an dieser Stelle alles gute für seinen neuen Anlauf!

Gruß Robert

Karsten
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Beitrag von Karsten » 29.03.2005, 18:46

da diese Person mich nicht im Forum angesprochen hat, möchte ich Näheres auch nicht schreiben.
Es stimmt schon, das man auch eine Eigenverantwortung hat.
Man muß für sich sorgen und auf seine Nüchternehit aufpassen.

vanillivi
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Beitrag von vanillivi » 29.03.2005, 19:00

henri hat geschrieben:und das schreibt "Die Suchtfibel" zu dem Thema

Darf ich alkoholfreies Bier trinken oder mit Alkohol zubereitete Speisen essen?


Auch ist weder in Bierwurst, Bierhefe oder Senf Alkohol enthalten. Jedoch kann Weinsauerkraut laut Lebensmittelgesetz mit bis zu 2 % Alkohol verarbeitet werden. Roh sollte Weinsauerkraut deshalb nicht verzehrt werden. Gekochtes Weinsauerkraut ist zwar unbedenklich, weil der Siedepunkt von Alkohol niedriger als der von Wasser ist, so daß der Alkohol bei langem Kochen verdunstet. Prinzipiell gilt aber für alle mit Alkohol gekochten Speisen dasselbe, was oben zum alkoholfreien Bier gesagt wurde.




Gruß Henri
Sieh an, an Weinsauerkraut habe ich mich auch nicht rangetraut.
Ich habe ausversehen mal einen Quark mit Rotwein gegessen, habe ich auch rausgeschmeckt. :oops:
Hatte aber GOTT SEI DANK keinerlei Folgen. (Außer Durchfall, vielleicht phsychisch.. :? )

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