Quartalstrinker Therapie ?

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
thomas72
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Quartalstrinker Therapie ?

Beitrag von thomas72 » 20.05.2006, 13:22

Hallo zusammen,

In groben Zügen meine Geschichte,und meine anschließenden Fragen.
Inzwischen muß ich eingestehen,der typische Quartalstrinker zu sein.
Nach teilweise monatelanger Abstinenz,kommt irgendwann der
große Absturz mit meißst gravierenden Folgen,wie z.B. Verlust des
Arbeitsplatzes,und der berühmten Achterbahn der Gefühle.
Dies läuft schon seit etwa 1995 so.
Im Jahr 2001 war der bisherige Höhepunkt meiner Trinkerkarriere,
einige Wochen habe ich in einem Wohnheim (welches jedoch alles
andere als trocken war) gelebt.
Kurzum: In den Zeiten,wo es mir gesellschaftlich und existenziell
eher schlecht geht,schaffe ich es verwunderlicherweise ! viel leichter
trocken zu bleiben.
Inzwischen habe ich eine (noch) sehr verständnisvolle Lebensgefährtin,
mit ihr einen gemeinsamen Sohn (3).
Vor 14 Tagen war es dann wieder soweit,Rückfall und mal wieder
die Arbeitsstelle verloren.Dazu möchte ich sagen,daß ich mich
beruflich nie gefestigt gefühlt habe,und nie wirklich auf einen grünen
Zweig gekommen bin.
Im Grunde habe ich jetzt den festen Willen,etwas zu unternehmen.
Zumindest gehe ich am Montag zur Suchtberatung.
Aber nun zu meiner Frage:
Sicher wird die Suchtberatung mir raten,in eine Therapie zu gehen.
Das ist sicher auch wahrscheinlich der beste Weg.
Momentan frage ich mich halt,ob dies stationär oder ambulant
geschehen soll.
Bei beiden Möglichkeiten sehe ich als Quartalstrinker Vor-und
Nachteile.
Einerseits denke ich,stationär wäre schon optimal,um auch mal
Abstand von allem zu bekommen.Andererseits habe ich nun
keine Probleme 3,4,5 Monate trocken zu bleiben,ohne körperlichen
Entzugserscheinungen.Auch eine Entgiftung wäre eigentlich nicht
unbedingt erforderlich.
Bei einer ambulanten Therapie ist natürlich der Vorteil,daß man
zu Hause ist,aber ob dies wirklich ein Vorteil ist?
Da habe ich Zweifel,ob dies intensiv genug ist?,dies dann irgendwie
nur als einen/zweimaligen wöchentlichen Pflichttermin sieht.
Aber nun zu meinen Fragen:
Ist es unbedingt notwendig,vor einer Therapie diese Entgiftung
zu machen? Meiner Erfahrung nach,ist nicht unbedingt gewährleistet,
daß man im sofortigen Anschluß einer Entgiftung auch einen
Therapieplatz erhält.Ich würde dies evtl. als Quartalstrinker,
(wie erwähnt,ohne körperlichen Entzugserscheinungen) als
überflüssig sehen.
Vielleicht kann mir jemand raten,oder hat Erfahrungen,
welche Therapieformen für mich in Frage kommen würden ?

Liebe Grüße
T.

Teufelchen

Beitrag von Teufelchen » 20.05.2006, 13:44

Hallo Thomas,

erstmal herzlich Willkommen hier im Forum.

Ich persönlich würde immer erstmal eine stationäre Therapie vorziehen.
Ganz einfach um genügend Abstand vom Alltag zu bekommen und in schöner Umgebung zur Ruhe zu kommen und unmittelbaren Kontakt zu Menschen mit den gleichen Problemen zu haben.

Für jeden von uns ist die Nachsorge im Anschluß an solche Therapie sehr wichtig. Dafür gibt es ja die verschiedensten Möglichkeiten und man die die freie Auswahl. Die Therapeuten in der Langzeit helfen dabei, das Richtige für einen persönlich zu finden. Z.B. wöchentlich in der Suchtberatung, beim Psychiater oder eine weitergehende Einzeltherapie ambulant zu hause.

Unbdingt eine Entgiftung zu machen ist nicht ein "Muß". Ich glaube ich würde es schon machen, um nicht mit Halbheiten anzufangen, sondern um Nägel mit Köpfen zu machen.

Wünsch Dir ganz viel Glück.

lg
Simone, Alkoholikerin

henri
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Beitrag von henri » 20.05.2006, 14:03

Hallo Thomas und herzlich willkommen

Du siehst das alles richtig. Die einfache Entgiftung, ca. 10 Tage, bewirkt, dass der Körper alkoholfrei wird. Wenn du es schaffst sogar mehrere Monate ohne Alkohol auszukommen, dann ist so eine Entgiftung nicht nur überflüssig, sondern kostet auch nur unnötigerweise Geld.

Was für dich besser ist, ambulant oder stationär kann ich dir auch nicht sagen, lässt sich vielleicht auch nicht so pauschal sagen. Vermutlich kann ich mich als Spiegeltrinker auch nicht so unbedingt richtig in die Situation eines Quartaltrinkers versetzen. Die Unterschiede hast du richtig beschrieben. Die ambulante hätte den Vorteil, dass sie länger dauert und du während des kritischen Zeitpunktes auch einen direkten Ansprechpartner hättest. Die stationäre ist intensiver, das siehst du richtig, dauert aber nicht so lange, sehr grob geschätzt zwischen 8 und 16 Wochen, wobei dir Tendenz seit Jahren, zu immer kürzeren Therapien geht. Wird leider immer mehr zur Kostenfrage. Möglich ist u. U. auch stationär und anschließend weiterhin ambulant, müsstest dich danach aber am Mo. erkundigen. Sehr hilfreich sind aber Selbsthilfegruppen, die du besuchen kannst, auch jetzt schon.

Bei der Suchtberatung am Montag wirst du das aber auch besprechen können. Der Suchtberater kann das sicher vor Ort besser abschätzen als wir hier. Dafür muss er natürlich alles von dir wissen, Trinkmengen, Zeitraum, haben sich die Zeiten des Nichttrinkens verkürzt, weshalb willst du aufhören usw., hört sich aber schlimmer an als es ist.

Wünsche dir viel Erfolg, den Anfang hast du gemacht.

Gruß Henri

thomas72
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Beitrag von thomas72 » 20.05.2006, 14:09

Hallo Simone...

vielen Dank für deine liebe Antwort...
ich freue mich,dies forum gefunden zu haben.

Sicher kann ich hier nur vieles grob anschneiden,
aber die letzten 10 Jahre meines Lebens waren
das reinste Chaos,für den ein oder anderen
würde es gewiss unglaublich sein.
Aber da stehe ich nicht allein,das möchte ich
auch allen anderen mit auf dem Weg geben.
Auch wenn man es in bestimmten Momenten
ganz anders sieht.
Eben wegen des riesigen Chaos würde ich wohl
auch einen stationären Aufenthalt vorziehen.
Eine Entgiftung habe ich 1998 schon mal
angefangen,aber beim anfangen ist es auch
geblieben.
Ich denke,als Quartalstrinker ist eine Entgiftung
etwas schwieriger,da die meißsten anderen
auf einem anderen level stehen.
Damals war es so,daß natürlich vorrangig
Mitmenschen mit akuten,körperlichen Problemen
anwesend waren.
Entgiftung sehe ich also in erster Linie,
als eine körperliche Sofortmaßnahme.
Oder sicher auch für jemanden,der allererste
Erfahrungen mit Hilfestellungen zur Sucht
machen sollte.
Nägel mit Köpfen möchte ich,muß ich,jetzt
unbedingt machen,ich glaube,ich denke schon
viell. zuviel im voraus.
Schon jetzt mache ich mir Gedanken,wie es z.B.
nach einer Therapie aussieht,dabei war ich noch
nicht mal bei der Beratung :)
Die Beratung werde ich aber definitiv aufsuchen,
und denke,dem Forum treu zu bleiben,obwohl
ich erst seit heute dabei bin.
Ich wünsche allen anderen alles erdenklich
liebe und gute,viel glück und vor allem viel
Erfolg...
lg Thomas

schorni67

Beitrag von schorni67 » 20.05.2006, 14:13

hallo thomas,

herzlich willkommen, deine geschichte ist fast meine, nur ich konnte zum glück den sozialen abstieg vermeiden.

ich habe manchmal über ein halbes jahr nicht getrunken, meist bis ich meine familie und meine liegengelassene arbeit wieder im lot hatte.
dann ging es mir wieder gut und dann folgte exzessives trinken, danach selbst entzogen usw..

1999 konnte ich nicht mehr von allein aufhören zu trinken, konnte nicht mehr ohne alk aber auch nicht mit alk leben.

für mich war das mein persönlicher tiefpunkt, ein befreundeter arzt wies mich zur entgiftung auf einer suchtstation ein. das war der schlimmste und gleichzeitig beste tag in meinem leben.

ich habe nicht auf die therapeuten bei der suchtberatungsstelle gehört, obwohl ich mich dort gut aufgehoben gefühlt habe.

geh dort hin und laß dich beraten, die wissen am besten was zu tun ist. sage ihnen die volle wahrheit und verschweige nichts, sie werden dir wege zeigen.

pauschal kann keiner sagen langzeitthera oder ambulant, mir wurde sogar im suchtkrankenhaus von einer stationären therapie abgeraten. ich bin über selbsthilfegruppen trocken geworden.
dieser weg ist aber schwerer, aber durch meine selbstständigkeit hatte ich nicht viele möglichkeiten, ich hatte aber den festen willen und wußte das ich nie wieder da hin will, wo ich war.

nimm dir alles was du bekommen kannst an angeboten, je mehr du in anspruch nimmst, je leichter ist dein weg.

gruß schorni

thomas72
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Beitrag von thomas72 » 20.05.2006, 14:28

Hallo Henri...

dank dir deiner Antwort,
dem ist im Grunde wohl nichts hinzuzufügen.

Anmerken möchte ich jedoch mal,
daß z.B. die zeitlichen Abstände,sowie die
Trinkmengen eher geringer werden.
Im Gegensatz dazu wird das auf und ab meiner
Gefühle und Empfindungen nach einem Rückfall
jedoch extrem stärker.
Man sagt z.B. der durschn. Quartalstrinker trinkt
alle paar Wochen 2-3 Tage durch.
Inzwischen ists bei mir persönlich alle 3,4 Monate
ein Abend mit verhältnismäßig geringer Menge,
welche jedoch für einen Vollrausch ausreicht.
Am day after,bzw. mehrere Tage ! bin ich dann
restlos am Ende,vor allem psychisch.
Ich frage mich immer wieder,wie ein einziger
Vollrausch eine Gefühlswelt so extrem verändern
kann.
Sicher muß ich zugeben,in wesentlich früheren
Jahren viel größere Mengen,in weniger größeren
Zeitabständen getrunken zu haben.
Angefangen hats,wie bei wahrscheinlich den
meißsten,durchs berühmte Wochenend-und
Gesellschaftstrinken.
Dank nochmal deiner Antwort...
es tut mom wirklich irgendwie gut,
einige Dinge einfach nur zu schreiben.
Zu einer Gruppe habe ich mich noch nicht
durchringen können,sollte es aber in Betracht
ziehen,keine Frage.

lg
Thomas

thomas72
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Beitrag von thomas72 » 20.05.2006, 14:47

Hallo Schorni...

danke für deine symphatische Antwort...
Ja...es ist schon verwunderlich,für mich nicht
wirklich zu erklären.
Wenn es mir schlecht geht,der Absturz zumindest
droht,fällt es mir tatsächlich leichter trocken zu
bleiben.
Irgendwann gehts mir dann wieder besser,
beruflich,persönlich,partnerschaft,etc.,und
dann kommt der große Rückfall.
Nicht mal wegen irgendwelcher Probleme wegen,
es passiert dann für mich unerklärlicherweise.
Das ganze hat dann gravierende Folgen,
und dauert dann Wochen harter Arbeit,
um das wieder aufzubauen,was man im Grunde
schon so oft erreicht hat,und an einem einzigen
Abend wieder zersört.
Man sagt,mann macht Fehler einmal oder zweimal.
Aber aus sovielen gravierenden negativen Erlebnissen durch die Trinkerei,sollte ich vielmehr
als gelernt haben.
Warums am Ende nicht so ist,werde ich mir
nie erklären können.
Eigentlich der Widerspruch pur,
ich denke,das ist oft das größste Problem.

lg
Thomas

schorni67

,

Beitrag von schorni67 » 20.05.2006, 15:18

hallo thomas,
Warums am Ende nicht so ist,werde ich mir
nie erklären können.
,

thomas sucht, einfach sucht.

alles was du dir vorne aufbaust, reißt du mit dem hintern ein.
ist nicht von mir, hat mein lehrmeister immer gesagt.

du kannst es nicht vertragen, wenn es dir gut geht, du denkst es steht dir nicht zu, ein gutes gefühl zu haben.

auch nicht meine worte, hat eine psychologin zumir gesagt, die mich kennt.

denk mal düber nach.

bei mir war fast immer der einstiegstag freitag, alles geschafft, alles ok.

dann fing ich an zu trinken.

gruß schorni

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