früher konnte man so gut mit ihm reden und lachen...

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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mariä
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früher konnte man so gut mit ihm reden und lachen...

Beitrag von mariä » 20.05.2006, 22:07

Hallo ihr lieben,
hab eure seite heute entdeckt und mich ein bischen aufgefangen gefühlt (hier kann man alkoholabhängigkeit mal ansprechen ohne in peinlich berührte und wahnsinnig erschreckte gesichter zu schauen"wie, dein bruder trinkt..")
und so habe mich entschlossen die geschichte meines bruders zu erzählen...
mein bruder trinkt seit ca. 8 jahren, seit 3 jahren ziemlich exzessiv. seine freundin hat ihn verlassen und seitdem gehts richtig berab. seine sucht ist ihm sehr bewußt, nur hat er keine kraft irgendwas an seiner derzeitigen situation zu ändern und darunter leidet er ziemlich, und dass er darunter leidet macht ihn wieder leidend

ich tue mir ziemlich schwer mit ihm klarzukommen..früher konnte man so gut mit ihm reden und lachen, all das scheint weg zu sein. ich kann diesen alk-geruch, der ihn permanent umgibt kaum ertragen, aber ich möchte ihm auch helfen und bin eigentlich total wütend auf ihn, dass er sich so runterwirtschaftet..

bis vor kurzem habe ich ihm ziemlich viele vorwürfe gemacht, das lass ich inzwischen, weil es ihn nur noch stärker in sein selbstmitleid und damit zur flasche treibt..

ich weiß, daß da niemand was ändern kann, außer er selbst, aber es tut echt mal gut das ganze loszuwerden und vielleicht kann mir einer sagen, wie ich diese wut und enttäuschung loskriege (manchmal finde ich ihn echt widerlich (ich weiß,daß das echt Sche*** ist, so was zu sagen, aber hier kann ich es anonym sagen und so sag ich es ihm wenigstens nicht ins gesicht...sorry)

grüße mariÄ

henri
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Beitrag von henri » 23.05.2006, 00:00

Hallo mariÄ und herzlich willkommen

Worüber bist du wütend und wovon enttäuscht? Wütend über deinen Bruder, weil er es nicht schafft oder weil er nicht das macht, was du gerne von ihm sehen würdest? Enttäuscht von ihm, weil du mehr von ihm erwartet hast oder enttäuscht von dir selbst, weil du es nicht geschafft hast ihn zu überzeugen?

Mit Vorwürfen erreichst du nichts, hast du bereits gemerkt. Du kannst nur versuchen, ihn von der Notwendigkeit zu überzeugen, ohne Alkohol zu leben. Wenn er das aber nicht einsieht oder nicht darauf reagiert, dann kannst du leider nichts weiter tun. Es ist sein Leben und hast du ein Recht, ihn gegen seinen Willen zu ändern? Versuche das für dich zu akzeptieren, dann wirst du nicht mehr wütend oder enttäuscht sein, aber sehr traurig.

Wünsche euch alles Gute

Lieben Gruß
Henri

Kerstin29
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Beitrag von Kerstin29 » 03.06.2006, 15:07

Hallo Maria,
ich erkenne mich da teilwise wieder. Mein Vater ist Alkoholiker und bereits sehr verwahrlost und mittlerweile ekel ich mich sogar vor ihm. Ich habe auch Schuldgefühle wenn ich das sage oder nur denke, aber es stimmt. Er ist ungewaschen, riecht nach Alkohol und auch sonst ungepflegt und ich weiss nicht wie er in diesem Zimmer schlafen kann, das ich nicht betreten mag, bzw. mich sogar zu setzen. Das Haus in dem er wohnt ist eklig, weil er dort mit Leuten zusammen wohnt, die sich im Treppenhaus ihre Spritzen geben. Wenn ich da bin mag ich nichts anfassen, weil das Treppengeländer oft blutverschmiert ist und oft habe ich sogar Angst mich mit irgendwas anzustecken. Wenn ich bei ihm war muss ich danach duschen, Händewaschen allein reicht mir vom Gefühl nicht mehr. Er tut mir unendlich leid und ich liebe ihn trotz meiner Ekel-Gefühle. Und ich habe das noch nie irgendwem erzählt, obwohl es wahrscheinlich jedem so geht, der ihn sieht. Aber das wäre für mich ein Verrat an meinem Vater...

Ich weiß nicht, wie man am Besten damit umgehen kann. Ändern kann ich nichts und mir geht es am Besten, wenn ich ihn so selten wie möglich sehe (ohne dass er merkt, dass ich mich abkapsel) und versuche nicht drüber nachzudenken...

Liebe Grüße, Kerstin

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