Privatsphäre

Was wünscht Ihr Euch für Hilfe im Selbsthilfeforum zum Thema Alkohol, Selbsthilfe, Alkoholismus, Alkoholsucht, Alkoholkrankheit, Alkoholabhängigkeit und Coabhängigkeit?
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Karsten
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Privatsphäre

Beitrag von Karsten » 05.08.2011, 10:46

Hallo liebe Forenmitglieder,

ich möchte hier mal ein Thema eröffnen, was mir am Herzen liegt.
Manchmal ist es ja notwendig, dass Beiträge hier editiert werden müssen, weil ganz detaillierte Dinge von sich oder anderen Menschen geschrieben wird.

Vielleicht können wir mal mit einer gemeinsamen und vor allem sachlichen Diskussion dazu beitragen, dass man vielleicht etwas mehr Einfühlungsvermögen für das Internet und das, was man öffentlich ins Internet stellt, bekommt.

Manchmal wird uns ja unterstellt Smilie , wir würden zensieren, Willkür walten lassen und so gar von Diktatur wird manchmal geschrieben. Das sind freie Meinungen und jeder kann ja denken, was er oder sie will.

Ich möchte aber betonen, dass es uns nicht darum geht, hier die Kommunikationsmöglichkeit zu beschneiden, sondern einfach auch darauf achten, dass nicht gleich auf den ersten Blick die reale Person hinter den Beiträgen erkannt wird. Wer länger und viele Beiträge in die offenen Forenbereiche schreibt, kann es aber wohl kaum verhindern, dass zu mindestens Menschen aus dem näheren Umfeld, euch erkennen.

Hier mal ein kurzes Gespräch vom Vorabend wiedergegeben. Hier mal eine Beschimpfung, die man vom trinkenden Partner erhalten hat, aufgeschrieben. Beim nächsten Beitrag mal vom Bruder oder anderen Angehörigen etwas geschrieben und so weiter. Viele kleine Informationen, die zusammen euch als reale Person identifizieren.

Im Fernsehen und anderen Medien wird oft davor gewarnt, nicht so viel von sich in den sozialen Netzwerken preiszugeben, um die Privatsphäre zu schützen. Auch dort werden diese Warnungen oft ignoriert. Sicherlich ist hier jeder erwachsen und sollte selbst wissen, was er oder sie öffentlich preisgibt. Aber die Erfahrung zeigt, dass wir eben zwei, drei Tage später PN erhalten, wo jemand Passagen oder ganze Beiträge gelöscht haben möchte, die im ersten Gefühlschaos hier reingeschrieben wurden. Wenn man für sich keinen Ausweg mehr weiß, denkt man im ersten Augenblick vielleicht auch nicht so sehr darüber nach.

Das Internet ist ein öffentliches Medien, auch wenn man von zu Hause in der geborgenen Atmosphäre sitzt und schreibt. Hier geschriebene Beiträge sollen ja positive Veränderungen bei sich bewirken, aber sie können auch negative Auswirkungen haben, wenn man denn hier öffentlich erkannt wird. Das sollte man nie vergessen.

Nun wird sich jemand vielleicht fragen, warum dieses Thema von uns kommt? Im Prinzip suggeriert es ja, weniger hier zu schreiben, was ja nicht wirklich im Sinne des Forums sein kann, denn ohne Beiträge kein Erfahrungsaustausch.

Vielleicht kann ich so erklären.

Dazu möchte ich auf den Sinn eines Erfahrungsaustausches kommen.

Das Forenthema ist ja darauf ausgerichtet, sich selbst zu verändern. Man befindet sich im Moment in einer Situation, die es gilt zu verändern. Wenn man aber mal das Ziel erreicht hat ( ich rede jetzt nicht in dem Sinne „es geschafft zu haben“ ) und wieder ein normales Leben in völliger Selbstbestimmung führt, ist es dann gut, wenn man hier sein ganzes Leben, ohne auf seine Privatsphäre geachtet zu haben, öffentlich beschrieben hat?

Die offenen Forenbereiche waren für den allgemeinen und ersten Erfahrungsaustausch gedacht, wo sich jeder erst mal informieren kann. Es geht ja schneller und unkomplizierter, sich schnell im Internet zu informieren, als wenn ich erst zu einer realen Selbsthilfegruppe gehen muss oder mich an einer Suchtberatungsstelle wende. Das ist ja auch völlig ok.

Zum eigenen Schutz sollte man sich aber nach dem anfänglichen Gefühlschaos vielleicht überlegen, was man tut. Hier gibt es es weiteres Angebot in den geschützteren Forenbereichen, wo man sich austauschen kann. Dort ist der Chat, wo der Erfahrungsaustausch vergänglich ist.

Sicherlich kann und will nicht jeder Geld aufbringen, um sich hier sicherer austauschen zu können, aber dann sollte man sich überlegen, ob das offene Internet die richtige Plattform ist, um sich über sein Leben, sehr private Dinge, die ja oft nicht nur sich selbst betreffen, sondern im Angehörigenbereich auch Menschen aus seinen privaten Umfeld.
Auch wen wir keinen wegschicken wollen, wäre hier mal darüber nachzudenken, ob eine reale Selbsthilfegruppe vielleicht besser wäre, als hier das Forum, denn da ist es wenigstens ein kleinerer und geschlossener Kreis von Menschen, wo man den Erfahrungsaustausch führt.

Als Forenbetreiber sollte es mir wünschenswert sein, dass sich hier viele Menschen austauschen und sehr viele Beiträge schreiben, was ja der Erfolg eines Forums ist, aber auf der anderen Seite habe ich oft das Gefühl des fremdschämens, wenn ich sehr private Dinge in den offenen Forenbereichen lesen muss. Es macht mir Magenschmerzen, wenn ich ganze Familiengeschichten lese oder auch Lebensgeschichten von Menschen, die nicht wissen, dass hier öffentlich über sie im Internet geschrieben wird.


Ich hoffe und wünsche mir, dass es hier eine sachliche und respektvolle Diskussion darüber gibt, wie weit die Privatsphäre geht.
Der Beitrag ist ziemlich lang geworden, aber der Kurzinhalt ist, dass man mal darüber nachdenkt, was man hier schreibt.

Gruß
Karsten
Zuletzt geändert von Karsten am 05.08.2011, 15:37, insgesamt 1-mal geändert.

BlueCloud

Beitrag von BlueCloud » 05.08.2011, 14:30

Hallo Karsten,
Vielleicht können wir mal mit einer gemeinsamen und vor allem sachlichen Diskussion dazu beitragen, dass man vielleicht etwas mehr Einfühlungsvermögen für das Internet und das, was man öffentlich ins Internet stellt, bekommt.
Ich denke, wenn man in so einem emotionalen Film drin ist, kann man ganz schwer klar denken und schreibt sich hier alles von der Seele - ungeachtet der Konsequenzen, die es für 3. haben kann. Rational emotional gibt es wohl kaum.

Anderseits wird man durch die Themenüberschriften aber auch irgendwie dazu motiviert, zuviel von sich preiszugeben.
Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum
Wie schreibt man seine Lebensgeschichte ohne dabei über 3. zu schreiben? Die gehören ja irgendwie dazu. Vielleicht könnte man dort ansetzen, dass man solche "öffentlichen Tagebücher" erst gar nicht mehr zuläßt, sondern einfach nur einen Sachthemen-Austausch oder meinetwegen auch über Lebensfragen diskutieren läßt.

Übrigens wird in einer realen SHG auch der Betreffende darauf hingewiesen, wenn er zuviel von anderen erzählt und nicht bei sich bleibt - ist dort Gang und Gäbe.

Verstehe aber auch, dass es sehr müßig für das Team ist, jeden Tag auf´s Neue, Beiträge editieren zu müssen. Aber vielleicht braucht es das wirklich, dann auch mal ganz konsequent zu editieren, bis der Betreffende wirklich merkt, dass er zu weit geht. Dann kann er/sie es sich ja immer noch aussuchen, ob sie in den Geschlossenen gehen oder nicht.

Gruß

BC

K.U.D.68

Beitrag von K.U.D.68 » 06.08.2011, 13:28

Hallo Karsten,hallo Foreumteilnehmer
Psychische Krankheiten wozu zweifelsohne auch die Alkoholkrankheit gehört ist leider in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema.
Es leben nach vorsichtigen Schätzungen ca 2 Millionen Menschen mit der Krankheit in Deutschland.40000 Menschen sterben jährlich direkt an den Folgen.10 Millionen trinken bedenklich.Das auch das Internet diesbezüglich hohen Zulauf hat ist nachvollziebar.Das Internet birgt natürlich Gefahren.Der Chef,Kollegen oder Bekannte könnten mitlesen,zumal Beiträge noch Jahre im Netz nachzulesen sind.Man muß sich auch bewußt machen, so hilfreich es ist seiner Seele Luft zu machen,es ersetzt nicht die persönliche Vorstellung bei einem Facharzt,der eine fundierte Diagnose stellen kann.Abschließend möchte ich sagen das die Onlineberatung und das Forum, speziell hier für Alkoholiker eine gute Anlaufstation sein kann(ist), um sich mit anderen auszutauschen.Sonst hätte ich mich auch nicht hier angemeldet.K.U.D.68

Spanijoggel
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Beitrag von Spanijoggel » 06.08.2011, 22:44

Hallo Karsten!

Du hast recht,wir plaudern viel zu viel aus.
Das habe ich ja oft getan und ich bin froh,dass Du mich darauf aufmerksam gemacht hast.Ich habe viel zu wenig Respekt vor den Folgen,kann mir diese manchmal gar nicht vorstellen.Ich bin manchmal sehr naiv!!

....Und froh wenn Du es mir signalisierst.
Auch einfach fragen können wir Dich ja auch.

Hoffe,ich habe nicht am Thema vorbeigeschrieben!

Herzliche Grüsse
Yvonne

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