Erkrankung oder Willensschwäche

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Karsten
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Re: Erkrankung oder Willensschwäche

Beitrag von Karsten » 12.08.2018, 16:34

Hallo,

lan lang ist es her, aber das Thema scheint immer aktuell zu sein :)
Deshalb habe ich mal wieder geöffnet.

In den letzten Tagen sind ja in anderen Themen Beiträge gekommen, wo die Alkoholsucht nicht so als Krankheit gesehen wird.
Wenn ich mit Menschen spreche, die nicht süchtig sind, höre ich auch öfter, dass sie es auch eher als Charakterschwäche ansehen und die Anerkennung als Krankheit nur festgelegt wurde, damit die Behandlung von den Krankenkassen bezahlt werden können.

Gruß
Karsten

Hull
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Re: Erkrankung oder Willensschwäche

Beitrag von Hull » 12.08.2018, 17:39

Für mich liegt die Wahrheit in der Mitte.

Im nüchternen Zustand halte ich nichts von einer "Krankheit", die mich auf magische Weise wieder dazu bringen soll, Alkohol zu trinken.

Anders sah es in der Vergangeheit aus, sobald ich das erste Glas getrunken hatte. Das hatte durchaus krankhafte Züge, solange weiter zu trinken, bis nichts mehr reinging. Dass das auch heute noch so wäre, ist sehr wahrscheinlich, da es mir in der Natur liegt, alles zu übertreiben und die Wirkung des Alkohols wirft die restlichen moralischen Bednken - falls sie überhaupt jemals präsent waren - vollständig über Bord.

Insofern wäre es für mich durchaus Willensschwäche, wieder zu Trinken und genau deshalb ist es auszuschließen. Mit dieser Einstellung eine Therapie o.ä. zu beginnen, halte ich für vollkommen überflüssig.

minerva futch
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Re: Erkrankung oder Willensschwäche

Beitrag von minerva futch » 12.08.2018, 21:48

Karsten hat geschrieben:
12.08.2018, 16:34
Wenn ich mit Menschen spreche, die nicht süchtig sind, höre ich auch öfter, dass sie es auch eher als Charakterschwäche ansehen (...)
Ich habe relativ aktuell mit einer Arbeitskollegin über einen gemeinsamen Bekannten gesprochen bzw. über eine Entscheidung, die er getroffen hatte, die wir beide nicht gutheißen konnten (Inhalt dazu nicht relevant). Ihr abschließendes Statement dazu klang wie folgt: "Na, zu dem Zeitpunkt war er ja auch Alkoholiker" und nach einer kurze Pause, in der dies sackte (und vielleicht meinem Gesichtsausdruck?!): "Nein nein, das ist ja auch ne Krankheit".
Für mich hat das relativ passend dargestellt, wie ich die allgemeine Einstellung (in meinem Bekanntenkreis) zum Thema Alkoholismus wahrnehme: EIGENTLICH ist's ja ne Krankheit, aber so richtig ERNST kann man die Menschen dann auch nicht nehmen, oder wie?
Für mich selbst ist es nichts anderes als eine Erkrankung, ebenso wie bei physisch bedingten Erkrankungen ist vielleicht der eine anfälliger als der andere, so mein Eindruck.

Penta
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Re: Erkrankung oder Willensschwäche

Beitrag von Penta » 13.08.2018, 05:30

Tach Hull,
Im nüchternen Zustand halte ich nichts von einer "Krankheit", die mich auf magische Weise wieder dazu bringen soll, Alkohol zu trinken.
ich hielt davon sicher auch nichts im betrunkenen Zustand. Selbst wenn ich die Kontrolle über meinen Alkoholkonsum verlor, habe ich mich gern zu irgendwelchen Wertungen hinreißen lassen.

Der Alkoholismus bringt dich ebenso wenig magisch zum Saufen, wie dich deine Psychopathie etwa "magisch" beeinflusst. Aber sie sind da.
Fakt ist, beides sind psychische Erkrankungen.
Psychische Erkrankungen kommen manchem "magisch" vor. Leider oft auch den Betroffenen selbst.
Das mag daran liegen, dass die Bearbeitung ihrer Ursachen erfordert, Schmerzen in Kauf zu nehmen, die von denen anderer, eben körperlicher, Erkrankungen abweichen.
Ich halte mein Saufen lediglich für ein Symptom.
Die Ursachen dafür liegen woanders.
Das bedeutet, dass es mit dem Weglassen des Alkohols eben nicht getan sein kann. Die Möglichkeiten, zufrieden mit der Krankheit Alkoholismus zu leben, ohne zu saufen, sind vielfältig. Abstinenz ist die Voraussetzung.
Gruß, Penta

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