Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Vorstellung

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.
Karsten
Administrator
Administrator
Beiträge: 31962
Registriert: 04.11.2004, 23:21
Geschlecht: Männlich

Beitrag von Karsten » 26.06.2006, 13:47

Hallo,

ist nicht eines der ersten und wichtigsten Ratschläge, die ihr Hilfesuchende in der Suchthilfe gebt, ehrlich zu sein und zu seinem Suchtproblem zu stehen?

Nur mal so heimlich und neben bei nichts mehr trinken, wird sicher nichts werden.

Wie kannst Du anderen Menschen dann in die Augen sehen, die Dich um Rat bitten, wenn Du selbst nicht ehrlich bist und Deine eigene Sucht für Dich behälst?

LiZZ
neuer Teilnehmer
Beiträge: 6
Registriert: 22.06.2006, 20:37

Beitrag von LiZZ » 26.06.2006, 14:05

Karsten,
mich bittet niemand um Rat, da ich nur noch in der Leitung tätig bin. Soviel dazu.
Ich sehe keinen Grund, mich in meinem beruflichen Umfeld zu outen. Privat werde ich sicherlich mit der Frage konfrontiert sein, warum ich nichts trinke. Zudem ist im Moment dies hier Outing genug.
Eigentlich finde ich es schade, dass du schreibst dass es "sicher nichts werden wird". Mal sehen! Ich habe noch nie einen bewußten Entschluss gefasst, nichts mehr zu trinken; das geschieht jetzt zum ersten Mal. Ich habe Zutrauen zu mir und finde das eigentlich recht schön.
LiZZ

Karsten
Administrator
Administrator
Beiträge: 31962
Registriert: 04.11.2004, 23:21
Geschlecht: Männlich

Beitrag von Karsten » 26.06.2006, 15:09

Hallo LiZZ,

ich schreibe nur aus meinen Erfahrungen heraus.
Diese haben mir gelehrt, dass man ohne Ehrlichkeit nicht weit kommt, wenn es um die Nüchternheit geht.
"Genug" ist ein Wort, was für seine Nüchternheit niemals verwendet werden sollte.
Lieber viel mehr machen, als man selbst für nötig hält und das ist das auch noch nicht genug.

Als ich nüchtern werden durfte, war mir alles andere egal. Ob mich die Ärzte schif anschauten, der Sozial Psychatrische Diens mir eh nichts glaubte, alle aus meinem Umfeld für mich al Säufer hinstellten. Ales war mir egal, nur nichts mehr trinken brauchen, das war mein Ziel.

Ich lese es hier sehr oft, dass man nur mit halber Kraft an sein Problem rangeht. Leider bleiben diese Besucher und Gäste hier nicht lange. Einmal was geschrieben, was sie nicht hören wollen, dann noch ein weg aufgebahren und weg.

Wenn durch den Alkoholkonsum das Leben so sehr verändert wurde, dass man keine Altanative mehr sieht, als die Abstinenz, ist die Nüchternheit oberste Priorität. Nur dann hat man eine Chance ein dauerhaftes Leben zu erlernen.

Eigentlich müßtet ihr auf der Schule gelernst haben, dass man nur mit Konsequenz und klaren Worten etwas gegen seine Sucht unternehmen kann. Streicheleinheiten und gut zureden hat noch niemanden geholfen.

Eigentlich schade, dass man dies jemanden sagt, der in der Suchtberatung arbeitet und sicher auch mal Hilfesuchende beraten hat.

Teufelchen

Beitrag von Teufelchen » 26.06.2006, 15:21

Hallo Lizz,
Eigentlich finde ich es schade, dass du schreibst dass es "sicher nichts werden wird". Mal sehen! Ich habe noch nie einen bewußten Entschluss gefasst, nichts mehr zu trinken; das geschieht jetzt zum ersten Mal
Zutrauen zu sich selber ist natürlich wichtig und auch schön!

Als wir aufgehört haben alles in frage zu stellen, was uns die Menschen, die genau wissen, wie man trocken wird, geraten haben, wurden wir trocken.

Viele hier haben eine sehr, sehr leidvolle Geschichte hinter sich. Haben mehr als einmal den ganz festen und sehr ernsthaften Willen gehabt mit dem Trinken aufzuhören, doch sie haben es nicht allein geschafft.

Versuch doch einfach mal zuzuhören und zu verarbeiten, was Dir langjährige trockene zufriedene alkoholkranke Menschen zu sagen haben, die ihre Krankheit endlich in den Griff bekommen haben, ohne zu denken, mal sehen und schade!
Du weisst doch nur aus der Theorie, wie man als Alkoholabhängiger trocken wird. Das wußten wir alle mehr oder weniger gut. Es ist aber die Erfahrung der anderen, die uns endlich auf den richtigen Weg gebracht hat. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe. Das steckt hinter dem Erfolg von Selbsthilfegruppen oder diesem Forum.

Doch eine Voraussetzung muss man schon mitbringen. Offen und ehrlich zu sich und anderen sein. Außerdem zu vertrauen und einfach mal auf andere hören und verarbeiten, was sie einem zu sagen haben.

Du musst übringens weder Dir noch uns irgendetwas beweisen. Nur akzeptieren, dass Du krank bist und Deine alten Denk- und Verhaltensmuster gerade mal ausreichend sind, um Deine Sucht am Leben zu erhalten. Zum trocken werden brauchst Du ein ganz neues und anderes Denken als bisher. Nun ja, wer kann schon so denken und fühlen wie ein genau von der gleichen Krankheit betroffener Mensch wie Du?
Natürlich niemand.

Lass mal sacken und denk einfach mal darüber nach!

Lg
Teufelchen

LiZZ
neuer Teilnehmer
Beiträge: 6
Registriert: 22.06.2006, 20:37

Beitrag von LiZZ » 26.06.2006, 15:53

Karsten hat geschrieben: Eigentlich schade, dass man dies jemanden sagt, der in der Suchtberatung arbeitet und sicher auch mal Hilfesuchende beraten hat.
Karsten, ich kann schon annehmen was du sagst. Nur diese "Moralkeule" bezüglich meiner Arbeit finde ich jenseitig.

Teufelchen, ich denk darüber nach.

LiZZ

Karsten
Administrator
Administrator
Beiträge: 31962
Registriert: 04.11.2004, 23:21
Geschlecht: Männlich

Beitrag von Karsten » 26.06.2006, 16:06

Hallo LiZZ,

es geht nicht um Moral. Bei der Alkoholsucht geht es um Leben und Tod.
Wenn ich Verantwortung für andere Menschen übernehmen will, muß ich auch mein Leben verantwortungsvoll meistern.

Im Endeffekt kann ich eh nichts daran ändern. Du mußt selbst wissen, was Du machst.

Meiner Erfahrung geht es nur mit Offenheit und Ehrlichkeit.

Lilly12

Beitrag von Lilly12 » 26.06.2006, 18:51

Hallo Lizz, Teufelchen und Karsten,

Ich möchte auch noch mal was in Sachen Offenheit beisteuern.
Offenheit ist viel einfacher als Verschweigen. Teufelchen und Karsten wissen das schon...ich auch.

Verschweigen ist viel schwerer, nicht nur in nassen Zeiten, auch in trockenen. Mal zu den trockenen Zeiten:
Rumdrucksen, wenn jemand fragt: Warum trinkst Du denn nichts mit? Eventuell Feiern nicht zu besuchen, im nicht in "peinliche" Situationen zu kommen. Immer so ein rumlavieren, ich hab das doch auch mal anfangs versucht, als ich noch nicht so sicher war, wie soll ich das jetzt alles regeln, wem soll ich es sagen. Ach, am besten niemanden, ich bin ja nun trocken. Das reicht aber nicht. Ich mußte das erst lernen, das ist schwer, aber wenn man es ein paarmal gesagt hat, wird es normal.
Ja, gut, ich bin Alkoholiker, und weiter? Wenn mir jemand blöd kommt, sag ich einfach: Ja gut, ich bin Alkoholiker, aber Du bist dumm, und dagegen gibt es nicht mal ne Therapie...SO !!

Und wenn man noch "nasser" Alkoholiker ist, ist Verschweigen ja noch viel schwieriger, denn solange man schweigt, kann man keine Hilfe bekommen, die man aber ganz dringend braucht.
Nur Offenheit kann einen trocken machen und auch trocken bleiben lassen, das ist zumindest meine Meinung.

Lizz ist inder Suchtberatung tätig, ob in der Leitung oder sonstwo, ist hier kac...egal. Lizz, wir sind überall, das ist heut wohl mein Spruch des Tages.
Ein Bekannter von uns war jahrelang als Kiffer bekannt und hat später in der Suchtberatung lange gearbeitet, das eine schliesst doch das andere nicht aus. Ich bin der Meinung, er kann es sogar besser nachempfinden, weil er abängig war. Bei Karsten ist es ja auch so.

Gerade als ein in der Suchtberatung tätiger Mensch darf man doch sowas nicht verschweigen, das finde ich geradezu verlogen den anderen gegenüber, tut mir leid.

Ich glaube, der einzige grund, zu schweigen, ist die Scham, sonst nix. Was denken dann die anderen über mich?Es ist vollkommen egal,was die anderen denken, es muss einem sogar egal sein, wenn man WIRKLICH trocken werden WILL ! Denn unsere Krankheit ist am Ende tödlich, wie Karsten auch schon schrieb. So ist das nun mal.

Gruß vom Lianchen
PS: Wer schweigt, kann anderen ja noch nicht mal helfen, das fiel mir grad noch so ein....

LiZZ
neuer Teilnehmer
Beiträge: 6
Registriert: 22.06.2006, 20:37

Beitrag von LiZZ » 27.06.2006, 11:18

Lilly,
jedem/r seine/ihre Weise, wann, gegenüber wem und inwieweit er oder sie sich öffnet. Ich mache in den letzten Tagen die Erfahrung, dass es bei meinen FreundInnen gut ankommt und verstanden wird wenn ich sage: Ich trink keinen Alkohol, er tut mir nicht gut. Und mein Partner findet es toll, es geht uns großartig.
Ob Diskretion verlogen ist oder nicht, ob jemand helfen kann oder nicht - diese Diskussion finde ich völlig überflüssig und ärgerlich, sorry. Deshalb schließe ich für mich diesen Thread jetzt auch ab.
LiZZ

Antworten