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Nüchterne Gefühle

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.
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Annika
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 3509
Registriert: 05.12.2005, 12:29

Nüchterne Gefühle

Beitrag von Annika » 27.06.2006, 16:22

Ich habe heute im geschlossenen Bereich einen Beitrag über Tränen und Weinen gelesen, der mich sehr berührt hat. Ich habe daraufhin einmal meine Veänderungen der Gefühle seit meiner Nüchternheit betrachtet.

Während meines Trinkzeit, habe ich sehr oft aus Selbstmitleid geweint, es waren Tränen die aus dem vernebelten Kopf heraus kamen und viele meiner nächsten Angehörigen letztendlich einfach nur nervten.Eigentlich mehr Gejammer, wenn ich ehrlich bin.

Ich war nur auf mich fixiert, wie arm ich doch dran bin etc.
Ob ich verletzt habe, gelogen habe, Versprechen gebrochen habe, es war mir egal, ich sah die Tränen der anderen nicht. Ich fühlte nichts als Leere.

Heute weine ich und trinke nicht, heute befreit mich das weinen und danach ist alles wieder etwas leichter. Ich schäme mich nicht für meine nüchternen Gefühle.Ich weine, aber ich jammere nicht.

Genauso ist es mit dem Lachen, ich bin viel fröhlicher geworden, kann Gesprächen immer folgen und bekomme amüsantes auch mit.Schmunzeln und lächeln hatte ich ganz verlernt.

Lächeln, wenn man ein Eichhörnchen sieht, oder ein glückliches Kind, wenn man ein liebes Wort hört. Ich nehme das Lächeln oder eine leichte Traurigkeit bei meinem Partner und meinen Kindern wieder wahr.

Alles wieder da, vorher fühlte ich mich bei lieben Worten angegriffen oder bevormundet, Kleinigkeiten die einem gesunden Menschen ein Lächeln hevor locken sind ganz weg gewesen.

Sich nüchtern den Gefühlen stellen, sie annehmen, auch wenns mal weh tut und aber auch Gefühle geniessen können.

Ich möchte allen ganz neuen hier den Mut dazu machen, dass sich ein nüchternes Leben wirklich lohnt. Nur dann können wir so sein, wie wir wirklich sind. Nur so können wir uns selbst wieder fühlen und uns selbst wieder lieben lernen und somit automatisch auch wieder leben lernen.

Annika, 7 Monate trocken

Freund

Beitrag von Freund » 27.06.2006, 23:30

Moin Annika,

da hast du Recht. -
Man fühlt wieder alle Sinne und nimmt sein Leben bewußt auf.

Ich denke manchmal, wie schön es wär, diese Menschen, die sich den Weg so sehr wünschen, aber es noch nicht geschafft haben, wenigstens einen Tag in diese neue Welt versetzen zu können. Das wäre Ansporn.

Die Sucht ist eben sehr stark und man kann das andere sich kaum vorstellen.

Fragst du einen schwerstgewichtigen Menschen, der esssüchtig ist, und der gerade den Eiffelturm bestiegen hat, ob er nicht abnehmen möchte, wird so mancher prustend und ächzend dir antworten, dass er mit sich und seinem Gewicht zufrieden sei.
Würdest du ihm aber die "3 Kisten Cola" abschnallen können und ihn den gleichen Weg noch einmal gehen lassen, würde er sie sich danach kaum wieder "anschnallen" lassen und wahre Glücksgefühle haben.

Ich hoffe, du verstehst was ich meine.

Der Weg ist lohnenswert und unbezahlbar.

Gruß, Freund.

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