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sorry, stelle mich nachträglich vor

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.
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kaltblut
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 5539
Registriert: 20.06.2006, 17:01

sorry, stelle mich nachträglich vor

Beitrag von kaltblut » 07.07.2006, 14:26

Hallo zusammen,

jetzt habe ich tagelang viel gelesen, erfahren, tolle Hinweise erhalten und vor allem wird der Kopf langsam wieder frei für klare Entscheidungen. Leider habe ich vergessen mich vorzustellen.

An dieser Stelle aber zuerst ein dickes Lob an die Betreiber der Seiten, an die Moderatoren, die ja nicht nur mit viel Zeit und aktiven Kommentaren beteiligt sind, sondern auch noch all die rechtlichen Pflichten des Forums beachten müssen, d. h., noch viel mehr Zeit investieren, das ist eine eine großartige Sache. Natürlich auch an all die Betroffenen auf beiden Seiten, die mir zeigen, dass es noch ganz andere Problemfälle und Schicksale gibt, als in meiner Ehe. Vielen Dank dass es Euch gibt.

Ich bin kaltblut, 48, aus dem Rheinland, Co-Abhängiger, 2 Jahre (wieder) verheiratet, verliebt wie am ersten Tag und je mehr ich in mich reinhorche, da frage ich mich, ob ich besser auch den Rest meiner Zeit trocken bleibe und abhängiger bin. Ich trinke regelmäßig, 1 - 2 Gläser Wein, zu Anlässen auch was mehr, es geht für einige Tage ohne, dann kommt die Lust auf ein Glas, aber wenn nichts da ist, geht es auch. Das sind Überbleibsel vergangener Jahre und hierzu möchte ich an anderer Stelle einige Fragen an die Erfahrenen stellen.

Wisst Ihr was ich manchmal gesagt habe: meine Kinder sind irgendwie zurückgeblieben, werden nicht erwachsen. Rauchen nicht, trinken nichts, keine Drogen, machen keinen Ärger, ganz anders als ihr Vater früher und ich war einer der Harmlosen (Kopfschüttler: ich bin mächtig stolz auf die Kinder und froh, dass sie sind, wie sie sind). Das war in, das machte uns stolz, wir gehörten dazu, das war unser Leben. Berufsschulpause, ab in die Kneipe, ein Kölsch, da waren wir 14, 15 Jahre alt und nicht 20 Jahre, wie es heute üblich ist. Im Job saß ich mit 22 J. mit Kunden in einer Bar, die älteren Herren gegenüber hatten schon glasige Augen und ich dachte, denen zeigst du mal was du verträgst. 2 Stunden später, ich weg, die immer noch genauso wie vorher, Profis halt, aber das gehörte zum Job, 3, 4 Tage die Woche und am Wochenende, Partys und Familienfeiern. Später kam der spezielle Kundenservice und gehörte zum Geschäft, zum Leben, zum Alltag. J R. Ewing und all die Fernsehleute machten das doch auch noch so toll vor, erst mal einen Brandy… 20 Jahre lang, da wurde kein Gedanke an die Folgen verschwendet.

Ich wollte meinem Bruder eine Kiste Wein zum Geburtstag schicken, ich habe sie nicht absenden können, weil ich dieses Geschenk plötzlich für etwas absolut Bescheuertes halte. Manchmal, da denke ich an Alkohol und bin mir nicht mehr sicher, ob mein Körper sagt, klasse, her damit oder ekliges verdammtes Zeugs, weg damit, weil ich mich innerlich bis zur Übelkeit hoch steigere.

Meine Frau hatte einen Infarkt, ist abhängig, aber das Problem, das habe eigentlich nur ich im meinem Kopf, sie hat keines. Wenn sie keines hat, worum mache ich mir eigentlich Gedanken, sage Reisen ab, fahre mit Freunden mit dem Zug in die Berge, steige plötzlich aus, fahre zurück um zu sehen ob alles OK ist? Es gibt Leute, die haben sich kaputtgelacht, aber das sind einfach nur Leute, dafür gibt es viele Freunde und Euch, die solche Verwirrungen verstehen und entwirren, danke.

Ich wünsche mir, dass noch viele Zuschauer den Mut finden, sich frei zu schreiben, weil es gut ist, gut tut und den Kopf frei für Überlegungen und Entscheidungen macht. Entscheidungen, die müssen getroffen werden, sonst laufen wir im Kreis, wie ein Hund der sich laufend versucht in den Schwanz zu beißen und irgendwann umfällt. Alles andere, das regelt die Natur von selbst, hört sich hart an, ist aber so.

Alles Liebe und viel Kraft wünscht Euch

kaltblut

Damien06
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Beiträge: 62
Registriert: 26.06.2006, 20:56

Beitrag von Damien06 » 07.07.2006, 14:53

Hallo kaltblut,
Erst mal ein nachträgliches Herzlich Willkommen!

Ich meine, die Frage ob du den Rest deiner Zeit trocken bleiben solltest
hast du dir doch schon selber beantwortet.
Wäre froh, wenn ich in meiner Jugend so "zurückgeblieben" gewesen wäre
wie deine Kinder.

Viel Kraft und Einsicht auch weiterhin.

Liebe Grüße

Jörg

schorni67

Beitrag von schorni67 » 07.07.2006, 15:42

hallo kaltblut und herzlich willkommen.

ich habe jetzt ein paar mal gelesen, guter beitrag aber ich komme an der frage nicht vorbei, willst du trocken leben?

wenn ja bist du hier richtig.

gruß schorni

Yorkie
neuer Teilnehmer
Beiträge: 493
Registriert: 27.06.2006, 20:22

Beitrag von Yorkie » 09.07.2006, 11:40

Hallo Klatblut!

Schön, das Du noch schreibst.

Ich konnte in Deinem Beitrag viele Parallelen für mich finden, das gibt mir auch ein Gefühl, nicht allein zu sein. Ich war auf Geschäftsreise, daher konnte ich nicht eher antworten.

Ich hatte auch vergessen, mich komplett vorzustellen.
Also, ich bin jetzt 46 Jahre und habe eine wunderbare Tochter, jetzt 14 Jahre und bin selbständig.


Genau wie Du beschrieben, (komisch, war Dallas auch Deine Kultsendung)
gehört es zum guten Ton, nach einem gelungenen Geschäftsabschluß die Dinge mal richtig zu begießen. Das ist "Mann-sein".

Und abends nach getaner Arbeit eben sein Drink zu schlurfen: DIE BELOHNUNG FÜR EINEN ERFOLGREICHEN ARBEITSTAG!

Nach 20 Jahren weiß ich mittlerweile um meinen Irrtum.

Dann die Sache mit Deiner Frau. Mit der Verliebtheitsbrille hast Du es übersehen, und dann die Sache mit dem Infarkt.

Bei meiner Partnerin ist es ähnlich, nur das sie mit einer ungewöhnlichen Krankheit zu kämpfen hat.
Die Einsicht, komplett den Alkohol wegzulassen, fehlt ihr noch immer.

Daher habe ich ja nun beschlossen, den Alkohol für mich komplett wegzulassen.

Mir ist das jetzt seit 38 Tagen gelungen, und meine erste Geschäftsreise ohne Alkohol habe ich auch überstanden.
Auf der Rückfahrt, immerhin 6 Stuinden Autofahrt, fühlte ich mich richtig gut!

Ich weiß, daß ich noch einen langen Weg vor mir habe, aber langsam fangen die positiven Erlebnisse ohne Alkohol an zu wirken.

Noch eine Frage, trinkst Du denn Deine abendliche Drinks im Beisein Deiner Frau, oder für Dich alleine?

Gruß
Yorkie

kaltblut
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 5539
Registriert: 20.06.2006, 17:01

Beitrag von kaltblut » 10.07.2006, 10:10

Hallo Jörg und Schorni,

die Frage, ob ich ganz trocken leben will, kann noch nicht mit einem klaren „Ja“ beantworten, aber es arbeitet und ich könnte. Wenn ich mich jetzt zwischen einem Leben ohne Alkohol und Offenheit und Ehrlichkeit entscheiden muss, dann für Letzteres.
Das ist aber auch nicht der Grund, warum ich mich in diesem Forum angemeldet habe, sondern weil ich in meiner Co-Abhängigkeit Dinge mache, die unnormal sind und Probleme mit sich bringen, die unverantwortlich sind.


@yorkie: 38 Tage ohne Alkohol ist eine tolle und beeindruckende Leistung, Hut ab.

Also, ich schaffe es abends auf Alkohol zu verzichten, auch mehrere Tage, trinke eigentlich nicht solo vor mich hin, „ Drinks“ sind eigentlich out, bzw. die Flaschen eher ungenießbar geworden, ich schütte den Wein aber auch nicht fort, wenn das Glas zum Abendessen auf dem Tisch steht. Manipulation höre ich jetzt, ja, es gibt so viel zu ändern.


LG kaltblut

Belladonna
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Registriert: 04.07.2006, 08:58

Beitrag von Belladonna » 10.07.2006, 10:46

Hallo Kaltblut,

du schreibts mir viel von der Seele. Ob das wohl so ist als Co-Abhängiger? Wir machen uns Gedanken und grübbeln, bis der Kopf platzt und der Betroffene? Scheinbar Gleichgültigkeit.

Plötzlich ist sie da. Die Erkenntnis, ich bin Co-Abhängig. Ich glaube, dazu gehören auch so Sachen wie die Aktion im Zug, die Du beschreibst. Dazu gehört, immer wieder nachdenken. Bis der Kopf sich dreht. Und dann die Sorge, bin ich vielleicht auch abhängig. Das Gefühl habe ich oft. Je mehr ich mich mit diesem Thema befasse, desto häufiger denke ich, bin ich etwa auch abhängig? Früher habe ich mir nie solche Gedanken gemacht. Schon komisch, nicht wahr?
Ich trinke gern mein Wein zur Pasta. Auch gern ein Bier nach dem Sport oder einen Sekt zur Belohnung. Jetzt kann ich das zeitweise gar nicht mehr geniessen. So manches Glas bleibt einem echt im Halse stecken.
Dann heisst es, ich solle ein trockenes Zuhause schaffen. Ach, es ist manchmal echt frustrierend. Ich schaffe ein trockenes Zuhause und mein Liebster bringt wahrscheinlich mal eben den Mülle weg nur aus einem bestimmten Grund.
Manchmal liegen die Nerven brach. Wenn ich böse bin, denke ich oft, ohne Dich hätte ich einen Haufen Probleme weniger.
Lass nicht zu, dass die Gedanken in Deinem Kopf sich im Kreise drehen.
LG Belladonna

hiippi

Beitrag von hiippi » 10.07.2006, 13:19

Hallo Belladonna,
Du mußt Dir das Problem Deines Liebsten, nicht zu Deinen eigenen machen, er ist abhängig, und muß sich ungefiltert, die Konsequenzen seiner Handlungsweise vor Augen führen.
Auf die Dauer wird das zermürbend werden, denn, er ist er, du bist Du.
Sich ganz klare Grenzen setzen, Distanz bewahren, wollte ich sagen, er ist für sich selber verantwortlich, nur so besteht eine Chance.

Liebe Grüße
Sebastian

kaltblut
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 5539
Registriert: 20.06.2006, 17:01

Beitrag von kaltblut » 10.07.2006, 15:43

Hallo Belladonna, hallo hiippi,

verstehe ich ja alles, nur der Kopf, der arbeitet auch bei mir noch nicht so wie er soll und so lange ich mehrere Stunden täglich über Probleme nachdenke, wie gelähmt bin, Gespräche führe und Bücher rein ziehe, sollte ich irgendwann sagen: stopp.

Die praktische Unterscheidung zwischen „selbstverantwotlich“ und drohender Konsequenz
in der Partnerschaft ist ja nicht einfach.

- wird eine kranke Hälfte, zum Pflegefall, kommt die andere Hälfte dafür auf
- baut die kranke Hälfte Misst, ob Unfall, Ausgaben oder Sonstiges,
kommt die andere Hälfte mit dafür auf.
- fällt die gesunde Hälfte aus, kommt die kranke Hälfte nicht mehr klar.
- sagt die gesunde Hälfte: ich muss hier weg, kommt der nächste Trümmerhaufe.
- nur die kranke Hälfte ist nicht immer krank und die gesunde Hälfte brauchbar.

Also ist das Problem an sich „unser“, nur unser ist wieder nur meins, weil unser nicht da ist, wenn es da sein sollte. Es fällt mir verdammt schwer, die Dinge im Kopf zu ordnen, mich zu distanzieren, klare Grenzen zu setzen und konsequent zu sein.

Für den Co-Abhängigen heißt es zu sehen wie der andere so runterkommt, dass er sich selbst befreien will oder geht, bis in den Tod und dabei selbst nicht zu zerbrechen indem man selbst geht oder mit gehörigem Abstand betrachtet was passiert. Ich sehe hier zahlreiche Widersprüche an sich und die verstehen sich nicht so richtig mit Offenheit, Ehrlichkeit und was in meinem Kopf ab geht.

LG kaltblut

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