Hab´s wieder mal geschafft , drei Tage Dauersuff ...

Sonstige Suchthilfe und Hilfe zum Thema Lebenshilfe, Alkoholsucht, Umgang mit Alkohol und Alkoholkrankheit, Selbsthilfegruppen für Hilfe bei Alkohol, Alkoholkrankheit bzw. Coabhängigkeit und für Angehörige.
Alles was nichts mit unserer Selbsthilfegruppe des Selbsthilfeforums zu tun hat.
Antworten
Andreas
neuer Teilnehmer
Beiträge: 2
Registriert: 10.07.2006, 00:10

Hab´s wieder mal geschafft , drei Tage Dauersuff ...

Beitrag von Andreas » 10.07.2006, 00:44

Hallo , bin neu hier .
Ich heisse Andreas ,bin 33 und Krankenpfleger von Beruf . Hab nach Abstinenz von 5 Monaten mal wieder nen schweren Rückfall gehabt . Mir war schon klar das ich mit Alkohol nicht so recht klar komme . Doch der Selbstbetrug ist stärker .
Daß ich in die Kategorie der Epsilon-Trinker falle , dämmerte mir schon lange , doch ich hatte nach der Rad-Trainingsrunde einfach Durst auf ein Bier .Ein alkoholfreies ,versteht sich . Der Wirt sagte :"Alc-frei ist nicht am Lager ."Und ich redete mir ein : "Eins wird schon gehen , musst ja dann sowieso heim . Irgendwann kam der Punkt ,da wollt ich nur drei trinken , dann fünf, "Die schmeissen mich schon nicht um " . Und dann hat jemand ne Runde Schnaps spendiert .
Aus , vorbei : Drei Tage blau . Mit erschlichenem Krankenschein , Kater ,Schamgefühlen , Kratzer am Kopf und 200 Euro weniger . Wie kann die Sucht jemanden der im med . Dienst arbeitet , außerdem Sportler ist , so im Griff haben ? Theoretisch ist alles einleuchtend . Hab ja in der Ausbildung aufgepasst . Sollt ich wirklich mal mit nem Psychologen reden ,anstatt immer nur zu versuchen dem Zeug hartnäckig zu widerstehn ?
Wer hat ähnliche Erfahrungen und Tips ?
MfG Andreas :oops:

Freund

Beitrag von Freund » 10.07.2006, 06:43

Moin Andreas,

herzlich willkommen im Forum.

Kopf hoch, so ein Rückfall ist kein Untergang, sollte dich aber, wenn du es willst, dazu wachrütteln, Veränderungen in deinem Leben vorzunehmen.

Wie du ja nun festgestellt hast, besteht das Nichttrinken nicht nur daraus, dem Alkohol hartnäckig zu widerstehen, sondern in erster Linie durch Lernprozesse, Lebens- und Verhaltensveränderungen vorzunehmen, die dazu beitragen, den Alkohol aus seinem Leben zu streichen.

Es gibt viele Möglichkeiten: Suchtberatung, SHGs, Therapien etc..

Dieses einmal "Blut geleckt" kenne ich aus meiner trinkenden Zeit sehr gut, fester Vorsatz 1 Bier ... aber dann ... jeglicher Kontrollverlust und Saufen bis zum Abwinken.
Dann auch wieder Auszeiten (weils mir so schlecht ging) und dann wieder der gleiche Turnus. Ich habe auch lange gegen den Alkohol gekämpft, aber nicht die entscheidenden Maßnahmen ergriffen.

Ich habe dann über eine med.-ther. Gruppe in einem großen Klinikum (MHH) ambulante Therapie absolviert. Mit dieser Stütze und tagtäglicher Arbeit an mir konnte ich mich von dieser Droge gänzlich lösen.

Frei von der Sucht, vom Alkohol, heißt nicht nur zu sagen: Ich trinke nicht mehr. Nimm fachliche Hilfe in Anspruch.

Gruß aus Hannover
Freund.

Karsten
Administrator
Administrator
Beiträge: 30894
Registriert: 04.11.2004, 23:21

Beitrag von Karsten » 10.07.2006, 08:01

Hallo und Willkommen Andreas,

es gibt keine Berufsgruppe, die von dem Risiko einer Suchterkrankung gefeilt ist.
Wenn ich es richtig gelesen habe, wäre für Dich der Konsum von alkoholfreiem Bier kein Alkohol trinken???

Auch alkoholfreies Bier hat einen geringen Anteil Alkohol.
Das Unterbewußtsein registriert auch das gleiche Aussehen, den gleichen Geschmack und die gleiche Umgebung, wo es konsumiert wird.
Wenn man es dann getrunken hat und es einen Tag gut gegangen ist, kommt der Selbstbetrug. Man rechtfertigt sich genau mit diesem "ja gut gegangen", dass man vielleicht ja doch normal trinken kann.

Belladonna
neuer Teilnehmer
Beiträge: 34
Registriert: 04.07.2006, 08:58

Beitrag von Belladonna » 10.07.2006, 09:47

Hallo Andreas,

herzlich Willkommen in der Runde.
Du hast schon den ersten Schritt gemacht und hast Dich in diesem Forum angemeldet. Lass Dich nicht unter kriegen. Ich glaube, Dinge im Leben passieren oft nicht ohne Grund. Vielleicht hat es seien sollen, damit Du wach wirst?
Übrigens, Du scheinst vielleicht fit zu sein, aber was meinst Du, wie gut es klappen würde, ohne Alkohol?
Habt Ihr in der Klinik keine Anlaufstelle? Wir haben eine Stationseigene Psychologin. Die haben auch Schweigepflicht. Vielleicht lässt Du Dich dort einmal zuerst beraten.
LG Belladonna

Teufelchen

Beitrag von Teufelchen » 10.07.2006, 10:02

Hallo Andreas,

die Sucht kann nun aber wirklich jeden treffen. Da hilft keine berufliche Ausbildung und kein Sport oder sonstige gesunde Lebensweisen.

Ich würde Dir raten, unbedingt Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nur allein dagegen anzukämpfen, dem Alkohol zu widerstehen, hilft wirklich nichts.

Das Netz an Hilfsangeboten ist gross für Alkoholabhängige. Als erste Anlaufstellen würde ich den Hausarzt und eine Suchtberatungsstelle empfehlen. Mit ihnen zusammen dann geeignete Therapiemöglichkeiten besprechen. Daneben unbedingt Selbsthilfegruppen besuchen!

Dort bist Du unter Menschen, mit dem gleichen Problem und kannst offen über Deine Sorgen und Probleme aufgrund Deiner Abhängigkeit reden, oder einfach nur zuhören, wie andere ihre Abhängigkeit in den Griff bekommen.

Auch das lesen und schreiben hier in diesem Forum zähle ich wesentlich zu den Hilfen, die man zur Selbsthilfe bekommt.

Ich wünsch Dir viel Mut und Kraft auf Deinen Weg. Resigniere nicht. Auch Du kannst Deine Sucht in den Griff bekommen. Den Anfang hast Du ja schon gemacht, indem Du hier bist und schon festgestellt hast, dass Du keine Chance mehr hast, Deinen Alkoholkonsum zu kontrollieren.

lg
Teufelchen

Joachim

Beitrag von Joachim » 10.07.2006, 10:45

Hallo Andreas,

und herzlich Willkommen im Forum.

Tja, die Alkoholerkrankung macht keine "Standesunterschiede".
Sie kann jeden treffen.

Aber jeder kann auch etwas dagegen tun, nämlich die Krankheit zum Stillstand bringen durch konsequente Abstinenz, und da darf auch ein alkoholfreies Bier keinen Platz mehr haben.

Alleine ist es kaum zu schaffen vom Alkohol dauerhaft weg zu kommen, da man sein Leben schon komplett ändern sollte daher solltest Du Dir auf jeden Fall Unterstützung holen. Teufelchen hat Dir da ja schon einiges gesagt.

Hier im Forum findest Du den Austausch mit zum Teil langjährigen trockenen Alkoholikern, die Dir ihre Erfahrungen mitteilen können. Wichtig ist zu handeln, und das heisst auch Hilfe an zu nehmen.

Ich wünsch Dir viel Kraft für Deinen Weg.

Gruss Joachim

P.S. Für konkrete Fragen und Themen nutze doch bitte auch die entsprechenden Unterforen.

Andreas
neuer Teilnehmer
Beiträge: 2
Registriert: 10.07.2006, 00:10

Beitrag von Andreas » 10.07.2006, 19:31

Danke Leute ,
da hab ich letzte Nacht um kurz vor Eins ,nen Text geschrieben ,und vorhin komm ich von Arbeit ,da haben sich über 100 Leute für mein Problem interressiert , und 5 sogar geantwortet .
Das hat Mut gemacht !!!
Hab mir vorhin telefonisch einen Termin bei der GESOP-Suchtberatung geholt . Diese Woche noch ! Die Psychologin machte am Telefon einen richtig netten Eindruck .
Noch mal vielen Dank für die Aufmunterung . WIR LESEN VONEINANDER !

Antworten