Weg aus dem Jammertal

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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Aiko
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Weg aus dem Jammertal

Beitrag von Aiko » 27.03.2013, 15:26

Hallo,

nachdem ich mich ein wenig eingelesen habe, will ich mich nun auch öffnen.

Ich bin Ende Dreißig, mein Freund Mitte 40. Wir sind seit 3,5 Jahren zusammen und haben eine kleine Tochter (18 Monate). Mein Freund trinkt regelmäßig abends 1–2 große Bier – wobei er immer wieder abstinente Phasen hatte, die er dann immer bricht und dann steigert sich der Konsum bis zur nächsten Notbremse von ihm. Dazu gibt es regelmäßig Ekzesse wenn er ausgeht – ich würde sagen im Schnitt einmal im Monat, phasenweise öfter, phasenweise wesentlich seltener.

Letztes Jahr hat er seinen Führerschein verloren wegen knapp 1,6 Promille.

Ich fühle mich von der Situation immer stärker belastet, merke, dass es sich nicht ändern wird.

Ich hatte immer wieder Hoffnung –vor allem wegen der abstinenten Phasen und weil er auch immer mal wieder sagt, dass er weiß, das er ein Problem hat und es ändern will. Dann aber wieder sagt er, das alles nicht so schlimm ist und ich übertreibe. Ich habe es einfach so satt! Und es tut mir weh zu sehen, dass unsere Tochter da auch drunter leidet.

Trenung ist für mich momentan noch keine Option, – ich würds einfach nicht schaffen. Es war alles so toll, Liebe auf den ersten Blick, wir sind wirklich seelenverwandt, uns verbindet so viel. Momentan fühle ich mich in einer ausweglosen Situation gefangen, weiß nicht wie es weiter gehen soll. Ich versuche mein Ding zu machen, habe eine Therapie angefangen, sorge für mich. Aber es zieht mich immer wieder so dermaßen runter. Vor allem wenn es um Vereinbarungen geht, die er nicht einhält aufgrund eines Besäufnisses. Trotzdem habe ich auch noch Hoffnung. Ich möchte so gern, dass alles gut wird!

Momentan herrscht bei uns Schweigen seitdem er mich Montag Nacht wieder hat hängen lassen (vereinbart war, dass er früh nach Hause kommt und dann das Babyfon übernimmt, damit ich am Vormittag ausgeschlafen arbeiten kann). Er kam dann um halb fünf volltrunken nach Hause.

Ich bin so wütend! Und furchtbar traurig. Seitdem habe ich halt meinen Tag gelebt und bin ihm weitestgehend aus dem Weg gegangen. Typischerweise ist er sauer auf mich. ich weiß einfach nicht mehr, was es bringen soll zu reden. Ist ja doch immer das gleiche.


Danke fürs Zuhören!

Aiko

Seekrank
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Beitrag von Seekrank » 27.03.2013, 16:32

Hallo Aiko,
herzlich Willkommen,lese immer wieder hier,es wird dich bereichern.
Du schreibst, dein Freund hat schon den Führerschein verloren,hält sich nicht an Absprachen und das ihr eine kleine Tochter habt.
Trennen möchtest du dich nicht,machst eine Therapie.
Ihr habt eine kleine Tochter,möchtest du das sie so auwächst,mit einem unzuverlässigen Vater?
Ich selber habe mir auch lange Zeit alles schön geredet,es hat gedauert bis ich der Wahrheit ins Auge sehen konnte.Gut,du kannst noch nicht gehen, glaubst du,aber denke daran das deine Tür offen steht,du kannst jederzeit rausgehen um ein gesundes Leben für dich und deine kleine Tochter zu führen.Was glaubst du denn wird sich ändern ,wenn du weiterhin ausharrst?Ich vermute das du unter der jetzigen Situation leidest?.Ich wünsche dir einen guten Austausch hier!
Liebe Grüsse Seekrank

Aiko
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Beitrag von Aiko » 27.03.2013, 21:45

Hallo Seekrank (was für ein Nick! :D ),

vielen Dank für Deine Antwort. Ja, ich leide darunter, aber es ist eben nicht alles schlecht. Die meiste Zeit funktioniert das hier gut, unsere Absprachen werden eingehalten und er sorgt sehr gut und liebevoll für die Kleine. Wenn das permanent so ätzend wäre wäre ich vermutlich schon längst weg.

Ich habe einfach noch Hoffnung. Heute hat er angefangen nach einem Therapeuten zu suchen.

Zimttee
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Beitrag von Zimttee » 28.03.2013, 00:00

Hallo Aiko,
Momentan Word es noch irgendwie laufen, aber in meinem Beitrag kannst du nachlesen, wie es in Zukunft laufen wird. die Hölle war nicht von Anfang an so heiß, die Temperatur stieg nur langsam.
Reicht es aus, nach einem Therapeuten zu suchen? Wieso ziehst du nicht jetzt aus und kommst erst zurück, wenn er dass Leben auf der Reihe hat? Das wäre die Nummer sicher für euch.

Nachdenkliche Grüße,
Natalie

Aiko
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Beitrag von Aiko » 28.03.2013, 10:01

Hallo Zimttee,

ausziehen, ... das ist für mich momentan nicht vorstellbar. Ich wüsste gerade nicht, wie ich das packen soll. Ich bin chronisch krank und nach einem Krankheitsschub im letzten Jahr noch angeschlagen. Alleinerziehend zu sein ist gerade irgendwie eine schwer vorstellbare Option. Und wenn überhaupt, müsste er ausziehen, ich könnte jetzt keinen Umzug wuppen und das Meiste Zeug hier gehört ohnehin mir.

Es ist nicht so, dass ich da nicht schon drüber nachgedacht hätte.

Aiko

sarawen
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Beitrag von sarawen » 28.03.2013, 10:40

Hallo Aiko,

willkommen hier im offenen Forum.
Jeder hier hat schon seine Angehörigen - Karriere in irgendeiner Form durch. Ich habe mich 32 Jahre an der Seite eines Alkholkranken Vaters befunden und letztes Jahr eine Beziehung zu einen Alkoholkranken Mann beendet.
So wie Zimttee schon schreibt -- es wird bei dem derzeitigen Konsum deines Partners nicht bleiben und am Ende kann der Verlust des Arbeitsplatzes ebenfalls irgendwann auf den Plan stehen.
Hier im Forum geht es darum was du für dich tun kannst. Warum bist du hier? Was erwartest du hier zu finden bzw. was kann man hier für dich tun?

LG

Sarawen

Aiko
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Beitrag von Aiko » 28.03.2013, 11:13

Hallo Sarawen,

da ich mir heute frei gegeben habe kann ich direkt antworten.

Was ich hier erwarte? Das kann ich noch gar nicht so richtig in Worte fassen. Ich suche mir Hilfe, Unterstützung. Ich hoffe, dass ich hier Menschen treffe, die mich verstehen. Diese ganze Ambivalenz ist so kräftezehrend.

Vielleicht wäre sofortig Trennung das Schlaueste. Ich weiß nur, dass ich es momentan nicht durchziehen könnte. Und ich ich will nicht mit Konsequenzen drohen die ich dann nicht umsetze. Ich kenne mich, irgendwann ist ein Punkt erreicht an dem es kein Zurück mehr gibt, aber der ist (noch) nicht da. Darf man hier von Liebe sprechen? Ich merke, wie mein Gefühl für ihn schwindet, es ist aber noch da. Zur Zeit geht mein Blick mehr auf das Negative, aber das Positive das ist auch da. Sehr sogar. Einfach nur Trennung als Flucht, das wäre nicht die Lösung. Ich will dies als Chance für mich begreifen etwas zu lernen. Und wenn am Ende die Trennung steht, dann ist das so.

Momentan schaue ich, das sich mehr zu mir komme. Mich mehr um mich und meine Belange kümmere, mehr Freunde treffe. Ich war lange krank und sehe gerade zu, wieder genug Geld zu verdienen, da meine Rücklagen aufgebraucht sind. Ich bringe gerade mehr Struktur in mein Leben, halte Ruhepausen ein, nehme mir Auszeiten. Das ist nicht leicht mit so einem kleinen Kind. Mein XY unterstützt mich in der Regel dabei. Und ja, momentan glaube ich daran, dass es möglich ist, dass er noch die Kurve kriegt.

Das Schlimmste für mich ist momentan die Ambivalenz.

Tja, und dann denke ich, dass wenn man selbst mitten drin steckt eben keinen klaren Blick mehr hat und hoffe, dass Austausch bei der Entwirrung hilft.

Ich habe eine neue Therapie angefangen, bin auf dem Weg.

War das jetzt zu wirr? Mir geht so vieles durch den Kopf, meine Gefühle fahren Achterbahn.

@Zimttee: ich habe vergessen Deine Frage zu beantworten. Das XY sich einen Therapieplatz sucht ist sicher nicht ausreichend. Ich weiß auch noch nicht, ob er da wirklich dran bleibt. Er hat im letzten Jahr an einer Gruppe teilgenommen um das Trinken zu reduzieren, dass hat eine Weile geklappt. Nur solange er nicht ans Eingemachte geht werden solche Aktionen niemals Erfolg haben.

sarawen
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Beitrag von sarawen » 28.03.2013, 11:42

Hallo Aiko,

eine Trennung ist immer eine schwierige Angelegenheit. Dich wird hier auch keiner dazu drängen.
Warst du selbst auch schon bei einer Suchtberatungsstelle?
Für mich war die Trennung am Anfang auch keine Option erst als ich mich Anfing zu ändern wurde sie ein Thema.
Natürlich ist es wichtig bei sich zu sein - erst dann kann man sich den anderen Baustellen widmen.
Jedoch kann es auch irgendwann darin enden seine Grenzen immer weiter zu verschieben - am Ende habe ich das ganze sogar schön geredet "andere Partner schlagen ihre Frauen - bei meinen sind es ja nur ein paar Bier".
Gerade wenn ein kleines Kind involviert ist muss man sehr darauf achten das dieses mit diesen Dingen nicht in Kontakt kommt. Kinder haben sehr feine Antennen dafür wenn etwas nicht stimmt. Ich bin mit einen Alkoholkranken Vater aufgewachsen und mittlerweile kann ich eindeutig sagen - wäre es besser gewesen wenn meine Mutter sich getrennt hätte.
Leider hatte sie damals nicht die Kraft und mein Vater ist zwischenzeitlich auch an seinen Alk - Missbrauch verstorben.
Wenn dein Partner nicht aufhören will wird er es auch nicht tun. Darüber solltest du dir klar sein. Hilfe durch nicht - Hilfe ist hier das Zauberwort.

Wie verbringst du deine Freizeit sonst so? Wie verhälst du dich wenn dein Partner getrunken hat? Hast du schon weitere Gespräche mit ihm geführt?

LG

S.

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