Martin, lange trocken aber nicht geheilt

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum
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Martin

Martin, lange trocken aber nicht geheilt

Beitrag von Martin » 15.09.2013, 20:48

Hallo zusammen,

nach dem ich all die Jahre im Geschützten geschrieben habe

möchte ich hier auch noch ein Thema eröffnen.

Ich habe 2003 entgiftet und bin seit dem rückfallfrei, was nicht immer leicht war.

Das lag aber wenigen an Suchtdruck sondern am Verlust geliebter Menschen.

Eine Therapie im eigentlichen Sinne habe ich nie gemacht, trocken bleiben konnte ich trotzdem.

Wer möchte darf mich jetzt mit Fragen löchern, die Meisten kennen mich ja nur als Mod.

LG Martin

Jul Ja
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Beitrag von Jul Ja » 15.09.2013, 22:27

Hallo Martin,

dann nutze ich als „Neue“ doch gerne dieses Angebot :D

Ich bin Julia – nach 20 versoffenen Jahren, bin ich nun seit fast 60 Tagen „rückfallfrei“ – nach ganz genau dieser Bezeichnung für meinen Zustand habe ich gesucht :wink:

Ich habe den größten Respekt vor Dir, … davor, dass Du trotz lieber menschlicher Verluste deinem Weg gefolgt bist.

Ich habe gesehen, dass Du Dich erst in 2007 hier angemeldet hast. Was war in den Jahren 2003 – 2007? Wem hast Du Dich mitgeteilt? Hattest / Hast Du eine reale SHG? Hast Du Freunde / Familie, die dich, gerade in der Anfangszeit, unterstützt haben?

Genau wie Du, mache ich keine Therapie „im eigentlichen Sinne“. Auch eine reale SHG besuche ich nicht. Das hat vor allem berufliche Gründe. Ich gehe regelmäßig zu meinem Suchtberater und habe mich hier angemeldet. Mein Mann ist sonst der Einzige der Bescheid weiß, aber ich spreche das Thema zu Hause lieber nicht mehr an. Er ist der Meinung, dass es „doch langsam mal gut sein muss, ständig darüber reden zu müssen“.
Fast täglich lese ich hier, habe einen Thread in dem ich ein wenig von mir schreibe. Nun ja… im Großen und Ganzen geht es mir gut damit. Es gibt immer mal wieder Momente in denen mein Suchtgedächtnis anspringt, das geht meist schnell wieder vorbei – ich habe, auch mit Hilfe einiger lieber Weggefährten hier in diesem Forum, Strategien entwickeln können, die mir in solchen Augenblicken raushelfen. Ich denke, dass das ausreicht, solange es mir damit gut geht. Darf ich Dich fragen, wie Du das, als "erfahrener" Außenstehender siehst :?:

Kann sein, dass das in anderer Augen ziemlich dumme Anfänger Fragen sind … sei es drum … sie kamen von mir und von Herzen

Es grüßt Dich
die Julia

Martin

Beitrag von Martin » 16.09.2013, 13:11

Hallo Julia,

2003 - 2007 hatte ich keine Gruppe aber ich lebte nach den Grundbausteinen.

Es gab einige wenige Menschen mit denen ich darüber reden konnte

und wenn beide Seiten ganz ehrlich sind ist das schon einiges wert.

Meine Entgiftung war auch nicht so einfach da ich körperlich ziemlich unten war.

Am 03.09. ging ich in die Klinik und am 27.02. kam ich aus einer Reha

wo ich essen und laufen lernte nach Hause.

Ich denke es gibt keine pauschale Antwort darauf wie viel Hilfe (Gruppe(n), Therapie....)

jemand braucht, mir reichte die Entgiftung/Reha und dann das Forum.

Wenn dein Suchtgedächnis ab und zu mal anspringt, hast du schon ausmachen können

wann/in welchen Situationen das ist ?

LG Martin

Jul Ja
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Beitrag von Jul Ja » 16.09.2013, 21:47

Hallo Martin,

dass es keine pauschalen „Hilfs-Empfehlungen“ gibt, leuchtet mir ein. Obwohl… es heißt doch „Sucht ist Sucht“ … und dennoch sind wir alle so verschieden und doch aber im Grunde gleich. Ich drehe mich gerade im Kreis :roll: sorry ...

Das Leben nach den Grundbausteinen auszulegen, ist wohl auch für mich der wichtigste Teil meines Trockenfundamentes.

Die Zeit deiner Entgiftung und dem Ende der Reha ist verdammt lang, wenn ich so überschlage sind das mehr als 20 Wochen in denen Du wieder auf die Beine gekommen bist. Essen und Laufen neu zu lernen, geht na klar nicht von jetzt auf gleich …das war ganz sicher ein mächtig hartes Stück Arbeit.

Schön, dass Du aufrichtige Menschen um Dich hattest, und hoffentlich noch hast, auch wenn es nur „einige wenige“ sind – da zählt dann wohl nur die Qualität, nicht aber die Anzahl.

Und nun sind es 10 Jahre… Wow!!! Nochmals : "Respekt" :!:

Was oder Wozu, ausgenommen die Grundbausteine, kannst Du einem „Anfänger“ noch raten?

Lebst Du nach dem „24 Std. –Prinzip“? Ich lese das hier sehr oft, aber weißt Du, ich kann das so schlecht für mich umsetzen. Wenn ich in 24 Stunden denke, denkt etwas in mir, „dann kannst du ja morgen wieder….!“ Das ist dann schon ein gedanklicher Rückfall, so etwas wie eine Hintertür ohne Schloss und Riegel... Ich orientier mich nun immer an meinen Wochenzielen, damit fahr ich gut. Ich denk mir manchmal: Warum bist du so doof und kommst nicht klar, womit scheinbar "alle anderen" so gut rückfallfrei bleiben können :!: :?:

Meine Risikosituationen analysiere ich noch ständig. Ich konnte bereits sehr viel über mich lernen, wie ich ticke und wie „es“ tickt, wenn es “austickt“ … meist trifft es mich in Überforderungssituationen (meine Belastungsgrenze liegt eindeutig weit unter dem Durchschnittsbelastungswert…) oder auch in ganz sanften Augenblicken, wie z.B. zu Beginn eines Wochenendes, während ich ein Lied von "früher" höre oder auf einer Urlaubs-Fahrt… halt in diesen Momenten, in denen da sonst der Alk ins Spiel kam… Dann hole ich ganz schnell mein „Notfallköfferchen“ heraus. Dort finde ich einige Werkzeuge, die mir helfen, schnell aus dem Empfinden herauszukommen und den Druck verschwinden zu lassen. Nun bin ich guter Dinge, dass das "mein neuer Weg ist" .

Ich freue mich , wieder von Dir zu lesen.

Viele Grüße , auch an den Rest des Forums.
Julia

Martin

Beitrag von Martin » 17.09.2013, 14:42

Hallo Julia,

das 24 Stunden Prinzip ist nicht schlecht am Anfang um einen überschaubaren Zeitraum zu haben.

Gerade am Anfang ist der Gedanke "für immer" ja noch etwas Erschreckend :shock:

Ich glaube ich würde mich mit 24 Stunden-Schritten heute verrückt machen.

Im Laufe der Jahre normalisiert sich vieles und es ist ein "normales" Leben möglich.

Wenn du weisst wo dein Risiko liegt solltest du versuchen ihm aus dem Weg zu gehen.

Es nutzt nix "die harte Frau" zu spielen, bei uns kann der erste Fehler der Letzte sein.
Warum bist du so doof und kommst nicht klar, womit scheinbar "alle anderen" so gut rückfallfrei bleiben können :!: :?:


Vergleiche dich nicht mit Anderen, auch wenn wir alle getrunken haben,

warum wir getrunken/aufgehört haben und wie wir jetzt leben macht uns individuell.

LG Martin

Jul Ja
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Beitrag von Jul Ja » 17.09.2013, 20:37

Hallo Martin,

ich danke Dir für Deine hilfreichen Hinweise.
Ich denke, dieses "Vergleichen mit anderen" ist noch zu tief in mir verwurzelt. Da muss ich ran ... Eine Baustelle von vielen, aber es geht immer nur Schritt für Schritt. Das akzeptiere ich.

Ich freue mich, Dich kennengelernt zu haben und hoffe, dass wir noch das ein oder andere Mal voneinander lesen werden.

LG Julia

silberkralle
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Beitrag von silberkralle » 18.09.2013, 08:41

glück auf martin
Martin hat geschrieben: Am 03.09.
nachträglich 10x gratulation
und danke das du hier bist.

schöne zeit

:D
matthias

Martin

Beitrag von Martin » 18.09.2013, 13:07

Hallo Matthias,
nachträglich 10x gratulation
danke, danke, aber 1x hätte gereicht, ich bin doch sooo bescheiden :lol:

LG Martin

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