Bücher- und Lesethread

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garcia
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Bücher- und Lesethread

Beitrag von garcia » 19.01.2014, 21:11

Hallo Forum,

wenn es etwas gibt was ich wiederentdeckt habe in meiner Trockenheit – und etwas, was mir grad am Anfang sehr geholfen hat ungewohnt lange Trockenzeiten zu füllen, dann ist das Lesen. Gelesen habe ich seit meiner frühen Kindheit regelmäßig, zu Zeiten fast manisch (extrem war ich eben irgendwie schon immer). In den späten Jahren meiner Trinkerkarriere ging das nicht mehr, vor allem für anspruchsvollere Sachen fehlte mir jede Konzentration. Das hat sich wieder geändert.

Drum dacht ich, es sei vielleicht eine ganz gute Idee, mal einen Bücherthread aufzumachen, zum einen weil man sich gut Lesetipps rüberschieben kann, zum zweiten weil ich gern über Bücher schreibe, zum dritten weil ich immer neugierig bin was andre Leute so lesen und überhaupt weils vielleicht Spaß machen könnte.

Ich hatte mir – als Fan des Autors – gleich am Erscheinungstag den neuen Haruki Murakami, Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki, zugelegt. Murakami hab ich kurz bevor ich in die Entgiftung gegangen bin kennengelernt, vor gut zwei Jahren also erst; im folgenden halben Jahr hab ich dann einen Großteil seiner Sachen gelesen, ich hatte ja durch die LZT und die Rücken-OP sehr viel Zeit. Mr. Aufziehvogel und Kafka am Strand haben mir am besten gefallen. Den neuen Roman würde ich eher so im Mittelfeld von Murakamis Büchern ansiedeln, mir fehlte ein bißchen das magische, abgehobene, das andere Romane für mich so traumverlorn-einzigartig machte, und ein paar Handlungsfäden blieben auch merkwürdig offen. Trotzdem hab ich mich gut unterhalten. Kann ich Murakamilesern empfehlen, allerdings nicht so sehr als erster Einstieg, eher zum Immerweiterlesen!

LG Frank

Carpenter
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Beitrag von Carpenter » 20.01.2014, 08:14

Moin Frank,

schön, das wir hier jetzt einen Lesethread haben. Ich kann mich Deinen Worten nur anschließen...habe als Kind schon sehr viel gelesen und das ist so geblieben. Ähnlich wie bei Dir hat mir am Ende meiner nassen Zeit die Konzentration gefehlt, manchmal konnte ich sogar die Buchstaben nicht mehr richtig erkennen.

Was für Dich Murakami ist für mich Carlos Ruiz Zafòn. Bis auf eines seiner Kinderbücher hab ich inzwischen alles durch. Seine Werke spielen fast alle im Barcelona der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Sein Bücher sind stets etwas mystisch-melancholisch und verzichten fast immer auf ein Happy-End. Zafòn hat eine ganz besondere Art zu schreiben, einen mit Worten in eine Parallelwelt zu versetzen, in die man gerne eintaucht und die man mitunter am Liebsten gar nicht mehr verlassen möchte.
Mein zweiter Lieblingsschriftsteller ist der Schotte Ian Rankin, der sich fast ausnahmslos dem Krimi-Genre widmet. Sein Kommissar Rebus ist allerdings derbe Kost für einen trockenen Alkoholiker, da er selbst Alkoholiker ist und zwar in einer Phase, in der es ihm längst klar ist, er es aber immer wieder verdrängt. Alkoholismus ist ein häufiges Problem bei Polizisten, die täglich mit den Abgründen der Menschheit zu tun haben und so scheint es einem fast zwangsläufig, daß der zynische Rebus säuft, team- und bindungsunfähig ist, Menschen, denen er nicht egal ist, immer wieder vor den Kopf stößt und sich so mehr oder minder nur einen einzigen Lebensinhalt hat - seinen Job.
Nun muß jeder trockene Alkoholiker für sich selber beurteilen, ob so eine Lektüre für ihn sinnvoll ist. MMn. zeichnet Rankin seinen Charakter sehr realistisch, keinesfalls heroisierend...man könnte fast Mitleid mit ihm haben, wenn der taffe Kommissar nach außen als zynischer, knallharter Cop auftritt, dann aber nach Dienstschluß nichts mit sich anzufangen weiß und dann auch teilweise im Selbstmitleid versinkt, weil er sich seiner sinnlosen Existenz bewußt wird.

So, das solls erstmal gewesen sein. Momentan lese ich ein sehr interessantes Buch zum Thema "wachstumsreversive Zukunftsmodelle": Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand von Harald Welzer

Ach ja...aufgrund der Tatsache, daß viele Taschenbücher in einer elend kleinen Schrift gedruckt und meine Augen keine 18 mehr sind, hab ich in letzter Zeit recht häufig aufs ebook zurückgegriffen, weil man da die Schrift entsprechend anpassen kann. Eine elektronische Erfindung, die ausnahmsweise meine volle Zustimmung findet :-)

Schöne Zeit Dir

Schönen Gruß

Andreas

Tina
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Beitrag von Tina » 20.01.2014, 12:16

Hallo !
Tolle Idee, die Du hattest, Frank ! Danke !

Ich habe in den letzten Tagen Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand und Die Analphabetin, die rechnen konnte gelesen und mir haben beide Bücher sehr gut gefallen !

--> Ausnahmsweise ist übrigens ein Link zu einer anderen Internetseite erlaubt und ich würde mich freuen, wenn Ihr ihn nutzt. Damit es zulässig ist und dem Forum zu Gute kommt, ist es nur wichtig, folgende Verknüpfung zu nutzen: hier kommt die 10 stellige ISBN-Nr. hin[/color]/selbsthilfeun-21]und hier der Buchtitel

Das Ergebnis sollte dann im Text so aussehen, wie bei mir oben und muss dann für eine Weiterleitung nur noch angeklickt werden. Probiert es doch mal aus. Bei Fragen oder Problemen meldet Euch einfach.

Mein aktuelles Buch ist übrigens ein Psychothriller: Die Puppenmacherin von Max Bentow. Der Anfang ist schon prima :D.

Grüße
Tina
Zuletzt geändert von Tina am 20.01.2014, 20:38, insgesamt 1-mal geändert.

Plejaden
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Beitrag von Plejaden » 20.01.2014, 13:04

Hallo zusammen,

den Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson habe ich ebenfalls gelesen und fand das Buch gut. Mit einem Schmunzeln geschrieben, geht sehr liebevoll mit seinen Figuren um. Also, mit den meisten zumindest. Es werden zwei Geschichten parallel erzählt, die eine spielt aktuell in der Gegenwart des namesgebenden Hundertjährigen, die andere zeigt die bewegte Lebensgeschichte desselben. Wer alles 100%ig historisch korrekt mag und mit dem augenzwinkernden Humor nichts anfangen kann, für den ist das Buch allerdings nichts. Auch soll gewarnt werden, dass der Hundertjährige ein leidenschaftlicher Schnapstrinker ist - wen sowas antriggert, der sollte das Buch lieber nicht lesen.

Selbst denken von Harald Welzer habe ich auch gelesen, und kann dieses Buch sehr empfehlen. Die Gesellschaft wäre um einiges besser, wenn mehr Leute selbst denken würden ;) .

Ansonsten bin ich mehr die Fantasy- und Sci-Fi-Tante, von daher weiß ich nicht, ob meine anderen Bücher hier so den Geschmack treffen :lol: .

Meine letzten Bücher waren zudem:
Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow und Jonathan Strange & Mr. Norrell von Susanna Clarke. Beides fantastisch angehaucht und beides Bücher, bei denen sich die Geschichte eher langsam entfaltet. Das Magische und Fantastische dringt hier eher wie zufällig in den normalen Alltag ein. Bei beiden wird sehr gekonnt der Eindruck einer, sich in der Ferne langsam und bedrohlich aufbauenden Gefahr erzeugt, und man ist sich nicht sicher, wie die Protagonisten derer Herr werden sollen. Hat mir sehr gefallen.

Die Eragonreihe von Christopher Paolini fand ich auch gut, vor allem eingedenk der Tatsache, dass der Autor das erste Buch bereits mit 17 Jahren geschrieben hat. Die Reihe ist eher ein in Richtung "Herr der Ringe" gehendes Fantasy. Ich denke aber, der Serie hätte eine Straffung auf drei Bände gut getan.
Das Ende fand ich auf der einen Seite mit einem wirklich sehr originellem Einfall gewürzt, auf der anderen Seite hat der Autor völlig unterschätzt, was es mit dem Leser macht, wenn der Böswicht drei dicke, dicke Bände lang nur in Erzählungen im Buch auftaucht. Tolkien war seinerzeit so klug, und hat Sauron in persona aus den Büchern rausgehalten. Paolini hat diesen Effekt nicht bedacht (denke ich zumindest) und so ist sein Galbatorix dann doch etwas blaß geraten, konnte mit den aufgebauten Fantasien und Erwartungen nicht mithalten.

LG
Pleja

zerfreila
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Beitrag von zerfreila » 20.01.2014, 17:50

Hallo miteinander,

hi Frank, vielen Dank für die Thread-Eröffnung! - Auch ich habe kürzlich den *Hundertjährigen...* mit großem Vergnügen gelesen, es war mir ein Genuss. Jetzt werde ich mir die von Dir empfohlenen *Pilgerjahre...* besorgen. Danke für den Tipp.

Liebe Grüße, zerfreila :)

inbetween
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Beitrag von inbetween » 20.01.2014, 17:59

Auch von mir ein "Hallo" in die Runde,

zum Thema Krimi kann ich die Bücher von Fred Vargas empfehlen, vor allem die um Komissar Adamsberg, allen voran Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord.
Ich habe selten so toll beschriebene skurrile Typen und eine so ausgeklügelt überraschende Auflösung in der Krimiliteratur gefunden.

Was für einen gemütlichen Schmökerabend.

Viele liebe Grüße
Lea

schnuffig
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Beitrag von schnuffig » 21.01.2014, 10:48

Konnichiwa Frank!

Mein Lieblingsbuch von Murikami wird wohl immer Hard Boild Wonderland bleiben.
Obwohl ich seine anderen, bis auf das Neue auch gelesen habe. Auch Kafka am Strand mochte ich. Fast ganz. Am Ende kam es mir doch so vor, als hätte er sich ein klein wenig rausgestohlen.

Banana Yoshimoto ( Kitchen) und Yoko Ogawa ( Hotel Iris) kann ich dir noch empfehlen, falls du eine Weile bei den Japanern bleiben möchtest.
Gute Idee der Thread.

garcia
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Beitrag von garcia » 22.01.2014, 15:42

Hallo Forum,
ich freu mich mal daß dieser Thread so viele Reaktionen ausgelöst hat!

@Plejaden: Dr. Strange & Mr. Norrell hat mir seinerzeit auch ganz hervorragend gefallen, und Bulgakovs „Meister und Margaritha“ ist schon viel zu lange an mir vorbeigegangen. Den hab ich jetzt mal wieder mehr im Hinterkopf.
@schnuffig: Danke für den Tipp, Japan geht bei mir immer 

Groß war die Versuchung, nach dem neuen Murakami mal wieder in die älteren Bücher reinzulesen, aber das geht nicht, denn die „Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ war selbser nur eine Unterbrechung eines anderen, größeren Leseprojektes, das mich seit fünf, sechs Wochen beschäftigt und zu dem ich nun wieder zurückgekommen bin, um nicht alle Fäden zu verlieren.
Dabei handelt es sich in so ziemlich jeder Hinsicht um ein monströses Buch, nämlich „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace. Unendlich lange Satzbauten. Viele viele Worte, von denen weder ich noch Google je gehört haben. Hunderte von Anmerkungen, Dutzende von Personen, 1550 Seiten alles in allem.
Manchmal brauch ich den Versuch literarischer Bergbesteigungen, ebenso wie es manchmal auch simple Krimis tun. Deswegen stehen auch diverse angelesene Buchleichen in meinen Regalen, Sachen die ich angefangen aber nie beendet hab (Pynchton, Joyce, Musil z.B.). Bei diesem Buch ist das aber anders. Ein bißchen mußte ich mich reinlesen, dann nahm die Lektüre Fahrt auf, und obwohl es immer wieder auch einmal sehr dichte und anstrengende Passagen gab reißt mich das Buch mit. Es spielt in einer nahen, vollkommen durchkommerzialisierten Zukunft, in der selbst die Jahresbezeichnungen an Konzerne vermietet werden (daher gibt es Absonderlichkeiten wie das „Jahr der Inkontinenzunterwäsche“ oder das „Jahr der Milchprodukte aus dem Herzen Amerikas“), es handelt von Drogen, Sucht und Rausch in jedweder Form (ohne da irgendetwas zu beschönigen oder zu romantisieren), von Profitennis (einer der Hauptschauplätze ist eine Tennisakademie für talentierte Jungspieler), es handelt von einer Gesellschaft, in der Kicks und Spaß alles sind was noch zählt, während tiefere Werte vollkommen untergegangen zu sein scheinen. Obwohl das Buch eine Menge teils absurden Humor enthält liegt darunter doch auch eine tiefe Melancholie.

Nicht unbedingt was für Leseanfänger. Ich hab mich vor Beginn der Lektüre durch die entsprechenden Wikiartikel gelesen, um wenigstens einen roten Faden in der Hand zu haben. Und das hat sich gelohnt. Auf ein solches Leseerlebnis wird ich wohl eine ganze Zeit warten müssen wenn das vorbei ist… aber noch bin ich ja bei Seite 820, das dauert noch…


LG Frank

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