Frank

Wie ist das Leben nach dem Alkohol ohne Alkohol? Erfahrungsberichte und Lebensgeschichten von schon länger trockenen Alkoholikern im Alkoholforum
claro
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Frank

Beitrag von claro » 17.04.2014, 07:54

Guten morgen,
ich moechte hier auch kurz was reinschreiben.
Ich lebe jetzt seid 5 Jahren alkoholfrei.
Das ist schon ein gutes Stueck Zeit.
Als ich hier im Forum aufschlug, hatte ich zunaechst die Idee, ein alkholfreies Jahr zu verbringen.
Hatte Angst, mich als Alkoholiker zu outen.
Hatte Angst vor einem Leben ohne Spass, ohne uber die Straenge schlagen.
Ein Normalo zu werden.

Wie ist es jetzt?

Ich binn 100 Prozent " Frank" geworden, ob Normalo oder sonstwas ist mir nicht so wichtig.

Das sind Schubladen, die nur die freie Sicht auf eine Person einengen.

Alkohol spielt in meinem Leben, in meinem Umkreis keine Rolle mehr.
Mein Haus ist alkoholfrei, ohne Kompromisse.
Draussen bin ich toleranter, kann jeder machen was er will.

Intolerant oder aengstlich bin ich bei meiner Tochter, sie muss mir staendig versprechen, niemals alkoholisiert Auto zu fahren oder bei jemanden einzusteigen, der kleinste Mengen getrunken hat.
Sie muss mir staendig versprechen, nachts in jeder brenzligen Situation in ein Taxi zu steigen und nach Hause zu kommen, egal, was es kostet.

Ich selber bin ein Leben lang im Suff und Drogenrausch Auto gefahren, auch mit Unbeteiligten als Fahrgaesten.
Im Nachhinein gehoert mir der Fuehrerschein entzogen.

Das ist vorbei.

Mein wirtschaftliche Situation hat sich in den vergangenen Jahren nicht verbessert. Alles ist fuer uns schwieriger geworden.

Dies ist fuer mich ein weitere Grund, auf meinen klaren Kopf zu achten.

Ich bin aus der " ich armes Schwein, das haelt ja kein Mensch aus, da braucht man einen Troester" - Schiene ausgestiegen.

Darueber bin ich sehr dankbar.

Mir bleiben noch einige Wuensche und Traeume unerfuellt.
Aber einer ist nicht mehr dabei.

Mir mein Gehirn zu vernebeln.

Frank

Andi089
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Beitrag von Andi089 » 17.04.2014, 08:26

Hallo Frank,

ein wie ich finde sehr aufbauender und realistischer Beitrag.

Danke.

Gruss
Andi

claro
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Beitrag von claro » 17.04.2014, 14:59

Hallo Andi,
danke fuer deinen Kommentar.

Ich schreibe das hier rein, weil es von jedermann gelesen werden kann.

Ich moechte Leuten Mut machen, die sich noch nicht trauen.
Die ein Stuck davor sind, sich einzugestehen, Alkoholiker zu sein.
Ich kann jedem nur sagen:
Wenn du oefter ueber deinen Alkoholkonsum nachdenkst, wenn Du versuchst, weniger zu trinken..,
dann bist Du wie jemand mit einer dicken Backe, der denkt, " vielleicht horen die Schmerzen ja morgen auf und ich muss doch nicht zum Zahnarzt".

Es ist Wunschdenken.

Heute morgen durfte ich ein sehr intimes Gespraech mit einem Kollegen fuehren.
ER gestand mir, " alkoholsuechtig und seid 3 Jahren trocken zu sein"
Der Mann ist von Beruf Maurer und Hobbyhalbmarathonlaufer und alkoholsuechtig.
Wie kann jemand so sportlich und alkoholabhaengig sein?
Indem man seinen Sport immer vorschiebt und sich sagt, siehst Du, es geht doch...
Es steht mir nicht zu, hier ueber andere zu schreiben.
Aber seid einiger Zeit verstehen wir uns blendend.
Gut so.
In meinem Umkreis befinden sich mitlerweile einige trockene. Nicht mit allen bin ich automatisch gut Freund. Aber bei allen weiss ich ziehmlich genau, wie sie ticken.
Nahmlich ahnlich wie ich.

Ich wuensche allen, die hier reinschauen,
ein schoenes Osterfest.

Frank

juergenbausf
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Beitrag von juergenbausf » 17.04.2014, 16:26

Hallo,

Glkückwunsch zu mehreren Jahren Abstinenz, kann ich auch jedem empfehlen.
Ich zähle nur abstinente Kalenderjahre, das waren bei mir die Jahre 1964-1978 und 2011-2013.
Ich bin 1964 geboren. Bis 2001 war der Alkoholkonsum eher im "Normalbereich".

Ich hatte schon immer das Bedürfnis, ein "außergewöhnliches Leben" zu führen, das hat sich mit meiner Abstinenz insoweit nicht geändert, als daß ich ja durch die Alkoholabstinenz ja "straight edge" lebe, und sehr offen mit meiner Abstinenz und meinem Engagement in Hamburger Selbsthilfegruppen umgehe. Ich habe keinerlei negative Erfahrungen gemacht, ich stehe aber eh abseits der "bürgerlichen Gemeinschaft" und werde diesen Weg auch konsequent weitergehen.
Ich arbeite quasi seit 2011 konzentriert an meiner finanziellen Unabhängigkeit von Erwerbsarbeit und werde dies in 2015 oder 2016 ohne jegliche staatliche Unterstützung ( Rente, o.ä. ) so umsetzen können.
Es war immer mein Traum, ab einem Alter von 50 Jahren machen zu können was ich möchte, z.B. Bildhauen mit Holz und Stein und diesen Weg werde ich auch gehen und gehen können, da ich wirtschaftlich nicht auf Einkünfte daraus angewiesen sein werde.

Insoweit hat mein Alkoholismus meinen Lebensweg nur die 9 Jahre beeinflusst, die ich stark getrunken habe, ich hatte - und ich arbeite hart daran, daß das so bleibt - , das Glück eine frühe Einsicht zu erlangen, daß ich ein selbstschädigendes Verhalten eingeschlagen hatte.

Die Depressionen und das negative Denken der Saufzeit ( 2001 - Mitte 2010 ) sind so gut wie weg, ich arbeite allerdings seit 4 Jahren mit strengen Prioritäten aktiv daran in SHGs, Foren, Suchthilfe- und Obdachloseneinrichtungen.

Gruß Jürgen

juergenbausf
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Beitrag von juergenbausf » 17.04.2014, 16:43

P.S.:

Wenn ich nach 2010 weitergesoffen hätte, wäre vermutlich das Haus mittlerweile versteigert und ich würde obdachlos, frustriert, anderen die Schuld gebend durch Hamburg tingeln.
So nah liegen "Glück" und "Unglück" beeinander.

Gruß Jürgen

Carpenter
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Beitrag von Carpenter » 17.04.2014, 18:36

Hallo Frank,

5 Jahre Trockenheit bzw. Abstinenz sind schon ne Marke und bei Dir hat man immer den Eindruck, als sei diese konsequente Trockenheit ne ganz normale Angelegenheit. Bei Dir, so scheint es, gibt es keinen Raum mehr für Zweifel oder negative Gedanken in Bezug auf Alkohol. Damit ist Du ganz sicher eines der Vorbilder hier im Forum.

Auch mich hast Du in der Anfangszeit hier motiviert und ermutigt, dafür nochmal herzlichen Dank.

@Jürgen:

Diese autarke Lebensweise hat mich seit jeher fasziniert. Und ein Leben abseits der bürgerlichen Gesellschaft muß ja nun wirklich nicht das Schlechteste sein. Kein Konsumterror, keine Amtsschimmel, keine selbstverliebten Vorgesetzen...das klingt erstmal richtig gut. Wie man das finanziell geregelt kriegt, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Aber ich freu mich sehr für Dich, daß Du das gebacken bekommst.
Ich wünsch Dir viel Spaß beim Bildhauen (egal, ob mit Stein oder Holz).

Schönen Gruß und schöne Zeit

Andreas

Skyline

Beitrag von Skyline » 17.04.2014, 20:08

Hallo Frank,

mit Freude habe ich deinen Beitrag gelesen :)

Mir persönlich hat die Ausführung am besten gefallen, dass du 100% Frank geworden bist und mit dem Schubladendenken nichts anfangen kannst.

Zu oft und zu schnell werden oftmals Menschen in Schubladen gesteckt in die sie nicht wirklich passen.

Ich sehe mir immer sehr gern die Berichte von Menschen an die schon etwas länger trocken sind. Oftmals ist für mich dadurch zu erkennen, wie sehr sich das Leben bei diesen Menschen gewandelt hat.

Ich persönlich sage immer man kann sehen wie sich ein Nachteil nach einem entsprechenden Zeitraum zu einem gewissen Vorteil verändert.
Ich denke durch Alkoholabhängigkeit gelangen später manche Menschen zu einer Sichtweise oder Lebenseinstellung die sie ohne dieser Abhängigkeit nicht erreicht hätten.

Von daher finde ich es immer sehr aufschlußreich wenn Jemand seinen Weg der Abstinenz schildert.


Vielen Dank für deinen Beitrag :)



Gruß Olli

Jul Ja
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Beitrag von Jul Ja » 17.04.2014, 21:35

Lieber Frank,

Dein Text hat mich berührt … danke, dass Du das aufgeschrieben hast und mit uns teilst.

Dass Abstinenz nicht reich macht, dafür aber viel Wichtigeres schenkt - die eigenen Werte verschiebt, das Denken verändert und uns endlich ungefiltert der sein lässt, der wir sind. Das hast Du wirklich schön zusammengefasst.

Du warst einer derer, die mich hier vor fast 9 Monaten „abgeholt“ haben – dafür möchte ich Dir von ganzem Herzen „Danke“ sagen.

Solche Texte wie Deiner heute, haben mich am Anfang meiner Abstinenz, sehr motiviert und mir gezeigt, dass das der richtige Weg ist.

Und das, was Du über Deine Ängste, Deiner Tochter gegenüber, schreibst … Frank, ich kann mir gut vorstellen, dass ich ähnlich agieren werde, wenn meine Kleine älter ist. :wink:

Dir und Deinen Lieben wünsche ich ein schönes Osterfest …

Liebe Grüße von Julia

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