Vererbung?

Ambulante und stationäre Therapie und Entgiftung bei Alkoholproblemen und Alkoholabhängigkeit durch Psychologen ( Psychologie ) oder Therapeuten, sowie Ursachen der Alkoholkrankheit bzw. Coabhängigkeit aus medizinischer Sicht.

Daniela
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Vererbung?

Beitrag von Daniela » 24.07.2006, 19:27

Hallo,

wollte mal fragen ob das mit dem Trinken vererbar ist.....

Habe mit 13 Jahren meine Verwandten kennengelernt und festgestellt das der Alkohol dort in Mengen floss.

Mit 16 Jahren hab ich zum ersten mal Bier getrunken. 2 Flaschen nur.
Das so drei mal....und schon musste ich meinem Pflegeeltern heimlich immer 2 Flaschen klauen. Was natürlich auffiel...

Ist doch nicht normal das man so schnell abhängig wird.
War richtig süchtig nach den 2 Flaschen

Liebe Grüsse

Joachim

Beitrag von Joachim » 24.07.2006, 20:40

Hallo Daniela,

in den "häufig gestellten Fragen" findest Du ja schon ein paar Beiträge zu dem Thema,

http://www.forum-alkoholiker.de/selbsth ... erbbar.php

daher hier nur ganz kurz. Ich persönlich galube nicht an eine Vererbung im eigentlichen Sinn, glaube aber sehr wohl daran, dass man viel gefährdeter ist, wenn man "es" vorgelebt bekommt.

Gruss Joachim

Sobrietas
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Beitrag von Sobrietas » 08.08.2006, 00:26

Hallo,

ich möchte mich kurz vorstellen, ich bin Alkoholiker, meine nasse Zeit ging vom 18-26 Lebensjahr, und lebe nun seit fast 5 Jahren abstinent vom Alkohol.

Alkoholismus gilt als multikausal, d.h. es kommen viele Gründe zusammen. Der genetische Anteil liegt nach neuesten Studien bei 50-60 Prozent. Die Anteile variieren jedoch bei jedem Menschen.

Da ich ab meinem ersten Alkoholkonsum im Leben (das war recht spät, so mit ca. 17 Jahren) keinerlei Kontrolle über die Menge hatte und mit
kaum 20 Jahren bereits starke körperliche Entzugserscheinungen erlebte (nach "nur" 1-2 Liter Bier am Abend zuvor), gehe ich (und auch mehrere Fachärzte) bei mir von einer sehr starken genetischen Disposition aus. Ich kam vor meinem Kontakt mit dem Alkohol und auch ab dem ersten Moment der Abstinenz problemlos mit mir und der Umwelt zurecht. Keinerlei Verhaltensstörungen oder besondere Probleme mit der Umwelt oder in der Erziehung. Mein Vater ist zwar Alkoholiker, aber davon hatte ich nichts mitbekommen, er war in meiner Kindheit bereits trocken. Er lebte ein alkoholfreies Leben vor. Nur mein 9 Jahre älterer Bruder kannte ihn noch "nass", mein Bruder hatte aber nie ein Alkoholproblem.

Gründe fürs Trinken, die in einer "bösen" Kindheit, dem "schlimmen" Umfeld, oder dem "schwachen" Charakter gesucht werden, halte ich für irreführende Schreckgespenster. Zumindest bei mir hat deren Analyse mehr die Genesung verzögert als ihr geholfen.

Als Opfer sehe ich mich nicht. Mir ist klar, dass ich für jeden Schritt im Leben selbst verantwortlich war und bin. Dennoch sehe ich keine Schuld bei mir (oder irgendwo anders) für meine abnorme Reaktion auf Alkohol. Ich habe ja durch meine abstinente Lebensführung etwas gegen die Krankheit getan.

In der genetischen Ursache sehe ich keine Ausrede, sondern die knallharte medizinische Notwendigkeit, abstinent zu leben.

Ausreden zum Saufen fand ich damals eher in den anderen vermeintlichen Ursachen, wie frühkindliche Traumata, böse Mitmenschen, als Charakterfehler hochstilisierte Marotten meinerseits.

Ich bin sicher, dass es viele Alkoholiker gibt, bei denen der Alkoholismus nicht genetisch ist, sondernd das Symptom einer rein psychischen /seelischen Schwierigkeit darstellt. Viele von denen können nach Behebung dieser Nöte auch wieder kontrolliert Alkohol konsumieren.

Bei mir ist das undenkbar. Bei mir ist die Alkoholsucht mehr als nur eine Begleiterscheinung, sie ist die eigentliche Primärerkrankung. Daher war bei mir auch die einzige Lösung, das Glas stehen zu lassen. Seitdem geht es mir ohne weitere therapeutische Maßnahme ausgezeichnet.

Liebe Grüße

Sobrietas

Mister Nice
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Beitrag von Mister Nice » 08.08.2006, 02:10

Hallo Sobrietas, Deine Worte treffen sehr genau auch auf mich zu, ich denke auch das ich erblich bedingt erheblich vorbelastet bin. meine Eltern tranken beide Alkohol in Maßen, mein Großvater allerdings soff so wie ich und meine Mutter sagte immer ich wär wie er, bzw. mein Trinkverhalten sei so wie seins. und auch ansonsten war teilweise ein recht trinkfreudiges Volk in meiner Verwandtschaft. Trotz allem bin auch ich mir sehr bewusst darüber das alles in meiner Verantwortung lag und natürlich immer noch liegt. In diesem Sinne werde ich weiter machen wie bisher, mir immer, eigentlich täglich, vor Augen führen was war und nie wieder sein darf, schönen Tag noch ,ewige Trockenheit Gruß aus dem schönen Saarland, Jörg :)

Daniela
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Beitrag von Daniela » 08.08.2006, 08:28

Hallo Sobrietas,

danke für deinen Bericht!

Mit 13 Jahren lernte ich erst meine Verwanten (ONKEL; TANTEN) kennen.
Dort habe ich feststellen müssen das ich aus einer Alkoholfamilie kam.

Mit 16 Jahren habe ich beim Grillen das erste mal 2 Flaschen Bier getrunken.
Das wiederholte sich so 3 mal.
Danach war ich schon süchtig. Habe meinem Pflegevater mehrmals heimlich Bier gestohlen. Und heimlich getrunken.

Das ist auch für mich ein Zeichen, das ich schnell süchtig wurde. Hatte den Drang meinem Pflegevater zu bestehlen. Das will was heissen, denn ich hatte Respekt vor ihm.

Das fiel natürlich dann auf. Das Donnerwetter war nicht gewaltig. Der einzige Vorwurf...daran kann man erkennen das in deiner Verwantschaft Säufer sind!

Liebe Grüsse

Teufelchen

Beitrag von Teufelchen » 08.08.2006, 09:02

Ich bin sicher, dass es viele Alkoholiker gibt, bei denen der Alkoholismus nicht genetisch ist, sondernd das Symptom einer rein psychischen /seelischen Schwierigkeit darstellt. Viele von denen können nach Behebung dieser Nöte auch wieder kontrolliert Alkohol konsumieren.

Hallo Sobrietas,

Du stellst das in Deiner These so dar, als wenn man nur seine psychischen Nöte beheben bräuchte, um dann ruhig mal ausprobieren zu können wieder kontrolliert zu trinken!

Tut mir leid, aber soetwas kann und will ich nicht akzeptieren! Bei allen Verständnis für Deine eigene Geschichte, hast Du scheinbar gar keine Ahnung was psychische Nöte eigentlich bedeuten. Da macht man nicht mal nur mal schnell eine Therapie, behebt die Schwierigkeiten und alles ist wieder schön und man kann endlich wieder Alkohol trinken.

Solche Gedanken sind für jeden Alkoholiker sehr gefährlich. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob eine körperliche und/oder psychische Alkoholabhängigkeit besteht! Alkoholiker können zeitlebens nicht mit Alkohol umgehen. Sehr, sehr viele hier mußte diese bittere Erfahrung bereits machen.

Jedes herumexperimentieren kann sehr schlimme Folgen haben. Gerade Betroffene, die chronische Depressionen haben oder traumatische Erleb- nisse in der Vergangenheit hatten, sind äußerst gefährdet. Diese Depressionen verschlimmern sich z. B. durch Alkoholkonsum, können sogar Suizidgedanken auslösen.

Ich bin selten hier richtig verärgert, doch über Deinen Beitrag bin ich sehr bestürzt.

Teufelchen

Joachim

Beitrag von Joachim » 08.08.2006, 10:37

Hallo Sobrietas,
Ich bin sicher, dass es viele Alkoholiker gibt, bei denen der Alkoholismus nicht genetisch ist, sondernd das Symptom einer rein psychischen /seelischen Schwierigkeit darstellt. Viele von denen können nach Behebung dieser Nöte auch wieder kontrolliert Alkohol konsumieren.
Also, ich halte diese Aussage von Dir sogar für äusserst gefährlich, da sie unter Umständen doch völlig falsche Hoffnungen wecken könnte.

Wenn man einmal Alkoholiker ist, bleibt man es sein Leben lang und da gibt es nur den Weg der totalen Abstinenz. Man kann dann nie wieder Alkohol trinken !!!

Da spielen auch die Gründe, warum man diese Krankheit bekommen hat erst einmal keine Rolle.

Joachim

Karsten
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Beitrag von Karsten » 08.08.2006, 10:44

Hallo Sobrietas,

Du bist nun 5 Jahre ohne Alkohol.
Dann möchte ich Dich bitten über Deine Erfahrungen zu schreiben, wie Du dies geschafft hast.

Das Du anderen Menschen, die scheinbar aus Deiner Sicht eine andere Grundlage des Alkoholismus haben, durch diese Aussage zum trinken ermunterst, ist Dir sicher nicht bewußt gewesen, als Du das geschrieben hast.

Ich denke aber, bei dieser Zeit der Nüchternheit sollten die Gedanken klar sein. Ich halte eine solche Aussage für sehr gefährlich.

Du solltest die hier hilfesuchenden nicht verunsichern.
Für einen Alkoholiker, egal aus welchen Gründen er es geworden ist, gibt es kein normales trinken mehr.
Der Begriff "kontrolliertes Trinken" ist eh ein Wiederspruch in sich.

Gruß
Karsten
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