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Praktische Hilfen zur Risikominimierung

Hier werden wir jede Woche mindestens ein allgemeines Thema eröffnen, wo jeder seine Sichtweise dazu schreiben kann.

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Karsten
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Praktische Hilfen zur Risikominimierung

Beitrag von Karsten » 02.05.2015, 22:55

Hallo,

oft ist es so, auch hier im Forum, dass vor allem neue Mitglieder, Situationen ankündigen, die sie jetzt oder in absehbarer Zeit machen wollen, obwohl es neue Situationen sind, die seit ihrer Nüchternheit noch nicht erlebt haben.

Wenn es um unsere Grundbausteine und hier speziell um die Risikominimierung geht, wäre es ja hilfreicher, vorher hier nach Erfahrungen zu fragen, wie andere trockene Alkoholiker und Alkoholikerinnen diese Situation für sich gelöst haben, ohne rückfällig zu werden.

Warum werden so wenig Themen mit solchen Fragen eröffnet? Vielleicht steht es ja bei dem einen oder anderen in seinem langen Thema, wo solche Dinge ja aber schnell untergehen, wenn das Thema durch weitere Antworten sich schnell ändert.

Geht ihr bewusst ein solches Risiko ein, die neue Situationen mit sich bringen können?

Gruß
Karsten
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Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 07.07.2015, 22:06

Dann mache ich mal den Anfang und frage:
In meiner nassen Zeit bin ich gerne mal in eine Kneipe zum Fußball schauen gegangen. Die besagte Kneipe habe ich inzwischen gecancelt, möchte aber in der bald startenden neuen Saison doch mal das eine oder andere Spiel meines Vereins in einer Sportsbar schauen, wo deutlich weniger gesoffen wird. Dazu wollte ich den volljährigen Sohn, der mich unterstützt, als Aufpasser mitnehmen. Oder ist die "Nummer" doch zu riskant und besser mal das Bundesligapaket von sky abonniert?

Karsten
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Beitrag von Karsten » 08.07.2015, 07:18

Hallo Carl,

da du dir diese Frage selbst stellst, zeigt ja irgendwie, dass du es als Risiko siehst, wenn du in so eine Sportsbar gehen würdest.
Daher wäre die zweite Alternative wohl die bessere Wahl.

Gruß
Karsten

garcia
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Beitrag von garcia » 08.07.2015, 21:10

Ich hätte da ein Beispiel...

Ich geh bis heute nicht griechisch essen. Was ich (im Gegensatz zum Alkohol) immer noch vermisse, denn ich liebe dieses Land und seine Küche sehr.

Aber es wär ein Fehler, denn Bier und Ouzo gehörten halt immer dazu - und grad im Sommer, wenn die andren Gäste draußen sitzend das mit genießen, wär es auch nach drei Jahren ein Trigger.

Schade drum, aber eigentlich ein kleiner Verlust wenn ich sehe wie gut mirs geht heute.

Sonst hab ich kaum "Einschränkungen" mehr, aber das mit dem griechischen Essen, das fällt mir im Sommer immer wieder mal auf... aber dafür bin ich heute ein Fan der asiatischen Küche wenn's keine Glutamatchinesen sind :-)

NNGNeo
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Beitrag von NNGNeo » 08.07.2015, 22:38

hallo

ich bin am überlegen ob ich jetzt da ich schon länger trocken bin mal ein stadionbesuch machen könnte. diese entscheidung kann mir zwar keiner abnehmen, aber seit meinem letzten besuch im stadion als ich noch ganz am anfang war hat mich ziemlich heftig getriggert. wie ja jeder weiß wird im stadion auch gesoffen.

ich bin mir bewusst das es natürlich ein risiko ist, vor allem als ich noch nass war habe ich immer fleißig mitgetrunken wenn ich im stadion war.
wenn ich gehen sollte, bin ich mir bewusst das es ganz bestimmt nicht unseren grundbausteinen entspricht denn ich würde mich ganz bewusst in eine situation bringen die nunmal gefährlich ist. trotzdem würde ich gerne mal wieder zu einem spiel gehen.
grüße
NNGNeo

garcia
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Beitrag von garcia » 09.07.2015, 12:03

Die Frage ist halt Wieviel du riskierst und was du gewinnen kannst - wenn's schiefgeht hast du ein Leben riskiert, wenn'sgut geht hast du halt ein Fußballspiel gesehen (ok ich hab leicht reden weil mich Fußball eben nicht interessiert)... und vermutlich ist das Rumstehen zwischen tausenden brüllenden Angetrunkenen auch nicht mehr das was es mal war als du mitgemacht hast...

Würd ich mir gut überlegen. Ob man sich nicht was andres Tolles gönnen kann stattdessen?

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 09.07.2015, 22:31

Die Stadionfrage warf heute ein Teilnehmer meiner Vorgruppe auf.
Was kann man tun, um nicht verführt zu werden?
Man auch etwas teurere Karten auf der Geraden nehmen. Dort wird -mit Ausnahme der Logen- in der Regel weniger gesoffen, als in den Kurven, da viele mit dem PKW kommen und das Publikum dort sich schon von der Kurve unterscheidet. Auf die An- u. Abreise mit Bus-und Bahn kann man auch verzichten und den PKW nehmen. Das sehe ich zumindest für mich als Bremse an.
Dazu kann man dank fester Sitzplätze auch etwas später d.h. erst kurz vor Spielbeginn eintrudeln, da hat man dann vorher nicht den Anreiz durch andere Fans. In der Halbzeitpause ist es eh am Bierstand zu voll, so dass sich das Thema da auch schon wieder erledigt haben dürfte, zumindest in den Stadien mit großem Fanzuspruch wie GE, DO, M u.a. Dann noch einen eingeweihten "Aufpasser" dabei und schon dürfte das Risiko bei entsprechender Vorbereitung in psychischer Hinsicht beherrschbar sein.Dazu ein wenig Autosuggestion, dass man sich schon am Morgen des Spieltages fest vornimmt, nicht zu trinken und dies stündlich wiederholt.
Ich könnte mir das Modell für mich zumindest vorstellen, da viele Saufanreize minimiert sind. Und irgendwann müssen wir alle mal in die freie Wildbahn. Man kann nicht permanent alle Gemeinschaftsveranstaltungen auslassen. Allerdings sollte man zu diesem Zeitpunkt schon hinreichend therapeutisch gefestigt sein.

Maria
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Beitrag von Maria » 09.07.2015, 23:29

Hallo Carl Friedrich,

das unmittelbare Risiko kann "man" ggf. damit reduzieren.

Aber was ich nicht außer Acht lassen würde ist, was macht dein Suchtgedächtnis und dein Unterbewusstsein mit dem Besuch? Woher weißt du, dass du mit der Autosuggestion, die Situation an sich zwar bewältigst, doch bei der nächsten ganz anders gelagerten Situation nicht von Suchtdruck geplagt wirst? Kannst du den in der frischen Zeit der Abstinenz gebrauchen?
Und irgendwann müssen wir alle mal in die freie Wildbahn.
Das sehe ich durchaus auch so.... aber irgendwann heißt ja nicht sofort.

Ich persönlich habe es so gehalten, dass ich mich von allem sehr deutlich distanziert habe. Manches hat mir nicht gefallen und ich habe auch häufig Verzicht und das Gefühl von Verlust gespürt. Doch heute im Nachhinein kann ich immer nur sagen - ich habe nichts verpasst. Im Zweifel entscheide ich mich auch heute noch immer eher dagegen als dafür.

Ich darf schon alles, aber ich muss nichts mehr. Diesen Druck aufzubauen, versuche ich weitgehendst zu vermeiden.

Viele Grüße
Maria

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