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Diesmal wird es klappen

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Carl Friedrich
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Re: Diesmal wird es klappen

Beitrag von Carl Friedrich » 13.07.2018, 16:03

Fortsetzung:

Endlich nimmt meine Frau ihre Baustelle "Rauchen" in Angriff. Die Finger lasse ich schon mehrere Jahre davon. Ich weiß schon gar nicht mehr, ob 6 oder 7 sind. Ich stehe ihr mit Ratschlägen bei, da die Süchte Qualmen und Saufen zumindest was den Suchtdruck ("Schmacht" auf 'ne Kippe) und die Strategie, wie man mit dem Druck umgeht, durchaus vergleichbar sind.

Ferner habe ich ihr erläutert, dass sie immer dann mit Druck rechnen kann, wenn sie in Situationen kommt, in denen früher der Griff zur Kippe angesagt war.

Bislang hält sie wacker durch. Für den Notfall habe ich ihr ein Nikotinspray aus der Apotheke besorgt. Sündhaft teuer, aber nach 5 Tagen hatte es sich amortisiert. Sie hat es bislang noch nicht gebraucht. Allerdings ist sie etwas gereizter als sonst. Ich gehe mal davon aus, dass sich dieser Zustand nach ein paar Wochen wieder legt. Soll sie ruhig, ich habe ihr mit meiner Sauferei auch verdammt viel zugemutet, ich stehe bei ihr tief in der Schuld.

Ich stöbere gerne mal im Netz und stieß dort auf das Kontrollierte Trinken. Nach dem Zeug, was da die Leute so raus hauen, bin ich echt heilfroh, dass das KT in diesem Forum nicht diskutiert wird. Dafür ein dickes "Danke schön" an die Moderatoren Karsten & Co.

Ansonsten geht's mir gut und ich freue mich auf ein sonniges Wochenende, an dem ich viel Zeit draußen verbringen werde.

Gruß
Rekonvaleszent

zerotonine
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Re: Diesmal wird es klappen

Beitrag von zerotonine » 13.07.2018, 18:44

Hallo Carl Friedrich,

meiner Meinung nach gibt es beim Rauchen viel mehr tägliche, ritualisierte Auslösersituationen als beim Alkohol. Einige Beispiele von mir:

- Morgens Kippe & Kaffee
- Die Kippe nach dem Essen
- Die Kippe, wenn ich das Haus verlasse
- Die Kippe im Auto kurz nach dem Losfahren

Eventuell kann man sich etwas besser auf das Aufhören vorbereiten, in dem man in diesen Situationen das Rauchen nach hinten verschiebt oder gar in diesen Situationen peu a peu auf das Rauchen zu verzichten. Statt beim ersten Kaffee morgens schon zu rauchen, erstmal den Kaffee trinken (und ggf. Frühstücken) und erst später rauchen. Im Auto doch nicht rauchen. Wenn ich mir mein Rauchverhalten anschaue, dann gibt es einige von diesen Situationen. Meine Therapeutin damals riet mir mal, die Zigarette morgens erst nach dem Frühstück zu rauchen. Das fand ich einen guten Rat, weil ich merkte, daß ich diesen ritualisierten Suchtdruck (Kaffee & Kippe) mit etwas Mühe auflösen konnte. Es wurde mir zunehmend einfacher, erst später zu Rauchen.

Ich habe mich seit kurzem wieder auf eine eZigarette verlegt. Ganz Aufhören ist mir grade zu stressig. Interessanterweise ist auch eine eZigarette schon eine Umstellung der Rituale. Ich ziehe meistens nur 2-3x daran und lege sie dann wieder weg. Eine Zigarette hätte ich ganz geraucht. Nach dem Verlassen des Hauses ziehe ich auch nur 2-3x, bis ich an meiner Bushaltestelle bin. Weiterer Vorteil einer eZigarette: Meine Wohnung riecht nicht mehr nach Rauch ;)

Karsten
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Re: Diesmal wird es klappen

Beitrag von Karsten » 13.07.2018, 19:06

Hallo,

schaue mal hier
viewtopic.php?f=24&t=36135

Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Re: Diesmal wird es klappen

Beitrag von Carl Friedrich » 13.07.2018, 19:26

Hallo zerotonine!

Klar ist das eine Möglichkeit, um mittelfristig den Ausstieg vorzubereiten. Die erwähnten Rituale zu durchbrechen ist ja auch beim Alkohol für viele ein wichtiger Knackpunkt. Kleines Beispiel: Heute am Freitag habe ich mich früher immer für's WE mit Stoff eingedeckt. In den ersten Wochen der Abstinenz wurde ich freitags immer unruhig. Warum ist klar? Das Suchtgedächtnis quälte mich: "Hurra. Freitag. Endlich gibt's anständig Stoff". Nach einigen Wochenende war die Kombination Wochenende und Stoff überschrieben.

Aber wie gut mein Suchtgedächtnis immer noch funktioniert, konnte ich eben im Einkaufsladen sehen. Zwischen anderen normalen Getränken stand ein Sonderposten einer Pilsart, die ich früher auch ab und an mal getrunken habe. Sofort sah ich, dass die Brauerei die Kastenform und -farbe verändert hatte. Ich musste gleich schmunzeln: Komisch, zwischen all den Getränken siehst Du ausgerechnet das Bier. Im Gegensatz zu meiner Anfangszeit ließ mich die Szene jedoch kalt und löste nichts aus.

Von den Dampfern halte ich nicht so viel. Das erinnert mich an alkoholfreies Bier, das wir besser auch nicht trinken sollten, da es zu nahe am Original ist. Allerdings scheint Dampfen immer noch etwas besser als das Rauchen zu sein, auch wenn's nicht gesund ist.

Meine Frau ist heute im siebten Tag ohne Kippe. Da möchte ich nicht auf sie einwirken, doch noch mal zu rauchen, auch wenn's 'ne andere Substanz ist.



Gruß
Carl Friedrich

Carl Friedrich
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Re: Diesmal wird es klappen

Beitrag von Carl Friedrich » 13.07.2018, 19:28

Hallo Karsten!

Danke. Habe ich schon gelesen. Aber mich selbst betrifft es gottlob nicht mehr und die Frau möchte doch lieber -so wie ich- den Weg der Abstinenz versuchen. Und darin bestärke ich sie, so gut ich eben kann.

Gruß
Carl Friedrich

Karsten
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Re: Diesmal wird es klappen

Beitrag von Karsten » 13.07.2018, 20:02

Hallo Carl Friedrich,

das rauchen insgesamt schädlich ist, darüber sind wir uns ja sicher einig :)
Was Studien insgesamt betreffen, jetzt nicht unbedingt auf diese Stude bezogen, bis ich eher skeptisch und schaue auch gern danach, wer diese Studie in Auftrag gegeben hat.

Gruß
Karsten

zerotonine
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Re: Diesmal wird es klappen

Beitrag von zerotonine » 15.07.2018, 14:00

Hallo Carl Friedrich,

ich stimme dir vollkommen zu: Es geht darum, Rituale zu durchbrechen und gewisse Situationen zu identifizieren, die ein Trigger sein können. Im Bezug auf Rauchen sehe ich nur einen kleinen Unterschied: Ich finde, es gibt über den Tag verteilt beim Rauchen recht viele kleine und größere Triggerpunkte. Wenn ich mich betrachte, dann könnte ich jetzt nicht so viele konkrete Punkte festmachen, welche sofort mein Alkohol-Suchtgedächtnis triggern könnten. Beim Rauchen allerdings schon. Beim Alkohol ist es bei mir eher was Diffuses - so scheint es mir jedenfalls grade. Das ist so einer der Punkte, auf die ich achten werde.

Die E-Zigarette hat bei mir einen ganz banalen Existenzgrund: Ich wohne in einem oberen Stockwerk und habe keinen Balkon :) Irgendwann letztes Jahr hatte ich keine Lust mehr auf diesen ständigen Rauchgeruch und wollte mal eine E-Zigarette ausprobieren. Allerdings stellte ich fest, dass diese mir nicht zum Trinkverhalten passte, weswegen es wieder Zigaretten gab. Ich weiss zwar nicht genau, ob mir das jetzt grade etwas hilft, aber ich möchte ein Triggern des Suchtgedächtnisses durch Zigaretten vermeiden. Bonus: Meine Wohnung riecht absolut nicht mehr nach Rauch! :)

Mein Rauchverhalten mit einer E-Zigarette ist anders. Es ist auch geschmacklich anders, weil die meisten Liquids eher süßlich, fruchtig oder "cremig" (Cappucino, Käsekuchen...) sind. Langfristig möchte ich das Rauchen ganz aufgeben, nur jetzt grade kann ich den Extrastress "Rauchen aufhören" nicht gebrauchen. Eines nach dem anderen...

Carl Friedrich
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Re: Diesmal wird es klappen

Beitrag von Carl Friedrich » 15.07.2018, 20:18

zerotonine hat geschrieben:
15.07.2018, 14:00
Langfristig möchte ich das Rauchen ganz aufgeben, nur jetzt grade kann ich den Extrastress "Rauchen aufhören" nicht gebrauchen. Eines nach dem anderen...
Hallo zerotine!

Genau sah es mein Therapeut. Erst mal Stabilität in die Abstinenz bringen, was sicherlich ein paar Monate braucht, und erst danach die weitere Baustelle Rauchen angehen. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass man sich übernimmt.

Gruß
Carl Friedrich

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