Es ist ein langer Weg

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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lalu14
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Es ist ein langer Weg

Beitrag von lalu14 » 02.06.2016, 21:55

Guten Abend an alle, die meine Gedanken lesen wollen

ich bin ein absoluter Neuling, was Forenteilnahme betrifft. Ich übe also noch und bin gespannt, ob es klappt und wie es sich anfühlen wird.

Ich bin Alkoholiker! Das war der Satz, der bei mir vor 6 Tagen (nach einem Absturz den Tag zuvor), bei mir im Kopf angekommen ist. Der Bauch wusste dass schon länger... Heute bin ich den 6 Tag ohne Alkohol, nüchtern. Der körperliche Entzug sollte vorbei sein... der lange Weg zum trockenen Alkoholiker liegt jetzt vor mir.

Dazu kommt auch noch eine Tablettenabhängigkeit, die ich mir nach dem Besuch bei meinem Hausarzt vor 4 Tagen auch noch eingestehen lernen muss.

Ich möchte mich im offenen Bereich kurz bei Euch vorstellen und dann schauen, ob es mir gut tut.

Ich habe in den letzten Tagen ganz viel hier im Forum gelesen und bin mit vielen Infos "zugeschüttet". Jetzt möchte ich aktiv werden, na mal schauen wie sich das für mich abfühlen wird...

Nun aber doch zu meiner Person ein paar Details. Da ich weiß, dass hier im offenen Bereich alle mitlesen können, wird es natürlich sehr allgemein sein müssen. Ob ich das hinbekomme???

Ich habe eine ganz normale Kindheit und eine tolle Jugend mit viel Sport gehabt. Ich habe eine tolle Familie (Kinder,Schwestern, Tanten, Cousinen usw.) Ich habe eine gute Ausbildung (Abi, Ausbildung, Meisterabschluss). Ich wohne am Rande einer großen Stadt in einer wunderschönen Siedlung. Und last but not least einen Job, der mir ein gutes Einkommen sichert, mir Spaß macht und mich fordert (überfordert?). Mein soziales Umfeld ist intakt und es gibt wenige Freunde und einige Bekannte, die mir wichtig sind. Ich wohne seit einiger Zeit in einer Familien-WG. Und bin alleinerziehend seit über 17 Jahren.

Und trotzdem stehe ich heute hier und bin Alkoholiker!

Die Frage aller Fragen ist: Warum? Wie konnte das kommen? Was ist trotz eines rein äußerlich betrachteten normalen Leben, falsch gelaufen?

Natürlich kann ich heute und auch an dieser Stelle nicht alle Steine aufzählen über, die gestolpert und auch gestürzt bin. Das würde ein Roman ...

Heute stehe ich mit fast 50 Jahren an einem Punkt an dem ich mir Gedanken machen muss, was ich in diesem Leben noch möchte. Mich irgendwann tot saufen oder ein nüchternes trockenes Leben führen, dass bestimmt noch viel mit mir vor hat. Erstes ist keine Option! PUNKT!

Aber was hat das Leben noch mit mir vor. Oder sollte ich die Frage anders herum stellen? Was habe ich in meinem Leben noch vor?

Ich habe im Moment nichts als Fragen. Wie werden die Antworten aussehen?

Puh!!! Das hat jetzt angestrengt und lange gedauert, die richtigen Worte zu finden. Nach dem 10 mal durchlesen und 3 Zigaretten + 2 Tassen Tee ist es aber glaube erst mal genug für den Anfang.

Ach ja. Falls die Frage kommen sollt: Ich gehe in 10 Tagen zur stationären Entgiftung. Den Alkoholentzug habe ich ja erstmal schon gemacht rein körperlich. Ich weiß heute absolut noch nicht, was auf mich zu kommen wird. Vorgespräch in der Klinik ist erst nächste Woche.

So! geschafft! jetzt nur noch absenden...

Grüße
lalu

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 02.06.2016, 22:46

Hallo Lalu,

schön, dass du hier bist und dich hier im offenen Bereich vorgestellt hast. Ich wünsche dir gute erste Erfahrungen mit einem (diesem) Forum. Was wünscht du dir denn bzw. welche Erwartungen hast du und wie möchtest du das Forum gerne nutzen?
Oder sollte ich die Frage anders herum stellen? Was habe ich in meinem Leben noch vor?
Dass ich diese Frage jetzt zumeist genau so und nicht anders herum stellen kann, also in meinem Leben eine aktive, gestaltende Rolle einnehme, das ist eine der wichtigsten und schönsten Folgen meiner Abstinenz. :)

Viele Grüße, und ich freu mich mehr von dir zu lesen, ob hier draußen oder auch "drinnen".

Thalia

luzider Träumer
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Beitrag von luzider Träumer » 02.06.2016, 23:28

Herzlich willkommen Lalu! :D

Das war doch eine vernünftige Vorstellung. Das Eingeständnis ein Alkoholiker zu sein, viel mir auch nicht leicht.

Das Warum ist mMn eigentlich gar nicht so wichtig am Anfang des trockenen Lebens.
Mein Tip: Hangel Dich erstmal von Tag zu Tag.
Die positiven Veränderungen werden sich mit der Zeit einstellen.

Schau Dir am besten nochmal die Grundbausteine ganz genau an, dann hast Du schonmal was, an dem Du dich orientieren kannst.

Ich wünsche Dir einen guten Austausch.

Beste Grüße
lT

Slowly
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Beitrag von Slowly » 03.06.2016, 03:40

Hallo Lalu,

ja, schön, dass du hier bist.

Mein Leben ist deinem gar nicht mal so unähnlich. :)

Vielleicht ist es am Anfang noch nicht so klar warum du Alkoholiker wurdest.

Solltest du jedoch durchhalten und länger oder gar für immer trocken bleiben,
dann wirst du es früher oder später ( wenn es dich interessiert) eh herausfinden.

Es gibt durchaus Leute, denen das Wissen der Gründe nicht so wichtig ist,
ich gehöre auch zu der anderen Sorte.

Liebe Grüße und alles Gute für die kommende Zeit !

Slowly :)

silberkralle
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Re: Es ist ein langer Weg

Beitrag von silberkralle » 03.06.2016, 09:15

glück auf lalu
lalu14 hat geschrieben: Heute bin ich den 6 Tag ohne Alkohol
gratulation
lalu14 hat geschrieben: der lange Weg zum trockenen Alkoholiker liegt jetzt vor mir.
dafür gibt’s n apfel (vom baum der erkenntnis).

freu mich drauf mehr von dir zu lesen :wink:

schöne zeit

:D
matthias

lalu14
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Beitrag von lalu14 » 03.06.2016, 23:55

Hallo und Guten Abend,

vielen Dank für Eure Rückmeldungen. Bin erst vor einer halben Stunde vom Sportplatz gekommen, bin aber im Moment nur Begleitperson, da ich ja nicht alleine zuhause seinen möchte/darf/kann.

@Thalia: ich werde bald "drinnen" sein, erst die Entgiftung. Hier im offenem Forum möchte ich als Forumsneuling ein wenig üben... bis ich im geschlossenen Bereich bin. Aber es ist ja auch nicht auszuschließen, dass ich auch später hier an diesem Beitrag weiterschreibe. Da bin ich ganz offen und lasse es auf mich zukommen. Hier und heute und in den nächsten Tagen (bis zum Beginn meines Klinikaufenthaltes möchte ich täglich ein paar Gedanken schreiben, vielleicht auch, wie der Tag war, was ich gemacht oder auch gelassen habe. Täglich! Das ist der Plan.

@lt Danke für Deinen Rat. Ich versuche mich auf den Tag zu konzentrieren. Aber der Kopf arbeitet ja trotzdem. Fragen über Fragen und im Moment noch keine Antworten. Da übe ich mich mal in Geduld, was glaube nicht meine große Stärke ist, wenn es um mich geht. Mit andern Menschen habe ich sehr viel Geduld.

Die Grundbausteine habe ich gelesen, aber dazu werde ich mir noch Gedanken machen und diese vielleicht auch hier in den nächsten Tagen äußern. Ist der Plan.

@slowly Ich möchte schon wissen, warum ich Alkoholiker bin! Nur dann kann ich doch auch in der Zukunft die Fehler vermeiden, die ich in der Vergangenheit gemacht habe. Oder sehe ich das jetzt noch falsch?

@silberkralle DANKE! heute gut geschafft, morgen ist ein neuer trockener Tag (es soll ja auch nicht regnen :lol: ) Es gibt ja da so ein Sprichwort: Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt (oder so ähnlich) Ich habe jetzt schon 6 Schritte auf diesem trockenen Weg gemacht. Und ich möchte noch viele Schritte auf diesem Weg gehen.

Ein paar kleine Gedanken zum Schluss: Ich bin ein wenig beunruhigt, dass es mir scheinbar leicht fällt, auf den Alkohol zu verzichten. Ja, schon die Tablette, die ich nehme "helfen" mir sicherlich, die körperlichen Entzugserscheinungen zu mildern/zu unterdrücken. Aber heute auf dem Sportplatz haben sich alle nach dem Training noch eine halbe Stunde zusammengesetzt, draußen, es ist ja schönes Wetter. Mir wurde auch ein Bier angeboten. Ich habe freundlich nein gesagt, dass fiel mir leicht. Es hat mich aber auch nicht gestört, dass ein Teil der Gruppe in Ruhe ein Bier getrunken hat. Ich habe immer auf ein schlechtes/negatives Gefühl in mir gewartet. Da war aber nichts...kein Bedauern, kein Verzichtsgefühl, nichts. Fragen über Fragen...

So nun aber noch ein wenig hier im Forum bei den anderen lesen, ich kann ja morgen ausschlafen. Am WE liegt zuhause so garnichts an. Kein Besuch (das ist selten) keine dringenden Sachen, die repariert oder gerichtet werden müssen. Und da ich ja krangeschrieben bin geht das ja noch ein paar Tage so weiter. Ich finde es irgendwie entspannend...

lalu

Motek
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Beitrag von Motek » 04.06.2016, 01:57

lalu14 hat geschrieben:Mir wurde auch ein Bier angeboten. Ich habe freundlich nein gesagt, dass fiel mir leicht. Es hat mich aber auch nicht gestört, dass ein Teil der Gruppe in Ruhe ein Bier getrunken hat. Ich habe immer auf ein schlechtes/negatives Gefühl in mir gewartet. Da war aber nichts...kein Bedauern, kein Verzichtsgefühl, nichts. Fragen über Fragen...
lalu
Hallo lalu,
schön, dass du bei uns bist!

Blöde Situation da am Sportplatz. Schließlich warst du ja dort, um das Risiko kleiner zu machen. Gut, wenn die Situation unproblematisch war. Laut gesammeltem Wissen kann sowas aber Tage später noch Druck verursachen. Nach meiner letzten Dummheit (kein Rückfall, ich hatte mich aber unnötig einer Feiersituation bis spät in die Nachtstunden ausgesetzt) hatte ich in der Folgewoche 3 Alk(p)träume. Vorher hatte ich ca 3 solcher sehr unangenehmer Träume in 2 Monaten. Jeder reagiert anders. Auf jeden Fall bringt es dir nix, wenn du eine Mutprobe bestehst und dann halt eine Woche später aus dem Nichts vor Saufdruck nachts die Tankstelle stürmst. Pass auf dich auf!

Viele Grüße
brass

lalu14
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Beitrag von lalu14 » 04.06.2016, 22:12

Hallo und einen Schönen Abend an alle,

1 Woche ohne Alkohol ist geschafft. Ich bin dankbar, dass die körperlichen Entzugserscheinungen klein oder fast gar nicht vorhanden waren /sind. Aber da ich ja offensichtlich auch tablettenabhängig bin, ist das wohl der Grund. Erst nach dem Tablettenentzug (stationär ) werde ich klarer sehen. Den körperlichen Entzug vom Alkohol dürfte ich ja nach 7 Tagen geschafft haben. Gerade habe ich in einem andern Beitrag gelesen, dass ich nicht trocken bin, sondern "nur" nicht trinke. Hm? Wann ist man/frau den trocken?

Heute war hier bei uns ein schöner Sommertag, vormittags ein wenig im Garten gesessen und nichts getan. Bin dann mittags wieder in mein Bett verschwunden und habe im Forum gelesen. Wollte dann schlafen (da ich im Moment nachts nur 5-6 Stunden schlafe) und bekomme plötzlich eine Angstattacke. Warum weiß ich, aber warum meine Tabletten nicht gewirkt haben, das weiß ich nicht. Habe dann mit ein, zwei erlernten Techniken das ganze wieder in den Griff bekommen und auch 2 Stunden geschlafen. Nach dem Aufstehen war ich wie gerädert... also wieder erst mal in den Garten gesetzt, einen leckeren smoothie getrunken und dann wurde ich langsam wieder. Habe dann ein wenig im Garten was gemacht, aber es war so warm, dass ich nach 15-20 min wieder aufgehört habe. Irgendwie war es dann doch 18 Uhr und noch nichts gemacht den lieben langen Tag...
Ich kann schwer damit umgehen, den Tag so zu vergammeln. Ich hätte soviel zu tun, was ich auch gerne tun würde, aber es fehlt mir irgendwie der Antrieb. Das macht mich irgendwie unzufrieden, oder Schuldgefühle, ich fühle mich mit meiner Passivität nicht wohl.

Tja, ansonsten habe ich ja eine ganze Woche ohne Alkohol hinter mir und ganz viel Zeit zum Kopfkino. Da laufen gerade ganz viele Filme gleichzeitig. Was war, was ist und vor allem was wird sein! Oh man!

Ich habe viele Fragen, und ja ich habe auch wenige Antworten. Aber denen traue ich nicht über den Weg. Da muss ich jetzt ganz geduldig mit mir selbst sein und mich mit Hilfe von außen an die Fragen heranmachen und lernen, die Antworten zu finden, die mir wirklich aus meiner Abhängigkeit helfen bzw. wie ich mit meiner Krankheit in Zukunft leben werde.

An dieser Stelle soll es für heute genug sein. Ich könnte jetzt zwar noch viel schreiben (mir von der Seele schreiben). Aber ich denke, dass wird im geschlossenem Forum sicherer aufgehoben sein.

Jetzt lese ich hier noch ein wenig im Forum und dann werde ich wohl wieder vor dem Fernseher einschlafen :D Sehr schlechte Angewohnheit :oops:

lalu

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