Mein Sohn macht wieder einen kalten Entzug

Hilfe für Eltern und Angehörige von alkoholtrinkenden Kindern
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Evy7
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Mein Sohn macht wieder einen kalten Entzug

Beitrag von Evy7 » 24.07.2016, 19:26

Guten Abend,

mein Sohn ist Alkoholiker. Ich selbst hatte nie Probleme mit Alkohol, aber mein Mann.
Gestern musste die Feuerwehr meinen Sohn ins Krankenhaus bringen, aber da kein Bett frei war, musste ich ihn wieder mitnehmen. Er konnte noch etwas laufen und deshalb gab es keinen Grund ihn dazubehalten. Er hatte dort 3,4 Promille. Jetzt will er nichts mehr trinken, macht also einen so genannten kalten Entzug. Das hat er schon öfter gemacht und es ging eine zeitlang anscheinend gut. Die letzten beiden Male kam er gerade so mit dem Leben davon. Beim ersten Mal mit Nahtoderfahrung und beim zweiten Mal war er in der Klinik und seine Ärztin sagte am nächsten Morgen, ich freue mich, dass sie noch leben und die Nachtschwester sogar, ich habe nicht geglaubt, dass sie die Nacht überstehen. Jetzt ist er bei meinem Mann (dieser wohnt woanders) und will wieder nichts trinken, aber bis zu seiner genehmigten Therapie MUSS er trinken. Beim letzten Mal war er bei mir, bis sie ihn abholten und in die Klinik brachten. Ich kann es nicht mehr, rein körperlich. Ich werde 70 und mein Sohn ist kein Leichtgewicht. Ich bin völlig verzweifelt, was ich machen soll. Mein Mann sieht das locker und freut sich sogar, dass mein Sohn nichts trinkt. Ich sagte ihm, falls unser Sohn wieder krampft, muss er gleich die Feuerwehr anrufen. Hoffentlich macht er das auch.

Neulich sagte mir eine Dame der Drogenberatung, dass ich nicht richtig handeln würde, ich wäre Co-abhängig. Das mag sein, aber ich kann doch nicht wissentlich meinen Sohn sterben lassen, oder?????

Liebe Grüße

Evy

Aurora
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Beitrag von Aurora » 24.07.2016, 21:49

Liebe Evy,

das ist so ein schwieriges Ding. Diese Coabhängigkeit wenn es um so nahe Angehörige, um das eigene Kind geht. Ich war coabhängig von meinem Exmann, das war schon schlimm genug.

In meinen Augen ist abhängig trinken Selbstmord auf Raten.

Dein Sohn hatte ja nun schon mehrere Entzüge hinter sich, die letzten waren lebensgefährlich. Er weiß ja, worauf er sich einlässt. Und das ist das schwierige Thema bei der Sache. Ihm die Verantwortung für sein Leben zu überlassen.

Du willst nicht, dass er stirbt. Das ist klar. Welche Mutter will das? Meine Tochter ist gestorben, vor 4 Jahren, aber an einer Embolie, nicht an einer Sucht. Und es ist das schlimmste überhaupt. :cry:

Das Fatale an Sucht ist ja nun aber, dass es niemand stoppen kann außer der Süchtige selbst. Und mit Sicherheit weiß dein Sohn Stellen, an die er sich wenden kann, um professionelle Hilfe zu bekommen.

Dein Sohn ist nun bei deine Mann. Beide sind erwachsene Menschen. Sie sind verantwortlich für sich selbst. Du kannst da nun nichts machen! Wenn dein Sohn krampft, wird dein Mann schon wissen, was zu tun ist. Versuche einfach zu vertrauen bzw. die Verantwortung, die du meinst zu haben, los zu lassen.

Auch wenn es dich gerade zerreißt, mehr kannst du im Moment nicht machen. Es liegt nicht in deiner Macht, du kannst es nicht kontrollieren und es ist nicht deine Verantwortung.

Liebe Grüße
Aurora

Martin

Beitrag von Martin » 24.07.2016, 21:52

Hallo Evy,

herzlich Willkommen in unserem Forum.
Neulich sagte mir eine Dame der Drogenberatung, dass ich nicht richtig handeln würde, ich wäre Co-abhängig. Das mag sein, aber ich kann doch nicht wissentlich meinen Sohn sterben lassen, oder?????
Ich finde diese Aussage eine Frechheit, so etwas würde ich niemandem sagen.

Ob du Co-Abhängig bist kannst nur du wissen.

Ich denke dass eine Mutter verhindern möchte dass ihr Kind stirbt hat nix mit Co zu tun.

Jetzt bleibt nur die Frage was kannst du unternehmen dass es dir besser geht und auch deinem Sohn geholfen wird.

Wie sieht das denn sein Vater, kann er nicht mit ihm reden ?

LG Martin, trockener Alkoholiker

Evy7
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Beitrag von Evy7 » 24.07.2016, 22:18

Ich danke Euch für Eure Antworten Aurora und Martin.

Wenn mein Sohn trinkt, Aurora dann macht er Nägel mit Köpfen und macht Komasaufen und dann ist er nicht mehr zurechnungsfähig und wirklich hilflos wie ein Kind. Er trinkt ja nicht normal, wie vielleicht andere.
Aber es stimmt schon, ich mache mir vielleicht zuviel Sorgen um meinen Sohn, sagt mein Mann jedenfalls immer.

Mein Mann ist auch Alkoholiker und auch im Moment weiß Gott nicht nüchtern. Deshalb meine Befürchtung, wie zurechnungsfähig ist er? Aber es wird schon gutgehen. Ich mache mir selbst Mut.

Martin sein Vater hat ja selbst Probleme mit Alkohol, obwohl er da überhaupt keine Probleme für sich sieht. Er ist aber eher ein Spiegeltrinker.

Mal schauen, was der morgige Tag bringt.

Lg Evy

Aurora
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Beitrag von Aurora » 26.07.2016, 21:41

Liebe Evy,
Aber es stimmt schon, ich mache mir vielleicht zuviel Sorgen um meinen Sohn,
Das finde ich ja das Schwierige dabei. Wenn es um das eigene Kind geht ist das noch mal eine andere Nummer als wenn es der Partner ist. Und wenn ich denke, ich habe mir schon genug Sorgen um meinen Exmann damals gemacht, wie viel mehr Sorgen müssen das beim eigenen Kind sein?

Es ist sehr schwer, den abhängigen Partner los zu lassen. Ihm seine Verantwortung zu geben für sein Leben. Und noch schwerer ist das beim Kind. Auch wenn dein Sohn erwachsen ist. Er ist dein Kind.

Und doch - er ist erwachsen und muss für sein Leben selbst Verantwortung tragen. Als Mutter kannst du da nichts machen. Genau so wenig wie ich es als Ehefrau damals konnte. Das ist das Schwere in der Coabhängigkeit. Zu erkennen, dass du als Angehörige keine Macht darüber hast, was der Abhängige macht. Es ist sein Recht, sich tot zu saufen. Das hört sich hart und gemein an, aber so ist es. Du kannst einem erwachsenen Menschen nicht vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hat. Und du kannst bitten und betteln und flehen, schreien und keifen und um dich schlagen, die Sucht ist einfach stärker. Egal, in welchem Verhältnis du zum Abgängigen stehst.

Es sind sehr viele emotionale Verstrickungen, die da eine Rolle spielen. Im Zusammenleben mit einem Suchtmittel-Abhängigen. Und die zu lösen, das geht nicht von heute auf morgen.
Neulich sagte mir eine Dame der Drogenberatung, dass ich nicht richtig handeln würde, ich wäre Co-abhängig
Na gut, zum Teil hat sie ja Recht. Aber mit der Aussage "Sie handeln nicht richtig" kannst du nun auch nichts anfangen. Was ist denn da richtig und was falsch?

Wie geht es dir denn heute?

Liebe Grüße
Aurora

Karsten
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Beitrag von Karsten » 05.10.2016, 17:56

Hallo Evy,

wie geht es dir?
Konntest du denn ein paar deiner Gedanken neu regeln?

Gruß
Karsten

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