Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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kamarasow
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Beitrag von kamarasow » 12.06.2017, 11:52

Hallo zusammen,
in Zukunft werde ich es begrüßen, wenn mir jemand in meiner Gegenwart anbietet nichts trinken. Das war falsch.
Rückfallgefährdet bin ich bis zum Tod. Die Entscheidung nichts mehr trinken zu wollen ist für mich das Wesentliche.

@Penta: Danke dir für die Zeilen. In dem von dir beschriebenen Ansatz finde ich mich wieder.

Viele Grüße

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 16.06.2017, 10:07

Hallo Kamarasow,

ich bin zum Beispiel psychisch so aufgestellt, dass ich manchmal gar nicht merke, wenn mir etwas nicht gut tut. Also, ich lasse es nicht zu, das zu merken. Das läuft ganz automatisch. Irgendwie bin ich jemand geworden, der die Erwartungen anderer versucht zu erfüllen - oder das, was ich dafür halte in meiner teilweise verqueren Innenwelt.

Seit ich trocken bin, versuche ich, einige Automatismen zu durchbrechen, weil ich erkenne, dass mich auch dieses "nicht auf mich selbst achten" dazu hingeführt hat, im Alkohol einen Ausgleich, ein Ventil, irgendsowas zu suchen.

Wenn ich jetzt mit jemandem zusammen bin, der Alkohol trinkt, dann versuche ich zumindest herauszufinden, ob es mir wirklich nichts ausmacht, oder ob ich nur will, dass es mir nichts ausmacht. Meist stelle ich fest, dass es mir doch was ausmacht. Und dann habe ich immer noch die Option, daraus eine Handlung abzuleiten oder eben nicht.

Für mich ist die Entscheidung, nicht mehr trinken zu wollen, erst der Anfang.

Viele Grüße
Thalia

kamarasow
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Beitrag von kamarasow » 12.07.2017, 11:17

Hallo Forum,
mir geht es gut. Der Urlaub war wunderschön - auch erstmalig seit vielen Jahren ohne Alkohol. Die Gedanken an Alkohol sind noch vorhanden, doch neu ist dabei ein Übelkeitsgefühl. Das kannte ich noch nicht.
Nunja, auf Arbeit gibt es gerade viel zu tun. Wollte mich nur kurz melden.
Viele Grüße

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 12.07.2017, 20:11

kamarasow hat geschrieben:Die Gedanken an Alkohol sind noch vorhanden, doch neu ist dabei ein Übelkeitsgefühl. Das kannte ich noch nicht.
Hallo!

Die Gedanken kommen mir bekannt vor. Das einsetzende Gefühl der Übelkeit konnte ich an mir bislang nicht feststellen.

Evt. hat aber das eine nichts mit dem anderen zu tun, sprich die Übelkeit hat ganz andere Gründe.

Gruß
Carl Friedrich

kamarasow
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Beitrag von kamarasow » 21.08.2017, 10:06

Hallo Forum,

10 Monate sind rum und ich weiß nicht was ich schreiben soll. Am besten ist es wohl, einfach anzufangen. Man lernt viel über sich selbst in der Abstinenz. Irgendwie entdeckt man sich neu, weil man anders geworden ist. Hier bin ich mir nicht sicher, ob es daran liegt, dass ich biologisch oder durch den Suff älter - anders - geworden bin. Viele Dinge und Menschen bewertet man nun aus einer anderen Sichtweise. Man hat die gleichen Schwächen wie vorher, jedoch auch neue Stärken. Der Suff schien bei mir unbemerkt eine Depression / Burnout (bin nicht in ärztlicher Behandlung, deswegen fällt mir die Definition schwer) auszulösen, mit der ich mich immer noch etwas rumschlage. Es gibt Phasen, da ist auf einmal alles schlecht. Man kann es nicht erklären, aber was ich gelernt habe ist, diesbezüglich gelassen zu bleiben und sich da durchzuatmen. Die Phasen des "Niedergeschlagen-Seins" werden von Zeit zu Zeit seltener und kürzer. Während der Suff-Phase dachte ich, das sei der Kater. Nun bin ich mir sicher, dass ich auf die Niedergeschlagenheit gesoffen hatte und damit die Depression / Burnout katalysiert habe. Nach außen war das kaum wahrnehmbar.
Zwei Begriffe haben für mich derzeit einen hohen Stellenwert: Gelassenheit und Entspannung. Der erstere Begriff klappt nicht immer, aber mittlerweile ziemlich oft. Dinge gelassen zu betrachten löst oft den Anspannungsknoten. Und von den Knoten gibt es viele, wenn man im Pegida-Town heimisch ist und sich mit Fremdenfeinden auseinander setzen muss. Der zweite Schwerpunkt ist Entspannung: Der ist noch ausbaufähig. Der Sport hilft mir. Oft ist es so, dass ich keine Lust habe, nach der Arbeit Sport zu treiben. Einfach anfangen hilft. Der nächste Tag läuft dann meist richtig gut.
Was ich außerdem bestätigen kann, ist, dass der Alkohol mit fortschreitender Zeit in den Hintergrund rückt. Man verschwendet immer weniger Gedanken daran. Aber ich habe das Gefühl belauert zu werden. Wie so ein Tiger, von dem man im Dschungel nur seine Augen sieht und der nur auf den schwachen Moment wartet. Damit werde ich wohl in Zukunft leben müssen. Vielleicht gelingt es mir ihn einzuzäunen und ab und zu vorbeizugehen und ihm in die Augen schauen. Aus entsprechender Entfernung versteht sich - per Sie.

Viele Grüße

Slowly
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Beitrag von Slowly » 24.08.2017, 07:40

Hallo Kamarasow,
Aber ich habe das Gefühl belauert zu werden. Wie so ein Tiger, von dem man im Dschungel nur seine Augen sieht und der nur auf den schwachen Moment wartet. Damit werde ich wohl in Zukunft leben müssen.
Vielleicht hängt das auch zusammen mit .....
Der Suff schien bei mir unbemerkt eine Depression / Burnout (bin nicht in ärztlicher Behandlung, deswegen fällt mir die Definition schwer) auszulösen, mit der ich mich immer noch etwas rumschlage....
....und wird besser oder geht vorbei, bei weiterer Übung Anwendung deiner Hilfestellungen....
Gelassenheit und Entspannung, nach der Arbeit Sport zu treiben,
Mach einfach weiter und dann wird das schon !

Und wenn nicht, dann kannst du das ja ändern:
(bin nicht in ärztlicher Behandlung, deswegen fällt mir die Definition schwer)

LG Slowly ( schreibfaul )

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 26.08.2017, 09:25

Guten Morgen Kamarasow,

Mir ging es sehr ähnlich wie dir. Es ist eine Herausforderung, jetzt - trocken - mit uns selbst umzugehen, ohne das Nervengift Alkohol.
Und so wie bei dir sind Gelassenheit und Entspannung für mich zentrale Wegmarkierungen geworden. Ich nenn meine Akzeptanz.
Mir ist mittlerweile der Austausch mit Menschen ein wichtiges Mittel geworden, meine Psyche zu sortieren und im Gespräch, oder beim Schreiben, zu mir zu finden. Nach Möglichkeit Menschen, die meine (Gedanken)runden mit mir drehen. Da hab ich einige hier im Forum gefunden und auch einige Freunde hier in der analogen Welt sowie meine reale Selbsthilfegruppe. Ich weiß, einige meiner trockenen Freunde haben auch eine Psychotherapie begonnen.
Hast du um dich Menschen, denen du deine "Runden" mitteilen kannst und von denen du dich verstanden fühlst?

Ich wünsch dir ein schönes Wochenende!

Thalia

kamarasow
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Beitrag von kamarasow » 29.08.2017, 11:16

Hallo Thalia,
zu deiner Frage: Naja, durchwachsen. Es gibt Menschen aus der Familie und dem Freundeskreis, mit denen ich diesbezüglich ein paar Gedankenrunden drehen kann. Was mir im Umkreis fehlt, ist jedoch jemand in der gleichen Situation bzw. in bereits länger abstinenter Phase. Es ist einfach so, dass viele eine ganz andere Sichtweise auf das Thema Alkohol haben. Was auch nicht schlimm ist. Aber somit sind Gespräche darüber eher nicht sehr fruchtbar. Es ist aber auch nicht so, dass ich einen Austausch vermissen würde.

Wie ich neulich schon schrieb, aktuell liegt der Fokus auf einer Phase des "Frieden findens". Quasi eine Art Sortierprozess im Gehirn unter der Prämisse von Gelassenheit und Entspannung. Aktuell fühlt es sich gut und aufgeräumt an - da im Oberstübchen.

Viele Grüße

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