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Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Hans im Glück

Beitrag von Hans im Glück » 24.10.2017, 23:23

Herzlichen Glückwunsch zum Jahrestag.


Hans

Calida78
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Beiträge: 2251
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Beitrag von Calida78 » 26.10.2017, 15:52

Hallo Kamarasow!
Ich wünsche Dir nich alles Gute!
Und danke für die Bilanz - in vielem kann ich mich wiederfinden.
Viele Grüße
Calida

kamarasow
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Beitrag von kamarasow » 15.01.2018, 13:30

Hallo zusammen,
heute musste ich mal wieder an das Forum denken. Das kommt nicht mehr so häufig vor. Das war am Anfang der Abstinenz anders. Der Drang sich mitzuteilen und auszutauschen ist nur noch rudimentär.

Letztes Weihnachten (das 2te ohne Alkohol) war für mich besonders schön. Die Nähe und Geborgenheit zur Familie hatte so viel innere Wärme ausgestrahlt, wie ich es lange nicht erlebt habe. Dafür bin ich dankbar und froh zugleich. Im Suff bestand Weihnachten darin, sich ab Mittag schon mit Wein zu betanken. Die leuchtenden Kinderaugen bei der Bescherung wurden zwar wargenommen, aber eher in stumpfsinniger Form und nicht so wie es jetzt wieder möglich ist.
Silvester wurde ebenfalls in Ruhe verbracht. Mit den "Heute haben wir auf Knopfdruck Spaß"-Feierlichkeiten konnte ich noch nie etwas anfangen. Selbst zu Suffzeiten nicht. Ich denke mehr als die Hälfte von den Feierbiestern nimmt Silvester nur als Anlass, um sich mal richtig ungehemmt volllaufen zu lassen. Nuja, sollen sie machen. Wenn es dann bedeutet als Langweiler eingestuft zu werden, soll es mir recht sein. So lässt man mich und meine Familie mit Silvesterfeier-Angeboten wenigstens in Ruhe.

Der Anlass für das heutige Schreiben ist ein Alkohol-Traum. Ich glaube es ist erst der zweite oder dritte. Es fühlte sich komisch an im Traum getrunken zu haben. Irgendwie real. Der Traum war eine Mischung aus Trotzigkeit (jetzt erst Recht saufen) und schlechtem Gewissen. Insgesamt zeigt der Traum mir eigentlich nur, dass das Suchtgedächtnis noch lange nicht tot ist und nur ein bisschen rumheult, weil es keinen Alkohol mehr erhält. Ich muss daher weiterhin wachsam bleiben.

Neulich las ich einen schönen Satz. Kurz zum Hintergrund: Die Leute fragten, was man jetzt - nach einem überstandenen Unglück - machen solle. Die Antwort darauf lautete: "Lebt - für euch selbst."
Der Satz gefällt mir, weil in so wenigen Worten, soviel für mich enthalten ist.

Grüße und bis bald
Karamasow

aboa
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Beitrag von aboa » 15.01.2018, 14:37

Hallo kamarasow
Meinen Glückwunsch zu über 1 Jahr Trockenheit.Habe ein bischen in Deinem Thread gelesen,Du schreibst sehr schön,ich konnte viele Dinge für mich mitnehmen.Ich hoffe das ich in einem Jahr genauso weit bin.
Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute
LG Sven

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 15.01.2018, 20:18

kamarasow hat geschrieben:Hallo zusammen,
heute musste ich mal wieder an das Forum denken. Das kommt nicht mehr so häufig vor. Das war am Anfang der Abstinenz anders. Der Drang sich mitzuteilen und auszutauschen ist nur noch rudimentär.
Hallo!

Schön, dass Du weiterhin abstinent unterwegs bist.

Hast Du denn neben dem Forum noch eine SHG?

Bei deinem Beitrag dachte ich an meine Abschlussuntersuchung nach meiner ambulanten Therapie, als der sehr erfahrene Suchtmediziner mir mit auf den Weg gab: "Den ersten Schritt in Richtung Rückfall macht man dann, wenn man sich nicht mehr regelmäßig mit seiner Krankheit auseinander setzt."

Du darfst dich hier ruhig öfter blicken lassen.

Ganz gelegentliche Träume vom Alkoholkonsum habe ich auch noch. Das ist nichts Dramatisches. Das geht vielen Abstinenten so.

Gruß
Carl Friedrich

kamarasow
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Beitrag von kamarasow » 17.01.2018, 15:07

Hallo Carl Friedrich,
nein, keine SHG. Bisher habe ich mich ausschließlich hier, mit der Familie und mit ein paar engeren Bekannten ausgetauscht.
Der Gedanke, sich mit Fremden über den eigenen Alkoholismus und über eigene private Angelegenheiten auszutauschen stößt mich derzeit ab. Sicherlich wird die Fremdelei in der Gruppe mit der Zeit abnehmen, aber irgendwie fehlt noch ein initialer Schubs. Auch gedanklich.

Ein aktuelles Gedankenkarussel, das mich beschäftigt, ist folgendes: Manchmal fühle ich Scham. Scham darüber ein Alkoholiker zu sein. Aber das sollte unbegründet sein. Gefühlt ist ein trockener Alkoholiker gesellschaftlich weniger Wert, als ein zum Alkohol bekennender Mensch. Das ist perplex, da ein trockener Alkoholiker eigentlich reifer als der Weitersaufende ist. Der trockende Alkoholiker wird in Filmen als schwächere Person, als eine Person die versagt hat, dargestellt. Das stört mich und lässt mich etwas grübeln. Im Moment hilft mir: Was andere darüber denken ist mir egal.
Vielleicht kennt jemand von euch ebenfalls das oben beschriebene Gefühl und kann mir den Umgang damit vereinfachen.

Viele Grüße
Karamasow

Florian73
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Beitrag von Florian73 » 17.01.2018, 15:24

Naja... ich glaube nicht, dass man sich dafür schämen muss, Alkoholiker zu sein. Wohl eher dafür dass man es ist, und nichts dagegen tut. Und am meisten muss man sich vor sich selbst schämen, denn an sich selber vergeht man den Verrat, welcher irgendwann zum Tod führt. Wie die hier so schön sagen: "Selbstmord in Raten". Stimmt für mich zumindest. Den gesellschaftlichen Mehrwert eines bekennenden Alkoholikers finde ich auch bemerkenswert. Vielleicht ist das darin begründet dass im Prinzip die ganze Welt mehr oder weniger Alkohol konsumiert. Hatte man doch als Kind schon gelernt dass Alkohol schädlich sei - und nun machen wir das selber... Wenn jetzt also einer daherkommt, und auf Alkohol verzichtet, dann ist er entweder voll der Sonderling und Exzentriker, oder aber er ist ein trockener Alkoholiker. Und dieser Spielverderber hält mir dann den Spiegel vor, denn ich hinterfrage da automatisch meinen Konsum, und diese Selbstrechtfertigungsaktion ist dann eigentlich voll die Spassbremse...

Es mag ja vielleicht sogar hinkommen dass man ein Exzentriker, Sonderling oder trockener Alkoholiker ist.. jedoch wird da irgendwie ignoriert dass Alkohol schlicht und einfach schädlich ist, und KEINEM Menschen auf Anhieb geschmeckt hat, als man es zum ersten Mal ausprobierte. Nöö...sowas musste unter Qualen antrainiert werden. (wie dämlich) Und den ersten Suff erzählt man dann schon beinahe "stolz"... (hurraa, ich bin erwachsen? :lol: )

Ich bin erst bei Tag vier, jedoch merke ich, dass ich bereit bin, den Blick oder die Kommentare derer, die weiter saufen, zu "ertragen". Es ist mir zwar nicht wurst, aber meine Gesundheit, mein Leben, das ist mir noch viel weniger wurst.

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 17.01.2018, 15:58

Hallo kamarasow,
Manchmal fühle ich Scham. Scham darüber ein Alkoholiker zu sein.
Was hast du denn in der Zeit über Alkoholiker gedacht, als du noch nicht süchtig warst?

Ich denke das, was ich selbst darüber gehört , gelernt und erfahren habe projiziere ich auf mich. Wenn ich heute einen nassen Alkoholiker sehe , schaue ich ja ein Stück weit auch zurück in den Spiegel. Das ist ja beschämend. Beim trockenen Alkoholiker sehe ich das nicht. Nun schämen sich viele bei Krankheiten .Bei Gleichgesinnten ist das ja nicht von Nöten. Ob es mir nun egal oder nicht egal ist, was andere darüber denken ist nebensächlich.

Diejenigen die etwas darüber wissen wollen dürfen gerne mit mir ins Gespräch kommen , andere sind mir egal. Kann ja nicht nun auf Aufklärungstour gehen und die Welt überzeugen das ich eigentlich gar nichts dazu kann.

Mal meine Sichtweise.

Gruß Hartmut

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