Adventszeit für Neutrockene - Erfahrungen / Tipps / Fragen

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Thalia1913
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Adventszeit für Neutrockene - Erfahrungen / Tipps / Fragen

Beitrag von Thalia1913 » 15.11.2016, 12:04

Thema: Erfahrungen, Tipps und Fragen rund um die Adventszeit für frisch trockene Alkoholiker

Hallo,

ich war noch nie ein besonders leidenschaftlicher Weihnachtsmarktgänger, aber ich erinnere mich an den November/Dezember 2013, als ich ganz frisch trocken war, und dass die Adventszeit besondere Hürden für viele frisch Abstinente bereit halten kann. Und so denke ich mir: Lasst uns doch mal berichten (diejenigen, die bereits Erfahrungen haben) oder fragen (diejenigen, die von den Erfahrungen profitieren wollen), was so anfallen kann in den kommenden Wochen.

Ich habe meine Firmenweihnachtsfeier im ersten Winter meiner Trockenheit tatsächlich ausfallen lassen. Ich hatte Angst, dass ich zur Abmilderung der Anspannung, die solche Veranstaltungen für mich immer bedeuten, etwas trinken würde. Denn das war vorher mein Muster: soziale Unsicherheit wegtrinken. Bei mir war es also gar nicht der Verzicht auf’s ausgiebige „Feiern mit Alkohol“, sondern der Wegfall des „sozialen Schmiermittels“.
Ich habe mich krank gemeldet am Tag der Weihnachtsfeier.

Ich würde mich freuen, wenn dieser Thread für einen Austausch rund ums Thema „Adventszeit für frisch trockene Alkoholiker“ genutzt würde, und werde auch selber noch mal nachdenken, was ich aus meiner Erfahrung für wichtig halte.

Allen einen schönen Tag!

Viele Grüße
Thalia

Calida78
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Beitrag von Calida78 » 15.11.2016, 12:15

Liebe Thalia,

Schön, dass Du zu diesem Thema einen Thread aufmachst:-)

ja, bei mir wars ja auch ein Schmiermittel, um mir soziale Hürden wegzutrinken.
Glühwein kam mir in meiner nassen Vergangenheit sehr gelegen. Mit Kollegen auf den Weihnachtsmarkt, da ist es nicht weiter aufgefallen, dass ich nicht nach zwei Tassen Stopp sagen konnte.
Ob in der Weihnachtszeit oder auch nur so: Soziale Zusammentreffen, bei denen ich mich unwohl finde, meide ich. Ich habe letztes Jahr auch auf die Weihnachtsfeier verzichtet. Ich habe an den meisten Leuten kein Interesse, das über den Job hinausgeht, dann brauche ich auch solche künstlichen Treffen nicht. Ich würde mir schon zutrauen, dass ich das ohne Alkohol schaffen würde, aber warum sollte ich mir das antun wenn ich in der gleichen Zeit einen schönen Abend mit meiner Familie verbringen kann?
Auf den Weihnachtsmarkt werden wir einmal mit den Kindern gehen. Haben wir letztes Jahr auch gemacht. Ich habe mich da vor allem auf das leckere Essen konzentriert und genossen, dass ich es genießen konnt, ohne an den ekligen Glühwein zu denken. Und es war schön mit den Kindern.
Für mich ist entscheidend, mit wem ich Zeit verbringe. Fühle ich mich wohl mit Familie oder Freundin, dann sehe ich da auch keine Gefahr, was Alkohol angeht.
Und Situationen, in denen ich mich unwohl fühle, die meide ich, wie gesagt.

Bin gespannt, was andere noch schreiben.

Liebe Grüße
Calida

lalu14
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Beitrag von lalu14 » 16.11.2016, 18:13

Weihnachtsmarkt war für mich in den letzten Jahren immer damit verbundenen, dass ich mir im Kreis von netten Leuten den Kopf mit Glühwein zugeschüttet habe. Mit Schuss, na klar.

ich werde also in diesem Jahr nicht mit einem Kreis netter
Leute auf den Weihnachtsmarkt gehen. Ich werde gar nicht gehen. Mich zieht nichts dahin, es wäre nur Rummel , kann ich super entspannt drauf verzichten.

Ich hatte letztens kurz das Vergnügen an einem Rummel vorbeizulaufen. Die Glühweinwolke war sowas von eklig.... Da wusste ich, das ich das nicht brauchen werde. Gut so.

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 16.11.2016, 23:18

lalu14 hat geschrieben: Die Glühweinwolke war sowas von eklig.... Da wusste ich, das ich das nicht brauchen werde.
Hallo!

Das ging mir letztes Jahr genau so, als ich an unserem innerstädtischen Markt nur vorbei kam.

Mal schauen, wie mein Körper dieses Jahr reagiert. Ich gehe mal davon aus, ebenso wie letztes Jahr.

Fazit: Ein Weihnachtsmarkt ist nichts für relativ frisch Abstinente, weder allein, noch in Begleitung.

Gruß Carl Friedrich

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 16.11.2016, 23:23

Nachtrag: Weihnachtsfeier. Klar findet die dieses Jahr statt, nur ohne mich. Habe da Urlaub, um den im Süden Deutschlands studierenden Nachwuchs anlässlich seines Geburtstages zu besuchen. Zufälle gibt's :lol:

Karsten
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Beitrag von Karsten » 16.11.2016, 23:45

Guten Abend,

es gibt viele Dinge, die ich als neu Trockener nicht machen sollte und selbst früher auch nicht gemacht habe.
Auch heute meide ich solche Orte, wo viel Alkohol konsumiert wird.

Wer wirklich etwas an seinem Leben ändern und ein trockenes Leben erreichen möchte, wird es auch ertragen, dafür ein paar Dinge zu ändern, auch oder besser wenn man sie während der Trinkzeit gern gemacht hat.

Wie heist es immer so schön?
Nur nicht trinken reicht nicht und wer selbst keinen Einsatz zeigt, wird auch nicht trocken, denn niemand kann jemanden anderen trocken machen, nur jeder für sich selbst.
Erfahrungen annehmen bedeutet Vertrauen.

Um zum Thema zu kommen :)

Einfach mal für sich ehrlich überlegen, warum man den auch einen Weihnachtsmarkt gehen möchte.
Kann man da ehrlich zu sich selbst sein?

Gruß
Karsten

kamarasow
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Beitrag von kamarasow » 17.11.2016, 09:51

Guten Morgen,

die Weihnachtszeit wird für einen frisch Abstinenten einiges an Kopfarbeit abverlangen. So zumindest mein Gefühl. Feste Mechanismen und Abläufe, wie der Wein zum Fest oder vorher der Glühwein auf Weihnachtsmärkten müssen angepasst werden. Ja vor allem auch die Firmenweihnachtsfeier.
Und da landet man unweigerlich bei Karstens Frage. Ehrlichkeit zu sich selbst. Ich denke, dass nicht wenige Menschen nicht ehrlich zu sich selbst sind. Manche schaffen das ein Leben lang, ohne es selbst zu bemerken.
Als Beispiel die Firmenweihnachtsfeier: Hand auf Herz, wer will schon mit seinen z.T. nervigen Kollegen oder auch seinen Chef freiwillig die Freizeit verbringen. Das ist doch alles Mumpitz. Einzig die Aussicht auf Alkohol lässt die Firmenfeier in einem guten Licht dastehen. Sozusagen ein schöner Anlass sich die Rübe vollzuschütten. Damit kommt auch kein schlechtes Gewissen auf, dass man wieder säuft. Denn es machen ja alle. Oder dann der Weihnachtsmarkt. Was sind denn Weihnachtsmärkte? Ein Ort der Völlerei und des Besaufens mit haufenweise Schnulli und wenigen handwerklichen Ständen. Der ehrliche Gedanke wäre: Dort gehe ich nur wegen dem Alkohol hin. Gemütliche, besinnliche und alkfreie Weihnachtsmärkte. Gibts sowas überhaupt? Es wäre überhaupt ein tolles Experiment, einen alkfreien Weihnachtsmarkt aufzumachen. Ob da jemand hingeht?

Viele Grüße

kamarasow
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Beitrag von kamarasow » 17.11.2016, 10:05

.. noch eine Ergänzung: Ist ein Alkoholiker überhaupt fähig, ehrlich zu sich selbst zu sein? Also klar, indem was er tut? Zumindest merke ich nach 5 Wochen Abstinenz, dass das nicht so ist.

Viele Grüße

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