Selbstliebe

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Martina02

Selbstliebe

Beitrag von Martina02 » 09.01.2017, 23:06

Kann jemand der sich selbst liebt süchtig sein oder werden?

Ich kann mir kaum vorstellen, das jemand der sich selbst liebt, sich selbst schaden kann.
Das betrifft sicher sehr viel mehr physische und geistige Themen, als nur den Umgang mit Alkohol.
Ich meine keinen Narzissmus, der sich in einem verzerrten Selbstbild feiert, aber spätestens anderen schadet und somit auf Dauer auch sich selbst.

Ich finde das uns von Kleinauf selbstschädigendes Verhalten antrainiert wird aus Unbewusstheit.
Denn die natürliche Haltung auf viele "Substanzen" ist oft Ablehnung bis hin zu Ekel.

Gruß
M.

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 10.01.2017, 11:36

Hallo Martina,
Kann jemand der sich selbst liebt süchtig sein oder werden?
Das schließt sich für mich nicht aus, bzw. ist mir genau das passiert. :wink:
Bevor ich in die Sucht abrutschte, hatte ich ein recht gesundes Selbstwertgefühl.
Mein Bruder und ich hatten eine schöne Kindheit, zu der meine Eltern viel beitrugen.
Wir wurden nie runtergemacht oder gar geschlagen von den Eltern, sowas gab es bei uns nicht.
Wir wuchsen recht zwanglos auf und meine Eltern tranken nur selten Alkohol, höchstens zu Feierlichkeiten.

Ich wurde recht früh Mutter und Ehefrau, war damals noch in der Berufsausbildung.
Damit war ich überfordert und Hilfsangebote von seiten meines Arbeitgebers lehnte ich ab.
Weil ich dachte, ich schaffe das alles auch allein bzw. zusammen mit meinem Ehemann.
Denn, wie gesagt, ich hatte ja ein gesundes Selbstwertgefühl, fühlte mich keinesfalls hilflos.
Meine Überforderung durch die Situation wollte ich entweder nicht sehen oder sah sie wirklich (noch) nicht.

Ja, und dann kam immer mehr der Alk ins Spiel. Den ich schon zu Schulzeiten kennenlernte.
Damit ging doch alles "viel besser". Alles erschien einfacher und ich konnte mich damit wegbeamen, wenn der Stress zu groß wurde.
Funktionierte doch auch ne Zeit lang recht gut.

Durch weitere ungünstige Lebensumstände geriet ich immer weiter in den Alk-Sog.
Weitere Überforderung (in dem später sehr anspruchsvollen Beruf) und Einsamkeit (ich war mittlerweile geschieden) ließ mich immer häufiger trinken.
Ich denke, damals trank ich dann auch schon abhängig.
Und in dieser Zeit begann mein Selbstwertgefühl erheblich zu bröckeln.
Warum schaffte ich es nicht, mit dem trinken aufzuhören?
Ich fühlte mich als Versagerin, auch weil ich andere Sachen in meinem Leben nicht so gut auf Reihe bekam.
Das der Alk auch dabei schon eine erhebliche Rolle spielte, sah ich wohl noch nicht.

Kurz und ungut... ich rutschte trotz einem ehemals gesunden Selbstwertgefühl immer tiefer in die Alkoholsucht.
Am Ende gab es im Grunde gar kein Selbstwertgefühl mehr... mir war es sogar manchmal schon egal, ob ich weiterlebe oder mich totsaufe.
Ja, so zerstörerisch kann Alkohol sein.
Auch ohne "schwere Kindheit" und trinkende Eltern etc.

LG Sunshine

Martin

Beitrag von Martin » 10.01.2017, 13:26

Hallo Martina,
Ich kann mir kaum vorstellen, das jemand der sich selbst liebt, sich selbst schaden kann.
ich habe micht durchaus selbst geliebt und tu das auch heute noch.

Trotzdem wurde ich Alkoholiker, das wurde ich ja nicht absichtlich.

Es fing mit einem Bier an, wurde öfter und mehr und eines Tages konnte ich nicht mehr ohne.

Geplant war das ganz bestimmt nicht, es geschah schleichend.

LG Martin

Calida78
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Beitrag von Calida78 » 10.01.2017, 13:40

Hallo Martina!
Also ich habe sicher aufgrund mangelnder Selbstliebe getrunken.
Ich hatte durch ein traumatisches Erlebnis relativ schnell das Bild, dass ich nicht liebenswert bin. Da war ich in der Pubertät, zeitgleich habe ich die ersten Erfahrungen mit Alkohol gesammelt. Da habe ich dann erfahren, dass ich angerausch plötzlich wer bin. Natürlich war ich nicht sofort süchtig. Aber da fing es an und ich habe mich damals schon öfter als gesund "bedient".
Ich würde das aber nicht verallgemeinern.
Es gibt ja Menschen, die sich ganz normal mögen, und die einfach gerne Alkohol trinken. Und das zu viel, zu oft , und wenn dann noch ne Anlage da ist - ja dann wird man süchtig, obwohl man sich doch anfangs selbst geliebt hat.
Viele Grüße
Calida

Karsten
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Beitrag von Karsten » 10.01.2017, 13:47

Hallo,

ich finde gerade dieses Gedanken sehr gefährlich, denn keiner hat wohl das erste Glas mit dem Wunsch, vom Alkohol abhängig zu werden, getrunken.
Ist man dann durch das zweite, dritte, vierte ....... Glas dann abhängig geworden, spielt die Selbstliebe keine Rolle mehr.

Ich gehe aus Selbstliebe vielleicht nicht bei rot über die Straße, aber bei einer Abhängigkeitserkrankung gehe ich beim ersten Konsum das Risiko ein, von dem Suchtmittel abhängig werden zu können, egal wie sehr ich mich leibe.

Gruß
Karsten

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 10.01.2017, 13:59

Hallo
Kann jemand der sich selbst liebt süchtig sein oder werden?
Es uneingeschränkt jeder süchtig werden der zuviel säuft.

Gruß Hartmut

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 10.01.2017, 14:01

Ergänzung

es kann jeder süchtig werden der zuviel säuft.

Martina02

Beitrag von Martina02 » 10.01.2017, 17:03

Hallo zusammen,
herzlichen Dank für Eure Antworten.

Hey Sunshine !
"Sunshine" ist übrigens mein erstes Pseudonym gewesen, das ich im Internet je genutzt habe :)

Denkst Du, Deine Ehe ist durch den Alk zerbrochen? Ich hoffe die Frage ist nicht zu persönlich!

Süchte treten ja in allen sozialen Schichten auf. Mittlerweile habe ich auch gelesen, das das System sich sehr ungünstig auf Einzelne auswirken kann und Süchtiges Verhalten steigern kann.
Ich hab mich zb in Kindergarten (Vor)Schule sehr unwohl gefühlt.

Siehst du in Selbstwert & Selbstliebe das gleiche?

Hallo Martin,

hast Du als Kind keinen Ekel bei Alkoholgerüchen empfunden?
Alkohol ist , wie vieles andere, ein Gift.
Besonders Schwangere reagieren ja oft mit besonderer Abneigung


Liebe Calida,

ich auch.
Und wenn ich hier als Hinweis lese, ein trinkendes Umfeld zu verlassen und sich neue Bekannte und Freunde zu suchen
- fände ich schön, wenns Verständnis dafür geben könnte das es mit sozialer Gehemmtheit nicht einfach ist. Vor allem weil diese vorher mit dem Alkohol betäubt worden ist. Bei mir war das so.

Hallo Karsten,

warum hältst Du den Gedanken für gefährlich?
Mein Eindruck ist das die Welt im Groben nicht von (Selbst)Liebe geprägt ist.
Wie Du schon geschrieben hast, ich bin auf und "auf der Suche" nach meinem Weg.
Ich kann es nicht besser beschreiben, glaube aber mit wahrer Selbstliebe und klarem Bewusstsein keinen Alkohol trinken zu können.
Wahrscheinlich ist Dir das jetzt zu esoterisch.

Hallo Hartmut

ist nicht jeder der zuviel säuft schon süchtig?
Mir wurde in einem KH gesagt bis zu einem gewissen Grad ist es Alkoholmissbrauch.
Auf einer spirituellen Seite wo ich gerne lese, wird sogar gesagt, das jede kleinste Menge an Alkohol schlecht und gefährlich ist, ob man nun abhängig ist oder nicht.

Gruß
M.

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