Entzugssymptome nach einem Jahr ?

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
depardieu
neuer Teilnehmer
Beiträge: 8
Registriert: 12.01.2017, 13:03

Entzugssymptome nach einem Jahr ?

Beitrag von depardieu » 12.01.2017, 13:22

ich möchte mich gerne vorstellen. Ich bin 50 Jahre alt, habe mit 14 Jahren angefangen intensiv zu trinken und bin seit einem Jahr trocken. Nach der anfänglichen Euphorie in den ersten abstinenten Monaten ist diese aktuell leider nicht mehr da, im Gegenteil: Aktuell habe ich das Gefühl unter psychosomatischen Entzugserscheinungen (nach einem Jahr ?) zu leiden. Ich habe heute einen Termin für nächste Woche bei meinem Hausarzt vereinbart um dies zu besprechen, habe aber heute einiges zu dem Thema gegoogelt und möchte mich gerne mit Gleichgesinnten austauschen.

Ich habe einige Infos im Internet gefunden, das es auch nach langer Zeit wieder zu Entzugserscheinungen kommen kann. Wird dort als Spätkrise bezeichnet und bei mir äußert sich das durch Unruhe, Panikattacken die ca. 30 Minuten anhalten.

Kennt das jemand von Euch, wenn ja wie seid ihr damit umgegangen.
Ich bin aktuell ziemlich verunsichert und auch entsetzt, das ich nach so langer Zeit mich darunter leide.

Linde66
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 18549
Registriert: 08.10.2008, 23:13

Beitrag von Linde66 » 12.01.2017, 14:24

Hallo depardieu,

herzlich Willkommen hier! :D

Hatte das einen bestimmten Auslöser, gibts bei euch Alkohol in der Wohnung, kann es von den Feiertagen kommen, wie hast du die verbracht? Nur mal paar Ideen.

Ich finde es echt gut, daß du dich mit deinem Hausarzt besprechen wirst.

Ich glaube dir, daß du aktuell verunsichert bist. Was machst du in den 30 Minuten, was hilft dir?

Lieber Gruß, Linde

depardieu
neuer Teilnehmer
Beiträge: 8
Registriert: 12.01.2017, 13:03

Beitrag von depardieu » 12.01.2017, 14:32

Hallo Linde,
besten Dank für die Antwort. Mir fällt kein Auslöser ein, Alkohol gibt es in meiner Wohnung seit einem Jahr nicht, die Feiertage waren in Ordnung und ansonsten verläuft mein Leben in recht ruhigen Bahnen. Das macht es mir ja so schwer zu verstehen, warum ich jetzt wieder diese Attacken habe.
Am ehesten gehen diese vorbei wenn ich mich "ausklinke", d.h. PC und Smartphone offline schalte, mir einen Tee mache und versuche mich selbst nicht so ernst zu nehmen. Wenigstens ist dann nach spätestens 30 Minuten Schluss mit dem Ganzen. Was mich heute zusätzlich beruhigt hat ist die Tatsache, das ich beim Googeln herausfinden konnte, das ich mit diesem Problem nicht alleine bin und dieses "Kind" auch ienen Namen, nämlich wie erwähnt "Spätkrise" hat. Ich hoffe mein Arzt kennt sich damit aus ud kann mir nächste Woche helfen, möglichst ohne Medikamente, vorzugsweise mit Aufklärung damit ich mich da nicht so reinsteigere ( das kann ich nämlich perfekt :-)..Enspannungsübungen etc.

depardieu
neuer Teilnehmer
Beiträge: 8
Registriert: 12.01.2017, 13:03

Beitrag von depardieu » 12.01.2017, 14:54

Ich ziehe das Ganze ja jetzt seit einem Jahr als "Einzelkämpfer" durch...vielleicht verdränge ich zuviel und muss da was ändern..mich mehr mit anderen austauschen. Das werde ich auch mal bei meinem Arzt ansprechen.

Linde66
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 18549
Registriert: 08.10.2008, 23:13

Beitrag von Linde66 » 12.01.2017, 14:57

Es kann sehr entlastend sein, wenn man sich mit anderen austauscht oder bei den anderen mit liest. Von daher ist es ein gutes Timing, daß du dich im Forum angemeldet hast.

Bis bald, Linde :)

Martin

Beitrag von Martin » 12.01.2017, 14:59

Hallo depardieu,

ich habe hier schon öfter gelesen dass nach einer Zeit der Unbeschwertheit eine "Krise" kommt.

Anfangs ist alles toll da endlich der Alkohol wegfällt und das Leben wieder schön ist.

Dann wird es einem klar dass die alltäglichen Probleme immer noch da sind und jetzt nicht mehr ertränkt werden.

Du bist damit also nicht alleine, glaube aber nicht alles was du im Netz findest, da ist viel Mist dabei.

LG Martin

Hans im Glück
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 2449
Registriert: 16.10.2014, 16:48

Beitrag von Hans im Glück » 12.01.2017, 15:44

depardieu hat geschrieben:Ich ziehe das Ganze ja jetzt seit einem Jahr als "Einzelkämpfer" durch...
Hallo Depardieu,

ich freue mich, dass du hierher gefunden hast.
Das Leben als Einzelkämpfer ist schwer und völlig unnötig.
Wenn nicht gar gefährlich.

Es hilft eine Menge, sich auszutauschen.
Ich habe auch ein Jahr an die Einzelgänger Methode geglaubt, war nicht meine beste Idee.

Auch ich habe langjährig gesoffen und lange Nachwirkungen des Alkoholmißbrauch bemerkt.
z.B. : Nach 3 Jahren Abstinenz kann ich jetzt wieder auf eine Leiter steigen, ohne dass mir schwindelig wird.

Also sei unbesorgt, aber wachsam. Nicht reinsteigern ist eine gute Idee, auch wen's schwerfällt.
Hoffentlich hat dein Arzt Ahnung von Sucht, ansonsten suche dir einen Fachmann.

Und vorallem: hier im Forum gibt es im offenen, wie im geschlossenen Bereich eine Menge Wissen zu entdecken.
Alles aus erster Hand sozusagen.

Liebe Grüße

Hans

depardieu
neuer Teilnehmer
Beiträge: 8
Registriert: 12.01.2017, 13:03

Beitrag von depardieu » 13.01.2017, 10:03

Hallo Martion und Hans,
danke für die netten Worte. Ich nehme mir Euren Rat zu Herzen und werde mich mehr mit Anderen austauschen und professionelle Unterstützung suchen. Mir fällt jetzt auf, das ich mir seit einem Jahr Abstinenz des öfteren in die eigene Tasche lüge und die Ursache für Beschwerden/Nachwirkungen immer auf andere Dinge schieben wollte und mir nicht eingestehe, das diese Nachwirkungen der jahrzehntelangen Sauferei sind. Ich war da die ganze Zeit anscheinend zu arrogant zu mir selbst und mein Körper/Geist signalisiert mir eventuell mit den Panikattacken etc. das doch nicht Alles so glatt läuft. Oberste Priorität ist nie mehr zu saufen und so ein Selbstläufer wie in den ersten Monaten kann es halt anscheinend auf Dauer nicht sein...das war gestern sehr schwer für mich zu akzeptieren ( dachte ich wäre damit durch) , aber seit gestern geht es mir schon um Einiges besser dank diesem Forum. Es wartet noch eine Menge Arbeit auf mich :-) Nochmals danke!

Antworten