Große Angst nach Trennung

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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DanielOtt
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Große Angst nach Trennung

Beitrag von DanielOtt » 10.04.2017, 21:58

Hallo zusammen.

Ich habe vor kurzem eine relativ lange Beziehung (mehrere Jahre) beendet. Wobei das nicht ganz richtig ist, die Beziehung wurde von beiden für gescheitert betrachtet. Der (Haupt)Grund hierfür, wie man wahrscheinlich ahnen kann, war der Alkohol.

Vor ca. einem halben Jahr hat mir meine Freundin gestanden, dass Sie ein Alkoholproblem hat (ja sie hat es tatsächlich freiwillig zugegeben). Zu diesem Zeitpunkt hatte ich tatsächlich (zu meiner Schande) keine Ahnung davon und war sehr geschockt. Ich habe Ihr zu dem Zeitpunkt allerdings jede Unterstützung zugesagt, welche ich ihr geben kann.

Ihr Zugeständnis (welches zugegeben im betrunkenen Zustand erfolgte) war allerdings kein Grund für sie dem auch Taten folgen zu lassen. Sie meinte auch, dass es nicht schlimm sei und sie es selber hin bekommt (damals war es anscheinend ~ 1/2 Flasche Wein pro Tag aber auch nicht an jedem Tag der Woche). Ich glaubte ihr, fand aber im Laufe der Zeit immer mehr leere Flaschen in der Wohnung und bat sie wiederholt etwas dagegen zu machen. Leider vergebens, auch wenn sie mir ihr Problem gestand, war sie nicht bereit dies auch bei jemand anderem zu machen und tatsächlich Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Monate vergingen und ich merkte, dass es immer schlimmer wurde und mittlerweile zu einer Flasche Wein pro Tag herangewachsen war und jetzt auch teilweise Hochprozentiges verwendet wurde.
Ich kam zu dem Punkt, an dem ich nicht mehr wollte und ihr mitteilte, dass ich mir erwarte, dass sie sich konkrete Schritte gegen die Sucht überlegt und mit mir bespricht.
Ab diesem Zeitpunkt war, wie ich feststellen musste, die Beziehung für sie vorbei. Wir haben noch viel darüber geredet und nach einer Lösung gesucht. Da es allerdings keine Lösung gab, die die Inanspruchnahme von Hilfe beinhaltet hätte, haben wir uns gemeinsam dazu entschieden, es zu beenden. Mittlerweile ist sie ausgezogen und wohnt alleine in einer Wohnung.

Hier kommt jetzt der einscheidende Part. Wir sind beide noch sehr jung (Mitte 20) und haben den Großteil unseres Leben noch vor uns. Sie bedeutet mir wirklich sehr viel und ich habe unglaubliche Angst, dass sie die Beziehung nur aufgegeben hat um in Ruhe trinken zu können. Ich bin mir fast sicher, dass beim aktuellen Stand ihrer Krankheit noch eingegriffen werden kann und das Problem noch "leichter" gelöst werden könnte. Ich bin tatsächlich der einzige der davon weiß (weder Freunde noch Eltern haben eine Ahnung).

Man könnte meinen, da die Beziehung beendet ist muss ich mich nicht mehr verantwortlich fühlen, allerdings habe ich den Drang, gegen ihren Willen, ihre Eltern zu informieren. Auch wenn dadurch eine "freundschaftlich getrennte" Beziehung in Hass ihrerseits endet so wäre es immer noch besser als sie ihr selbst zu überlassen.

An dieser Stelle würde ich gerne wisse, wie ihr euch verhalten würdet. Bringt es etwas mit Personen die sie kennt darüber zu reden oder muss sie das selber machen/schaffen um einen Erfolg zu versprechen? Kann ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch etwas machen um ihr zu helfen?

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 10.04.2017, 22:59

Hallo Daniel,

herzlich Willkommen bei uns im Forum.
ich habe unglaubliche Angst, dass sie die Beziehung nur aufgegeben hat um in Ruhe trinken zu können.
Das kann durchaus sein, denn es"nervt" einen nassen Alkoholiker wenn der CO keine Ruhe mehr gibt.
Nasse Alkoholiker ohne Krankheitseinsicht mögen es nicht, wenn ihnen ihr Verhalten gespiegelt wird.
Das habe ich immer und immer wieder erlebt.
Du kannst deiner Freundin nicht helfen, solange sie keine Krankheitseinsicht hat, und auch ihre Eltern können das nicht.
Bringt es etwas mit Personen die sie kennt darüber zu reden oder muss sie das selber machen/schaffen um einen Erfolg zu versprechen?
was willst du denen sagen und aus welchem Grund?
Hast du ein schlechtes Gewissen, weil du ihr nicht hast helfen können, suchst du jetzt andere Helfer für sie?
Es wird nichts bringen, sie wird weiter trinken solange sie nicht kapiert, was sie da tut.
Wenn aber das drüber reden für dich wichtig ist, und den Sinn hat, nicht mehr zu vertuschen das sie säuft, finde ich das in Ordnung, denn dieses Reden hat mir damals sehr geholfen und mich ein Stück freieer gemacht.
Nicht mehr dieses schützen wollen, nicht mehr heile Welt spielen um jeden Preis.
Wenn du magst, kannst du auch mal hier lesen, und schauen ob da etwas für dich passt:
http://www.forum-alkoholiker.de/grundba ... igkeit.php


lg Morgenrot

DanielOtt
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Beitrag von DanielOtt » 10.04.2017, 23:17

was willst du denen sagen und aus welchem Grund?
Hast du ein schlechtes Gewissen, weil du ihr nicht hast helfen können, suchst du jetzt andere Helfer für sie?
Was ich sagen will, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Aber das schlechte Gewissen, zu schnell aufgegeben zu haben, spielt hierbei sicher eine große Rolle. Zum Teil ist es sicher auch Selbstschutz. Wenn ich sie wieder einmal sehe und sich ihr Zustand weiter verschlechtert hat, fühle ich mich bestimmt mitschuldig.
Wenn es allerdings so ist wie du sagst und es für die Süchtige nicht hilfreich ist wenn ich es den Eltern erzähle, so bin ich mir nicht sicher ob ich mir das Gespräch antun möchte.

Ich danke dir auf jeden Fall für die Antwort und werde mir den angefügten Link auf jeden Fall genau durchlesen.

lg

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 12.04.2017, 09:58

hallo Daniel,


ich muß gleich weg, deshalb erst einmal nur einen Satz:

Du bist nicht schuld
den Satz habe ich dir dick geschrieben, weil es in meinen Augen die Grundlage ist, für den weiteren Weg.
Bei mir hat es gedauert, bis es ganz tief angekommen war, und auch heute holen mich manchmal die Schuldgefühle noch ein.
Du kannst nichts tun
Bei Suchtkranken funktioniert das beistehen nicht, das bewirkt leider immer das Gegenteil. Hier ist Distanz wichtig.
Mitleiden wird dich immer mehr einengen, und dich immer mehr in den COKreislauf ziehen.
Indem du mit den Eltern redest, nimmst du sie quasi in eine Verantwortung, die sie nicht haben, denn auch sie können nicht helfen.

Jetzt ist es doch mehr geworden.

lg Morgenrot

Martin

Beitrag von Martin » 12.04.2017, 13:39

Hallo Daniel,

ich bin trockener Alkoholiker und kann Morgenrot nur Recht geben.

Wenn ein nasser Alkoholiker trinken möchte trinkt er/sie auch, notfalls heimlich :!:

Da deine Ex. volljährig ist hat sie auch das Recht zu trinken, Alkohol ist ja nicht verboten.

Hätten meine Eltern es nicht eh schon gewusst, wer es ihnen erzählt hätte wäre bei mir unten durch gewesen.

Du würdest dich also nicht nur bei deiner Ex., sondern evtl. ihren Eltern unbeliebt machen

wenn sie noch nix davon wissen.
Wenn ich sie wieder einmal sehe und sich ihr Zustand weiter verschlechtert hat, fühle ich mich bestimmt mitschuldig.
Wenn sie nicht aufhört zu trinken wird sich ihr Zustand nicht ändern, daran hast du aber keine Schuld.

Lass dir das nie einreden, von niemandem :!:

LG Martin

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