Neue Bekanntschaften knüpfen

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Hull
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Neue Bekanntschaften knüpfen

Beitrag von Hull » 29.05.2017, 15:18

Hallo,

mich würde mal interessieren, wie andere ihre trockene Freizeit nutzen und vor allem welche Bekanntschaften sie in den letzten Jahren knüpfen konnten und wie und wo sie dies geschafft haben.

Da ich ganz bewusst alle Bekannschaften, die nur den Alkohol im Vordergrund hatten, beendet habe, stelle ich mir die Frage, welche Charaktere es nun anzusprechen gilt und worauf Ihr dabei geachtet habt.

Grüße

Martin

Beitrag von Martin » 03.06.2017, 14:09

Hallo Hull,

was hast du denn für Hobbys, gibt da nix was du in einem Verein ausführen kannst ?

Nicht alle Menschen trinken und es wird auch nicht in jedem Verein getrunken.

LG Martin

Barthell
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Beitrag von Barthell » 05.06.2017, 13:16

Hallo Hull,

also bei mir ist viel Sport da rein gerutscht in die "leere" Zeit.

Dazu 2x je Woche SHG und Therapie.

Kontake knüpfen fällt mir schwer da arbeite ich dran, so war ich z.B. dieses Wochenende auf einem Rollenspiel wo ich sehr interssante Menschen kennen gelernt habe, mal sehen was sich da weiter entwickelt.

Hull
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Beitrag von Hull » 06.06.2017, 12:59

Hallo Martin,

über mein Hobby (Sportart) habe ich in den letzten Jahren schon einige Bekanntschaften geknüpft, diese treffe ich jedoch ausschließlich bei der sportlichen Betätigung und auch die Gespräche handeln hauptsächlich von der Sportart. Dies ist in Ordnung und ausreichend, ich möchte dort auch nichts vermischen. Nun geht es aber tatsächlich darum, neue, aber bestenfalls auch nüchterne Bekanntschaften zu knüpfen. Dabei müssen natürlich nicht gleich Freundschaften entstehen, dies ergibt sich über die Jahre, ich habe also auch keine zu hohen Ansprüche oder umklammere die Personen, eher das Gegenteil.

Hallo Barthell,

worum geht es denn in einer SHG meistens? In mir drängt sich dabei immer der Gedanke auf, dass dort zu viel über das Alkoholproblem diskutiert wird und sich alles im Kreis dreht. Natürlich könnte das aber auch ein Vorurteil sein, das man mit einem Besuch ausräumen könnte, aber gerne wüsste ich dennoch vorab, worum es dort hauptsächlich geht.

Und was ist denn eine Rollenspielveranstaltung?

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 06.06.2017, 14:37

Hallo Hull,

ich bin ja nun schon über 15 Jahre trocken und da ist natürlich einiges anders als bei frisch Abstinent Lebenden.
Ich versuche aber trotzdem, mich zurückzuerinnern :wink:

Bei mir war es mit neuen Bekanntschaften so, das ich sie überwiegend bei meinem Hobby fand.
Mein Hobby ist die Fotografie, seit über 40 Jahren.
Leider ist dieses Hobby in den letzten Jahren meines nassen Lebens total verkümmert.
Und auch in den ersten Jahren der Trockenheit hatte ich viel anderes zu tun.
Dann aber kam die Lust auf das Hobby zurück und ich stieg in die Digitalfotografie ein, insbesonders in die Wildlife-Fotografie.
Dazu besuchte ich auch öfters eine Beobachtungshütte und dort bildeten sich auch Bekanntschaften, weil man sich dort regelmäßg traf.
Und nach einiger Zeit wurden aus einigen Bekannschaften auch Freundschaften.
Dabei gab es auch noch eine andere positive Erfahrung, nämlich, das Wildlife-Fotografen eher kein Alk-Problem haben,
das ist jedenfalls meine Erfahrung mit "meinen Leuten".
Wir sind schon oft vor bzw. beim Sonnenaufgang auf Pirsch und das verträgt sich nicht auf Dauer mit durchzechten Nächten. :wink:

Andere Hobbyfotografen lernte ich durch ein Fotoforum kennen, wo es auch zu persönlichen Treffen kam.
Und wenns passte, wurden auch da gute Bekanntschaften oder sogar Freundschaften draus.

So habe ich also hauptsächlich durch mein Hobby neue Bekanntschaften und auch Freundschaften gefunden.
Angst vor Vermischung von Hobby-Themen und privaten Themen hatte/habe ich dabei übrigens nicht.
Das ist halt wie es ist... ich versuche da nicht krampfhaft, etwas zu trennen.
worum geht es denn in einer SHG meistens? In mir drängt sich dabei immer der Gedanke auf, dass dort zu viel über das Alkoholproblem diskutiert wird
und sich alles im Kreis dreht.
Natürlich könnte das aber auch ein Vorurteil sein, das man mit einem Besuch ausräumen könnte, aber gerne wüsste ich dennoch vorab,
worum es dort hauptsächlich geht.
Hast Du Angst vor Überraschungen und ein Problem mit spontanen Erleben? :lol:
Einfach mal hingehen... dann weißt Du, wie es da ist. :P

Meine Erfahrung mit einer realen Gruppe:
Ja, in den Gruppengesprächen ging es schon oft um unsere Krankheit.
Aber auch um viele andere Themen.
Um ganz normale Sachen, beispielsweise, wie die letzte Woche lief, wer was erlebt hat, ob es etwas besonderes gab etc.pp.
Da kam dann schon immer viel zusammen, sodas man nicht immer dazu kam, selbst zu berichten.
Gab es ein Problem mit unserer Krankheit, hatte das allerdings IMMER Vorrang und das fand ich auch gut so.

Zusätzlich gab es in dieser Gruppe viele Freizeitangebote.
Sportliche Aktivitäten, Ausflüge, Hobbytreffen unter Gleichgesinnten, Skatabende, Weihnachtsfeiern, Weihnachtsbasteln, Extra-Frauengruppe
und mehr.
Ich war davon überfordert und aufgrund meiner damaligen Berustätigkeit konnte und wollte ich nicht an allem pipapo teilnehmen.
Da ich aber immer wieder gedrängt wurde, war ich das bald so leid, das ich da ausstieg.
Meine Meinung war und ist immer gewesen: Es gibt auch noch ein Leben außerhalb meiner Krankheit.
Ich bin nicht nur "Sunshine, die trockene Alkoholikerin".
Sondern ich habe noch weitaus mehr Facetten :wink:
Ich hatte und habe auch noch Freunde, die garnix mit meiner Krankheit zu tun haben und die wollte ich auch mal treffen.
Kurzum, mein Ziel war es nie, mich nur noch im Dunstkreis des Alkohols aufzuhalten und das wäre für mich so gewesen,
wenn ich meine Freizeit nun ausschließlich in SHG und ihren Aktivitäten verbracht hätte.

Ich bin gern bereit, meiner Krankheit den nötigen Raum zu geben und die notwendige Aufmerksamkeit.
Aber ich habe auch ein Leben neben meiner Krankheit ! Und das möchte ich ebenfalls leben und das habe ich auch immer getan.

Ich würde bei frisch abstinent lebenden Menschen IMMER zur Teilnahme an einer SHG raten.
Dieses hier ist übrigens auch eine !! :wink:
Du nutzt sie nur nicht entsprechend :P
Der intensivere Austausch erfolgt allerdings hauptsächlich im Erweiterten Bereich.
Vielleicht wäre es eine Option für Dich, da mal für 3 Monate reinzuschnuppern?
Denn ich sehe leider nicht, das Du Dich hier viel austauscht.
Und das irritiert mich auch etwas, denn normalerweise hat man gerade am Beginn des trockenen Lebens viele Fragen.
Mit wem sprichst Du denn darüber?
Hast Du noch anderweitige professionelle Unterstützung ?

Ob man allerdings jahrelang in einer SHG bleiben muss oder sollte, das sehe ich vielleicht etwas anders als andere hier.
Ich war auch immer mal wieder jahrelang ohne SHG und bin trotzdem trocken geblieben und hatte da auch nie ein Problem mit.
Und ich lasse mir auch nicht damit drohen, das ich rückfällig werde, wenn ich keine mehr besuche.
Die Nummer zieht bei mir persönlich kein Stück und ich bin auch der Meinung, das in SHG sowas auch gern aus "Gruppen-Eigeninteresse" behauptet wird 8)
Denn Mitgliederschwund hat auch immer negative Auswirkungen auf die Gruppe, teilweise auch finanzieller Natur.
Ich möchte da lieber Ehrlichkeit, damit kann ich besser umgehen als mit Drohungen.
Wenn mir n Gruppenleiter sagen würde, bleib bitte, weil wir auch Deine Kohle bzw. Deinen Mitgliedsbeitrag brauche, dann würde das bei mir mehr wirken,
als die nicht mal unterschwellige Drohung "Ohne SHG wird man schneller (oder gar unweigerlich :shock: ) rückfällig".
Warum nicht einfach das Kind beim Namen nennen, frage ich mich?

Jeder muss am Ende selbst wissen, ob er eine SHG braucht.
Der eine braucht sie lebenslang, auch das ist ja völlig okay so.
Ein anderer aber nicht unbedingt.
SHG sind auch nicht DAS Allheilmittel, und schonmal gar keine Rückfallversicherung, aber ganz sicher sinnvoll.

SO, nun aber genuch den Hull vollgetextet... nimm Dir raus, was Du gebrauchen kannst. :wink:

LG Sunshine

Sunshine_33
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Beitrag von Sunshine_33 » 06.06.2017, 14:56

Ach so... noch ergänzend:
Meine Erfahrungen beziehen sich NUR auf meine damalige reale SHG.
Das war/ist eine organisatorisch ungebundene SHG, die finanzielle Unterstützung von der Stadt aufgrund ihrer guten Erfolge bekommt und auch Mitgliedsbeiträge bezieht.
Die Räumlichkeiten wurden von einer anderen Hilfsorganisation gestellt.
So hielt sich der Mitgliedsbeitrag in sehr engen Grenzen.

Andere SHG können anders aufgebaut sein und auch das Procedere kann dort anders sein.
Ich war mal gleich nach meiner Entgiftung in einer, da wurde von höheren Mächten gefaselt, an die wir auch unserer Krankheit abgeben können
(wie niedlich, dann muss ich ja wieder keine Verantwortung übernehmen, is ja fast wie zu Saufzeiten, oder was?) und weiterem blabla...
Da bin ich nur bis zur Pause geblieben und habe die erste Chance zur Flucht genutzt :lol:
Für andere mag das alles ja auch was sein, für mich war es definitiv "das Grauen" schlechthin.

Ein paar Jahre später fand ich dann hier her.

Und später dann in die o.g. Gruppe. In der war ich dann ca. 2 Jahre.
Deren Grundsätze waren übrigens beinahe deckungsgleich mit unseren sog. "Grundbausteinen".
Damit kann ich mich besser indentifizieren, weil ich da auch 100% hinter stehen kann.
Das mit den höheren Mächten überlasse ich mal anderen... ich bin schon groß und kann selbst die Verantwortung für mich übernehmen. :wink:

LG Sunshine

Barthell
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Beitrag von Barthell » 06.06.2017, 16:42

Hallo Hull,


in der SHG wird mittlerweile fast garnichtmehr über Alkohol gesprochen, eher über die sonstigen Probleme der Mitglieder oder wenn neue dazu kommen oder eben jemand akut Probleme hat/hatte die sind ausser mir in der Gruppe fast alle schon 10 Jahre und mehr Abstinent ... daher ist das nichtmehr sooo präsent.
Zudem sind sie auch alle mal 20-25 Jahre älter als ich ... auf den Veranstaltungen fühle ich mich manchmal doch fehl am Platz (Kafeekränzchen ist nicht wirklich was für mich)


Was ist eine Rollenspielveranstaltung?

Naja jeder der Teilnehmer (hier etwa 50) schlüpft für 3 Tage in eine komplett andere Rolle.
Hier war es ein fiktives Leben in Afghanistan 2008.
Dazu hatten wir gespielte ISAF-Truppen, Taliban und "normale" Dorfbewohner. Schwerpunkt lag auf dem Leben in der Rolle.

Ich war ein Reporter der einen Fotoblog über Afghanistan und seine Gesichter schreibt.
Dazu habe ich interviews geführt, Fotos gemacht, bin bei Patrolien mit gelaufen habe mich durchsuchen lassen ...

Einfach einmal jemand ganz anderes sein.

Hull
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Beitrag von Hull » 06.06.2017, 18:26

Hallo Sunshine,

da ist einiges dabei, das mich betrifft; einiges, das ich im Grunde unverändert auf mein Leben übertragen kann und auch eine Sache, die ich vielleicht noch erläutern sollte:

Es stimmt, dass ich mich nicht großartig einbringe und auch noch keine SHG besucht habe, die Begründung ist aber einfacher, als es scheint. Ich bin mir seit Jahren darüber bewusst, dass mir das Saufen nichts gibt, ich habe es nie beschönigt, ich wusste nach den ersten Räuschen im Jugendalter, dass mir ein hohes Alkoholikerpotenzial innewohnt; oder allgemein formuliert: eine erhöhte Gier nach Rausch, Risiko, Größenwahnsinn, Grenzenlosigkeit usw. vorherrscht. Dass es dann der Alkohol geworden ist, lag wohl an der Verfügbarkeit, der Wirkung und der sozialen Akzeptanz. Auch habe ich "dank" Hochsensitivität viele stark ausgeprägte Gedankengänge, die den ganzen Tag und das ganze Jahr ohne Pause, ja nahezu ohne meinen Willen alles bis in den Kern der Sache analysieren wollen. Dass ich mich deshalb nicht an Grundsatzdiskussionen über "Banalitäten" in einer SHG beteiligen möchte, in der dann alles, was ich bereits in meinem Gehirn schon tausendmal in tausende Unterpunkte aufgeteilt habe, neu aufgewirbelt wird, ist sozusagen Selbstschutz vor der Reizüberflutung, keine Arroganz.

Über den erweiterten Forenzugang denke ich schon einige Zeit nach, mich hat allerdings die Inaktivität im öffentlich Bereich abgehalten, auch wenn es eine Logik in sich selbst ist, dass der öffentliche Bereich zu Gunsten des internen Bereichs ja schließlich inaktiv sein muss.

Schönen Abend

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