Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Katrienchen
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Beitrag von Katrienchen » 09.08.2017, 10:29

Danke Slowly,

ich sehe das eigentlich genauso.

Als erstes würde ich mich wohl auch fragen, ob ich da wieder auf mein "Beuteschema" anspringe.
Versuchen würde ich es vermutlich, aber die Angst vor dem nächsten drama wäre halt gross...

Penta
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Beitrag von Penta » 10.08.2017, 05:38

Hallo Thalia,
würde ich gerne eure Erfahrungen und Einschätzungen hierzu lesen. Ist das Leben mit einem trockenen Alkoholiker ein Leben auf dem Pulverfass? Sitze ich als trockener Alkoholiker selber auf meinem eigenen Pulverfass? Wie gelingt es, wieder zu vertrauen - dem trockenen Partner oder sich selbst? Ist das überhaupt möglich?

Dies wäre ein Thema, bei dem sowohl Angehörige von trockenen Alkoholikern ihre Erfahrungen teilen könnten, als auch wir trockenen Alkoholiker selbst.

Mein Vertrauen zu mir selbst ist zutiefst erschüttert gewesen, aber langsam baue ich wieder welches auf. Ist das blauäugig? Verkenne ich damit das Wesen der Sucht? Oder geht es nur so, durch Wiederaufbau von Vertrauen.
ich finde den Vergleich mit dem Leben auf einem Pulverfass ziemlich treffend.
Ich kann auf einem Pulverfass ewig sitzen und nichts passiert, solange ich nicht anfange mit offenem Feuer rumzuspielen. Ich könnte auch mit einem Feuerzeug rumspielen, würde aber riskieren in die Luft zu fliegen, sobald ein Funke überspringt.
Das Vertrauen darauf, dass das nicht passiert in Bezug auf meine Sucht rührt u.a. daher, dass ich mir dessen bewusst bin. Dessen - das ist bei meiner Sucht der garantiert wieder einsetzende Kontrollverlust, würde ich wieder Alkohol konsumieren.
Andererseits weiß ich nun nach ein paar Jahren Trockenheit auch, dass ich trotz dieser Krankheit gesund leben kann. Denn ich habe es erlebt und erlebe es jeden Tag wieder, unabhängig davon, was mein Alltag mir bietet oder abfordert. Auch das verstärkt mein Vertrauen in mich selbst.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Vertrauen etwas ist, was in wenigen Minuten verloren gehen kann, jedoch nur ganz langsam wächst. Es entsteht nicht durch Worte, sondern durch Erleben und Tun. Das ist für mich gerade in Hinblick darauf, dass in mir die Alkoholkrankheit schlummert, ganz und gar nicht blauäugig, sondern eine Voraussetzung für ein zufriedenes Leben mit und trotz Krankheit.

Viele Grüße,
Penta

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 11.08.2017, 13:57

Hallo und danke für die bisherigen unterschiedlichen und interessanten Beiträge.

Wenn ich zu dem Bild mit dem Pulverfass hinzufüge, dass es nicht "einfach so" explodiert, sondern ich es (das Streichholz) in der Hand habe, kann ich es für mich auch anwenden. Aber wie siehts mit dem Partner des trockenen (!) Alkoholikers aus. Der oder die muss doch letztlich Vertrauen lernen (wachsen lassen), dass der Partner nicht mit dem offenen Feuer spielt.

Ich glaube auch, dass das viel Zeit und/oder viel Reden und sich einander Öffnen erfordert. Sind hier Partner von länger trockenen Alkoholikern, die dieses Vertrauen wieder aufbauen konnten, und könnt ihr in Worte fassen, wie das ging?

Viele Grüße und ein schönes Wochenende ins Forum.

Thalia

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 11.08.2017, 14:13

Hallo thalia!

Wie es ging? Meine Frau hat meine gesamte Alkoholkarriere passiv erlebt. Sie weiß genau, wann und unter welchen Voraussetzungen ich getrunken habe.

Der erste große Schritt war der Gang zur Suchtberatung und die ambulante Therapie. Daneben habe ich mich daheim mit entspr. Lektüre befasst. Das hat sie alles mitbekommen. In Situationen, in denen es mich früher zielgerichtet zum Bier zog, habe ich was anderes gemacht. Stichwort: Risikominimierung. Ich ging z.B. nicht mehr in die Fußballkneipe, ich orderte nach Saunagängen kein Weißbier, sondern Kaffee, Apfelschorle oder Cola/Wasser. Wir gingen nicht mehr in Biergärten, sondern in normale Cafes/Eisdielen. Dort bestelle ich z.B. Kaffee und Kuchen/Eis.

Es sind die vielen Kleinigkeiten im komplett geänderten eigenen Verhalten, die den Angehörigen sofort ins Auge springen.

Wenn man das konsequent und kontinuierlich durchzieht, wächst parallel dazu auch das Vertrauen wieder an. Das eigene geänderte Verhalten bewirkt mehr als Tausend Worte in noch so vielen Gesprächen. Irgendwann muss man Worten einfach mal Taten folgen lassen.

Gruß
Carl Friedrich

Pellebär
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Beitrag von Pellebär » 11.08.2017, 14:17

Moin Thalia,

mir ist es hier zu öffentlich, um hier über meinen Mann zu schreiben, ich schreibe in meinem​ TB etwas dazu.

Nur so viel, bei uns hat es geklappt​.

LG PB

Calida78
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Beitrag von Calida78 » 11.08.2017, 16:39

Liebe Thalia,
mein Mann hat (aus meiner Sicht) das beste gemacht, was man tun kann. Er hat losgelassen und es einzig und allein als meine Verantwortung gesehen. Er hat mich unterstützt, indem er zu Hause und in meiner Anwesenheit auf Alkohol verzichtet, aber er ist nicht misstrauisch oder macht sich ständig Gedanken, ob ich es dauerhaft schaffe oder so. Sondern sieht es so: sollte ich jemals wieder trinken, dann ist das so und dann muss er sehen, wie er damit umgeht.
Liebe Grüße
Calida

Tuschii
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Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass

Beitrag von Tuschii » 01.10.2017, 14:23

Ich habe kein Vertrauen mehr in meinen XY. Er ist seit fast drei Monaten trocken (gezwungenermaßen durch einen Unfall), und auch in dieser Zeit hat er wenn es um Alkohol, bzw die Zukunft ohne Alkohol geht, mein Vertrauen mehrfach missbraucht.
Schlimm, wenn ich ihn davon reden höre, dass in Zukunft alles besser wird, sitzt ein kleines Teufelchen auf meiner Schulter und grinst ironisch. Ich kann das alles längst nicht mehr ernstnehmen. Wenn Worten Taten folgen würden, vielleicht würde dann auch Vertrauen zurückkommen.

Elahase
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Beitrag von Elahase » 02.10.2017, 11:21

Ich hatte kein Vertrauen mehr in meinen Ex, darum habe ich mich dann auch getrennt.

Der angeblichen Einsicht, den wigen Versprechungen und wortreichen Entschuldigungen mit noch wortreicheren Schwüren der Besserung...dem habe ich jahrelang geglaubt bzw. wollte daran glauben.

Aber irgendwann saß auch bei mir dieses Teufelchen auf der Schulter und lachte mich für diesen Glauben aus.

Als ich mich dann trennen wollte, war mein Ex dann tatsächlich bei einer Suchtbertungsstelle...genau 1 mal, dann nicht mehr.
Aber selbst wenn er das durchgezogen hätte, hätte ich ihm zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vertrauen können, zu leer war ich damals schon, zu wenig Energie hatte ich noch, diesen Weg mit ihm zu gehen.

Heute würde ich es versuchen, ihm wieder zu vertrauen und den Weg mit ihm gemeinsam zu gehen. Wenn er sich denn Hilfe holen würde...aber das tut er nicht, seine Alkoholprobleme haben sich in Luft aufgelöst...

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