Ein Jahr nach der Trennung von meinem alkoholkranken Mann

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Elahase
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Ein Jahr nach der Trennung von meinem alkoholkranken Mann

Beitrag von Elahase » 28.08.2017, 20:52

Hallo, ich bin neu hier...

ich habe mich vor fast genau einem Jahr von meinem Mann getrennt, weil er ein Alkoholproblem hat und würde mich gerne zu dem Thema mit euch austauschen und hören, ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat und wie man damit umgehen kann.

Wir waren 13 Jahre lang zusammen und 7 Jahre davon verheiratet. Er hat schon immer viel getrunken, ist in seinem Freundeskreis ganz normal.
In den letzten Jahren ist es schlimmer geworden. Er hat heimlich getrunken, die Abstürze wurden immer schlimmer und kamen in immer kürzeren Abständen. Er ist aggressiv geworden und hat mich beleidigt und angepöbelt.
Am nächsten Tag hat er immer Reue gezeigt und beteuert, dass es so nicht weitergehen wird. Ich habe ihm immer geglaubt und im tausend Chancen gegeben. Nicht eine hat er genutzt. Auch Ärzte, Therapeuten etc. haben ihm gesagt, dass er so nicht weitermachen kann und eine Therapie braucht. Auch darauf hat er nicht gehört.

Im letzten Jahr hab ich endlich den Mut gefunden, mich zu trennen. Eigentlich ging es mir sehr gut mit dieser Entscheidung aber momentan bricht alles wieder über mir zusammen. Er hat eine neue Partnerin und die Alkoholprobleme seiner Aussage nach überwunden.
Er macht mich für die Probleme verantwortlich...ich hätte ihn immer nur unter Druck gesetzt und Ansprüche gestellt, die keiner erfüllen könnte. Welche Ansprüche das waren, sagt er mir nicht...

Bin ich schuld? Warum konnte er sich nicht für uns helfen lassen (wir haben eine sechsjährige Tochter). Und jetzt ist alles besser mit der Neuen?

Es macht mir so angst, dass ich einen solchen emotionalen Rückfall habe, ich habe angst, dass ich nichts verarbeitet habe und das er recht hat und ich in Wahrheit die mit den Problemen bin.

Ich würde mich über einen Austausch mit euch sehr freuen, denn ich zweifel schon am mir selbst und an meiner eigenen Wahrnehmung der Dinge.

Martin

Beitrag von Martin » 28.08.2017, 21:21

Hallo Elahase,

herzlich Willkommen in unserem Forum.
Er hat eine neue Partnerin und die Alkoholprobleme seiner Aussage nach überwunden.
Dann kann er ja froh sein dass du dich getrennt hast, so bekam er sein "Problem" in den Griff :roll:
Er macht mich für die Probleme verantwortlich...ich hätte ihn immer nur unter Druck gesetzt und Ansprüche gestellt, die keiner erfüllen könnte. Welche Ansprüche das waren, sagt er mir nicht...
Hätte er sein Alkoholproblem überwunden würde er dich jetzt nicht dafür verantwortlich machen.

Ich habe selbst ca. 20 Jahre gesoffen, schuld waren immer die Anderen, nur nicht ich :!:

Lasse dir nichts einreden, du hast keine Schuld oder hast du ihm den Alk eingeflößt :?:

LG Martin

Elahase
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Beitrag von Elahase » 29.08.2017, 09:39

Hallo Martin,

in meinem Kopf weiß ich ja, dass er allein sich entschieden hat zu trinken.

Aber er beteuert ständig, dass ich ihn dazu veranlasst habe. Ich habe ihn unter Druck gesetzt, unmögliche Ansprüche gehabt, ich hätte nie gesehen, wie er um mich gekämpft hat.

Ne, hab ich auch nicht...wenn ich weinend ins Bett gegangen bin, ist er nicht hinterher gekommen, um mich zu trösten.
Wenn ich ihm gesagt habe, dass ich mich einsam in unserer Ehe fühle, hat er mich nicht in den Arm genommen.
Wenn ich ihm auf tausend verschiedene Arten gesagt habe, dass ich so nicht mehr weiterleben will, hat er nichts geändert oder gesagt.

Welche Ansprüche hatte ich? Ein normales Leben, ohne Alkohol im Mittelpunkt. Vielleicht ein Haus, ein zweites Kind? Ist das zu viel verlangt?

Und das ich irgendwann eine Distanz zu ihm aufgebaut habe, ist das nicht verständlich? Wenn ich mich z.b. im Bett nicht mehr zu ihm drehen kann, weil seine Fahne so ekelig riecht?

Ich habe momentan das Gefühl, das ich nicht ganz sauber ticke und er der tolle Typ ist, der sich nach unserer Trennung wieder berappelt hat und bei dem jetzt alles gut ist.

Und dem ich zuvor sein Leben zur Hölle gemacht habe....

Martin

Beitrag von Martin » 29.08.2017, 14:01

Hallo Elahase,
Ich habe momentan das Gefühl, das ich nicht ganz sauber ticke und er der tolle Typ ist, der sich nach unserer Trennung wieder berappelt hat und bei dem jetzt alles gut ist.
du tickst schon ganz richtig, mach dir darüber mal keine Gedanken.

Wenn ein Alkoholiker aufhört zu trinken ist noch lange nicht alles wieder gut.

Das bedarf jede Menge Arbeit an sich selbst, das geht nich von heute auf morgen.

Bist du dir überhaupt sicher ob er aufgehört hat ?,

viele Alkis saufen nach der Trennung weiter und suchen sich nur eine neue Co.

LG Martin

Honeymaker
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Beitrag von Honeymaker » 29.08.2017, 16:54

Hallo Elahase,
damit ich nicht so aus dem "Nichts" hier auftauche. Ich habe früher unter dem Fädchen "Neue Teilnehmerin, alte Geschichte" geschrieben. Mein Freund hat es geschafft, trocken zu werden. Jetzt ist er mein Ex-Freund. Tolle Sache - aber was nützt es?

Ich denke, es ist so eine Vorstellung, die viele Frauen, davon abhält, sich von ihrem Partner zu trennen: Dann trennen wir uns, ausgerechnet kriegt er dann einen Rappel und kann mit dem Zeug aufhören und die nächste Partnerin hat dann den tollen Mann (der er ja meisten ist - wenn nüchtern).

Insoweit schilderst du jetzt im Prinzip den gefühlstechnischen GAU und noch schlimmer - du sollst es auch noch schuld sein, dass er früher getrunken hat. Elahase, ich glaube aber nicht, dass das alles so ist, wie er das darstellt. Meiner Meinung nach, hast du ihm weder die Flasche angesetzt, noch ihn dazu überredet oder ihn dazu gepresst. Ich denke, das war er allein und meiner Meinung nach ist das Verhalten, die Schuld immer noch bei wem anders zu suchen noch ein ziemlich "nasses" Denken. Vielleicht ist das auch der Punkt, der Martin zu der Frage bewegt, ob du sicher bist, dass er jetzt trocken ist.

Natürlich war es auch dein gutes Recht für dein persönliches Glück und deine Harmonie Wünsche zu äußern. Überraschung - es soll Frauen geben, die tatsächlich nicht gerne neben einer Fahne wachwerden! Es soll Frauen geben, die das artikulieren. Und selbst wenn alles, alles perfekt gewesen wäre, selbst dann wäre es dein gutes Recht gewesen, weg zu gehen - wenn das Gefühl nicht mehr stimmt. Sogar das soll vorkommen.

Meiner Meinung nach sind diese ganzen Schuldzuweisungen Ausreden von jemandem, der verzweifelt einen Grund sucht, warum es mit der früheren Partnerin nicht geklappt hat und warum es mit der jetzigen klappen muss. Wenn es derzeit den Anschein hat, dass seine Bäume schnurgerade in den Himmel wachsen - dann kann das stimmen, es kann aber auch sein, dass er etwas schönredet, um Verlorenes zu rechtfertigen. Müsst Ihr Euch denn überhaupt noch sehen? Wenn es dich quält, warum musst du dir dieses Gefasel überhaupt antun? Wäre ein klarer Cut nicht weiter besser, wenn es dir mit der Situation vorher ganz gut ging?

Das fragt mit Gruß
Honeymaker

Elahase
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Beitrag von Elahase » 29.08.2017, 21:06

Danke für eure Rückmeldung!

Also trocken ist er auf keine Fall! Ich weiß, dass er dem Alkohol nicht abgeschworen hat. Ich habe ihn auf Grillabenden bei Freunden ja selbst gesehen, neulich war er auf einem Saufwochenende mit Freunden, auf Weinfesten etc. In zwei Wochen fährt er mit Freunden nach Malle...um dort zu saufen.
Das ist für ihn ein normaler Umgang mit Alkohol, das macht sein ganzer Freundeskreis so....mindestens einmal am Wochenende richtig voll sein, gehört für die dazu.

Er behauptet nur, dass es jetzt nicht mehr so schlimm ist wie früher. Das er stärker geworden ist, selbstbewusster, lebensfroher. Auf der Arbeit singt man angeblich Lobeshymnen über ihn...Angeblich braucht er den Alkohol nicht mehr, um den Stress mit mir zu kompensieren.

Während ich das schreibe, merke ich selber wie absurd das ist...

Er stellt es so hin, als würde ich ihn in die Alkischublade stecken ( so hat er es formuliert), nur weil er früher ein paar mal Abstürze hatte und zieht das ins lächerliche.

Ich kriege nur diese nagenden Selbstzweifel nicht aus mir raus...er hat mir das jetzt über Jahre so eingetrichtert. Im Grunde ist in den letzten Jahren nichts so gelaufen, wie ich mir das gewünscht habe und trotzdem ging es in seine Augen nur um mich....ich habe angeblich nur Druck aufgebaut, ich wollte dieses und jenes und immer alles perfekt haben. Das mit dem Perfektionismus stimmt, da hat er recht. Nach außen hin sollte alles perfekt sein, weil es im inneren in Wahrheit eine Katastrophe war.
Dabei wollte ich eigentlich nur in Ruhe leben.

Aber immer wenn es wieder gut lief zwischen uns, kam wieder ein Absturz, jedes mal schlimmer und verletzender. Und jedes Mal habe ich länger gebraucht, um mich davon zu erholen. Bis ich es irgendwann nicht mehr könnte.

Seltsamerweise ist dieser Wunsch nach Perfektionismus mittlerweile bei mir völlig abgeklungen.

Nur der Wunsch, ihm das alles begreiflich zu machen und ihn zur Einsicht zu bringen ist momentan stärker als je zuvor.

Aurora
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Beitrag von Aurora » 29.08.2017, 21:50

Hallo Ela,

ich habe die Erfahrung gemacht das Menschen, die so auf den Busch klopfen wie dein Ex, ziemlich tief unten sitzen und voller Unsicherheit sind. Unzufrieden mit allem, vor allem mit sich selbst und ihrem Leben. Sie müssen sich groß machen, weil sie sich klein fühlen.

Und weil das so schwer alleine auszuhalten ist wird ein Blitzableiter gesucht. Und das bist in diesem Fall du. Wahrscheinlich warst du es schon während eurer Ehe. Ein gutes Opfer zum Schuld abladen. Zum Kleinmachen. Vielleicht ist das seine Neue nicht? Mal reine Spekulation... wer weiß, wie es da läuft. Kann dir ja auch egal sein.
Nur der Wunsch, ihm das alles begreiflich zu machen und ihn zur Einsicht zu bringen ist momentan stärker als je zuvor.
Das kenne ich! Ich habe es damals nach der Trennung von meinem Exmann auch so gemacht. Ich wollte ihm einfach begreiflich machen, wie sehr ich auch gelitten hatte, was ich alles ausgehalten hatte... Ich wollte einfach dass er mal sagt, was ich doch für eine tolle Frau wäre. Und dass ich nicht Schuld gehabt hätte...

Da warte ich heute noch drauf bzw. ich warte nicht mehr drauf. Jetzt ist es mir schon lange nicht mehr wichtig. Ich war während der Ehe schon Schuld an allem, danach war ich es immer noch. Da konnte ihn nichts von abbringen. Und das ist bis heute so.

Das ist einfach ein Lernprozess. Denn du bist nicht Schuld an was. Wenn du so eine Böse bist, hätte er sich doch auch schon viel eher trennen können, oder?

Es ist ein Lernprozess, wie gesagt. Einfach zu sagen, "ich will das nicht mehr hören." "Lass mich in Ruhe damit." Dich aus solchen Situationen sofort zu entfernen, wenn er dir so kommt. Das hilft!

Ich habe das probiert und mache es noch heute so. Denn mein Ex kriegt auch noch manchmal so Attacken :evil: . Wir haben ja ab und an Kontakt, wir haben einen erwachsenen Sohn. Aber auch momentan gibt es zwischendurch Berührungspunkte, es geht es um den Rentenausgleich. Ich beziehe seit letztem Jahr eine Rente und da muss jetzt noch einiges geklärt werden. Wir sind seit 2010 geschieden.

Diese Selbstzweifel und Wahrnehmungsstörungen sind hartnäckig :evil: . Zu lange sind sie dir eingetrichtert worden. Es gibt aber Mittel dagegen.
Du kannst dir aufschreiben oder immer wieder sagen:

Ich bin nicht Schuld
Ich habe nicht für das Wohlbefinden anderer (außer mein kleines Kind) die Verantwortung
Ich darf mich für mein Glück entscheiden
Ich habe viel geleistet
Ich leiste viel
Ich habe ein Recht darauf, glücklich zu sein
Ich darf mich entscheiden und diese Entscheidung auch leben
Ich darf Entscheidungen auch revidieren
Ich kann die Gedanken anderer Leute nicht beeinflussen
Ich kann in keinen Kopf gucken außer in meinen
Nicht jeder muss mich lieb haben
Es ist unmöglich, dass jeder mich mag
Ich bin aber trotzdem eine tolle Frau
Ich darf meinen Augen trauen, meinen Gefühlen und meiner Wahrnehmung
Ich kann meinen Wahrnehmungen trauen, denn mein Gefühl ist für mich richtig

oder all solche Sätze. Denn da ist viel dran!

Liebe Grüße
Aurora

Martin

Beitrag von Martin » 29.08.2017, 22:50

Hallo ElaHase,

entschuldige dass ich eben fast lachen musste,
Er behauptet nur, dass es jetzt nicht mehr so schlimm ist wie früher. Das er stärker geworden ist, selbstbewusster, lebensfroher. Auf der Arbeit singt man angeblich Lobeshymnen über ihn...Angeblich braucht er den Alkohol nicht mehr, um den Stress mit mir zu kompensieren.
aber das glaubt er bestimmt auch noch :lol:

Wenn er den Alk nicht mehr braucht, weshalb trinkt er ihn dann in dieser Menge ?

Lass dich nicht auf den Arm nehmen, diese Worte sagen doch alles.

LG Matin

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