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Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Elly
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Elly » 29.01.2020, 14:30

Hallo Cadda,

Deine Schilderung trifft es sehr gut... Wie lange wusste ich, dass ich krank bin. Habe mich
bemitleidet und weiter getrunken/gelitten...

Wenn ich genau wie Du, gewusst hätte wie gut es mir tut, einen klaren Kopf zu haben,
hätte ich auch viel früher aufgehört.

Aber es ist schwierig einem kranken Körper klar zu machen, was der Kopf schon länger
weiss...

Und doch ist es zu schaffen, darüber bin ich noch heute dankbar und schaue stolz
auf 7 Jahre Trockenheit zurück.

LG Elly

Cadda
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Cadda » 10.02.2020, 10:07

Guten Morgen,

Elly, auf 7 Jahre Trockenheit kannst Du auch zurecht stolz sein. Zum Glück empfinde ich auch so etwas wie Stolz und Dankbarkeit. Wenn man nur traurig und wütend darüber wäre, wie viel Zeit man verschenkt hat, wäre das ganz schön deprimierend. Es ist gut, auch das Positive zu sehen, was wir durch unsere Entscheidung, trocken zu leben, erleben können/dürfen.

Ich bin zur Zeit auf einem guten Weg, wo ich bestimmte Situationen ruhiger regeln kann. Gerade gestern wurde meine Art (schnell auf 180 sein) sehr auf die Probe gestellt:

Ich hatte Ärger mit meinen Jungs. Mein Kleinerer (11) und sein Freund, waren vor einer Woche auf einer Koppel unterwegs und haben ein Reh „getroffen“. Haben es beobachtet, bis es irgendwann weglief. Kurz danach hörten sie Schüsse. Sie haben sich dann ausgemalt, dass der Jäger bestimmt das arme, niedliche Reh abgeschossen hat, obwohl es nichts getan hat. Sie haben sich zu dann wohl reingesteigert, wie gemein das alles ist und wozu es die „blöden Jäger“ gibt und dann haben sie RICHTIG Mist gemacht, nämlich: Eine Scheibe im Jägerhäuschen eingeschlagen. Dämlich wie sie waren, mit der bloßen Hand. Ich bemerkte letzte Woche, dass er eine Stelle hat und mein Sohn meinte, er hätte einen Fahrradunfall gehabt und ist unglücklich auf den Stein geknallt. Der Kumpel hat seiner Mutter aufgetischt, er hätte sich an der Fahrradkette geschnitten.

Jedenfalls haben sie wohl kurze Zeit später Schiss bekommen und dann meinen Größeren (gerade 13 geworden) geholt und ihn gebeten, ihnen zu helfen, die Scheibe komplett rauszuhauen, damit sich keiner weg tun kann und es nicht so auffällt.

Naja, lange Rede, kurzer Sinn: Die Jägersfrau hat natürlich alles gestern entdeckt, sich umgehört im Dorf bei den Kindern und mitbekommen, dass mein Sohn ne Verletzung hat. Sie hat dann 1 und 1 zusammen gezählt und stand gestern Morgen bei meinem Ex-Mann auf der Matte.

Die Kinder haben es direkt zugegeben. Ich fing natürlich (jedenfalls für mich) an zu brüllen, wie sie darauf kommen, Sachen zu zerstören usw. Mein Lütter war weiß wie ne Wand, fing an zu weinen und berichtete mir die Sache wie oben beschrieben. Ich hab mich dann selbst gebremst und bin den Rest des Tages in der Angelegenheit komplett ruhig geblieben. Mein Ex-Mann, der noch schneller auf 180 ist, als ich, ebenfalls... dadurch, dass meine Jungs es eher gewohnt sind, dass man ihnen direkt den Marsch bläst in solchen Dingen, waren umso beschämter, als wir so ruhig geblieben sind. Hatte ich das Gefühl.

Nun ja. Sie mussten sich natürlich bei dem
Jäger-Ehepaar entschuldigen und erklären, was sie sich dabei gedacht haben. Sie haben dann mit ihrem Papa alles aufgeräumt und eine Holzplatte vor das Loch genagelt, bis die neue Scheibe eingebaut ist. Sie müssen sie sich natürlich zu Dritt von ihrem Taschengeld teilen. Jeder 25 Euro, ist für die natürlich viel Geld, aber nützt ja nichts. Ich hoffe, sie lernen aus der Sache.

Für mich selbst lerne ich, dass ich die Situation erfolgreicher gemeistert habe, als wenn ich einen Ausraster bekommen hätte. Ich werde es wohl nie ganz anstellen können und fahre bei Kleinigkeiten halt oftmals aus der Haut, indem ich mal laut rummotze. Aber gerade wichtige Dinge versuche ich überlegter zu regeln. Das gelingt mir nicht immer... aber immer öfter :-D

Ansonsten geht’s mir wirklich gut. Ich bin zufrieden.

Cadda

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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Elly » 13.02.2020, 01:38

Hallo Cadda,

ein Lausbuben Streich... :lol: Nach einiger Zeit werdet Ihr bestimmt drüber lächeln oder sogar
lachen können!

Aus mancher Mücke wird ein Elefant gemacht. Klar, man regt sich erstmal auf, aber es
gibt soviel Schlimmeres. Nicht wahr?

Und es ist nun mal so, dass man schwer aus seiner Haut kann. Aber wir arbeiten immerhin
an uns! :wink:

Schön, dass es Dir gut geht, sowas lese ich gerne!!!

LG Elly

Cadda
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Cadda » 13.02.2020, 06:27

Guten Morgen Elly,

klar gibt es Schlimmeres und ich musste auch an dem
Tag schon etwas lachen (natürlich nicht vor den Jungs), weil es irgendwie herrlich war, wie sie zusammen gehalten haben und weil man zwangsläufig daran denkt, was man selbst als Kind so gerissen hat :-)
Gerade ihr Vater war nicht ohne und das hatte die Jägersfrau auch noch sehr gut in Erinnerung und hat sich nicht gescheut, das vor den Jungs zu sagen. Nach dem
Motto „na, kein Wunder. Euer Vater hat ja früher auch nur Blödsinn gemacht“... na toll... :-)

Ja, mir geht’s wirklich gut. Ich bin natürlich vor allem glücklich, dass ich trocken bin und es mir damit so gut geht. Meine Kinder kommen mit ihrem Vater wieder besser aus. Wir konnten die Schwierigkeiten aus dem vergangenen Jahr auch gut meistern und sind nach wie vor befreundet. Meine Arbeit macht mir auch immer wieder aufs Neue Spaß und außerdem treffe ich mich seit einiger Zeit mit Jemanden, wo es auch in eine gute Richtung geht.
Ja doch, ich bin glücklich :-)

MieLa
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von MieLa » 13.02.2020, 20:43

"Ja doch, ich bin glücklich :) "

Klasse :lol:

Cadda
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Cadda » 27.02.2020, 20:16

Hallo und guten Abend,

ich bin etwas traurig darüber, dass eine allgemeine Auseinandersetzung in diesem Forum dazu geführt hat, dass sich eine Userin abgemeldet hat, die ich sehr gern gelesen habe. Offensichtlich weil sie etwas missverstanden hat. Ich habe ihr noch eine Nachricht geschrieben, aber die kam wohl nicht mehr an.
Wenn sie das hier lesen kann, wäre es schön, wenn sie es sich noch einmal anders überlegt, denn alles was geschrieben wurde, war absolut nicht auf sie gemünzt...

Meld Dich hier bitte wieder, das wäre schön!

Das nur mal vorweg....

Ansonsten geht es mir gut. Ich bin gerade dabei, mich auf eine Beziehung einzulassen und hab diesmal wirklich ein gutes Gefühl. Man passt ja ganz anders auf, als früher. Es muss passen, auch bezüglich meiner Alkoholkrankheit.
Aber ich lass mir Zeit, bevor es was Offizielles wird. Wir treffen uns seit Anfang Oktober und ich werde es weiterhin sehr langsam angehen lassen.

Meine Arbeit macht mir so großen Spaß, das freut mich wirklich wahnsinnig. Es ist so viel Wert, gern zur Arbeit zu gehen, aber ich glaube, das erwähnte ich bereis :-)

Cadda
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von Cadda » 10.03.2020, 06:19

Guten Morgen,

eine neue Woche beginnt (für mich immer Dienstags, da ich Samstags arbeite und somit meine freien Tage Sonntag und Montag sind). Lange Zeit schon schlage ich mich mit dem Thema Suchtverlagerung Süßigkeiten herum. Vor gar nicht langer Zeit wollte ich das dann konsequent weglassen (hab ich schon mal geschafft), doch nach ein paar Tagen bin ich eingeknickt und bin umgeschwenkt auf die Variante „weniger“. Wie beim Alkohol damals bin ich natürlich gescheitert und es war die letzten Tage genau so ekelhaft viel, wie am Anfang. Bringt also nichts. Deshalb habe ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, als meine Schwester mir sagte, dass sie ebenfalls konsequent verzichten möchte und bin mit eingestiegen. So kann man sich gegenseitig ein wenig motivieren :-)

Ich werde es wie beim letzten Mal machen: Mal ein helles Brötchen oder ein Joghurt, wo was in Maßen an Zucker drin ist, das ist erlaubt. Soweit gehen möchte ich nicht und das hat mir beim letzten Mal auch nicht geschadet. Aber Süßigkeiten (Kuchen, Schokolade, Kekse und Chips), das wird nun konsequent gestrichen. Ich hab es ja schon öfter vor gehabt, aber dieses Mal WILL und WERDE ich das durchziehen. Ich will mich besser fühlen.

Ansonsten geht es mir gut. Ich bin immer noch dankbar, dass ich keinen Alkohol mehr in meinem Leben habe. Bei Gedanken ans Trinken denke ich nach wie vor zu Ende. Ein Beispiel: Am Wochenende war ich im Stadion. Meine Jungs lieben Fußball und ich kann mich auch begeistern. Auf dem Weg vom Parkplatz dort hin Menschenmassem, viele davon gut gelaunt mit Bier in der Hand. Ich nehme das wahr und wenn ich dann daran denke, wie ich sowas früher genossen habe, dann denke ich

„und dann? NACH dem Stadionbesuch? Wie geht es weiter? Du trinkst. Zu Hause angekommen trinkst Du immer noch, bist abends total voll. Hast keine Ahnung, wie Du ins Bett gekommen bist. Alles dreht sich um den Alk, nicht mehr um das Spiel. Am nächsten Tag wachst Du auf und erinnerst Dich an einen schrecklichen Tag. Außer der ersten zwei Bier mit guter Laune auf dem Weg ins Stadion hast Du ausschließlich schreckliche Erinnerungen. Ist es das Wert? Wegen ner halben Stunde Euphorie-Gefühle? Nein!!!“

Also... weg war der Gedanke und der Tag war toll. Währenddessen konnte man sich auf das Spiel konzentrieren, mit den Kindern das Spiel durchkauen, hinterher schön etwas essen und abends den Tag mit einem schönen Film gemütlich auf dem Sofa beenden. Am nächsten Morgen wird man wach, denkt an einen schönen Tag zuvor und beginnt den neuen Tag zufrieden und dankbar.

Und nun muss ich aber aufstehen und arbeiten, obwohl ich gestehen muss, dass ich sehr viel Geld dafür bezahlen würde, wenn ich noch 3 Stunden schlafen könnte :-D

MieLa
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Re: Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Beitrag von MieLa » 10.03.2020, 06:35

Hallo Cadda,
ich wünsche dir eine gute Woche :D
Lieben Gruß
MieLa

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