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Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
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Cadda
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Beitrag von Cadda » 14.11.2017, 14:06

Hallo zusammen... Die ersten 10 Wochen sind geschafft. Ich guck bevor ich schreibe, immer nochmal nach, wie lange es jetzt genau ist :D
So richtig wichtig finde ich das nämlich nicht. Viel wichtiger ist, wie es in einem drinnen aussieht.

Es geht mir nach wie vor sehr gut. Ich bin unglaublich froh, denn die Albträume sind nur noch sehr selten. Das ist vermutlich ein Zeichen dafür, dass man sich nicht mehr ganz so sehr damit beschäftigt. Also das Thema beschäftigt mich natürlich immer noch ständig und ich denke oft darüber nach. Aber man gewöhnt sich so ganz langsam aber sicher daran, dass es ein Normalzustand ist, einen klaren Kopf zu haben und keinen Alkohol mehr zu trinken.

Ich manchmal erstaunt, wie viel Zeit man doch eigentlich hat. Was hat man doch bloß viel Zeit mit dem Saufen verdödelt! Man hat so viel Zeit mit saufen verbracht. Da hat man ja nebenbei manchmal noch telefoniert, geschrieben, Haushalt gemacht oder sonst was. Aber irgendwann, wenn nicht nur ein Glimmer vorhanden war, hat man natürlich nichts mehr gebacken bekommen. Das Trinken an sich war schon ein Zeiträuber. Aber die Zeit NACH dem Trinken, hat ja fast NOCH mehr Zeit geraubt. Wie oft lag man einfach nur im Bett und war fix und fertig... Die Kinder haben die Sachen, die sie allein erledigen können, oft wirklich allein erledigt. Das machen sie jetzt auch noch, aber ich bin DABEI. Ich bekomme viel mehr mit, dadurch macht alles viel mehr Spaß und hat auch einen viel besseren Ablauf. Ich schäme mich wirklich, wenn ich an die Zeit zurück denke, wo ich einfach nichts auf die Reihe bekommen habe, weil ich gerade einen Kater hatte. Widerlich!!!

Ich merke jetzt, wie sehr die Kinder aufblühen. Wie sie sich freuen, dass ich bei so vielen Sachen einfach nicht nur anwesend bin, sondern wirklich DABEI. Jetzt, wo ich sehe, wie sie sich verhalten, merke ich erst so richtig, wie der Unterschied zu vorher ist. Ich würde so gern die Zeit zurück drehen. Das ist im Moment wirklich etwas, was mich unendlich traurig macht. Ich hab so viel verpasst, weil ich einfach keinen Elan hatte. Ich hab so viel falsch gemacht, das ich heulen könnte.
Aber es hilft nichts. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen und die Vergangenheit kann ich nicht mehr nachträglich ändern. Aber die Zukunft kann ich mit gestalten und anders machen, besser machen!

Man sagt ja immer, es gibt an jeder Sache etwas Positives. Wobei ich daran nicht ganz glaube, denn ich hab genügend negative Sachen erlebt, bei denen mir nichts positives einfällt.
Bei der Sache mit dem Alkohol würde mir einfallen:
Man ist in der Lage, eine unglaubliche Freude darüber zu empfinden, dass man nun diesen trockenen Weg geht. Es macht einem wirklich bewusst, wie schön das Leben sein kann.

Was hat sich noch verändert? Ich merke, dass ich ETWAS, aber auch wirklich nur ETWAS geduldiger werde. Ich bin ein wirklich ungeduldiger Mensch. Mir platzt wirklich schnell der Kragen, wenn die Kinder Mist machen. Bei Kleinigkeiten könnt ich schnell ausflippen. Bei gravierenden Dingen leider nicht. Da ist meine Schmerzgrenze oft viel zu langsam erreicht. Ich tu mich schwer mit Entscheidungen und Veränderungen im großen Ausmaß, da bin ich leider geduldig wie sonst was.

Aber was die kleinen Dinge im Leben angeht, bin ich schnell außer Rand und Band :oops:
Das hat mich oft gestört, dass ich bei den Kindern z. B. zu schnell genervt bin und das wurde durch die schlechte, körperliche Verfassung durch den Alkohol, natürlich noch verstärkt. Das bessert sich langsam, das merke ich. Ich fühle mich körperlich gut, auch durch den Sport und dass ich wieder mein Normalgewicht erreicht habe und vor allem auch durch meine Psyche. Dadurch bin ich ausgeglichener und kann somit auch etwas mehr Geduld an den Tag legen. Das ist aber dennoch ausbaufähig. Ich arbeite daran 8)

Correns
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Beitrag von Correns » 16.11.2017, 20:59

Herzlichen Glückwunsch Cadda,

auf dass aus 10 Wochen 10 Monate werden.
Und dann aus 10 Monaten 10 Jahre.
Das hört sich nach einem riesigen Berg an.
Aber Dranbleiben ist eigentlich einfach.
Leider ist Nicht-Dranbleiben genauso einfach.
Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Dranbleiben.

Viele Grüße
Correns

Cadda
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Beitrag von Cadda » 16.11.2017, 22:45

Danke Correns, ja ich werde dran bleiben!!

Ich hatte heute das erste „richtige“ Gespräch bei der Suchtberatung. Ich war ein bisschen stolz hinterher. Die Dame sagte mir nämlich, dass ich das toll mache und sich bisher alles sehr gut anhört. Damit meinte sie z.B., dass sie es sehr positiv fand, dass ich direkt in den ersten Sätzen gesagt habe, dass ich Alkoholikerin bin. Sie meinte, viele würden in den ersten Terninen noch vieles „schön reden“ und es gehöre eine Menge dazu, dies so sicher auszusprechen.

Ja, ich muss sagen: Danke!!! Dass ich im Kopf soweit bin, das hab ich Euch zu verdanken. Dieses Forum hat mich im Vorfeld unglaublich sortiert und mir Klarheit verschafft.

Auch viele Dinge, die von der Dame kurz angesprochen wurden (Suchtdruck/Suchtgedächtnis/Belohnungs-Denken und so weiter) waren mir nicht unbekannt und somit konnte ich bei manchen Sachen gleich verstehen, worauf sie hinaus will oder was sie meint.

Demnächst sehe ich mir die Gruppe an und in der nächsten Woche habe ich nochmal einen Termin bei der Dame (heute war ich in der offenen Sprechstunde). Meine Anträge für die ambulante Therapie habe ich bereits da gelassen.

Ich freue mich :-)

Ernest
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Beitrag von Ernest » 03.12.2017, 19:10

Hallo Cadda

Hab ich Dich richtig verstanden, dass Du nach 10 Wochen die erste Suchtberatung besuchtest? Und auch die erste reale SHG? Und was waren denn Deine Beweggründe nach 10 Wochen?

Ich frage dies, da ich diesbezüglich immer noch unschlüssig bin.
bzw. noch keine Schritte eingeleitet habe.

Danke für eine kurze Antwort.

Ich wünsche Dir einen schönen Adventsabend.
Ernest

Cadda
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Beitrag von Cadda » 03.12.2017, 20:04

Hallo Ernest,

ja, also ich habe meinem Arzt von meinem Alkoholproblem erzählt und gleichzeitig gesagt, dass ich gern eine Therapie machen würde. Im Grunde genommen habe ich schon länger vor einigen Dingen in meinem Leben die Augen verschlossen und ich denke, es könnte nicht schaden, das etwas aufzuarbeiten. Anders herum denke ich aber auch, das das Hauptproblem, dass ich einige Sachen nicht richtig verarbeitet habe, der Alkohol war. Immer wenn ich traurig war, hab ich sofort erst Recht zur Flasche gegriffen.

Ich hab dann beim vorgeschlagenen Therapeuten keinen Termin bekommen, bin dann zeitgleich zu einer Suchtberatung, da war dann Urlaubsvertretung, dann wusste ich nicht so recht, in welchen Ort und irgendwann hatte ich dann eine nette Dame am Telefon, die aber auch vor ihrem Urlaub stand. Naja, bis ich dann die ausgefüllten Unterlagen vom Arzt und von der Krankenversicherung zurück hatte, ist ein wenig Zeit vergangen und ich war auch nicht gerade wahnsinnig flott, da ich das alles jetzt nicht so eilig empfunden habe.

Die ambulante Therapie (stationär möchte ich auf keinen Fall) wurde noch nicht bewilligt, wird sie aber sicherlich. Zur Suchtberaterin durfte ich aber direkt kommen und ich war jetzt insgesamt zwei Mal da und es soll erstmal alle zwei Wochen so laufen. Wenn dann alles andere genehmigt ist, dann kann ich auch an Gruppengesprächen teilnehmen.

Also ich hab das von Anfang an in meinem Kopf gehabt, für mich gehört es irgendwie dazu. Weniger wegen der Gruppengespräche, sondern eher wegen der Einzelgespräche. Es hilft mir auch. Also ich bin die beiden Male sehr gestärkt aus den Gesprächen gegangen. Allerdings erklärt sie mir sehr viele Dinge, die ich hier über die letzten Jahre schon gelesen habe. Ich bin oft - dank dieser Gruppe hier - mit meinen Gedanken schon voraus, wenn sie mir etwas erklärt. Ich merke dann schon, wenn sie anfängt, worauf sie hinaus will. Da merke ich immer, wie viel mir diese Gruppe bringt.

Ich hab jetzt irgendwie weit ausgeholt. So richtig beantworten kann ich Deine Frage nicht :-)
Warum? Ich hab irgendwie gesagt "Es kann ja nur helfen, nicht schaden" :D

Ernest
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Beitrag von Ernest » 03.12.2017, 20:37

Danke.
Ich werde vermutlich ausschließlich dieses Forum-Füllhorn beanspruchen. So viele Lebensweisheiten, Tipps und gute Gedanken.
Nach 10 Wochen Abstinenz - hoffentlich trifft dieser Zeitpunkt auch ein - kann ich nochmals über eine Therapie nachdenken.
lg
Ernest

Cadda
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Beitrag von Cadda » 06.12.2017, 09:02

Guten Morgen alle zusammen am Nikolaus...
ganz ohne Kater. Sonst habe ich einen Abend vorher immer die Gelegenheit genutzt, es mir mit Wein „gemütlich“ zu machen. Man musste ja schließlich eh lange wach bleiben, um Nikolaus zu spielen, indem man die Schuhe der Kinder befüllt. Die Vorbereitungen konnte man sich schließlich auch „nett“ machen... Das alles, um am nächsten Morgen, wenn die Kindee sich freuen, einen Kater zu haben oder womöglich kaum geschlafen- und noch Restalkohol zu haben.
Was für ein Jammer um die schöne Zeit!!!

Gestern bin ich einfach früh schlafen gegangen und hab mir den Wecker gestellt, um alles vorzubereiten. Heute Morgen waren schon alle Lichterketten und Kerzen an, als die Kinder zu ihrer Fensterbank freudestrahlend hin sind und das Frühstück war schon fertig und Weihnschtsmusik lief. Viel, viel schöner!!!!!

Na gut, gestritten und gemeckert werden musste später trotzdem noch, da will ich mal ehrlich sein :-)
Alles andere wäre auch zu viel Harmonie gewesen :-D

Aber: Es war alles viel toller, den Nikolaus Morgen nüchtern und mit klarem Kopf zu erleben.

Ernest noch einmal: Achte am besten genau auf Dich. Du wirst schon mit der Zeit für Dich entscheiden können, was Dir gut tut und was nicht.

Dante
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Beitrag von Dante » 06.12.2017, 14:37

Wir waren uns bei der Begründung zum Trinken für keinen Vorwand zu Schade, was Cadda? Bild

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