Spinn' ich oder was !?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit
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Tuschii
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Spinn' ich oder was !?

Beitrag von Tuschii » 01.10.2017, 13:04

Hallo zusammen,

seit gestern abend grüble ich darüber, warum ich mir und meinem Verstand so wenig über den Weg traue. Bzw warum ich mich so leicht verunsichern lasse.
Ein Beispiel...mein XY erzählt mir ständig, dass ich mein Leben nicht im Griff habe. Nix würde ich geregelt kriegen, dauernd irgendwas vergessen, wenn man ihn so reden hört, bin ich eigentlich gar nicht alleine lebensfähig. Die Fakten dazu: Jep, ich bin ein Schussel. Manchmal schleppe ich ein Rezept drei Tage lang in meiner Handtasche rum, bevor mir einfällt, Du wolltest doch in die Apotheke.
Ich bin Vollzeit berufstätige Mutter von zwei Kindern. Und ich habe, verdammt nochmal, alles im Griff.
Trotzdem, immer wieder zweifle ich an mir, weil XY dauernd an mir rummäkelt. Ich bin faul, chaotisch, zu dumm zu allem...und immer schlecht gelaunt. Und ich hinterfrage mich...stets und ständig. Vielleicht hat er ja recht!?
Und dann denke ich mir...Moment mal... was ist mit ihm!? Was kriegt er denn geregelt!? Selbst seine Krankmeldungen muß ich abschicken, weil er sich nicht in der Lage fühlt, einen Breifumschlag zu beschriften. Und dieser Mensch hält mir vor, ich hätte mein Leben nicht im Griff!?!?!? Mich macht das unglaublich wütend!!!
Warum also, nagen ständig diese Selbstzweifel an mir...nicht gut genug zu sein, viel zu viele Fehler zu haben...

Morgenrot
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Beitrag von Morgenrot » 01.10.2017, 22:24

Hallo Tuschii,

Herzlich Willkommen bei uns im Forum.
Ich bin Vollzeit berufstätige Mutter von zwei Kindern. Und ich habe, verdammt nochmal, alles im Griff.
davon bin ich überzeugt, wer das wuppt hat alles im Griff.
Lass dich nicht davon abbringen, und lass es nicht zu, das dir deine eigenen Wahrnehmungen abgesprochen werden.
Das tun nasse Alkoholiker oft, ich kenne das auch. Sie machen andere nieder, oft genug dann, wenn das Thema mal wieder der Alkohol ist.
Dann "brauchen" sie dieses niedermachen um von sich abzulenken.
Selbst seine Krankmeldungen muß ich abschicken, weil er sich nicht in der Lage fühlt, einen Breifumschlag zu beschriften.
Mach das nicht, er hat die Verantwortung für sich. Früher hab ich das auch gemacht, heute ist es mir egal, wie er den Umschlag beschriftet.
Er sät die Selbstzweifel um dich dich klein zu machen, damit er sich scheinbar über dich stellen kann.
Du bist genug und gut so, wie du bist
Du bist nicht perfekt hast deine Fehler, wie eben jeder andere Mensch auf dieser Welt auch.


lg Morgenrot

Katrienchen
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Beitrag von Katrienchen » 02.10.2017, 08:09

Er sät die Selbstzweifel um dich dich klein zu machen, damit er sich scheinbar über dich stellen kann.
jepp genauso ist es!
Kenne das leider auch. ist einfacher über die "Probleme" anderer zu reden, als über die eigenen ;)

Aber erstmal: Herzlich Willkommen hier im Forum :)

Tuschii
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Beitrag von Tuschii » 02.10.2017, 14:39

Dankeschön, Katrienchen und Morgenrot. Es ist gut, hier zu sein. Ich lese schon eine Weile mit...es ist ein gutes Gefühl, dass da Menschen sind, die genauso schräg sind, wie man selbst. Da fühlt man sich gleich eine Ecke weniger schräg. :D

Ist wirklich so, dieses Niedermachen. Oft Dinge, da muß ich echt nochmal nachfragen, weil ich mir denke 'Das kann er jetzt unmöglich ernst meinen'. Meint er aber. Das Erklären, mich rechtfertigen, dagegenreden, habe ich mir inzwischen abgewöhnt. An guten Tagen nicke ich und antworte freundlich 'Wie Du meinst', an weniger guten Tagen gehe ich einfach darüber hinweg.
Ok, an miesen Tagen, wie vorgestern, fahre ich halt heulend mitten in der Nacht eine Runde mit dem Auto und sage mir immer wieder ganz laut vor, dass ich nicht das bin, als was er mich den Abend über bezeichnet hat.

LG
tuschii

Leah
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Beitrag von Leah » 02.10.2017, 16:47

Hallo an euch zusammen,

ja, das niedermachen kenne ich auch, zur Genüge. Bin ich gut drauf, meint er, mir eine reinwürgen zu müssen, damit ich schlechte Laune bekomme. Oder er sagt mit Absicht irgendetwas verletzendes zu mir oder schreit einfach rum. Am Anfang hat sein Verhalten mich oft runtergezogen, mittlerweile gehe ich nicht mehr darauf ein und lasse ihn einfach. Obwohl das nicht immer einfach ist, darüber hinwegzusehen. Denn im Inneren brodelt es oft in mir und bringt eine Wut auf ihn zutage, das ist erschreckend für mich, weil ich so nicht bin. Er ist zwar anwesend, aber irgendwie doch nicht. Ich habe oft das Gefühl, obwohl er da ist, fühle ich mich alleine. Verbringe ich mal einen Tag ohne ihn, weil er keine Lust hat, mit mir zusammen was zu unternehmen oder er lieber bis mittags im Bett bleiben will, bekomme ich am nächsten Tag die Quittung und er rächt sich an mir. Er bleibt dann mit Absicht lange weg und meldet sich nicht. Ich weiß dann nicht, wo er ist oder was er macht. Ich telefoniere ihm jedenfalls nicht hinterher. Ich hab dann das Gefühl, als existiert er nicht. Nach außen hin kann er so nett und freundlich sein und zu Hause dreht er sich oft um 180 Grad. Das finde ich erschreckend und würde mir niemand glauben. Bringe ich ihm nicht genug Aufmerksamkeiten entgegen, fallen ihm Geschichten ein, da denke ich oft, ich bin im falschen Film. Ich versuche oft, ihn zu verstehen oder mit ihm zu reden, wieso er so viel trinkt. Er sagt nichts dazu und ich fühle mich, als laufe ich gegen eine Wand und pralle dort ab. Ich sage dann nur, mach mal weiter so, ist dein Leben und du bist dafür verantwortlich.

Liebe Grüße
Leah

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